Themenfeld:

Adressaten

Dieses Kapitel richtet den Fokus auf besondere Adressatengruppen und greift die Verantwor­tung von Akteuren, Einrichtungen und Verbänden der Kulturellen Bildung auf, die subjektiven Potenziale und strukturellen Einschränkungen der Teilhabe an Künsten, Bildung und Kultur zu berück­sichtigen.

22 Beiträge im Themenfeld

Von Esther Gajek (2014 / 2013)

Seniorenprogramme an Museen: Zur Konstruktion von Alter und der Herausforderung, ein überholtes Altersbild zu überwinden

Alt wird man gemacht – das zeigen museale Seniorenprogramme, die im Zuge des demographischen Wandels entstanden. Viele dieser regelmäßigen Vermittlungsangebote konstruieren durch Ansprache der Gruppe, Inhalte und Methoden ein überholtes Altersbild. Diesem steht eine Generation von neuen Alten gegenüber, die sich nicht mit Frontalführungen und Kaffeeklatsch zufrieden gibt, sondern Interaktion, Partizipation und Führungen auf Augenhöhe fordert. Hier gilt es, zwischen Fremdbild und Selbstbild zu vermitteln und neue Formate zu finden – zum Nutzen der Zielgruppe und für die Museen selbst.

Von Thomas Röbke (2014)

Bürgerschaftliches Engagement Älterer für die Kultur – Vielfalt der Formen und Anforderungen

1999 überraschte Wim Wenders mit „Buena Vista Social Club“. Einige ältere Herren und Damen spielen entspannt eine unwiderstehlich sehnsuchtsvolle Musik. Kein Traum von Jugend, von Fortschritt, vom dauernden Überschreiten der Grenzen, aber eben auch keine Verzweiflung, die sich deshalb breit machen müsste, sondern ein Lebensgefühl, das die bescheidenen Möglichkeiten im Hier und Jetzt auskostet. Etwa zehn Jahre später reüssierte der Film „Young at Heart“ über einen Seniorenchor in Massachusetts mit Songs der jüngeren Generationen, die authentisch und doch mit Augenzwinkern von 80-, ja 90-Jährigen unter Begeisterungsstürmen auf der Bühne zelebriert werden. Ein Genre scheint sich zu entwickeln. Seniorinnen und Senioren als Kulturbotschafter, die es nochmal wissen wollen, sich bürgerschaftlich im Kulturbereich engagieren und ihre Lebenskrisen durch Kunst überwinden.

Von Theo Hartogh, Hans Hermann Wickel (2014)

Musikalische Bildung im Alter

In Zukunft ist mit deutlich mehr Bildungsteilnehmern aus der älteren Generation zu rechnen, sodass eine neue Zielgruppe für anspruchsvolle Bildungsangebote entsteht. Die Ergebnisse musikbiografischer Studien zeigen, dass die nachberufliche und nachfamiliäre Lebensphase viel Freiraum für Aktivitäten, wie den Wieder- und Neueinstieg in das Spielen eines Instruments oder die Mitwirkung in einem Musikensemble (Orchester, Kammermusikensembles, Bands, Chöre), bietet. Zudem kann das aktive Musizieren die Lebensqualität im höheren Alter verbessern und in der nachberuflichen Phase entscheidend zur Stabilisierung der Identität beitragen.

Von Vera Allmanritter (2014)

Menschen mit Migrationshintergrund als Kulturpublikum. Der aktuelle Forschungsstand in Deutschland sowie Anregungen zur weiteren Beschäftigung

Menschen mit Migrationshintergrund als (potentielles) Publikumssegment sind im wissenschaftlichen Diskurs des Forschungsfelds Kulturmanagement und in strategischen Überlegungen von Kulturinstitutionen in Deutschland ein noch recht neues Thema. Der hier vorliegende Artikel ist um eine Darstellung der Komplexität des Feldes sowie um eine Schlaglichtbetrachtung des Forschungsstandes bemüht. Zudem werden Perspektiven für weitere Forschung und Anregungen zu einer vertiefenden Beschäftigung gegeben.

Von Elisabeth Braun (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung für Menschen mit Behinderung

Die Bedeutung der Kulturellen Bildung für Menschen mit Behinderungen ist die gleiche wie für alle anderen Zielgruppen und – wiederum auch nicht. Die Kulturelle Bildung hat ihren Wert an sich, gerade auch dann, wenn „behindernde“ Lebensumstände den betroffenen Personen Entscheidungs­- und Gestaltungsmöglichkeiten nehmen. In der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen werden künstlerisch-kulturelle Aktivitäten oft nicht als solche definiert, sondern als Kompensationsmöglichkeiten der Beeinträchtigungen und als psychotherapeu­tische oder sozialkommunikative Angebote interpretiert.

Von Almuth Fricke (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung im Dialog zwischen Jung und Alt

Im Zuge der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft stehen immer weniger Kinder und Jugendliche einer wachsenden Gruppe von älteren Menschen gegenüber (siehe Karl Ermert „Demografischer Wandel und Kulturelle Bildung in Deutschland“). Der jüngste Demografie-Bericht der Bundesregierung 2011 konstatiert, dass die Bevölkerung derzeit zu je einem Fünftel aus Kindern und Jugendlichen unter 20 und aus Über­-65­-Jährigen besteht, im Jahr 2030 werden die Über-65-Jährigen bereits etwa 29 % der Bevölkerung aus­machen (BMI 2011:32f.).

Von Kim de Groote (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung im Alter

Stichwörter

Der demografische Wandel beeinflusst längst die Praxis der Kulturellen Bildung: In immer mehr Städten entstehen Seniorentheatergruppen. Der Deutsche Musikrat hat das Thema Musizieren 50+ auf der Agenda und diskutiert notwendige Rahmenbedingungen für das Musizieren im Al­ter. In der Medienarbeit werden Ansätze zur generationenübergreifenden Arbeit entwickelt. An manchen Museen entstehen Führungskonzepte für Menschen mit Demenz. Immer mehr feste und freie KulturpädagogInnen entdecken die Zielgruppe und entwickeln neue Angebotsformen.

Von Christian Schmidt (2013 / 2012)

Jugendkulturelle Szenen und Kulturelle Bildung

Jugendkulturelle Szenen stellen eine Herausforderung für die Kulturelle Bildung dar. Zum einen finden in diesen Gemeinschaften bereits informelle kulturelle Bildungsprozesse abseits einer kulturpädagogischen Einflussnahme statt. Dadurch erwerben Heranwachsende nicht selten einen hohen Grad an szene-spezifischem Wissen, das außerhalb der Szene stehende KulturarbeiterInnen und -­pädagogInnen meist nicht vorweisen können. Diese werden deshalb von den Jugendlichen in vielen Fällen nicht ernst genommen und damit als kulturelle BildnerInnen nicht akzeptiert.

Von Peter Cloos (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung und Eltern

Ein grober Blick in die vorliegende Literatur zur Kulturellen Bildung erweist sich als wenig ergebnisreich. Das Verhältnis von Kultureller Bildung und Eltern scheint zwar immer wieder mal in vorliegenden Beiträgen zum Thema zu werden (vgl. u.a. Braun 2006), jedoch ist es bislang kaum systematisch aufgearbeitet worden. Dies verwundert, weil grundsätzlich von einem Zusammenwirken informeller, non­-formaler und formaler Bildungsorte und Lernwelten auszugehen ist (vgl. BMFSFJ 2005b).

Von Tom Braun (2013 / 2012)

Kulturelle Jugendbildung im Übergang von Schule, Ausbildung und Beruf

In den letzten Jahren hat sich die Forschung vermehrt um neue Beschreibungen der Lebens­phase „Jugend“ bemühen müssen. Die zunehmende Individualisierung von Lebensverläufen und die Pluralisierung lebensweltlicher Ressourcen wie gemeinsame Sinnvorräte, Wertorien­tierungen oder Rollendefinitionen werden besonders in eben jener Lebensphase virulent, die von Veränderung und Orientierungssuche geprägt ist.