Kulturelle Bildung in der Krise?! Denkanstöße und Diskurserweiterungen

Leere im Theatersaal
Foto: Ryan Brownell (https://en.wikipedia.org/wiki/File:Bella_Rose_Arts_Centre_Stage.JPG)
„Bella Rose Arts Centre Stage“, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode

Corona nimmt massiven Einfluss auf kulturelle Bildungsprozesse und Kultur, doch wie und wo werden diese einschneidenden Veränderungen fachlich antizipiert? Gibt es kulturpädagogische, bildungs- und kulturtheoretische „Antworten“, der Pandemie zu trotzen? kubi-online will den fachlich-wissenschaftlichen Diskurs dazu führen, wie ästhetisch-künstlerische Praxen und Orte Kultureller Bildung in und mit den Einschränkungen der Pandemie ihr Bildungs- und Gestaltungspotenzial ausspielen und nachhaltig unter Beweis stellen können: als Räume der Selbstvergewisserung und Selbstermächtigung, für individuelle Widerstandsfähigkeit und gesellschaftliches Zusammenleben.

Neue Beiträge zur Kulturellen Bildung in Zeiten von Corona

  • Miriam Schmidt-Wetzel (2022): Von Art Education im Emergency-Remote-Modus hin zu Art Education im Modus Potentialis
    Welche Schlüsse können aus der Reflexion der Erfahrungen im pandemiebedingten «Emergency-Remote-Teaching» für eine Erweiterung ästhetisch-kultureller Vermittlungspraxen ins Digitale und in die Distanz über den Notfallmodus hinaus gezogen werden? Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Studie „Erzählungen über Distanz und Nähe – kunstpädagogische und ästhetisch-kulturelle Vermittlungspraxen im Ausnahmezustand“.
  • Michael Dietrich (2022): Mit Kultureller Bildung durch die Krise
    Kulturelle Bildung bietet Perspektiven und Werkzeuge für einen resilienten, d.h. positiven, aktiven und reflexiven Umgang mit den Herausforderungen und Chancen unserer Zeit – seien es nun globale Pandemien, der menschengemachte Klimawandel, kriselnde Wirtschaftssysteme oder die fortschreitende Digitalisierung. Der Artikel macht deutlich, dass die Kulturelle Bildung nicht nur eine lebensbegleitende Zusatzqualifikation im Feld der schönen Künste, sondern eine überlebenswichtige Grundausbildung ist und ein lebenslang notwendige Erfahrungsraum sein sollte, um einen selbstbestimmten Umgang mit individuellen und globalen Krisenereignissen zu fördern.
  • Kerstin Hübner/Tom Braun (2021): Gretchenfrage oder Herkulesaufgabe? Ergebnisse des Praxisforschungsprojektes „Lokale Bildungslandschaften im empirischen Blick“
    Bildungslandschaften waren und sind für die BKJ das Instrument, um eine dezentrale Strategie für das gerechte Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen und kooperativ auf ein inklusives, partizipatives Bildungskonzept mit einem weiten Bildungsbegriff hinzuwirken. Wie aber können strukturell und habituell bedingte Benachteiligungen in der und durch die Kulturelle Bildung verringert werden? Das ist eine doppelte Perspektive, denn Kultureller Bildung wird vielfach ein entsprechendes inklusives Potenzial beigemessen und zugleich handelt es sich dabei um einen noch immer stark selektiven außerschulischen Bildungsbereich.
  • Thilo Grawe (2021/2021): Theater als Fernbeziehung? Folgefragen für eine digital-analoge Theaterpädagogik - auch jenseits der Pandemie
    Welche Strategien der Versammlung und Gemeinschaftsbildung kommen bei digitalen Plattformen wie TikTok, twitch.tv und Youtube zum Einsatz? Welchen Einfluss auf Rezeptionsgewohnheiten haben die damit verbundenen Praktiken? Der Beitrag formuliert Überlegungen und Folgefragen für eine digital-analoge Theaterpädagogik - auch jenseits der Pandemie.
  • Sandra Hofhues (2021/2021): Die Zukunft des Digitalen liegt im Hier und Jetzt! Überlegungen zur (Zukunft der) Digitalisierung und Digitalität
    Als #wirbleibenzuhause zu einem sozio-medialen Hybrid wurde, bildete sich eine gesamtgesellschaftliche Gegenwart ab. Mindestens hier wird sichtbar: Digitalisierung und Digitalität sind gesellschaftliche und kulturelle Realität im Hier und Jetzt. Mehr noch: Deren Zukunft wird jetzt gemacht.
  • Peter Fauser (2021): Kulturelle Schulentwicklung und die Rolle der Kunst 
    Die digitale Welt braucht die Schule nicht zur Wissensvermittlung. Das können andere besser. Corona lehrt: Kinder brauchen für ihr Lernen die erkundende und gestaltende Begegnung mit Menschen und Sachen. Der Kunst als siebenfacher Erfahrung der Freiheit kommt hier eine einzigartige Rolle zu.
  • Jutta Gruß (2021): Die Lehre ohne Leib oder LeibKörper im Blick 
    In den Blick genommen wird der LeibKörper in virtuellen Lehrsituationen auf der Folie einer Spiegel-Raumfigur, welche auf Foucaults Raumkonzept zwischen Utopie und Heterotopie sowie einem Körperkonzept von Nancy gründet.
  • Miriam Haller (2021): Heterotopien des Alters? Mediale Räume kultureller Altersbildung in Zeiten von Corona
    Anhand von drei Fallbeispielen analysiert die Autorin aus kulturgerontologischer Perspektive im Anschluss an Michel Foucaults Begriff der Heterotopie mediale Räume kultureller Altersbildung in Zeiten von Corona. Welche medialen Brücken und Kanäle wurden in künstlerisch-kulturgeragogischen Projekten gebaut und genutzt, um die Mauern und Gräben zu überwinden, die das Pandemie-bedingte Gebot der physischen Distanz zu älteren Menschen errichtet hat?
  • Olaf-Axel Burow (2021): Lehrmeister Corona − Konsequenzen für die Zukunft Kultureller Bildung
    Kulturelle Bildung, die zur Überwindung der Corona-Krise und darüber hinaus zum „Welt neu denken“ beitragen will, kann uns alle darin unterstützen, zu aktiv handelnden „Future Designern“ zu werden. Es gilt, Bildung anders zu denken. Eine zukunftsfähige (Kulturelle) Bildung kann freie Räume ermöglichen, in welchen der Dreiklang von „Sei leidenschaftlich!“, „Sei visionär!“ und „Mach’s einfach!“ erfahr- und umsetzbar wird.
  • Livia Patrizi (2021): 1.000 Stunden Kunst pro-Kopf - Impulse für mehr Gerechtigkeit in Kunst und Kultureller Bildung
    Wie wird Ungleichheit in der Kultur gerechtfertigt? Um eine neue Vision zu entwickeln, muss das Rechtfertigungsnarrativ des Kulturbetriebs unter die Lupe genommen werden. Ein Versuch, die Ideen des französischen Ökonomen T. Piketty zu übertragen und das Potential der Wechselwirkung von Kunst und Bildung für eine Transformation des Kulturbereichs sichtbar zu machen – gerade angesichts von Corona!
  • Matthias Henkel (2021): Shutdown vs. Kickoff? Museen neu denken im Zeitalter von COVID-19
    In dem ungewöhnlichen Format eines fiktionalen Soliloquiums bietet dieser Fachbeitrag die Möglichkeit, mit kurzen Textpassagen und mit bewusst gesetzten Brüchen das weite Feld der operativen Museumsarbeit zu überblicken und weiter zu denken: #museumNEUdenken.
  • Inga Specht, Volker Schönert (2021): Öffnung von Museen nach dem ersten Lockdown im Sommer 2020 – Ein Einblick in Perspektiven des (potenziellen) Publikums
    Museumsbesuche in Zeiten von Covid-19. Wie werden die umgesetzten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen von (potenziellen) Besucher*innen wahrgenommen und beurteilt? Inwieweit wurden sie akzeptiert? Was können Museen (und andere Kultureinrichtungen) aus ersten, vorliegenden Erkenntnissen ableiten?

Drei Impulsbeiträge zur Diskurseröffnung

Die Denkanstöße von Max Fuchs, Birgit Mandel und Michael Wimmer eröffneten 2020 den Fachdiskurs und regten die erziehungs-, bildungs- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung um pandemiebedingte Veränderungen und die Zukunft der Kulturellen Bildung an. Siehe:

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