Themenfeld:

Mensch und Bildung

Während in den Beiträgen des Themenfelds „Mensch und Kultur" Reflexionen zu Kultur als objektive Seite von Bildung im Mittelpunkt stehen, wird in den folgenden Beiträgen die Bildung als subjektive Seite von Kultur stärker in den Blick genommen und Kulturelle Bildung damit aus einer subjektzentrierten Perspektive betrachtet. Bildung bedeutet im Kon­text Ästhetischer Erziehung/Kultureller Bildung immer Selbstbildung durch Eigenaktivität, Reflexion und lebenslange aktive Auseinandersetzung des Individuums mit seiner kulturellen und sozialen Umwelt. Die nachfolgenden Beiträge reflektieren die Spezifika kultureller Bildungsprozesse und –praxen in den unterschiedlichen Kontexten formaler, non-formaler und informeller Bildung. Sie ermöglichen einen qualifizierten (wissenschaftlichen) Dialog über verwendete Begrifflichkeiten wie ästhetische Erfahrung, ästheti­sche Erziehung und Bildung, Kulturpädagogik und ästhetisch-­kulturelles Lernen; aber auch Themen wie Lebenskunst, Kompetenzerwerb und Schlüsselkompetenz werden zur Diskussion gestellt.

56 Beiträge im Themenfeld

Von Benjamin Jörissen (2017)

Subjektivation und „ästhetische Freiheit“ in der post-digitalen Kultur

Der Begriff der „Subjektivation“ oder „Subjektivierung“ hat in den aktuellen bildungstheoretischen und -philosophischen Diskussionen eine zentrale Bedeutung erlangt. Im Sinne der subjekt- und machtkritischen Einwürfe hinterfragt er die klassische, für das pädagogische Selbstverständnis und Ethos nicht selten zentrale Emphase für das emanzipierte, aufgeklärte und kompetente Subjekt. Die Forderung nach einem „starken Subjekt“, wie sie nicht nur im bildungspolitischen Diskurs, sondern auch im Diskurs der Kulturellen Bildung eine programmatische Forderung darstellt, verdient vor diesem Hintergrund zunächst als solche eine kritische Würdigung, bevor nachfolgend Fragen der Digitalisierung diskutiert werden.

Von Tom Braun (2017)

Zur Bedeutung unterschiedlicher Wissensformen für die Kulturelle Bildung. Eine Abschlussbetrachtung zur Jahrestagung 2017 der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online

WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und PraktikerInnen diskutierten im Rahmen der Jahrestagung 2017 der Wissensplattform für Kulturelle Bildung Online über unterscheidbare Formen des Wissens zwischen Künsten, Wissenschaft und pädagogischer Praxis, über Fragen der Anerkennung unterschiedlicher Wissensformen und das Verhältnis von Wissen und Macht. Der Geschäftsführer der BKJ plädiert für mehr Anerkennung der Vielfalt von Wissensformen und konkretisiert dies (in pragmatischer Absicht) in 6 Punkten. Auch die NutzerInnen der Wissensplattform sind eingeladen, ihre Überlegungen zu „Wissensformen in der Kulturellen Bildung" auf www.kubi-online.de zu veröffentlichen.

Von Ute Pinkert (2017)

Das Wissen der Künste innerhalb künstlerischer (theatraler) Verfahren – Vortrag auf der Jahrestagung der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online

Ausgehend davon, dass das Wissen in der Praxis kultureller Bildungsprozesse ein anderes Wissen ist als jenes, das mit wissenschaftlichen Methoden gewonnen wird, geht die Autorin in ihrem Vortrag auf der kubi-online Jahrestagung den Fragen nach: Aber was ist auf welche Weise anders? Und welche Konsequenzen hat das für Bildungsprozesse? Wie kann das Wissen, das innerhalb einer Praxis kultureller Bildung generiert wird, gekennzeichnet und beschrieben werden? Auch die NutzerInnen der Wissensplattform sind eingeladen, ihre Überlegungen zu „Wissensformen in der Kulturellen Bildung" auf www.kubi-online.de zu veröffentlichen.

Von Max Fuchs (2017)

Prozesse der Politik und Hierarchisierung von Wissen in der kulturellen Bildung

Die Jahrestagung 2017 der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online hat KünstlerInnen, PraktikerInnen sowie WissenschaftlerInnen der Kulturellen Bildung zu ihren Wissensformen zu Wort kommen lassen. Diskutiert wurde über das Verständnis von Wissen und die Qualitäten der unterschiedlichen Formen des Wissens zwischen Kunst, Wissenschaft und pädagogischer Praxis. Unter der Headline „Deutungsmacht: Sprechen über Wissen" hielt der Vorsitzende des kubi-online Beirates, Prof. Dr. Max Fuchs, nachfolgenden Eröffnungsvortrag.

Von Johannes Breuer (2017)

Culture + 1 – Digitale Spiele und Kulturelle Bildung

Unter den Stichworten Serious Games und Digital Game-Based Learning wurde speziell in den letzten 15 Jahren diskutiert, erprobt und untersucht, wie sich Computer- und Videospiele zu Lern- und Bildungszwecken einsetzen lassen. In der Kulturellen Bildung können digitale Spiele sowohl als Werkzeuge zum Wecken von Interesse oder zur Vermittlung von Wissen als auch als kulturelle Artefakte betrachtet und verwendet werden. Aktuelle technische Entwicklungen in der Spielebranche erweitern zudem die Einsatzmöglichkeiten.

Von Lisa Niederreiter (2017)

Überlegungen zum ästhetischen Medium als Lehr- und Forschungsmethode in psychoanalytischer Rahmung

Der Beitrag befasst sich mit ästhetischen Rezeptions- und Ausdrucksprozessen als Medium von Erkenntnis, (Selbst)-Bildung und Forschung. Dazu wird sowohl Grundsätzliches vorgestellt wie auch Konzepte ästhetischer/künstlerischer Forschung inklusive ihrer methodischen Anwendungsmöglichkeiten in der Lehre. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die psychoanalytische Rahmung und praktische Erläuterung ästhetischer Prozesse mithilfe ausgewählter Theoriebildung aus der tiefenpsychologischen Entwicklungslehre und Kreativitätsforschung.

Von Jörg Zirfas (2016 / 2015)

Die Arena der Kulturellen Bildung. Ein analytisches Modell

Im Blickwinkel der Arena erscheint die Kulturelle Bildung als ein Raum, der durch einen Diskurs geordnet und von Machtbeziehungen durchdrungen wird. In diesem Raum geht es um zudem um Darstellungs- und Inszenierungsformen sowie um spielerische und kritische Perspektiven. Dabei erscheint der Körper-Leib als die eigentliche Arena Kultureller Bildung: Kulturelle Bildung ist nicht nur Kampf um den Geist, sondern vor allem Kampf um den Körper.

Von Cornelie Dietrich, Anke Wischmann (2016)

Kulturarbeit in regionalen Bildungslandschaften: ein Fallvergleich zwischen England und Deutschland

Anliegen des vorliegenden Beitrags ist es, in vergleichender Perspektive angloamerikanische und deutsche Ansätze einer „Community Education“ im Kontext kultureller Bildungsarbeit zu untersuchen. Darin stellt sich Öffentlichkeit als bedeutsamer Teil der Entwicklung von Bildungsbeteiligung immer wieder neu her, allerdings in länderspezifisch je unterschiedlicher Weise. Auch lassen sich große Unterschiede im Hinblick auf Inhalte ebenso feststellen wie in Bezug auf die beteiligten Akteure und die Herstellung der Differenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum. In einem Fallvergleich von zwei Projekten zur edukativen Kulturarbeit werden die Unterschiede im Verständnis von Organisation, Beteiligung und Repräsentation herausgearbeitet und für die hiesige Diskussion fruchtbar gemacht.

Von Max Fuchs (2016)

„Wissen, was wirkt“ - Anmerkungen zur evidenzbasierten Bildungspolitik im Bereich der kulturellen Bildung

Skizziert werden die Genese einer evidenzbasierten Bildungspolitik und die Folgen einer evidenzbasierten Erziehungswissenschaft. Gerade angesichts einer zunehmenden Verwissenschaftlichung der Kulturpädagogik in ihren einzelnen Sparten scheint es nötig zu sein, diese Entwicklung aufzugreifen und sich mit der Relevanz einer zunehmend auf Evidenz ausgerichteten Bildungspolitik und -forschung für die Kulturpädagogik kritisch auseinanderzusetzen. Der Autor vertritt, dass die geringe Sensibilität einer evidenzbasierten Pädagogik gegenüber der Praxis professionellen Handelns den Verdacht nahelegt, dass die politischen Interessen, die der Evidenzbewegung zugrunde liegen, stärker sind als ihr wissenschaftliches Credo.

Von Max Fuchs (2015)

Ästhetische Erfahrungen – Hinweise für den Umgang mit einem komplexen Begriff

Im Folgenden soll es nicht darum gehen, den Begriff der ästhetischen Erfahrung zu definieren oder ihn für einen pädagogischen Gebrauch nutzbar zu machen. Es sollen vielmehr einige Hinweise darauf gegeben werden, was bei einem Umgang mit diesem Begriff zu beachten ist und woran man denken sollte, wenn man Texte liest, die sich mit diesem Begriff befassen. Die Anregungen basieren auf Diskursen beim 3. Kubi-Online Symposium 2015.