Themenfeld:

Streitfälle der Vermessung Kultureller Bildung

53 Beiträge im Themenfeld

Von Norbert Sievers (2015)

Neue Player – Neue Freunde? Wortmeldung zu einer aktuellen Debatte

Das Thema „Neue Player – neue Freunde" ist vielleicht gar nicht so schlecht, um einige Befindlichkeiten und Herausforderungen der Kulturellen Bildung zu diskutieren und Akteure, Motive, Regeln und Beziehungen, aber auch Strukturen, Macht und Einfluss im Spielfeld der Kulturellen Bildung zu beschreiben. Schon die Gegenüberstellung der Begriffe markierte eine Differenz. Player sind keine Freunde, allenfalls Geschäftspartner, vielleicht noch Koproduzenten. Die Begriffswahl war gewissermaßen verräterisch und sie sollte es sein.

Von Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (2015)

Wirkungsnachweise in der Kulturellen Bildung: Möglich, umstritten, vergeblich, nötig?

Immer wieder wird, gerade im öffentlichen Diskurs um Kulturelle Bildung, nach Wirkungsnachweisen gefragt. In den letzten 15 Jahren sind mehr und mehr öffentliche Mittel in kulturelle Bildungsmaßnahmen geflossen. Ein Beispiel ist das bundesweite Programm „Kultur macht stark“ des Bundesbildungsministeriums, in das seit 2013 rund 230 Mio. EUR investiert werden. Zu Recht wird bei diesen Summen nach Wirkungsnachweisen verlangt, die allerdings selten konkreter spezifiziert werden. Was ist eigentlich mit Wirkungsnachweisen gemeint? Der folgende Artikel widmet sich dieser Frage und versucht eine Definition.

Von Benedikt Sturzenhecker (2014)

„Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ – Kritik des Bundesprogramms unter sozialräumlicher und zivilgesellschaftlicher Perspektive

Der Bezug der Kulturellen Bildung auf das Thema Sozialraum dürfte stark befördert worden seien durch das BundesprogrammKultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Aber auch die Auseinandersetzung mit sozialräumlichen Konzepten in der Sozialen Arbeit bzw. der Kinder- und Jugendhilfe und die Veränderung zur Ganztagsschule, verbunden mit der Forderung zur Kooperation in Bildungslandschaften, haben die verstärkte Auseinandersetzung mit sozialräumlich-ästhetischen (Selbst-)Bildungsmöglichkeiten und  Sozialraumkonzepten beeinflusst. Vor dem Hintergrund einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Bundesprogramm des BMBF ist es Ziel dieses Textes, eine kritische sozialräumliche Konzeptorientierung anzuregen, die die Organisationen und Projekte Kultureller Bildung auffordert und unterstützt, sich stärker auf die sozialräumliche ästhetische Selbstbildung der Kinder und Jugendlichen einzulassen. 

Von Max Fuchs (2014)

„Qualität“ – Eine Leitformel zwischen Entwicklungsimpuls und Kampfbegriff

Eine Aussage über die Qualität von Dingen oder Prozessen ist ein Werturteil, bei dem es darum geht, wie gut etwas ein angestrebtes Ziel erreicht bzw. wie gut etwas bestimmte Bedürfnisse erfüllt werden. Um sinnvoll ein Qualitätsurteil abgeben zu können, muss man auch den Bereich bzw. die Perspektive angeben, für den oder die das Urteil gilt. Es geht um ein Urteil, also einen Bewertungsprozess auf der Basis einer vorhandenen Urteilskraft. Bewertungsprozesse sind eingebettet in konkrete Kontexte, sie erfolgen im Hinblick auf bestimmte Erwartungshorizonte. Zudem sind Qualitätsurteile Vergleichsurteile. Hierfür braucht man Maßstäbe, für die wiederum gute Gründe angegeben werden müssen. Da der Qualitätsbegriff zu einem Schlüsselbegriff avanciert ist, lohnt ein genauerer Blick, was denn die Motivation für eine solche Konjunktur des Begriffes sein kann.

Von Max Fuchs (2014)

Überforderung, Überforschung, Überlagerung... Versuch über die Grenzen der Wirksamkeit kultureller Bildung

Der Preis der heutigen Konjunktur kultureller Bildung ist eine fürsorgliche Belagerung durch unterschiedliche Akteure. Noch ist es unklar, welche Motivationen – neben den öffentlich geäußerten – letztlich jeweils dahinter stehen und wem diese Konjunktur nützt. Doch könnte es sein, dass das vielfältige neue Interesse dem Arbeitsfeld weniger zuträglich ist, als man es sich erhofft. In den drei Aspekten Überforderung, Überforschung, Überlagerung überdenkt Fuchs diese Entwicklungen; allerdings handelt es sich um vorläufige Überlegungen, die oft spekulativ und möglicherweise eher pessimistisch sind.

Von Michael Wimmer (2014)

Sind es in erster Linie Widersprüche, die kulturelle Bildung konstituieren? Beobachtungen zum Stand des aktuellen Diskurses

In den letzten Wochen war ich eingeladen, eine Reihe von sogenannten Akteursforen zum Thema kulturelle Bildung zu moderieren. Die Stiftung Mercator zusammen mit einer Reihe weiterer Stiftungspartner ermöglichte es jeweils rund 20 VertreterInnen des schulischen und außerschulischen Bereichs, der Politik, Verwaltung, von Stiftungen und Verbänden sowie der Wissenschaft jeweils einen Tag lang deutschlandweit „in Dialog zu treten“.

Von Christian Rittelmeyer (2014)

Kulturelle Bildung ohne Künste?

Ich möchte zeigen, dass die ästhetische bzw. künstlerische Bildung ein wesentlicher und vielleicht zentraler Bereich der kulturellen Bildung ist, ohne allerdings mit ihr gleichgesetzt werden zu können. Diese Differenzierung erscheint in bildungstheoretischer Hinsicht dann sinnvoll, wenn die folgende Frage mit „ja“ beantwortet werden kann: Handelt es sich bei ästhetischen Erfahrungen um spezifische Modalitäten der Weltzuwendung, die durch keine andere Tätigkeits- bzw. Wahrnehmungsformen verwirklicht werden können?

Von Insa Lienemann (2014)

Kulturelle Jugendbildung zwischen gesellschaftlichem Verwertungsinteresse und dem Eigensinn der Künste

In seinen „Briefen zur ästhetischen Erziehung“ machte Schiller deutlich, worauf sein Begriff der ästhetischen Bildung zielte. Er sah die Sinne, also die Emotion und das Empfinden, klar getrennt vom Rationalen mit dem Verstand und dem Vermögen des Menschen, zu reflektieren. Er baute auf Distanz. „Die sinnlichen Menschen sollten über den Umweg des Ästhetischen vernünftig werden“ (Hanne Seitz 2010). Auf dieser Ebene liegt bis heute das gesellschaftliche Verwertungsinteresse im Umgang mit der kulturellen Bildung.

Von Antje Klinge (2014)

Transferwirkungen: Kulturelle Bildung als gesellschaftliches „Allheilmittel“?

Stichwörter

Die Frage, ob die Wirkungen der Kulturellen Bildung ein gesellschaftliches Allheilmittel sind oder sein können, kann gleich zu Beginn mit einem deutlichen „natürlich nicht!“ beantwortet werden. Erstens wissen wir gar nicht, welche Wirkungen die Auseinandersetzung mit Kunst und Erfahrungen mit künstlerischen Tätigkeiten hinterlassen und zweitens kann auch die Kulturelle Bildung nicht heilen, was gesellschaftlich erzeugt wurde und andere Bildungsbemühungen verpasst oder gar verbrochen haben. Die Hoffnung auf Heilung eines gesellschaftlich verursachten Bildungsnotstands durch Bildung ist in sich widersprüchlich und

Von Max Fuchs (2014)

Ambivalenz des Ästhetischen. Künste zwischen Affirmation und Protest

Es geht in diesem Text darum, die gelegentlich anzutreffende Hermetik kulturpädagogischer Argumentationen aufzubrechen und am Beispiel der Rolle des Ästhetischen aufzuzeigen, wie unzulänglich eine Erforschung ästhetischer Bildungsprozesse sein muss, wenn die soziale Eingebundenheit des zentralen Mediums dieser Bildung, nämlich des Ästhetischen, erst gar nicht in den Blick genommen wird. Es könnte sogar so sein, dass wesentliche Aspekte des Ästhetischen, die in der Geschichte gefährlich wurden, durch ihre systematische Vernachlässigung durch eine nur noch empirische Forschung erneut an Gefahrenpotenzial gewinnen.