Themenfeld:

Mensch und Gesellschaft

Es gibt eine Vielfalt von Gesellschaftsbeschreibungen: sie lauten Industrie-­, Dienstleistungs-, Risiko-­, Erlebnis-­, Wissens- ­oder Einwanderungsgesellschaft... Doch um welche Formation auch immer es sich handelt: Gesellschaftliche Entwicklungen und Kräfteverhältnisse haben Einfluss auf Theorie und Praxis der Kulturellen Bildung. Und zugleich wirkt Kulturelle Bildung auf diese zurück: als symbolische Deutung gesellschaftlicher Strömungen, als ästhetische Gestaltung, als kritischer Theorieansatz und diversitätsbewusstes Konzepte oder als organisatorische Rahmung. Die Autor*innen in diesem Themenfeld fokussieren sich kulturkritisch auf gesellschaftliche Wirklichkeit, legen kontroverse Standpunkte offen, diskutieren über qualifiziertes Kulturmanagement und kulturelle Demokratie, analysieren Zugänge und Ausschließungen zur Welt kultureller Teilhabe und Bildung, zeigen anhand von wissenschaftliche Erörterungen, was für die Zukunft eines demokratisch vielfältigen kulturellen Lebens einer Gesellschaft von Bedeutung ist.

59 Beiträge im Themenfeld

Von Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (2016)

Kulturelle Bildung und Globalisierung

Was bedeutet das Leben in einer globalisierten Welt, und was bedeutet dies für die Kulturelle Bildungsarbeit und die Subjekte in Prozessen ästhetisch-kultureller Bildung? Den Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen Kultureller Bildung in einer globalisierten Welt versucht dieser Text, ausgehend von der Makroebene (gesellschaftliche Entwicklungen) und in Bezug auf die Mikroebene (Subjektkonstruktion), näherzukommen.

Von Susanne Keuchel (2016)

Zur Diskussion der Begriffe Diversität und Inklusion – mit einem Fokus der Verwendung und Entwicklung beider Begriffe in Kultur und Kultureller Bildung

Die Begriffe Diversität und Inklusion spielen in der Kulturellen Bildung, aber auch im Kulturbereich eine zunehmende Rolle. Dabei kann beobachtet werden, dass es im Diskurs oftmals an Trennschärfe der Begrifflichkeiten fehlt. Tendenziell wird in der kultur- und bildungspolitischen Praxis Diversität eher im Kontext von Nationalität/Religion/Herkunft eingesetzt, Inklusion eher im Kontext von Menschen mit Behinderung. Dabei sind die Dimensionen beider Begriffe wesentlich vielschichtiger.

Von Susanne Keuchel (2016 / 2015)

Diversität, Globalisierung und Individualisierung: Zur möglichen Notwendigkeit einer Neuorientierung in der Kulturpädagogik

Welche Anforderungen stellt kulturelle Diversität an die Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Globalisierungs- und Lokalisierungsprozessen? Wie positioniert sich der Einzelne im Spannungsfeld einer zunehmenden Individualisierung auf der einen Seite und dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppierungen vor Ort auf der anderen Seite? Hierzu werden unterschiedliche Gesellschaftsmodelle auf ihren Umgang mit „Künsten“ und Kultureller Bildung reflektiert - hier insbesondere bezogen auf Fragen von Zugehörigkeits- und Abgrenzungsprozessen - und eine Vision einer Kulturellen Bildung im Zeitalter kultureller Diversität entwickelt.

Von Dieter Kramer (2016)

Drei Dimensionen Kultureller Bildung im Kontext von Fremdenfeindlichkeit

Im Zusammenhang mit der „Flüchtlingskrise“ sind Themen wieder aktuell geworden, die in Deutschland seit der Anwerbung von Arbeitskräften für die Sicherung des wirtschaftlichen Wachstums eine Rolle spielen: die Überwindung von Fremdenfeindlichkeit und Vorurteilen. Im vorliegenden Beitrag stehen drei Aspekte im Zentrum: (1) Antivölkisches und antirassistisches Grundwissen; (2) Aufklärung reicht nicht aus und (3) auf der symbolischen Ebene der Künste lassen sich Vorurteile überwinden.

Von Max Fuchs (2016)

„Wissen, was wirkt“ - Anmerkungen zur evidenzbasierten Bildungspolitik im Bereich der kulturellen Bildung

Skizziert werden die Genese einer evidenzbasierten Bildungspolitik und die Folgen einer evidenzbasierten Erziehungswissenschaft. Gerade angesichts einer zunehmenden Verwissenschaftlichung der Kulturpädagogik in ihren einzelnen Sparten scheint es nötig zu sein, diese Entwicklung aufzugreifen und sich mit der Relevanz einer zunehmend auf Evidenz ausgerichteten Bildungspolitik und -forschung für die Kulturpädagogik kritisch auseinanderzusetzen. Der Autor vertritt, dass die geringe Sensibilität einer evidenzbasierten Pädagogik gegenüber der Praxis professionellen Handelns den Verdacht nahelegt, dass die politischen Interessen, die der Evidenzbewegung zugrunde liegen, stärker sind als ihr wissenschaftliches Credo.

Von Susanne Keuchel (2016)

Arts Education in the Age of Cultural Diversity – A Basis to Gain Cultural Identity in a Risk Society

Welche Anforderungen stellt Kulturelle Diversität an die Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Globalisierungs- und Lokalisierungsprozessen? Der Beitrag reflektiert hierzu in einem ersten Schritt unterschiedliche Gesellschaftsmodelle auf ihren Umgang mit „Künsten“, ästhetischen Ausdrucksformen und Kultureller Bildung. In einem zweiten Schritt werden diese Reflexionen genutzt, um eine Vision zu entwickeln, wie eine zeitgemäße diversitätsbewusste Kulturelle Bildung aussehen könnte im Zeitalter einer „globalisierten“ und individualisierten Gesellschaft.

Von Max Fuchs (2016)

Flucht, Zuflucht und Kulturelle Bildung - Anmerkungen zu Möglichkeiten und Grenzen einer ästhetischen Praxis

Die aktuellen Fluchtbewegungen stellen die Organisationen im Kulturbereich vor neue Herausforderungen und eine pädagogische wie politische Verantwortung. Entsprechend erinnert der Beitrag die rechtlichen Grundlagen im Umgang mit Geflüchteten, setzt sich kritisch mit Werthaltungen und der Forderung nach einer Leitkultur auseinander und benennt bildungs- und kulturtheoretische Aspekte der Herausforderungen von Flucht, Zuflucht und Kultureller Bildung sowie Stolpersteine und Ambivalenzen bei der Organisation einer ästhetischen Praxis mit geflüchteten Menschen.

Von Hans-Rüdiger Müller (2016)

Familie als kulturelles Erziehungsmilieu

Das familiale Bildungsmilieu ist geprägt von der Familie als kultureller Lebensform. D.h. Familien werden zunächst in ihrem kulturellen Eigensinn und ihrer je besonderen Kulturtätigkeit wahrgenommen, um die darin liegenden Bildungspotentiale zu entdecken. Demgegenüber verschiebt sich die Aufmerksamkeitsrichtung noch einmal, wenn man danach fragt, wie der kulturelle Erfahrungsraum der Familie oder ihrer Mitglieder kultursensibel und nicht bloß kulturaffirmativ erweitert bzw. zum Ansatzpunkt für professionelle Bildungsangebote gemacht werden kann.

Von Kaspar Maase (2015)

Der Mainstream der Populärkultur: Feld oder Feind Kultureller Bildung?

Welchen Platz kann der populärkulturelle Mainstream – im Unterschied zum hochkulturell stilisierten POP – im Projekt „Kulturelle Bildung für alle“ einnehmen? Der Beitrag plädiert dafür, die über mehr als 100 Jahre eingeschliffene Unterscheidung zwischen dem guten und dem schlechten Populären zu überdenken und zu revidieren. Das verlangt allerdings, den eigenen Geschmack der Akteure Kultureller Bildung zu reflektieren und zu relativieren.

Von Dorothea Kolland (2015)

Diversity, Transkulturalität und Identität

Kulturelle Bildung in Deutschland, also einem Land, das dabei ist, sich mit seinem Status als Einwanderungsland zu arrangieren, muss ihre Aufgaben, ihre Praxis wie ihre gesellschaftspolitischen wie kulturellen Grundlagen im Rahmen der Migrationsgesellschaft bestimmen. Kultureller Bildung kommt eine wichtige Rolle zu im Rahmen der Identitätsfindung junger Menschen zwischen der Orientierung an Herkunftskulturen und postmigrantischer Zukunftsvision – z.B. zwischen Bağlama und Weltmusik-Rap, zwischen Diversität und Transkulturalität.