Themenfeld:

Diversität

Mit dem Ziel, die vielen Diskurse um eine diversitätsbewusste Kulturelle Bildung zu flankieren, veröffentlicht die Wissensplattform kubi-online seit 2016 vermehrt Fachbeiträge zu den Themen kulturelle Vielfalt, Migration, Inklusion und Integration. Zahlreiche Expert*innen positionieren sich in diesem Themenfeld zu den Gestaltungsaufgaben einer rassismuskritischen kulturellen Bildungspraxis und einer diversitätssensiblen Öffnung von Strukturen im Feld von Kunst, Kultur und Bildung. Gerne können Sie uns weitere fachlich-wissenschaftliche Beiträge zur Veröffentlichung vorschlagen.

24 Beiträge im Themenfeld

Von Maren Ziese (2017)

Visionen und Handlungsfelder für eine diskriminierungskritische Kulturszene. Wie konzipieren wir in Zukunft kulturelle Bildungsprojekte?

Der deutsche Kulturbetrieb mit seinen Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen ist eine zu großen Teilen sehr geschlossene Welt. Die westliche Definition von "Kultur" meint unter anderem die Abgrenzung eines weißen bürgerlichen Lebensstils von einer "anderen", vermeintlich weniger "kultivierten" Lebensweise und wurde als "Leitkultur" gesetzt. Seit das Thema "Flucht und Ankommen" im deutschen Kulturbetrieb virulent geworden ist, sind Fragen der Zugänglichkeit und Teilhabe, interkultureller Vielfalt in Programm, Personal und Publikum erneut verstärkt Diskussionsgegenstand. Der vorliegende Beitrag hat Visionen und Strategien für eine diskriminierungskritische Kulturszene zum Thema. Er zeigt auf, durch welche Aspekte und Stellschrauben sich am System etwas ändern kann. Dabei geht es um vier Themenblöcke, die sich nacheinander mit Visionen und der Realität von Diskriminierung, echter Teilhabe, Kommunikation sowie einer Sensibilität in der Veranstaltungsplanung befassen.

Von Bettina Heinrich (2017)

Das Problem mit der Komplexität der Diversität und ihrer Differenzkategorien – eine kursorische Spurensuche mit Fokus auf Gender

Seit einigen Jahren beherrscht das Thema Diversity/Vielfalt die Fachdiskurse der Kulturellen Bildung im Besonderen sowie der Kulturarbeit im Allgemeinen. Alle AkteurInnen und Aktivitäten beschäftigen sich mit der gleichen, vordergründig einfachen, Frage: Wenn Vielfalt eine gesellschaftliche Tatsache sowie ein prägendes gesellschaftliches Strukturelement ist, wie müsste dann die strukturelle Verankerung eben dieser Vielfalt in der kulturarbeiterischen und kulturpädagogischen Konzeptentwicklung und Praxis aussehen? In den Kultur- und Sozialwissenschaften werden Vielfalt, Diversity und plurale Lebenswirklichkeiten entlang unterschiedlicher Kategorien gefasst, z.B. ethnische Herkunft, soziale Herkunft, Alter, Geschlecht/Gender, sexuelle Orientierung, Behinderung, Religion/Weltanschauung.

Von Clarissa Heisterkamp (2017)

„Ihre dunklen Augen glitzern“. Zur Konstruktion des Fremden und zur Darstellung von Diversität im Kinderbuch- eine rassismuskritische Analyse

Das Kinderbuch im Spiegel einer diversen Gesellschaft? Wem wird die rechte Bildseite als Blickfang gewährt? Und welche Stereotype werden im Kinderbuch reproduziert? Diesen und weiteren Fragen möchte diese Arbeit auf den Grund gehen. Sie wirft dazu einen Blick auf den Buchmarkt um herauszufinden, welche Spuren die sogenannte „Kinderbuchdebatte“ dort hinterlassen hat. Zur Analyse werden zwei Publikationen unter rassismuskritischen Kriterien untersucht.

Von Ronit Land (2017)

Choreografie einer Diversität. Transkulturelle Methoden aus der Tanzpädagogik

Die Fremde erstreckt sich über Sehnsuchtsbögen, die man sich beim Tanzen in den Zwischenraum zwischen sich und den Anderen wünscht. Das Fremde ist nicht außerhalb unserer Wahrnehmung, sondern ein zentraler Bestandteil von ihr. Es ist der verborgene Schatten in unserem Gesicht, der Raum, der uns weggenommen wird, die Zeit, in der wir unser Mitgefühl verloren haben. Da die eigene Reflexion schmerzhaft sein kann, werden Wut und Angst auf den Anderen projiziert. Der wirkliche Reichtum des Anderen ist aber das menschliche Potential, das die Möglichkeit eröffnet, ein schöpferisches Leben zu erfahren. Diese Möglichkeiten bedeuten, eine Freiheit in Anspruch zu nehmen, die aus elementarer Neugier und alltäglicher wie auch künstlerischer Beweglichkeit entsteht. Die Freiheit, zu entscheiden und zu handeln, entspringt zwar aus den persönlichen Fähigkeiten, wird aber stark eingeschränkt, wenn die politischen und wirtschaftlichen Begebenheiten nicht vorhanden sind.

Von Bettina Heinrich (2016)

Kunst oder Sozialarbeit? Eckpunkte eines neuen Beziehungsgefüges zwischen Sozialer Arbeit und Kulturarbeit

Der vorliegende Beitrag setzt sich mit der Frage „Ist das Kunst oder Soziale Arbeit?“ auseinander, indem er aktuelle Projekte, Programme und Konzepte sichtet. Einerseits lässt sich eine wachsende Vielfalt an kulturellen Ausdrucksformen (mit neuen Teilhabeansprüchen) und eine weitere ‚Demokratisierung des Ästhetischen’ feststellen. Andererseits ein neues, erweitertes soziales Mandat der Kultureinrichtungen, Kulturpolitik und Kulturellen Bildung sowie ein neues, erweitertes kulturelles Mandat der Sozialen Arbeit. Das Ergebnis ist eine wachsende Vielfalt an Aktivitäten in einem Feld irgendwo zwischen Kultur, Sozialer Arbeit und Bildung. Kunst und Soziale Arbeit scheinen im Hinblick auf die Kooperationspraxis und AdressatInnen der Projekte mehr denn je miteinander verbunden zu sein.

Von Susanne Keuchel (2016)

Zur Diskussion der Begriffe Diversität und Inklusion – mit einem Fokus der Verwendung und Entwicklung beider Begriffe in Kultur und Kultureller Bildung

Die Begriffe Diversität und Inklusion spielen in der Kulturellen Bildung, aber auch im Kulturbereich eine zunehmende Rolle. Dabei kann beobachtet werden, dass es im Diskurs oftmals an Trennschärfe der Begrifflichkeiten fehlt. Tendenziell wird in der kultur- und bildungspolitischen Praxis Diversität eher im Kontext von Nationalität/Religion/Herkunft eingesetzt, Inklusion eher im Kontext von Menschen mit Behinderung. Dabei sind die Dimensionen beider Begriffe wesentlich vielschichtiger.

Von Susanne Keuchel (2016 / 2015)

Diversität, Globalisierung und Individualisierung: Zur möglichen Notwendigkeit einer Neuorientierung in der Kulturpädagogik

Welche Anforderungen stellt kulturelle Diversität an die Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Globalisierungs- und Lokalisierungsprozessen? Wie positioniert sich der Einzelne im Spannungsfeld einer zunehmenden Individualisierung auf der einen Seite und dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppierungen vor Ort auf der anderen Seite? Hierzu werden unterschiedliche Gesellschaftsmodelle auf ihren Umgang mit „Künsten“ und Kultureller Bildung reflektiert - hier insbesondere bezogen auf Fragen von Zugehörigkeits- und Abgrenzungsprozessen - und eine Vision einer Kulturellen Bildung im Zeitalter kultureller Diversität entwickelt.

Von Susanne Keuchel (2016)

Arts Education in the Age of Cultural Diversity – A Basis to Gain Cultural Identity in a Risk Society

Welche Anforderungen stellt Kulturelle Diversität an die Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Globalisierungs- und Lokalisierungsprozessen? Der Beitrag reflektiert hierzu in einem ersten Schritt unterschiedliche Gesellschaftsmodelle auf ihren Umgang mit „Künsten“, ästhetischen Ausdrucksformen und Kultureller Bildung. In einem zweiten Schritt werden diese Reflexionen genutzt, um eine Vision zu entwickeln, wie eine zeitgemäße diversitätsbewusste Kulturelle Bildung aussehen könnte im Zeitalter einer „globalisierten“ und individualisierten Gesellschaft.

(2016)

„Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“ Nina Stoffers, Anja Schütze und Irmgard Merkt über Diversität und Diversitätsbewusstsein in der Kulturellen Bildung.

Kulturelle Bildung ist zunächst ein Abstraktum, das mit Inhalten gefüllt werden muss. Als Konkretum ist Kulturelle Bildung nur dann diversitätsbewusst, wenn diejenigen, die sie vermitteln, den Blick auf die Diversität der Menschen und Kulturen richten und kulturelle Bildungsprozesse unter dem Gesichtspunkt Diversität inhaltlich kompetent gestalten. Diversitätsbewusstsein setzt voraus, dass ich mich bewusst mit den Dimensionen des Unterschieds und meiner eigenen Position darin auseinandergesetzt habe. Es wird zwar allerorten verlautbart, dass Diversität bzw. die Anerkennung von Diversität der Normalfall ist oder zumindest sein sollte, aber die aktuelle empirische Realität ist stark von Grenzziehungen und Exklusionen, also Ausschlüssen verschiedener Art geprägt.

Von Max Fuchs (2016)

Flucht, Zuflucht und Kulturelle Bildung - Anmerkungen zu Möglichkeiten und Grenzen einer ästhetischen Praxis

Die aktuellen Fluchtbewegungen stellen die Organisationen im Kulturbereich vor neue Herausforderungen und eine pädagogische wie politische Verantwortung. Entsprechend erinnert der Beitrag die rechtlichen Grundlagen im Umgang mit Geflüchteten, setzt sich kritisch mit Werthaltungen und der Forderung nach einer Leitkultur auseinander und benennt bildungs- und kulturtheoretische Aspekte der Herausforderungen von Flucht, Zuflucht und Kultureller Bildung sowie Stolpersteine und Ambivalenzen bei der Organisation einer ästhetischen Praxis mit geflüchteten Menschen.