Themenfeld:

Mensch und Bildung

Während in den Beiträgen des Themenfelds „Mensch und Kultur" Reflexionen zu Kultur als objektive Seite von Bildung im Mittelpunkt stehen, wird in den folgenden Beiträgen die Bildung als subjektive Seite von Kultur stärker in den Blick genommen und Kulturelle Bildung damit aus einer subjektzentrierten Perspektive betrachtet. Bildung bedeutet im Kon­text Ästhetischer Erziehung/Kultureller Bildung immer Selbstbildung durch Eigenaktivität, Reflexion und lebenslange aktive Auseinandersetzung des Individuums mit seiner kulturellen und sozialen Umwelt. Die nachfolgenden Beiträge reflektieren die Spezifika kultureller Bildungsprozesse und –praxen in den unterschiedlichen Kontexten formaler, non-formaler und informeller Bildung. Sie ermöglichen einen qualifizierten (wissenschaftlichen) Dialog über verwendete Begrifflichkeiten wie ästhetische Erfahrung, ästheti­sche Erziehung und Bildung, Kulturpädagogik und ästhetisch-­kulturelles Lernen; aber auch Themen wie Lebenskunst, Kompetenzerwerb und Schlüsselkompetenz werden zur Diskussion gestellt.

59 Beiträge im Themenfeld

Von Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung für U6

Als Adressaten Kultureller Bildung fallen einem in Deutschland hauptsächlich die Kinder und Jugendlichen ein. Zahlreiche Projekte Kultureller Bildung wenden sich in den letzten Jahren vor allem an Kinder und Jugendliche im schulfähigen Alter, da hier der Anspruch, alle SchülerInnen einer Altersstufe zu erreichen, unabhängig von Milieuzugehörigkeit, kulturellem Interesse oder kulturellen Vorerfahrungen am einfachsten einzulösen erscheint.

Von Wiltrud Gieseke (2013 / 2012)

Kulturelle Erwachsenenbildung

Kulturelle EB wird nach dem Kulturbericht der Bundesregierung in einem erweiterten Sinne als Förderung von Schlüsselqualifikationen verstanden, nicht nur für „Beschäftigungsfähigkeit“, sondern auch für „Gesellschaftsfähigkeit“ (Deutscher Bundestag 2007b:400). Sie unterstützt kulturelle Handlungs- und biografische Gestaltungskompetenz. Kulturelle Bildung wirkt dabei im Dreiklang von historisch­-systematischer Kunstaneignung, selbsttätig-­kreativer Gestaltung und interkulturell­-kommunikativer Beschäftigung mit Lebensstilen.

Von Wolfgang Mack (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung in lokalen Bildungslandschaften

Bildungslandschaften eröffnen Perspektiven für Kulturelle Bildung, damit sind allerdings auch Herausforderungen verbunden. Diese Herausforderungen gehen weit über Fragen der Organisation von Bildungsangeboten im lokalen oder kommunalen Raum und des Aufbaus und der Gestaltung von Kooperationen im Bildungsbereich hinaus. Mit dem Konzept Bildungs­landschaften werden auch Fragen nach dem Selbstverständnis Kultureller Bildung und der Thematisierung sozialer Ungleichheit und ihren sozialräumlichen Folgen durch Kulturelle Bildung aufgeworfen.

Von Tom Braun (2013 / 2012)

Kulturelle Schulentwicklung

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf vollen Zugang zum kulturellen Leben sowie auf eigene künstlerische und kulturelle Betätigung. Dies ist ein in § 31 der UN­-Kinderrechtskon­vention verbrieftes Recht (Bundeszentrale 2004:178). Da Schule alle Jugendlichen und Kinder erreicht, kann sie als der zentrale gesellschaftliche Ort verstanden werden, um die Forderung der UN­-Kinderrechtskonvention nach kultureller Teilhabe umzusetzen. Aktuell geraten die Schulen darüber hinaus zunehmend unter Druck, eine weitaus flexiblere individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen als bisher.

Von Eva Maria Gauß, Kati Hannken-Illjes (2013 / 2012)

Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in künstlerischer Form

Konkret liegen in den derzeitigen Formen vor allem zwei Spannungsverhältnisse vor. Zum einen changieren sie zwischen Spiel und Ernst. Der Kontext der Präsentation im Sinne der Rahmung (nach Erving Goffman) des sozialen Ereignisses spielt hier eine wesentliche Rolle, da er sowohl Erwartungen als auch Beurteilungskriterien leitet. So zielen Veranstaltungen wie Science Slams in erster Linie auf Unterhaltung, im Gegensatz zu explizit künstlerischen Formaten wie Lecture Performances oder Action Teaching.

Von Susanne Keuchel (2013 / 2012)

Empirische kulturelle Bildungsforschung – Methodik, Themen und aktueller Forschungsstand

Die kritische Haltung der „Frankfurter Schule“ (Ladwig 2006) gegenüber der empirischen Soziologie war mit dafür verantwortlich, dass sich die empirische Kulturforschung und da­mit auch die empirische kulturelle Bildungsforschung in Deutschland vergleichsweise spät etablierte und immer wieder sehr kritisch reflektiert wurde.

Von Anne Sliwka (2013 / 2012)

Soziale Ungleichheit – Diversity – Inklusion

Ethnische, linguistische und religiöse Pluralität sind schon seit langer Zeit eine Realität in der bundesdeutschen Gesellschaft. Das Wirtschaftswunder der 1960er Jahre löste eine Zuwanderungswelle in die Bundesrepublik Deutschland aus, allerdings wurden die MigrantInnen, die überwiegend aus der Türkei, Spanien, Italien und Griechenland einwanderten, bis zum Ende des 20. Jh.s nicht als dauerhafte „Zuwanderer“ sondern als „Gastarbeiter“ auf Zeit gesehen, in der Annahme, dass die meisten von ihnen sich nur für begrenzte Zeit in Deutschland auf­halten würden.

Von Gisela Ulmann (2013 / 2012)

Kreativität und Kulturelle Bildung

Stichwörter

Statt wie üblich zu fragen, was Kreativität ist, also eine Definition zu geben, ist es wissenschaft­lich fruchtbarer, danach zu fragen, welches Forschungsproblem mit dem Begriff „Kreativität“ bezeichnet wurde, um zu verstehen, was damit gemeint ist. „Creativity“ taucht als Wort in der psychologischen Forschung zum ersten Mal 1950 in einem Vortrag von Joy Paul Guilford auf, den er als Präsident der American Psychological Association hielt. In diesem Vortrag ging es darum, dass die einseitige Sicht auf „Intelligenz“ nicht dazu beitrage, ErfinderInnen und EntdeckerInnen zu identifizieren. Um zu erfinden und zu entdecken brauche man nicht nur Intelligenz – sondern auch creativity!

Von Kathrin Demmler, Ulrike Wagner (2013 / 2012)

Mediensozialisation und kulturelles Lernen

Die Rolle der Medien im Sozialisationsprozess wird unterschiedlich wahrgenommen. Auf Seiten der SozialisationstheoretikerInnen bilden Medien eine Sozialisationsinstanz unter anderen, der in der Regel wenig Bedeutung beigemessen wird. Demgegenüber betont die Kommunikations-­ und Medienwissenschaft, die sich mit dem Medienumgang von Heranwachsenden beschäftigt, dass Medien einen festen Platz im Sozialisationsprozess von Kindern und Jugendlichen einnehmen.

Von Jürgen Oelkers (2013 / 2012)

Schule, Kultur und Pädagogik

Kultur und Bildung haben in der deutschen Literatur und Philosophie traditionell einen engen Zusammenhang (Witsch 2008). „Bildung“ ist gleichsam die subjektive Seite von „Kultur“. Gemeint ist immer die intellektuelle Hochkultur, die sich seit der Renaissance in höfischen Kontexten herausgebildet hat. „Gebildet“ konnte sich nur nennen, wer einen bestimmten Kanon beherrschte und mit seiner Person repräsentierte.