Aktuelle Debatte

Kulturelle Vielfalt und Inklusion

Mit dem Ziel, die vielen Aktivitäten mit geflüchteten Menschen und die vielen Diskurse über eine diversitätsbewusste Kulturelle Bildung zu flankieren, startete die Wissensplattform Kulturelle Bildung Online zur Woche der kulturellen Vielfalt im Mai 2016 den neuen Themenschwerpunkt  „Wie gelingt Inklusion?“ Wie können Akteure der Kulturellen Bildung zu sozialer Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt beitragen? Welche Vertiefungen des Diskurses, welche Veränderungen in den Angeboten sind notwendig, um über Kultur- und Bildungsarbeit geflüchtete Menschen in ihrer Beheimatung zu unterstützen und bei allen Beteiligten transkulturelle Kompetenz zu verstärken?

Schreiben Sie uns hierzu einen eigenen Fachartikel oder machen Sie uns auf gelungene Aufsätze für eine mögliche Zweitverwertung auf Kulturelle Bildung Online aufmerksam. Die Zusammenstellung schon vorhandener Fachbeiträge auf der Wissensplattform (siehe hierzu beispielsweise die Beiträge von Vera Allmanritter, Susanne Keuchel, Dorothea Kolland, Paul Mecheril, Nina Simon ) sowie das Bemühen der Redaktion, weitere Autorinnen und Autoren für Fachbeiträge über Migration, Flucht, Diversity und Inklusion zu akquirieren, soll Anregungen für eine konzeptionelle und strukturelle Weiterentwicklung des Feldes Kultureller Bildung geben und deutlich machen: Es muss um weit mehr als eine Willkommenskultur gehen. Zur Wertschätzung kultureller Vielfalt gehört eine diversitätsbewusste, rassismuskritische Kunst-, Kultur- und Bildungspraxis. Und nur dann kann es zu Recht und mit Selbstbewusstsein heißen: Kultur öffnet Welten.

Die aktuellen Fluchtbewegungen stellen die Organisationen im Kulturbereich vor neue Herausforderungen und eine pädagogische wie politische Verantwortung. Entsprechend hat Kulturelle Bildung Online Max Fuchs um einen Beitrag über „Flucht, Zuflucht und Kulturelle Bildung - Anmerkungen zu Möglichkeiten und Grenzen einer ästhetischen Praxis“ gebeten. Darin erinnert Fuchs die rechtlichen Grundlagen im Umgang mit Geflüchteten, setzt sich kritisch mit Werthaltungen und der Forderung nach einer Leitkultur auseinander, benennt die theoretischen Aspekte der Herausforderungen von Flucht, Zuflucht und Kultureller Bildung für Bildungs- und Kulturpolitik und reflektiert Stolpersteine und Ambivalenzen bei der Organisation einer ästhetischen Praxis mit geflüchteten Menschen.

„Inklusion als Aufgabe und Chance für alle" kann gelingen, wenn man beachtet, „dass Inklusion heißt, dass jeder Menschen willkommen ist", so Barbara Brokamp. Sie beschreibt Inklusion als „eine Haltung und einen Prozess, der Verantwortungsübernahme bedeutet für jeden Menschen ganz unabhängig von seinen Voraussetzungen, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder alte Menschen, für Asylbewerber/innen, für Menschen mit Zuwanderungshintergrund, für Menschen jedweder sexuellen Orientierung und solche, die als behindert klassifiziert werden oder in einer abgehängten Schicht von Armut betroffen sind (...), kurz, für alle Menschen jeder Art, auch wenn sie von einem konstruierten und weit verbreiteten Verständnis von ‚Normalität‘ abweichen."

Ende 2016 haben über 20 AutorInnen ihre Expertise zum diesem Themenschwerpunkt eingebracht und eine Fülle von Anregungen zu einer stärker diversitätsbewußten Kulturellen Bildungspraxis gegeben. Ein Beispiel hierzu aus der Rubrik Debatte „Kulturelle Vielfalt - Wie gelingt Inklusion?":

Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“ Nina Stoffers, Anja Schütze und Irmgard Merkt im Gespräch über Diversität und Diversitätsbewusstsein in der Kulturellen Bildung." Abstract: Kulturelle Bildung ist zunächst ein Abstraktum, das mit Inhalten gefüllt werden muss. Als Konkretum ist Kulturelle Bildung nur dann diversitätsbewusst, wenn diejenigen, die sie vermitteln, den Blick auf die Diversität der Menschen und Kulturen richten und kulturelle Bildungsprozesse unter dem Gesichtspunkt Diversität inhaltlich kompetent gestalten. Diversitätsbewusstsein setzt voraus, dass ich mich bewusst mit den Dimensionen des Unterschieds und meiner eigenen Position darin auseinandergesetzt habe. Es wird zwar allerorten verlautbart, dass Diversität bzw. die Anerkennung von Diversität der Normalfall ist oder zumindest sein sollte, aber die aktuelle empirische Realität ist stark von Grenzziehungen und Exklusionen, also Ausschlüssen verschiedener Art geprägt.

Über Aktivitäten von Kunst- und Kulturschaffenden mit Geflüchteten und gute Projektbeispiele informiert auch die Homepage der von Kulturstaatsministerin Monika Grütters geförderten Initiative „Kultur öffnet Welten", einer gemeinsamen Aktion von Bund, Ländern, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren für kulturelle Teilhabe.

Vielfältige Fachinformationen und Hinweise auf Praxiserfahrungen, Positionierungen, Evaluationen etc. zur „Kulturellen Bildung in der Einwanderungsgesellschaft" finden NutzerInnen der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online zudem in dem Dossier „Kulturelle Bildung von, mit und für geflüchtete junge Menschen"auf der Homepage der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ).