Forschung

Übersicht: Neuerscheinungen 2016

© Photographee.eu - Fotolia.com

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Forschung über Kunst, Kultur und Bildung

In der Rubrik „Forschung“ der Wissensplattform finden Studierende und WissenschaftlerInnen eine Vielfalt von Fachreflexionen zu Grundlagen-, Methoden-, Wirkungs- oder internationaler Forschung. Diese Rubrik wurde in den vergangenen Monaten gezielt ausgebaut und vertieft. 58 Beiträge zu den unterschiedlichsten Themen über Kulturelle Bildung und Forschung finden NutzerInnen der Wissensplattform Anfang 2017 in dieser Rubrik.

Folgende Studien und Forschungsbeiträge wurden im Jahr 2016 neu auf www.kubi-online.de veröffentlicht:

Entfalten statt liften! Bedürfnisse von Älteren in kulturellen Bildungsangeboten von Kim de Groote

Von vielen Kulturanbietern wurde der demografische Wandel bereits zum Anlass genommen, sich der neuen, wachsenden Zielgruppe der Älteren zuzuwenden. Mit der Studie „Entfalten statt liften! Eine qualitative Untersuchung zu den Bedürfnissen von Senioren in kulturellen Bildungsangeboten“ (de Groote 2013), die zusammenfassend im Artikel vorgestellt wird, wurden Forschungsergebnisse vorgelegt, wie kulturelle Bildungsangebote für Ältere gestaltet werden sollten, um den Bildungsbedürfnissen Älterer und den Veränderungen des Lernens im Alter gerecht zu werden. In der Studie wurden Experteninterviews mit Teilnehmenden zwischen 60 und 85 Jahren sowie mit DozentInnen kultureller Bildungsangebote für Ältere geführt. Die Interviews lieferten Erkenntnisse zu den Bedürfnissen Älterer vom Weg zur Teilnahme an einem kulturellen Bildungsangebot bis hin zur Bedeutung der im Lehr-/Lernprozess entstandenen künstlerischen Produkte, wie Theaterstücke oder ein Chorrepertoire.

Kulturarbeit in regionalen Bildungslandschaften: ein Fallvergleich zwischen England und Deutschland von Cornelie Dietrich / Anke Wischmann

Anliegen des vorliegenden Beitrags ist es, in vergleichender Perspektive angloamerikanische und deutsche Ansätze einer „Community Education“ im Kontext kultureller Bildungsarbeit zu untersuchen. Darin stellt sich Öffentlichkeit als bedeutsamer Teil der Entwicklung von Bildungsbeteiligung immer wieder neu her, allerdings in länderspezifisch je unterschiedlicher Weise. Auch lassen sich große Unterschiede im Hinblick auf Inhalte ebenso feststellen wie in Bezug auf die beteiligten Akteure und die Herstellung der Differenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum. In einem Fallvergleich von zwei Projekten zur edukativen Kulturarbeit werden die Unterschiede im Verständnis von Organisation, Beteiligung und Repräsentation herausgearbeitet und für die hiesige Diskussion fruchtbar gemacht.

„Internationalität“ in der kulturellen Bildungspraxis. Eine explorative empirische Studie von Susanne Keuchel

Im Fachdiskurs wird oftmals argumentiert, dass Kulturelle Bildung per se Interkulturelle Bildung sei, da Kulturelle Bildung, „immer mit der Vielfalt von Blickwinkeln zu tun“ habe, da „künstlerische Zugänge helfen […], die Welt mit anderen Augen zu sehen“ (bpb o.J.). Interkulturalität ist jedoch nur eine Facette im Diskurs um Diversität und kulturelle Vielfalt. Zunehmend werden auch transkulturelle Phänomene in der Kulturellen Bildung diskutiert. Noch selten werden im Fachdiskurs Fragestellungen zur „Internationalität“ in der Kulturellen Bildung aufgegriffen, die jedoch in der Erziehungswissenschaft zunehmend eine Rolle spielen, unter der Fragestellung: Wie international ist Bildung in Zeiten von Globalisierung, Migration und damit einhergehendem soziodemografischen Wandel aufgestellt?

Bildende Wirkungen ästhetischer Erfahrungen: Wie kann man sie erforschen? Eine heuristische Systematik von Christian Rittelmeyer

Anliegen dieses Artikels ist es, verschiedene grundlegende Methoden und Fragestellungen der Wirkungsforschung in knapper Form systematisch darzustellen. Es geht dabei um sechs Verfahren, die gleichermaßen Beachtung in jeder empirischen Studie zur Wirkung künstlerischer Erfahrungen verdienen, wenngleich damit nicht gemeint ist, dass sie sämtlich in jeder Untersuchung das Untersuchungsdesign bestimmen müssen. Aber ihre Kenntnis kann hilfreich sein auch bei der kritischen Interpretation signifikanter oder insignifikanter, ausgeprägter oder weniger ausgeprägter Untersuchungsresultate.

„Wissen, was wirkt“ - Anmerkungen zur evidenzbasierten Bildungspolitik im Bereich der kulturellen Bildung von Max Fuchs

Der Autor skizziert die Genese einer evidenzbasierten Bildungspolitik und -wissenschaft und verdeutlicht deren Folgen. Gerade angesichts einer zunehmenden Verwissenschaftlichung der Kulturpädagogik in ihren einzelnen Sparten scheint es ihm dringend geboten, diese Entwicklung aufzugreifen und sich mit der Relevanz einer zunehmend auf Evidenz ausgerichteten Bildungspolitik und -forschung für die Kulturpädagogik kritisch auseinanderzusetzen. Er vertritt, dass die geringe Sensibilität einer evidenzbasierten Pädagogik gegenüber der Praxis professionellen Handelns den Verdacht nahelegt, dass die politischen Interessen, die der Evidenzbewegung zugrunde liegen, stärker sind als ihr wissenschaftliches Credo

Ein (Zwischen)Raum für die Möglichkeit des Unmöglichen. Die Erforschung des Modells eines Transformationsraums von Silke Ballath

Ausgehend von einem Praxisbeispiel aus dem Programm Kulturagenten für kreative Schulen wird in dem Artikel ein (Zwischen)Raum für die Möglichkeit des Unmöglichen beschrieben, der sich an Hand von Widersprüchen in der Zusammenarbeit von KünstlerInnen und LehrerInnen darstellt. Die Autorin entwickelt davon ausgehend die Denkfigur des Transformationsraums. Sie versteht diese Denkfigur als Impuls und Unterstützung für einen kritisch-informierten Austausch in der Zusammenarbeit von KünstlerInnen und LehrerInnen.

Nicht-BesucherInnen öffentlich geförderter Kulturveranstaltungen. Der Forschungsstand zur kulturellen Teilhabe in Deutschland von Thomas Renz

Die Gesellschaft in Deutschland leistet sich für mehrere Milliarden Euro pro Jahr eine öffentlich geförderte Kulturlandschaft. Seit vielen Jahren scheint es aber so, dass vor allem bei der an Einrichtungen gebundenen Kultur ein gewisser Optimierungsbedarf existiert: Die großen Museen, Theater und Konzerthäuser haben an gesellschaftlicher Relevanz verloren, die Besucherzahlen sind nicht immer befriedigend, in Zeiten knapper öffentlicher Kassen schwebt die Angst vor Mittelkürzung über den freiwilligen Leistungen und es werden Legitimationsgründe für eine weitere Förderung gesucht. Daher wird in diesem Beitrag der Frage nachgegangen, weshalb im Gegensatz zum kulturpolitischen Anspruch von Kultur für alle (Hoffmann 1981) nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung regelmäßig öffentlich geförderte Kulturveranstaltungen besucht und welche Maßnahmen Kulturpolitik und Kulturmanagement entwickeln können, um diese Form kultureller Teilhabe zu fördern.

Arts Education in the Age of Cultural Diversity – A Basis to Gain Cultural Identity in a Risk Society von Susanne Keuchel

Welche Anforderungen stellt Kulturelle Diversität an die Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Globalisierungs- und Lokalisierungsprozessen? Der Beitrag reflektiert hierzu in einem ersten Schritt unterschiedliche Gesellschaftsmodelle auf ihren Umgang mit „Künsten“, ästhetischen Ausdrucksformen und Kultureller Bildung. In einem zweiten Schritt werden diese Reflexionen genutzt, um eine Vision zu entwickeln, wie eine zeitgemäße diversitätsbewusste Kulturelle Bildung aussehen könnte im Zeitalter einer „globalisierten“ und individualisierten Gesellschaft.

Singen. Zentrale Begriffe, psychosoziale Wirkfunktionen und musikpädagogische Handlungsfelder. Eine interdisziplinäre Untersuchung von Inka Neus

Seit etwa 20 Jahren gibt es in der evidenzbasierten Medizin ein zunehmendes Interesse am Zusammenhang von Singen, Wohlbefinden und Gesundheit. Diese Thematik betrifft auch die Musikpädagogik, wobei Transfereffekte von Musik kontroverse Diskussionen verursachen. Auf Basis einer medizinischen Studie, einer narrativen Review sowie einer qualitativen Inhaltsanalyse skizziere ich zentrale epistemologische Probleme, die sich im Spannungsfeld zwischen Medizin und Musikpädagogik ergeben und problematisiere das Singen als Forschungsgegenstand in quantitativ-empirischer Forschung. Meine Beobachtungen zeigen, dass sich das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (WHO) nicht in den Denkstil der Musikpädagogik implementieren lässt.

Zur Umsetzung von Partizipation in der musikalischen Bildung. Ergebnisse einer qualitativ-empirischen Analyse von Steffen Geiger

In Diskursen der Kulturellen Bildung wird der Partizipationsbegriff derzeit viel diskutiert. Daran knüpft der Beitrag an und betrachtet ausgehend von einer theoretischen Differenzierung des Partizipationsbegriffes die Umsetzung von Partizipation aus der Perspektive musikpädagogischer Fachkräfte, die ein Musikprojekt im schulischen Kontext durchführen. Der Beitrag fußt auf einer qualitativ-empirischen Analyse und Masterarbeit an der Universität Tübingen, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Sozialpädagogik.

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