Kulturelle Bildung in der Krise? Denkanstöße und Diskurserweiterungen

Leere im Theatersaal
Foto: Ryan Brownell (https://en.wikipedia.org/wiki/File:Bella_Rose_Arts_Centre_Stage.JPG), „Bella Rose Arts Centre Stage“, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode

Corona nimmt massiven Einfluss auf kulturelle Bildungsprozesse und Kultur, doch wie und wo werden diese einschneidenden Veränderungen fachlich antizipiert? Gibt es kulturpädagogische, bildungs- und kulturtheoretische „Antworten“, der Pandemie zu trotzen? kubi-online will den fachlich-wissenschaftlichen Diskurs dazu führen, wie ästhetisch-künstlerische Praxen und Orte Kultureller Bildung in und mit den Einschränkungen der Pandemie ihr Bildungs- und Gestaltungspotenzial ausspielen und nachhaltig unter Beweis stellen können: als Räume der Freude und Ermutigung, der Selbstvergewisserung und Selbstermächtigung, für individuelle Widerstandsfähigkeit und gesellschaftliches Zusammenleben.

Denkanstöße und Diskurserweiterungen

Um den inhaltlich-fachlichen Diskurs auf kubi-online zu eröffnen, haben wir Max Fuchs, Birgit Mandel und Michael Wimmer um kurze, subjektiv-kritische Impulsbeiträge zum Thema gebeten. Ihre Denkanstöße über „Corona oder das Ende der Kulturellen Bildung?“, „neue Leitbilder…“ und die „Ermutigung zur politischen Selbstermächtigung“ sind keine fachlich-wissenschaftlichen Artikel, wie man sie sonst auf der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online findet. Sie sind eher ein „Anpfiff“, die erziehungs-, bildungs- und kulturwissenschaftliche Diskussion um pandemiebedingte Veränderungen und fachliche Zukunftsfähigkeit auch zu führen!

Max Fuchs regt beispielsweise an, über die Frage nach der „Bildungsrelevanz von Corona“ produktiv nachzudenken: „Wenn unter Bildung die Disposition verstanden wird, sein eigenes Projekt des guten Lebens zu realisieren, wenn also unter Bildung Lebenskompetenz verstanden wird und wenn jeder von uns erlebt, wie sehr Corona in die Gestaltung des eigenen Lebens eingreift, dann wird deutlich, dass Corona quasi eine Art „Elchtest“ dafür ist, ob und inwieweit (die bislang erreichte) Bildung und damit auch Kulturelle Bildung diese Aufgabe der Unterstützung bei der Lebensbewältigung bei jedem Einzelnen erfüllt.“ (siehe: Max Fuchs: Corona oder das Ende der Kulturellen Bildung?)

Zur Diskussion steht, so Michael Wimmer, „nicht mehr und nicht weniger als die Beanspruchung eines Mandats, das eigene Handeln in seinem, sich gerade dramatisch ändernden (gesellschafts-)politischen Kontext zu verorten, damit diesen zu antizipieren, auf Wirkmächtigkeit zu prüfen und für die eigene Praxis produktiv zu machen. Schlicht: Sich nicht darauf zu beschränken, das eigene Feld zu verteidigen, sondern Position zu beziehen und sich – durchaus mit den Mitteln des eigenen Fachbereiches – einzumischen in das, was um uns gerade geschieht.“ (siehe: Michael Wimmer: Was vermag Kulturelle Bildung für die Gesellschaft zu leisten? – Eine Ermutigung zur politischen Selbstermächtigung)

Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik zu gestalten, bedeutet für Birgit Mandel, dass sich Kultureinrichtungen und Kulturelle Bildung gerade in Pandemiezeiten als wichtige „Anker-Orte“ für Teilhabe und soziales Miteinander profilieren müssen: „Kultureinrichtungen werden damit weder zur Sozialarbeit noch zur Außenstelle von Schule, sondern sie nutzen ihre künstlerisch-ästhetischen und kulturellen Ressourcen für das gelingende Zusammenleben.“  (siehe: Birgit Mandel: Sich nützlich machen für das gesellschaftliche Zusammenleben - Neue Leitbilder für öffentlich getragene Kultureinrichtungen)

Neu erschienen im Januar 2021:

Matthias Henkel (2021): Shutdown vs. Kickoff? Museen neu denken im Zeitalter von COVID 19

-Metadaten

In dem ungewöhnlichen Format eines fiktionalen Soliloquiums bietet dieser Fachbeitrag die Möglichkeit, mit kurzen Textpassagen und mit bewusst gesetzten Brüchen das weite Feld der operativen Museumsarbeit zu überblicken und weiter zu denken: #museumNEUdenken. Der Beitrag ist eine überarbeitete und erweiterte Fassung des gleichnamigen Vortrages auf dem Online-Symposium:
Museen in Quarantäne – Neue Chancen für Sammlungen

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Die Statements von Fuchs, Mandel und Wimmer sollen Fragestellungen sowie Problematik deutlich machen und ein Anstoß sein, um Sie als Expert*innen im Bereich von Kunst, Kultur und Bildung für einen tiefergehenden, fachlich-wissenschaftlichen Diskursbeitrag über eine zukunftsfähige Kulturelle Bildung in Pandemiezeiten und darüber hinaus zu gewinnen. Hier finden sie unseren Autor*innenleitfaden, sofern Sie uns einen Artikel anbieten und sich über unsere qualitativen und formalen Standards auf kubi-online informieren möchten. 

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Die Wissensplattform „kubi-online: Wissenstransfer für Kulturelle Bildung“ wird getragen von der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und der Stiftung Universität Hildesheim. Sie wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.