Und was hat das mit mir zu tun? Herausforderungen, Potenziale und Strategien der Denkmalvermittlung

Zwischen Bewahren, In-Wert-Setzen und (Neu)Verhandlung von Bedeutungen und Relevanz für die Gegenwart

Artikel-Metadaten

von Birgit Mandel

Erscheinungsjahr: 2026

Peer Reviewed

Abstract

Der Artikel bietet einen umfassenden Überblick zu Herausforderungen, Chancen, unterschiedlichen Zielen und Strategien in der Vermittlung von gebautem Kulturerbe. Betont wird eine holistische Sicht auf Vermittlung, die vom Aufmerksamkeitsmanagement bis zu Anregungen kultureller Selbstbildungsprozesse im Kontext von Kulturerbe reicht mit dem Ziel, gegenwartsnahe und subjektiv relevante Zugänge zu ermöglichen. Voraussetzung dafür ist ein Verständnis von Denkmalvermittlung, das unterschiedliche Deutungen und Perspektiven auf Kulturerbe weit über fachwissenschaftliche Perspektiven und kanonisierte Erzählungen hinaus zulässt und die Neu-Verhandlung gemeinsamer Erinnerungskultur stark macht.

Einführung

Denkmäler sind im öffentlichen Raum und in touristisch erfahrenen Räumen allgegenwärtig und bieten vielfältige Potenziale für kulturelle Bildungsarbeit: Die Zugänge sind eher niedrigschwellig, die Besonderheit und Monumentalität vieler Denkmäler sorgt für eine hohe ästhetische und emotionale Attraktivität, und vor allem alten Denkmälern wird dabei ein hoher gesellschaftlicher Wert beigemessen. Dennoch ist das Thema Denkmalvermittlung im Fachdiskurs der Kulturvermittlung und Kulturellen Bildung bislang unterbelichtet.

Für eine intensivierte Auseinandersetzung mit Fragen der Vermittlung von Denkmälern und kulturellem Erbe sorgte erstmalig das European Year of Cultural Heritage 2018 (Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz – DNK – 2018). Mit der Etablierung eines ersten Preises für Denkmalvermittlung 2022, einem ersten Forschungsbericht zum Status Quo der Denkmalvermittlung (DNK/Krieger 2022 in Kooperation mit Institut für Kulturpolitik Universität Hildesheim), einer ersten Resolution zur Denkmalvermittlung (Potsdamer Appell zur Denkmalvermittlung 2022) sowie einer ersten Tagung zum Verhältnis von Kultureller Bildung und Denkmalpflege in Kooperation mit dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz, dem Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel im Juli 2025 wurde der Stellenwert von Vermittlung gestärkt. 

In der Praxis gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für die Vermittlung von Denkmälern, die auf verschiedene Intentionen und Kontexte hinweisen: Denkmalpädagogik und Denkmalbildung, baukulturelle Bildung, Vermittlung kulturellen Erbes und Denkmal-PR und Denkmalvermittlung als übergreifendem Begriff. 

In diesem Artikel wird von einem holistischen Verständnis von Vermittlung ausgegangen, das die verschiedenen Ebenen der Kommunikation, Vermittlung und Verhandlung im Kontext von Denkmälern strategisch zusammen denkt: von der PR/Öffentlichkeitsarbeit über Formate der Wissensvermittlung bis zu Ansätzen Kultureller Bildung einschließlich partizipativer Prozesse der In-Wert-Setzung, der Mediation, Verhandlung und (Neu-)Interpretation. Dafür bietet sich der Begriff der Vermittlung als ein weiter und tendenziell eher neutraler Begriff an.

Potenziale von Kulturerbe-Stätten und Denkmälern

Hohes Interesse und Wertschätzung von Kulturerbe

Denkmalbesuche waren laut einer europäischen Studie von 2017 die dritthäufigste kulturelle Aktivität der Menschen in Europa nach Bücherlesen, Fernsehen und Radiohören (Europäische Kommission 2017). Diese Attraktivität des Kulturerbe-Sightseeings, so ist zu vermuten, ist weiterhin hoch.

Die hohe Wertschätzung für Denkmalpflege zeigte auch eine Bevölkerungsbefragung in Deutschland von 2015: Für 67% der Bevölkerung waren vor zehn Jahren gut erhaltene alte Gebäude sehr wichtig bzw. wichtig für die Lebensqualität (deutlich wichtiger als z.B. der Besuch von Museen, Theatern, Konzerten). 76% der Bevölkerung würde etwas fehlen, wenn es keine älteren und historischen Gebäude mehr gäbe. Dabei steigt die Wertschätzung für historische Gebäude mit dem Lebensalter. 75% der Befragten hatten im Vorjahr Denkmäler und historische Bauten besucht (forsa/Zeit-Stiftung 2015).

Diese Zahlen korrespondieren mit dem positiven Image von Museen als Stätten zur Wahrung kulturellen Erbes, wie es sich auch in aktuellen Befragungen zeigt: 82% der Bevölkerung betrachten Museen als „Hüter des Erbes unserer Zivilisation“; 80% halten Museen für „vertrauenswürdig und zuverlässig“ und einen „sicheren Hafen in unruhigen Zeiten“ (Sentomus 2024; Institut für Museumforschung 2024).

Kulturelles Sightseeing als fester Bestandteil der touristischen Rolle

Hohes persönliches Interesse an Kulturerbe-Stätten zeigt sich vor allem in touristischen Kontexten. Ca. 75% der Bevölkerung in Deutschland besuchen regelmäßig Denkmäler und historische Bauten auf Ausflügen und auf Reisen (Otte 2019). 68% der Befragten im Eurobarometer stimmten der Aussage zu, dass Kulturerbe positiven Einfluss auf ihre Entscheidung für eine Reisedestination hat (Europäische Kommission 2017). 

In der Rolle als Tourist*in interessieren sich fast alle Menschen für kulturelles Sightseeing, Kulturerbe und Denkmäler (Mandel 2012). Auch wenn nur wenige Tourist*innen ihre Reise explizit als Kulturreise bezeichnen, gehören fast alle zu den „Gelegenheits- und Zufalls-Kulturtourist*innen” (Antz 2008; Pröbstle 2014). Oft entscheiden sie sich erst spontan vor Ort für die Besichtigung eines Denkmals bzw. einer kulturellen Sehenswürdigkeit. Umso mehr sind sie dann auf eine Vermittlung angewiesen, die wenig Vor- und Fachwissen voraussetzt und vielfältige Anknüpfungspunkte zu den eigenen Lebenswelten herstellt.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass Kulturerbe-Stätten und Denkmäler grundsätzlich ein sehr positives Image in der Bevölkerung haben, dass sie von vielen vor allem in touristischen Freizeitkontexten wahrgenommen werden und damit vielfältige Potenziale für kulturelle Selbstbildungsprozesse bieten.

Was macht Kulturerbe-Stätten wie Schlösser und Gärten und andere architektonische Denkmäler dafür so geeignet? Sie sind niedrigschwellig, sichtbar und zugänglich im öffentlichen Raum und erfahren eine positiv konnotierte Nutzung im Kontext von Freizeitorten. Die Ästhetik, Monumentalität und emotionale Erfahrung historischer Räume, die visuellen Reize, die Historizität und Authentizität von Denkmälern kann Neugierde und Interesse für Geschichte wecken und Lernen mit allen Sinnen ermöglichen.

Bau-Denkmäler bieten Anknüpfungspunkte für unterschiedliche Interessen, von Handwerk/Technik über Kulturgeschichte bis zu Architektur und Kunst. Mehr noch können Kulturerbe-Stätten für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren und Wissen über die globale Verflechtung von Gesellschaften durch Migration vermitteln. Damit sich diese Orte in ihren verschiedenen Bedeutungsebenen erschließen, braucht es jedoch auch Vermittlung auf den verschiedenen Ebenen. 

Herausforderungen für Kulturerbe-Stätten

Den Potenzialen von Kulturerbestätten stehen einige Probleme und Herausforderungen gegenüber: Denkmäler sind durch Kriege und Klimawandel, aber auch durch Massentourismus und „over-tourism“ zunehmend gefährdet. Die Frage nach möglichst breiter Zugänglichkeit steht der Herausforderung nach Besucher-Lenkung und der In-Wert-Setzung alternativer, weniger besuchter kultureller Sehenswürdigkeiten gegenüber.

Ein dauerhaftes Problem von Denkmälern ist der Konflikt zwischen Bewahrung und gegenwärtiger Nutzung: Inwiefern dürfen etwa historische Parkanlagen genutzt werden als Freizeitorte für Radfahren, Spielen oder Picknicken? Dies könnte den historischen Bestand gefährden, ist aber gleichzeitig eine Form der aktiven Aneignung und gegenwärtigen Nutzung von Denkmälern (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten o. J.).

Eine weitere Herausforderung liegt in der unterbrochenen Enkulturation vieler Bewohner*innen in das Kulturelle Erbe des westlichen Kulturraums, u.a. durch demografische Veränderungen und Migration. Kenntnisse über bestimmte kulturelle Epochen und kulturhistorische Grundlagen etwa des Christentums, deren Relikte sich in vielen Denkmälern finden, können nicht mehr vorausgesetzt werden (Welzel 2018). Umgekehrt brauchen Vermittler*innen Kenntnisse darüber, in welchem Spannungsverhältnis Denkmäler zu nicht-westlichen Kulturräumen stehen und inwiefern sie auch als machtvolle Strukturen gelesen werden können, die Widerstände auslösen. 

Damit verbunden ist die zunehmende Infragestellung eines westlich dominierten kulturellen Kanons und kulturellen Erbes und die postkoloniale Kritik am universalistischen Ansatz von Kulturerbe (vgl. https://www.criticalheritagestudies.org).

Insgesamt wird die Deutungshoheit einer kleinen fachwissenschaftlichen Öffentlichkeit bei der Bestimmung von Denkmalwürdigkeit, der Definition von Kriterien und der alleinigen Hoheit über die Interpretation von Denkmälern infrage gestellt (Scheurmann 2012, 2021). 

Eine eher enge, fachwissenschaftliche Interpretation von Denkmälern verhindert Zugänglichkeit und Relevanz in der breiteren Bevölkerung und forciert die Frage: Und was hat das eigentlich mit mir zu tun?

So lautet z.B. die offizielle Begründung für den Weltkulturerbe-Status der Hildesheimer romanischen Kirche St. Michael wie folgt: „Im Langhaus wechseln vier Eckpfeiler mit paarweise gekoppelten, Würfelkapitelle tragenden Rundstützen ab. Dieser einem bis dahin unbekannten Rhythmus folgende Stützenwechsel war eine der erfolgreichsten Erfindungen der ottonischen und romanischen Kunst und Architektur im Mittelalter" (Deutsche UNESCO Kommission o. J.) – Was für Kunsthistoriker*innen den „outstandig universal value“ ausmacht, dürfte sich für die breite Bevölkerung kaum erschließen.

Häufig wird in diesem Zusammenhang auf die von Deutschland nicht ratifizierte Faro-Konvention des Europarates von 2005 verwiesen, die nicht nur eine breit angelegte Vermittlung von Kulturerbe fordert, sondern auch eine stärkere Mitbestimmung der Bevölkerung über das, was als denkmalwürdig erhalten bleiben soll und dessen Interpretation (Council of Europe 2005). 

Intersubjektiv abgesichertes, fachwissenschaftlich fundiertes, kanonisiertes und universalistisches Wissen über Kulturerbe steht subjektiven Perspektiven und Storys, medialer Fiktionalisierung, persönlichem Involvement, aber auch Geschichte von unten sowie nicht-westlichen und transkulturellen Deutungen gegenüber.

Wie lassen sich Kulturerbe-Stätten auf Basis historischer Forschung und unter Denkmalschutz-Kriterien spannend, nahbar, gegenwärtig und zugleich multi-perspektivisch und dialogisch vermitteln und reflektieren? – das ist die zentrale Frage für die professionelle Denkmalvermittlung.

Sharing Cultural Heritage – partizipative Denkmalvermittlung in globalen Kontexten und in einer diversen Gesellschaft  

Denkmalwürdigkeit wird in der Regel durch Denkmalfachbehörden untersucht und bescheinigt und damit als quasi objektive Qualität ausgewiesen. Dass es einen solchen universalistischen Wert eines Denkmals, wie er auch durch das Weltkulturerbe-Siegel suggeriert wird, nicht per se gibt, sondern Werte und Interpretationen von Denkmälern immer Zuschreibungen einer bestimmten Zeit und Gesellschaft sind, sollte Bestandteil von Denkmalvermittlung sein.

„Kulturerbe ist in einer kritisch-kulturwissenschaftlichen Lesart das Ergebnis eines Prozesses von Zuschreibungen und inszenierenden Praktiken, die Wertigkeiten generieren.“ (Tauschek 2013, S. 28)

Dass Kulturerbe nicht für sich selbst spricht, sondern Vermittlung braucht, gilt inzwischen als selbstverständlich. Vor allem die UNESCO-Welterbestätten haben ihren Bildungs- und Vermittlungsauftrag verbindlich festgeschrieben: „Die Vertragsstaaten bemühen sich unter Einsatz aller geeigneten Mittel, insbesondere durch Erziehungs- und Informationsprogramme, die Würdigung und Achtung des […] Kultur- und Naturerbes durch ihre Völker zu stärken“ (Artikel 27 Abs. 1 der Welterbe-Konvention). Dieser Auftrag wurde durch die Deutsche UNESCO Kommission noch erweitert:

„Sie sind Stätten der Bildung, an denen Kinder und Jugendliche den interkulturellen Zugang zur eigenen Geschichte, zur Geschichte anderer Völker und zur Geschichte der Erde erleben, kreativ gestalten und erlernen können“, so die ergänzende deutsche Resolution zum Vermittlungsauftrag (Deutsche UNESCO Kommission 2006).

Welterbestätten sollen nachhaltig bewahrt werden, indem sie eine breite Wertschätzung erfahren und Menschen weltweit anregen, eine globale Verantwortung für den Schutz dieser Stätten wahrzunehmen. Gerade dafür wäre es wichtig, das weltweit geteilte Erbe als diskursive Praxis zu verstehen, dessen Interpretation nicht in Stein gemeißelt ist. 

„Kann an oder mit Hilfe von Welterbestätten oder Denkmälern eine Öffnung für mediative Prozesse initiiert werden? Auf welche Weise tragen solche Stätten zur Klärung von Zusammenhängen bei? Auf welche Weise tragen sie zur Vermittlung unterschiedlicher Standpunkte und historischer Gegebenheiten bei? Wie generieren sie eine Kultur der Anerkennung kultureller Vielfalt?“ (Ströter-Bender/Wigelmann-Bals 2010, S. 53) – das sollten zentrale Fragen an Welterbe-Stätten sein.

Während in der deutschsprachigen Denkmalpflege die Idee der Partizipation eher skeptisch betrachtet wird, stehen im englischsprachigen Diskurs die Kultur-Erben und ihr Recht auf Teilhabe im Zentrum: „Heritage is about people, not about monuments“ (Scheurmann 2021, S. 78). Der Fokus verschiebt sich von den zu bewahrenden Objekten auf die Bedeutung von Denkmälern für die Menschen, die diese auf unterschiedliche Weise rezipieren als wichtigen Bestandteil von Identitätsbildung und Zugehörigkeit. 

Dies korrespondiert mit der Definition von Kulturerbe der Faro-Konvention des Europarates:„Cultural heritage is a group of resources, inherited from the past, which people identify, independently of ownership, as a reflection and expression of their constantly evolving values, beliefs, knowledge and traditions.” (Council of Europe 2005) – Kulturerbe ist das, womit sich eine Gruppe von Menschen identifiziert, weil es ihre Werte und Traditionen repräsentiert. 

In der Faro-Konvention wird vorgeschlagen, Kulturerbe als Gemeingut statt als „staatlichen Hoheitsschatz“ zu begreifen und stärker gemeinschaftlich zu verhandeln mit Aktivierung und Teilhabe der Bürger*innen. Kulturelle Vielfalt und Kulturerbe sollten als eng verschränkte Bereiche betrachtet werden unter Einbezug migrantischer Perspektiven einer Gesellschaft. Denn Kulturerbe zeigt oftmals vielfältige Verbindungen verschiedener ethnischer Kulturen und zeugt von Migration und Hybridität:

„Insbesondere die Monumente der Hochkulturen erzählen augenscheinlich von ästhetischen Leistungen und vom Austausch mit anderen Kulturen – so besitzen sie stets auch plurale Momente. Die pluralen Eigenschaften treten dann zutage, wenn es gelingt, das eigene Kulturerbe aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. (....) Dabei liegt es der Idee der Transkulturalität fern, das Eigene zu verwerfen, vielmehr geht es darum, seine Verbundenheit mit dem Fremden und Fernen transparent zu machen. (…) Die vorgestellten Vermittlungsformate sollen auf das Fremde im Eigenen hinweisen und auf das Gemeinsame, das die verschiedenen Welten miteinander verband und noch immer verbindet. Besuchern mit Migrationshintergrund soll die Möglichkeit geboten werden, das hiesige Kulturerbe auch zu ihrem eigenen zu machen.“ (Stober/Alcam 2018, S.209/210/221)

Mit Denkmälern lässt sich also nicht nur regionale oder nationale Geschichte erzählen und Gegenwart im Licht von Herkunft betrachten, sondern auch Welt-Wissen vermitteln und Gemeinschaft stiften in einer pluralen, transkulturellen Gesellschaft.

„Ausschlaggebend ist der Gedanke, dass Kulturerbe über die Grenzen einer Nation hinaus interpretierbar ist, dass gemeinschaftsübergreifende Verbindungen bestehen und dass sie in einer zunehmend verflochtenen Welt fruchtbar zu machen sind. (…) Geteiltes Erbe bedeutet Mehrfachbedeutungen und -zugehörigkeiten für Erinnerungskultur zuzulassen.“ (Dätsch 2024: 44)

Eine solche transkulturelle Vermittlung, die vielfältige Deutungen zulässt, eröffnet die Möglichkeit, das Globale und Lokale, das Einzelne und Universelle zu verbinden.

„Genau das signalisiert der Begriff SHARING HERITAGE. Mit diesem Motto lassen wir die Ära der nationalen Überheblichkeit hinter uns und betreten den Raum verschränkter Beziehungsgeschichten. (...) Im Grunde hat kulturelles Erbe nur einen einzigen legitimen Besitzer, und das ist die Menschheit.“ (Assmann 2018, S. 6)

Die inter- und transkulturelle Verhandlung der Bedeutungen von Kulturerbe-Stätten bietet potenziell auch der Dialog zwischen Einheimischen und touristischen Besucher*innen: „Wo Einheimische und Touristen aufeinandertreffen, verändern Traditionen, kulturelles Gedächtnis, Kulturerbe, soziale Identität, Ethnizität und gar Nationalität ihre Ausdrucksformen und Bedeutungsformen“ (Schnepel 2013, S. 24). Damit dies für alle Seiten fruchtbar werden kann, braucht es jedoch die gemeinsame Reflexion.

In der Aushandlung von Bedeutungen eines Denkmals durch Zusammenbringen vielfältiger Perspektiven ließen sich nicht zuletzt auch demokratiestärkende Prozesse erfahren, wenn deutlich wird, dass es nicht die eine richtige Lesart gibt und auch Widersprüche Raum haben dürfen (ebd.).

Wie Kulturerbe vermitteln? – Vermittlungsfunktionen, Ziele, Medien und Formate, Zielgruppen und Strategien

Vermittlungsfunktionen und Ziele 

In der Praxis lassen sich folgende Funktionen von Denkmalvermittlung mit unterschiedlichen Bezeichnungen und Zielsetzungen unterscheiden:

Die kunst- und kulturhistorische, am Fachkanon orientierte, oft eher monologische Vermittlung mit dem Ziel, Verständnis für die historischen Objekte zu schaffen 

Dabei geht es vor allem darum, Wertschätzung für Kulturerbe und für Denkmalschutz zu generieren, indem Fachwissen über deren jeweilige besondere Qualitäten vermittelt wird. Diese Form der Vermittlung ist vor allem der Denkmalpflege und dem Denkmalschutz verpflichtet.

PR/Öffentlichkeitsarbeit, Denkmalkommunikation und Tourismusmarketing

Vermittlung in Form von Kampagnen für Denkmalrouten, Tage des Offenen Denkmals, Reise-Prospekte oder besondere Events sind eine Form von Denkmalvermittlung, mit der Aufmerksamkeit geschafft und viele Menschen erreicht und für Denkmäler interessiert werden können. Diese PR- orientierten Formen werden oft auch unter dem Begriff der Denkmal-Kommunikation gefasst.

Kulturpädagogische Vermittlung mit dem Ziel Kultureller Bildung und subjektivem Empowerment in der aktiven Auseinandersetzung mit kulturellem Erbe 

Denkmalvermittlung, bei der nicht das Denkmal im Vordergrund steht, sondern die (Selbst-) Bildungsprozesse der Menschen, die sich damit auseinandersetzen, lassen sich unter dem Begriff der Denkmalpädagogik oder je nach Objekt auch der baukulturellen Bildung fassen. Häufig werden in solchen Denkmal-Vermittlungsprojekten, die sich aktuell vor allem an Kinder und Jugendliche richten, auch künstlerische und ästhetische Gestaltungsmittel eingesetzt. Denkmäler sind Anlass für Auseinandersetzung mit verschiedenen gesellschaftlichen Themen, für subjektives Empowerment und für Demokratiebildung. 

Medien und Formate

Medien und Methoden der Denkmal-Vermittlung sind vielfältig. Die Praxis der Kulturerbe-Vermittlung zeigt ein breites Spektrum von Methoden und Medien, die vom Aufmerksamkeitsmanagement bis zu partizipativ angelegten kulturellen Bildungsangeboten reichen und vor allem folgende Formate umfassen:

  • PR-Kampagnen, Image-Filme, Prospekte
  • Social Media, Wikimedia
  • Führungen, Vorträge
  • Apps/Podcasts, Beschilderungen, Flyer, Kataloge
  • Virtual Reality; immersive Inszenierungen und erlebnisorientierte kuratorische Konzepte
  • Themen-Routen/Radtouren/Wanderungen
  • Feste, Kulturveranstaltungen, Tag des offenen Denkmals
  • Gaming/ Spielerische Vermittlung durch Rallyes, Kostümführungen, Re-Enactment und Living History (z.B. Mittelalterfeste); Computerspiele (Storytelling)
  • Partizipative Workshops und Projekte (u.a. mit interdisziplinären künstlerischen Mitteln; häufig für Zielgruppe Kinder und Jugendliche)

Zielgruppen

Als zentrale, aktuell vor allem adressierte Zielgruppen von Kulturerbe-Stätten lassen sich unterscheiden:

  • fachlich versierte (Hobby)-Kulturerbe-Spezialist*innen (diese haben v.a. Interesse an vertieften Informationen und oft auch an ehrenamtlicher Mitwirkung);
  • junge Menschen (sie präferieren aktive Aneignungsweisen);
  • lokale Bevölkerung (Kulturerbe-Stätten dienen ihnen als Faktor regionaler Identität und Gemeinschaft-Stiftung; sie können als Gastgeber in Kulturerbe-Vermittlung involviert sein);
  • touristische Besucher*innen (sie wollen etwas Besonderes und Schönes erleben und als bleibende Erinnerung festhalten. Sie präferieren Angebote, die Kultur und spannende Inhalte mit Natur und Gastronomie in einer ganzheitlichen Erfahrung verbinden. Kultur-Denkmäler dienen ihnen dazu, die bereiste Region besser zu verstehen). 

Strategien der Denkmalvermittlung in der Praxis 

Nachfolgend werden einige zentrale Ansätze und Strategien aus der Praxis der Denkmalvermittlung mit Beispielen kurz dargestellt:

Weiterbildung eines interessierten und häufig vorgebildeten Publikums in Form von Führungen

Klassiker in der Denkmalvermittlung ist die personale Führung durch ein Denkmal oder entlang einer Route von Denkmälern. Diese wird immer häufiger ergänzt durch mediale Angebote wie Podcasts oder Apps, die flexibel für individuelle Touren eingesetzt werden können. Solche Führungen werden von Behörden der Denkmal-Vermittlung ebenso wie von Vereinen angeboten und in der Regel von fachwissenschaftlich versiertem Personal durchgeführt. Beispiele sind etwa die Denkmal-Wanderungen des Denkmalvereins Hamburg oder Führungen durch sonst nicht zugängliche historische Gebäude am jährlichen Tag des offenen Denkmals

Touristische Routen, Führungen und Inszenierungen 

Eine mediale Form der Denkmalvermittlung im Tourismus sind Hinweistafeln und touristische Prospekte, die versuchen, Bedeutungen von Denkmälern kompakt zu vermitteln. Touristisch in Wert gesetzt werden Denkmäler auch durch die Zusammenstellung in touristisch erfahrbaren Routen wie etwa die Straße der Romanik oder organisierte Fahrradtouren entlang der Berliner Industriekultur.

Kulturerbe-Stätten im Tourismus werden häufig in Form von Führungen etwa als Schloss- oder Burgführung, oft auch in Kostümführungen und mit dem Anspruch von Storytelling vermittelt. Noch erlebnisorientierter sind Denkmalinszenierungen in Form von Festen, Konzerten, Theateraufführungen, bei denen die historischen Bauten mit verschiedenen Sinnen erfahrbar werden. Dazu gehören auch immersive Inszenierungen etwa in Form von Lichtshows und Musik, die ein Eintauchen in die Geschichte ermöglichen, wie in den abendlichen Erlebnistouren durch die UNESCO-Stätte Mont St. Michel

Partizipative ästhetische Auseinandersetzung mit Kulturerbe-Stätte 

Bislang weniger etabliert sind Formen der Denkmalvermittlung, bei denen individuelle kulturelle Bildungsprozesse und die aktive, persönliche Aneignung von Denkmälern im Vordergrund stehen. Beispiele dafür sind etwa das Projekt „Lost Traces“, in dem Jugendliche sich in Form von künstlerischer Forschung mit Denkmalspuren auseinander setzen oder das Programm des französischen Kulturministeriums „Le Patrimoine, c‘est moi“, in dem Schüler*innen über einen längeren Zeitraum künstlerisch zu einem Denkmal arbeiten unter dem Motto: „Sehen, Tun, Interpretieren“ (vgl. Centre des monuments nationaux o. J.).

Auch in England gibt es ein nationales Heritage School Program von Historic England, in dem über 400 Schulen regelmäßig mit lokalen Kulturerbe-Stätten kooperieren und eigene kulturelle Projekte dazu entwickeln, u.a. mit dem Ziel, die Verbundenheit mit der eigenen Stadt oder Region zu stärken: „Schools are using local heritage to connect children to where they live, develop a sense of a place and an understanding of how local heritage relates to the overall story. Our research shows that, as a result, children are increasingly proud of where they live” (Historic England o. J.). 

Der Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments des Vereins Wikimedia fördert die gestalterische Auseinandersetzung mit Kulturerbe, indem Menschen eingeladen werden, ihre Foto-Perspektiven auf bekannte Monumente zu zeigen.

Aktive Einbindung lokaler Nachbarschaften in die Denkmalvermittlung in der Verbindung von materiellem und immateriellem Erbe 

Die Londoner Brixton-Mill-Bürgerinitiative bespielt die historische Mühle und organisiert im ehrenamtlichen Engagement Feste für die lokale Bevölkerung und bietet neben Führungen auch Workshops zum Thema Mehl mahlen, Brot backen und Weizenanbau an. Die Verbindung von Denkmälern mit immateriellem Erbe wie alten Handwerkstechniken, Musik oder Tanz ermöglicht es, Kultur-Erbe-Stätten interdisziplinär und aktiv zu erfahren. Zudem können solche bürgerschaftlichen Initiativen der Denkmalvermittlung dazu beitragen, lokale Identität und Gemeinschaft zu stärken.

Wie partizipative und Community orientierte Ansätze der Kulturerbe-Vermittlung konkret aussehen können, zeigen verschiedene Beispiele lokaler Community Projekte aus den USA, in denen unterschiedliche Akteursgruppen gemeinsam Kulturerbe bestimmen, entwickeln und zu einem identitätsbildenden Faktor in ihren Nachbarschaften machen (American Planning Association 2011).

Cultural Placemaking und Tourismusmarketing in der Verbindung von lokaler Bevölkerung und touristischen Besucher*innen

Im kleinen Ort Hertogenbosch Nähe Amsterdam wurden Bewohner*innen, Schüler*innen und zeitgenössische lokale Künstler*innen auf Initiative des Stadtmarketings eingeladen, sich in eigenen künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater mit dem altniederländischen Maler Hieronymus Bosch auseinanderzusetzen, der in dem Ort geboren wurde. Diese Arbeiten von verschiedenen Bevölkerungsgruppen waren Bestandteil eines Festivals zur touristischen Vermittlung der historischen Stätten aus der Jugendzeit des Malers. Einheimische kamen hier in aktiven Austausch mit touristischen Besucher*innen im gemeinsamen Erfahren und Vergegenwärtigen von Kulturerbe:

„Engaging locals in the program and making sure, that they felt themselves to be honored guests at the representation of their own heritage. (…) Hertogenbosch provides a good example of how traditional tangible heritage can be augmented with intangible heritage and contemporary creativity to engage local people and attract visitors. (…). It involves a shift away from the idea of marketing heritage to tourists, and towards a wider concept of placemaking that uses physical, intangible and symbolic heritage resources for the benefit of all.“ (Greg 2022, S. 137/138)

Hinterfragen von (eurozentristischen) Deutungen, die mit Objekten verbunden sind und Neu-Interpretation von Denkmälern 

Auch die in kulturwissenschaftlichen Diskursen kritisierte fachwissenschaftlich, Kanon-orientierte und eurozentristische Perspektive auf Kulturelles Erbe und die Forderung, eine machtkritische Reflexion und Erweiterung der Perspektiven einzunehmen, spiegelt sich vereinzelt in Vermittlungsangeboten wider – so etwa in der performativen und humorvollen Kostümführung „Kammertürken“ an drei Orten der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Stober/Alacam 2019). In der gemeinsam mit Akteur*innen aus deutsch-türkischen Amateurgruppen auf Basis der Textfassung eines deutsch-türkischen Autors entwickelten Tour wird die Sicht der ursprünglich als Sklaven eingeschleppten türkischen Kammerdiener eingenommen, denen es bald gelang, eigene Interessen in das Hofleben einzubringen. Das Format will einen Dialog ermöglichen, in dem sich historische Wissensbestände um den Kulturtransfer von Ost nach West erschließen und diskutiert werden und das auf sehr unterhaltsame Weise an historischen Originalschauplätzen. 

Zusammenfassend lassen sich aus diesen Beispielen folgende übergreifende Strategien zur Vermittlung von Denkmälern identifizieren, die über die fachwissenschaftliche, monologische Vermittlung hinausgehen:

  • Gesamt-Inszenierungen, in die Menschen mit allen Sinnen eintauchen können;
  • künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit Kulturerbe und neue Perspektiven durch gegenwärtiges Kunstschaffen und zeitgenössische Kunst;
  • Kulturerbestätten als gelebte Räume und Dritte Orte, die materielles mit immateriellem Kulturerbe verbinden;
  • Einbezug der (lokalen) Bevölkerung in den Schutz und die Vermittlung;
  • kulturelles Community Building im Zusammenbringen von lokaler Bevölkerung untereinander und Zusammenbringen von Locals und touristischen Besucher*innen;
  • Neu-Verhandlung tradierter Bedeutungen durch neue Perspektiven mit neuen Referenzen.

Auf internationaler Ebene haben sich v.a. die Studie von ICOMOS (International Council of Monuments and Sites) „Charta for the Interpretation and Presentation of Cultural Heritage Sites“ (ICOMOS 2008) sowie das EU-Projekt InHerit – Professional Development in Heritage Interpretation (Tilkin 2016) mit Kriterien für die Gestaltung einer qualitativ hochwertigen Denkmalvermittlung auseinandergesetzt und kamen dabei zu ähnlichen Kategorien. Stark gemacht wurde v.a. die Multiperspektivität in der Vermittlung: Die kommunizierten und verhandelten Inhalte sollten auf multidisziplinären Forschungen basieren. Denkmäler sollten verschiedene Geschichten erzählen, denn es gibt nicht die eine richtige Interpretation. Dennoch gäbe es wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Hintergründen von Denkmälern, die einbezogen werden müssten. 

Das Einbinden verschiedener Perspektiven auf den Vermittlungsgegenstand solle mit der Anregung zu einer selbstständigen Urteilsbildung verbunden werden, die den kulturellen Hintergrund der Teilnehmer*innen mitberücksichtigt. Bei allen Aktivitäten sollte es nicht nur um die Inhalte und Methoden des jeweiligen Denkmals gehen, sondern ebenso sollten selbstbezogene und soziale Kompetenzen wie Empathie, Reflexionsvermögen durch interaktive, handlungsorientierte Vermittlungsangebote gefördert werden (Tilkin 2026).

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz hat in seinem ersten Appell zur Denkmalvermittlung Empfehlungen entwickelt, wie Denkmalvermittlung insgesamt mehr Sichtbarkeit und eine stärker institutionalisierte Verankerung erfahren kann. Vermittlung geht in diesen Empfehlungen über die personale und organisationsbezogene Ebene hinaus und umfasst auch bildungspolitische Strategien (DNK 2022): 

  • Verankerung des Vermittlungsauftrags in allen Denkmalschutzgesetzen
  • Stärkung professioneller Öffentlichkeitsarbeit in den Denkmalbehörden
  • Initiierung und Begleitung ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagements
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure der Denkmalvermittlung (Denkmalbehörden, Schulen, Kirchen, Touristiker, ehrenamtliche Mittler etc.)
  • Verankerung der Denkmalvermittlung in Lehramtsausbildung und schulischem Curriculum sowie in der handwerklichen beruflichen Ausbildung 

Zusammenfassung und Fazit: Kulturerbe-Vermittlung als integratives Gesamtkonzept 

Deutlich wird, dass Denkmalvermittlung nur dann breite Wirkung entfalten kann, wenn sie in ein Gesamtkonzept eingebunden ist, bei dem verschiedene Formate ineinandergreifen.

Aus den beschriebenen Ansätzen lassen sich folgende systematisierende, übergreifende Schritte für eine Neu-Konzeption von Denkmalvermittlung ableiten:

  1. Interessieren: Aufmerksamkeit und Nahbarkeit schaffen durch Aktualität und Lebensweltorientierung
  2. Willkommenskultur etablieren: Wohlfühlorte gestalten, konsequent besucherorientierten Service bieten 
  3. Inszenieren: Attraktive, stimulierende und erlebnisorientierte Rahmungen, Neu-Kontextualisierungen; sinnliche Formate der Aneignung (u.a. durch Verbindung mit immateriellem Erbe, gelebten Bräuchen und Festen); digitale Inszenierungen
  4. Verständnis schaffen: Hintergründe anschaulich und kurzweilig vermitteln; zwischen verschiedenen Lebenswelten Verbindungen herstellen „Man sieht nur, was man weiß“.
  5. Beteiligen und Kooperieren: aktive und gestaltende Auseinandersetzung, partizipative Einbindung von Initiativen der Nachbarschaft
  6. Verhandeln: Neue Bedeutungen und neue Perspektiven generieren; die historischen Objekte sind nie auserzählt und Bedeutungen kontingent
  7. Verbinden: Menschen zusammenbringen über gemeinsam erfahrene Kulturerbe-Stätten (Tourist*innen und Locals, Zugewanderte und Natives); Verbindungen zwischen Erbe-Stätten weltweit herstellen

Zusammenfassend lassen sich aus den Beispielen und Erfahrungen auch im internationalen Blick auf Kulturerbe-Vermittlung folgende Empfehlungen formulieren:

  • Auf Ebene von Bildungspolitik sollte Kulturerbe-Vermittlung in schulische Kontexte verbindlich integriert werden, um möglichst früh das Verständnis und die Auseinandersetzung mit Orten der Vergangenheit und ihrer Bedeutung für die Gegenwart anzuregen und dabei alle jungen Menschen zu erreichen.
  • Auf Organisationsebene sollten Kulturerbe-Stätten sich offensiv als Orte für die lokale Bevölkerung öffnen und diese in die Vermittlung einbeziehen.
  • Die zentrale Bedeutung des Tourismus für kulturelle Bildungsprozesse im Kontext von Kulturerbe sollten Organisationen und touristische Einrichtungen gemeinsam für eine niedrigschwellige und zugleich unterschiedliche Bedeutungen reflektierende, dialogische Vermittlung an touristische Besucher*innen pro-aktiv nutzen.
  • Touristische Besucher*innen mit einheimischen Besucher*innen und bürgerschaftlichen Initiativen zusammen zu bringen kann neue Erfahrungs- und Dialogräume für alle Beteiligten eröffnen.
  • Die Erzählungen über Kulturerbe sollten sich deutlich erweitern vor dem Hintergrund der Frage, was relevant ist für die Menschen und was bislang noch nicht erzählt wurde über eine Kulturerbe-Stätte. 
  • Kulturerbe sollte nicht in erster Linie als hoheitlicher, fachwissenschaftlich definierter Gegenstand begriffen werden, sondern von Denkmalbehörden und Denkmalorganisationen vielmehr geöffnet werden für unterschiedliche Deutungen und Narrative ohne damit wissenschaftliche Befunde zu negieren. 

Kulturerbe- und Denkmalvermittlung ist Voraussetzung, um die Potenziale von Kulturellem Erbe für gegenwärtiges Zusammenleben fruchtbar zu machen. Das kann dann gelingen, wenn Vermittlung als ganzheitlicher Prozess gestaltet wird, in dem alle Dimensionen unter der Frage reflektiert werden: Wie schaffen wir Nähe, persönliches Involvement und Relevanz und öffnen uns für neue Erkenntnisse, neue Perspektiven und neue Verbindungen im Kontext von Kulturerbe?

„Monumente kulturellen Erbes sind nicht nur Objekte historischen Wissens oder Überbleibsel der Vergangenheit, die geschützt, konserviert, gepflegt, restauriert und aufgewertet werden müssen. Kulturelles Erbe ist auch eine Folie zur Reflexion aktueller Probleme, Inspiration für das künstlerische Schaffen und kulturelle Wirken neuer Generationen. Es wird erst durch die aktive und gegenwartsbetonte Aneignung real.“ (Ministère de la Culture Frankreich, Programm „C‘est mon patrimoine“ 2019)

Verwendete Literatur

  • American Planning Association (2011): Community Heritage and Culture. How the arts and cultural heritage strenghten cultural values and preserve heritage and history.
  • Antz, Christian (2008): Kulturtourismus. Empfehlungen für einen langfristigen Erfolg. In: Scheytt, Oliver / Loock, Friedrich (Hrsg.): Handbuch Kulturmanagement. Berlin/Stuttgart, D 1.6.

  • Assmann, Aleida (2019): Kulturerbe in Bewegung. Dokumentation des Europäisches Kulturerbejahres. Online verfügbar unter: https://www.dnk.de/mediathek/.

  • Centre des monuments nationaux (o. J.): C'est mon patrimoine ! Online: https://www.monuments-nationaux.fr/groupes-et-relais-du-champ-social/c-est-mon-patrimoine (letzter Zugriff am 22.05.2026).

  • Council of Europe (2005): Framework Convention on the Value of Cultural Heritage for Society. Faro.

  • Dätsch, Christiane (2024): Gemeinsames, geteiltes, widersprüchliches Erbe? In: Dätsch. Christiane / Markovich, Dalya (Hrsg.): Kulturerbe teilen? Ein Konzept und seine Spielarten. Fallstudien aus Europa und Israel. Bielefeld: transcript, S. 41–63.
  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK 2022): Potsdamer Appell der AG Denkmalvermittlung im DNK: Denkmalwissen ist Zukunftswissen. Online unter: https://www.dnk.de/wpcontent/uploads/2022/04/CDR_Appell_Denkmalwissen_220425.pdf (letzter Zugriff am 22.05.2026). 

  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien / Krieger, Wiebke (2022): Analyse zum Stand der Vermittlungsangebote im Denkmalschutz und in der Denkmalpflege in Deutschland. Statusbericht zur Denkmalvermittlung, Bd. 103.

  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (2019): Kulturerbe in Bewegung. Dokumentation des Europäischen Kulturerbejahres. Online verfügbar unter: https://www.dnk.de/mediathek/

  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien: Europäisches Kulturerbejahr (2018): Vermittlung – Handreichungen und Empfehlungen. Online abrufbar unter: https://sharingheritage.de/junge-erben/ (letzter Zugriff am 12. November 2021).

  • Deutsche UNESCO Kommission (o. J.): Welterbe: Mariendom und Michaeliskirche in Hildesheim. https://www.unesco.de/staette/mariendom-und-michaeliskirche-in-hildesheim/ (letzter Zugriff am 22.05.2026).
  • Deutsche UNESCO Kommission (2006): Hildesheimer Resolution zur Stärkung des Vermittlungsauftrags. https://www.unesco.de/dokumente-und-hintergruende/dokumente/dokumente-der-deutschen-unesco-kommission/resolutionen-der-deutschen-unesco-kommission/unesco-welterbe-in-deutschland/ (letzter Zugriff am 22.05.2026).
  • Europäische Kommission (2017): Spezial-Eurobarometer Kulturerbe. Online verfügbar unter: https://epale.ec.europa.eu/de/resource-centre/content/spezial-eurobarometer-466-bericht-zum-kulturerbe (letzter Zugriff am 19. Juli 2022).
  • Forsa Institut / ZEIT Stiftung (2015): Einstellungen und Nutzung von Denkmälern. Online unter: https://www.zeit-stiftung.de/f/Forsa-Umfrage%2016.11.2015.pdf  
  • Gregg, Richard (2022): Heritage and Tourism. As shared concern for locals and visitors? In: Luger, Kurt / Ripp, Matthias (Hrsg.). World Heritage, Place Making and Sustainable Tourism. Innsbruck/Wien: StudienVerlag, S. 131–39.
  • Historic England (o. J.): Heritage Schools. Online: https://historicengland.org.uk/education/schools-resources/heritage-schools/ (letzter Zugriff am 22.05.2026).
  • ICOMOS (2008): Charta for the Interpretation and Presentation of Cultural Heritage Sites. Online verfügbar unter: https://icip.icomos.org/wp-content/uploads/2025/03/ICIP-ICOMOS-Charter-full-text.pdf (letzter Zugriff am 22.05.2026).

  • Institut für Museumsforschung / Grotz, Kathrin / Remipour, Patricia (2024): Das verborgene Kapital: Vertrauen in Museen in Deutschland. Wie die Menschen in Deutschland auf eine Kultureinrichtung im Wandel blicken. Eine bevölkerungsrepräsentative Studie des Instituts für Museumsforschung. Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin. 

  • International Association of Critical Cultural Heritage Studies (o. J.): Critical Heritage Studies. Online: www.criticalheritagestudies.org (letzter Zugriff am 22.05.2026).
  • Mandel, Birgit (2012): Tourismus und Kulturelle Bildung. Potentiale, Voraussetzungen, Praxisbeispiele und empirische Erkenntnisse. München: kopaed.

  • Mandel, Birgit (2008): Audience Development, Kulturmanagement, Kulturelle Bildung. Konzeptionen und Handlungsfelder der Kulturvermittlung. München: kopaed.

  • Ministère de la Culture France (2019): Cahier des charges nationaux, "C'est mon patrimoine!, Vacances scolaires 2019. Online verfügbar unter: https://cestmonpatrimoine.culture.gouv.fr/A-telecharger (letzter Zugriff am 22.05.2026).

  • Otte, Gunnar (2019): Hierarchien und Nischen. Umfang und Struktur spartenspezifischer Kulturpublika in Deutschland 2018. Ergebnispräsentation auf Symposium Universität Mainz.
  • Pröbstle, Yvonne (2014): Kulturtouristen. Eine Typologie. Wiesbaden.

  • Tilkin, Guy (Hg.) (2016): Professional Development in Heritage Interpretation. Online verfügbar unter: http://www.interpret-europe.net (letzter Zugriff am 26. Juli 2022).

  • Scheurmann, Ingrid (2012): Von der Denkmalbildung zur Denkmalvermittlung. Eine Umwertung? In: Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, Bd. 82, Tagungsdokumentation Kommunizieren, Partizipieren. Neue Wege der Denkmalvermittlung. S. 27–38.

  • Scheurmann, Ingrid (2021): Partizipation in der Denkmalpflege. Wunsch, Wirklichkeit oder Bedrohung? In: Blokker, Johanna / Enss, Carmen / Herold, Stephanie: Politiken des Erbens in urbanen Räumen. Bielefeld, S. 75–88.

  • Schnepel, Burkhard (2013): Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus. In: Schnepel, Burkhard / Girke, Felix / Knoll, Eva-Maria (Hrsg.): Kultur all inclusive. Identität, Tradition und Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus. Bielefeld: transcript, S. 21–43.

  • Sentomus (2024): First European Large-Scale Research on Audience Participation in museums. Report on European Data. Online: https://8ee87d74-1084-4c79-af4f-a2109ae2332c.filesusr.com/ugd/1424c9_c8063540d336462089f568132f81290a.pdf (letzter Zugriff am 20.12.2024).

  • Stiftung Preußische Schlösser und Gärten/SPSG (o. J.): Historische Gärten und Gesellschaft. Kultur – Natur – Verantwortung. Online:https://www.spsg.de/forschung-sammlungen/forschung/historische-gaerten-und-gesellschaft) (letzter Zugriff am 22.05.2026).
  • Stober, Karin / Alaçam, Cem (2018): Kulturerbe über-setzen. Neue Formate für die Vermittlungsarbeit der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. In: Dätsch, Christiane (Hrsg.): Kulturelle Übersetzer. Kunst und Kulturmanagement im transkulturellen Kontext. Bielefeld: transcript, S. 209–224.

  • Ströter-Bender, Jutta / Wiegelmann-Bals, Annette (2010): Dialogfelder einer interkulturellen Vermittlung von Welterbe. In: Ströter-Bender, Jutta (Hrsg.): World Heritage Education. Positionen und Diskurse zur Vermittlung des UNESCO-Welterbes. Marburg: Tectum, S. 47–58.

  • Tauschek, Markus (2013): Kulturerbe. Eine Einführung. Berlin: Dietrich Reimer.

  • Welzel, Barbara (2018): „Die Hauptschwierigkeit war natürlich Gott“. Passionsbilder als Objekte einer zeitgemäßen Bildvermittlung? In: Bildung durch Bilder. Kunstwissenschaftliche Perspektiven für den Deutsch-, Geschichts- und Kunstunterricht. Hrsgg. von Klaus Krüger / Karin Kranhold. Bielefeld, S. 95–114.

Zitieren

Gerne dürfen Sie aus diesem Artikel zitieren. Folgende Angaben sind zusammenhängend mit dem Zitat zu nennen:

Birgit Mandel (2026): Und was hat das mit mir zu tun? Herausforderungen, Potenziale und Strategien der Denkmalvermittlung. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE: https://www.kubi-online.de/artikel/was-hat-mir-tun-herausforderungen-potenziale-strategien-denkmalvermittlung (letzter Zugriff am 01.06.2026).

Veröffentlichen

Alle Texte dieser Website – also ausgenommen sind Bilder, Grafiken, Audio- und Videodateien – werden (sofern nicht anders gekennzeichnet) unter Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd 4.0 (Namensnennung-Nicht kommerziell-Keine Bearbeitungen 4.0 International) veröffentlicht. CC-Lizenzvertrag

Herunterladen

Dieser Artikel als PDF:

PDF erzeugen

Teilen