Theater als Ort Kultureller Bildung

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von Rolf Bolwin

Erscheinungsjahr: 2013 / 2012

Bei der Bildungsdebatte in Deutschland dominieren seit Jahren Gesichtspunkte der Erzeugung unmittelbar verwertbaren Wissens und entsprechender Kompetenzen, deren Nützlichkeit außer Zweifel steht. Demgegenüber werden häufig die Bildungsprozesse marginalisiert, in denen es um die Kunst, um Theater, Literatur, Musik und Bildende Kunst geht. Das gilt immer noch als Luxus, wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland. Maßnahmen im Bereich der Kulturellen Bildung werden wohlwollend zur Kenntnis genommen und gelobt, ein strukturelles Umdenken ist aber nicht wirklich zu bemerken. Dabei kann man nicht oft genug die grundsätzliche Bedeutung des Ästhetischen in der Bildung betonen. Hier geht es um Wahrnehmung und Erfahrung als Tiefenschicht des menschlichen Bewusstseins, auf der auch Wissenschaft und Technik auf­ruhen. Hier liegen wesentliche Ursprünge von Kreativität und Einfallsreichtum, von freiem und zukunftsweisendem Denken. Zukunft wird auch – und in den kühlen Regionen des Elite­diskurses erst recht – durch Wahrnehmen, Verstehen und Begreifen geprägt. Eigenschaften, in denen sich das Intellektuelle mit dem Sinnlichen zu Fähigkeiten verbindet, auf die keine Gesellschaft verzichten kann und deren Bedeutung für die Zukunft unseres Bildungssystems kaum überschätzt werden kann. Nach den ernüchternden PISA­-Studien aus den Jahren 2001 und 2004, die gravierende Mängel im deutschen Bildungssystem zutage förderten, stellte sich auf vielen Ebenen die Frage, ob eine Verbesserung im Bereich der Kulturellen Bildung auch insgesamt bessere Bildungsergebnisse erzielen kann.

Welche Rolle spielen Theater und Orchester in der Kulturellen Bildung? Können Thea­ter-­ und Orchesteraufführungen eigentlich (weiter­-)bilden? Welche Vermittlungsarbeit wird zusätzlich geleistet? Warum müssen sich Kulturinstitutionen überhaupt dieses Themas annehmen? Dies sind nur einige der Fragen, mit denen sich der Bühnenverein in diesem Zusammenhang immer wieder beschäftigt.

Kein neues Thema für Theater und Orchester

Für den Deutschen Bühnenverein und die ihm angeschlossenen Theater und Orchester steht fest: Theater und Orchester leisten zur Kulturellen Bildung tagtäglich einen großen Beitrag. Das Thema beschäftigt den Verband und kleine wie große Häuser schon seit vielen Jahren. Sie widmen sich der Kulturellen Bildung immer wieder und immer wieder neu.

2004 organisierte der Bühnenverein ein Symposion zum Thema „Zukunft durch ästhe­tische Bildung“. Um deutlich zu machen, dass Bildung die gemeinsame Aufgabe von Kultur­institutionen und Bildungseinrichtungen ist, wurde das Symposion in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen veranstaltet. Die Veranstaltung stieß auf eine unge­heuer positive Resonanz und motivierte alle Beteiligten, das Thema mit neuen Erkenntnissen in der eigenen, städtischen Realität weiter anzugehen.

Theater und Orchester haben jährlich rund 35 Millionen ZuschauerInnen, davon 18,8 Millionen an den öffentlich getragenen Häusern. Ihre Möglichkeiten, die Menschen mit an­spruchsvollen dramatischen Werken, mit Musik und Tanz zu erreichen, sind also immens. Insbesondere für junge Menschen halten die Spielpläne der Theater ein vielseitiges Angebot bereit. Und dennoch: Theaterbesuche gehören nach wie vor nicht zur bevorzugten Frei­zeitbeschäftigung junger Menschen. Der Bühnenverein sah sich vor einigen Jahren daher veranlasst, sich näher mit dem jungen Zuschauer und dessen Bedürfnissen zu befassen. In einer repräsentativen Nichtbesucher­-Befragung bei jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren wurden unter anderem die Motive für die Entscheidung, nicht ins Theater zu gehen, erfragt. Das nicht überraschende Ergebnis zeigte, dass die Mehrheit lieber ins Kino ging oder fernsah. Viele unterlagen auch der irrigen Annahme, dass man sich im Theater immer schick kleiden müsse und offenbarten eine hohe Unsicherheit, wie man sich bei einem The­aterbesuch benehmen müsse. Hier ist also weiterhin Aufklärungsarbeit zu leisten, um diese Hemmschwellen abzubauen.

Die Theater-­ und Orchesterbetriebe sind sich nicht erst seit PISA der Tatsache bewusst, dass sie einen Beitrag zur ästhetischen Bildung zu leisten haben (siehe Leopold Klepacki/Jörg Zirfas „Die Geschichte der Ästhetischen Bildung“). Dabei geht es vor allem da­rum, Reflexion und Kreativität sowie Sprachkompetenz durch die Künste zu fördern. Wer nicht liest und nicht in der Lage ist, den komplizierten Texten einer Theaterproduktion zu folgen, wird nicht über die Sprachkompetenz verfügen, die er zum Diskurs und zur Meinungsbildung wie zur Erarbeitung von Lösungen im Diskurs braucht. Moderne Kommunikationstechnolo­gien zu beherrschen reicht alleine nicht aus. Der Mensch sollte auch wissen, welche Inhalte er – mit welchen Kommunikationsmitteln auch immer – vermitteln möchte. Zudem heißt die Weltliteratur der Vergangenheit und der Gegenwart zu erkennen, dass die eigene Existenz eine Geschichte hat, die es erlaubt, auf gelebtes Leben und gewonnene Erkenntnisse für das eigene Leben zurückzugreifen. Und dass es Menschen mit anderen Erfahrungen und Lebensentwürfen gibt, an der man die eigenen zu messen in der Lage ist. Das alles leistet selbstverständlich die Literatur, das alles leistet aber auch – und zwar in direktem Dialog mit den KünstlerInnen – die darstellende Kunst. Gerade das Theater bietet durch die Möglichkeit der Identifikation oder der Ablehnung dessen, was auf der Bühne geschieht, eine in dieser Art fast einmalige Gelegenheit zur Meinungsbildung und zur damit verbundenen Entwicklung von Beurteilungsvermögen. So ist Theater in jedem Fall ein Teil der ästhetischen Bildung. Diese Gedankengänge lassen sich auch auf die Rezeption von Musik übertragen.

Projektarbeit und programmatische Arbeit

In einer Studie zum Thema „Bildungsangebote in klassischen Kultureinrichtungen“, die im Zeitraum von 2008 bis 2010 vom Zentrum für Kulturforschung durchgeführt wurde, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und unter anderem vom Bühnenverein als Netzwerkpartner unterstützt wurde, wurden 771 Kultureinrichtungen zu ihrem Bildungsangebot befragt. An der Umfrage beteiligten sich etwas mehr als die Hälfte (54 %) der Kulturinstitutionen. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass 13 % der befragten Ein­richtungen sich nicht auf dem Feld der kulturellen Bildungsarbeit betätigen. Vor allem bei den Theatern und Orchestern ist aber in den letzten fünf Jahren eine generelle Zunahme der Angebotsvielfalt für Kinder und Jugendliche zu bemerken.

Wie die Studie belegt, arbeiten die Theater im Bereich der Kulturellen Bildung oft auf der Basis von Seminaren und Workshops sowie künstlerisch­-kreativen Projekten. Eine öffentliche Anerkennung dieser Projekte erfolgt unter anderem durch den 2009 von Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestifteten Preis für beispielhafte und innovative Projekte in der Kulturellen Bildung. Insgesamt ist der Preis mit 60.000 Euro dotiert. Der Bühnenverein als vorschlags­berechtigter Verband sichtet hierfür Jahr für Jahr viele unterschiedliche und ambitionierte Projekte, und hat dem BKM im Jahr 2011 „Mutwerk – Ein Theaterprojekt über Zivilcourage“ des Theaters Erlangen, die Kinderoper „Brundibar“ des Konzerthauses Berlin sowie „Horch, es brennt!“ der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz vorgeschlagen. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Hauptschule der Freiheit“, das in einer Kooperation der Münchner Kammerspiele gemeinsam mit der Münchner Hauptschule an der Schwindstraße entstand, und mit dem „BKM-­Preis Kulturelle Bildung 2010“ ausgezeichnet wurde. Ziel des Projektes war es, im gegenseitigen Dialog von Schule und Theater innovative Formen der künstlerischen Zusammenarbeit zu entwickeln (siehe Leopold Klepacki/Dieter Linck „Schule und Theater“). Durch „Hauptschule der Freiheit“ wurde eine effektive und andauernde Verbindung zwischen beiden Institutionen geschaffen. Die SchülerInnen, die bisher nicht mit dem Theater in Berührung gekommen waren, werden auch nach dem Projekt kontinuierlich an den Münchner Kammerspielen beschäftigt, etwa im hauseigenen Jugendclub oder als PraktikantInnen in den Werkstätten.

2009 wurde ein Projekt ausgezeichnet, das bereits 2007 am Thalia Theater Halle ent­ standen ist. „Opferpopp“ beschäftigt sich mit der erschreckenden Realität von Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten, die kaum Zukunftsperspektiven haben und sich gegenüber der Gesellschaft jeden Tag aufs Neue behaupten müssen. Die Leistung der Inszenierung des Regisseurs und Filmemachers Mirko Borscht bestand darin, dass sie einer „innerhalb der kulturellen Bildung immer noch kaum repräsentierten Zielgruppe Gehör verschaffte und Jugendlichen […] Lust auf künstlerische Prozesse gemacht hat“ (siehe bundesregierung. de – Preis für Kulturelle Bildung „Opferpopp“).

Diese Beispiele verdeutlichen, wie sehr die Theater in Deutschland darum bemüht sind, Kulturelle Bildung erlebbar und erfahrbar zu machen und die Gesellschaft dadurch nachhaltig zu verändern.

Die sogenannten „Projekte“ machen aber nur einen Teil der Bildungsarbeit der Theater und Orchester aus. Schon allein die Tatsache, dass die meisten Theater eine Kinder-­ und Jugendsparte haben, ist eine Form von Bildungsarbeit durch das direkte Erleben von Kunst. Laut der Theaterstatistik des Bühnenvereins sind seit der Spielzeit 2008/2009 die Besucher­zahlen bei den öffentlich getragenen Theatern im Kinder-­ und Jugendtheaterbereich um ca. 4,8 % gestiegen. 2.795.433 BesucherInnen sahen in der Spielzeit 2010/2011 13.205 Veranstaltungen. Das Ensemble-­ und Repertoiresystem, das die deutsche Theaterlandschaft so wertvoll, so einzigartig macht, bildet, und zwar Tag für Tag. Und es geht hierbei nicht nur um das berühmte Weihnachtsmärchen, das allerdings nicht unterschätzt werden darf, bedeutet es doch für die meisten Kinder und Jugendliche den ersten Kontakt zum Theater. Es geht darum, dass die Sparte Kinder-­ und Jugendtheater an den Häusern genauso ernst genommen wird wie Schauspiel, Musiktheater oder Ballett. Dort wird mit einem eigenen Team zielgruppengerecht gearbeitet, werden gesellschaftlich relevante Themen aufgespürt und theatralisch umgesetzt. Auch die Orchester geben fast alle regelmäßig Kinder-­ und Jugendkonzerte und engagieren sich nachhaltig für diese Klientel.

Erfreulicherweise sind in den letzten Jahren auch neue Kinder­- und Jugendsparten an den Häusern eingerichtet worden, so z.B. das Junge Schauspielhaus Hamburg, die Kinderoper in Dortmund, die Semperoper Junge Szene in Dresden oder das Junge Staatstheater in Karls­ruhe. Der von verschiedenen öffentlichen und privaten Geldgebern finanzierte Neubau für das Comedia Theater in Köln, eines der anerkanntesten privaten Kinder-­ und Jugendtheater Deutschlands, gibt Hoffnung, dass die Arbeit für Kinder und Jugendliche auch langfristig Anerkennung findet. Überhaupt leisten die privaten Kinder- und Jugendtheater, die meist mit kleinem Budget ausgestattet sind, täglich Großes für die Kulturelle Bildung.

DER FAUST

Daher war es für den Bühnenverein und die Bundesländer besonders wichtig, eine eigene Kategorie „Regie Kinder-­ und Jugendtheater“ beim Deutschen Theaterpreis „DER FAUST“, der seit 2006 verliehen wird, vorzusehen. Seitdem erhält jedes Jahr ein Regisseur den „FAUST“ für die beste Regie im Kinder­- und Jugendtheater. Schon die Nominierung ist die eigentliche Auszeichnung, und in den letzten Jahren deckten die Nominierten ein breites Spektrum des Kinder­- und Jugendtheaters in Deutschland ab. Es reicht vom Jungen Schauspiel Hamburg (Klaus Schumacher), dem Jungen Ensemble Stuttgart (Brigitte Dethier und Yves Thuwis) und dem Berliner Gripstheater (Frank Panhans) bis zum Theater Pfütze in Nürnberg (Christopher Gottwald) oder dem Theater Marabu aus Bonn (Claus Overkamp).

Materialien und Publikationen – Unentbehrlich für die Vermittlungsarbeit

Viele Theater und Orchester versorgen das junge Publikum sowie LehrerInnen und Eltern mit hervorragenden Materialien, ob mit Unterrichtsmaterialien, kindgerechten Publikatio­nen, witzigen Werbeartikeln und vielem mehr. Dies erleichtert den Zugang zu Theater oder Musik. Es ist daher wichtig, dass speziell im theater-­ und musikpädagogischen Bereich kein Stellenabbau erfolgt, denn diese Abteilungen leisten unglaublich wertvolle Arbeit. Aufpassen müssen allerdings alle Beteiligten, dass die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht schleichend von anderen Institutionen auf die Theater und Orchester abgeschoben wird. Vermittlungsarbeit ist nur ein Teil des öffentlichen Auftrags dieser Häuser. Sollte dieser Arbeitsbereich weiterhin so stark zunehmen, muss die öffentliche Hand über andere Struk­turen nachdenken, so z.B. über ausreichend besetzte Schnittstellen zwischen Schulen und Theatern bzw. Orchestern.

Auch der Bühnenverein unterstützt die Vermittlungsarbeit der Häuser mit Publikationen und Materialien, die sowohl von Theatern und Orchestern als auch von Schulen gerne bestellt und verteilt werden. Besonders hervorzuheben sind hier die Broschüre „Berufe am Theater“, das Pixi­-Buch „Julia und Anton im Theater“, das bald auch vom Carlsen­-Verlag in sein normales Programm aufgenommen wird, sowie der Bastelbogen „Orchester zum Ausschneiden“.

Junge Bühne

Die ästhetische Bildung junger Menschen zu fördern hat sich auch die „junge bühne“, das Jugendtheater­-Magazin des Bühnenvereins, zur Aufgabe gemacht. Das seit 2007 einmal jährlich erscheinende, kostenlose Heft wird neben den RedakteurInnen der „Deutschen Büh­ne“ und professionellen TheatermacherInnen von jungen JournalistInnen und Theaterfans mitgestaltet. Viele Schulen, Theater und sonstige kulturelle Einrichtungen nutzen inzwischen das Angebot für ihren Unterricht, ihre Jugendclubs oder Festivals. Die mittlerweile erreichte Auflage von 70.000 Heften zeigt, dass das Bedürfnis von PädagogInnen und Jugendlichen nach jugendgerecht aufbereiteten Theaterthemen gleichermaßen gewachsen ist. Ein gutes Beispiel ist der „Antigone“­-Comic in der Ausgabe Nr. 3, mit dem die Redaktion gemeinsam mit einem jungen Illustrator den Versuch wagte, den Zugang zu dramatischer Literatur auf unkonventionelle Weise zu ermöglichen. Das Heft fand großen Anklang bei LehrerInnen und SchülerInnen, die die Tragödie gerade im Unterricht behandelten. Comics und Graphic Novels gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zur Kultur, und zwar nicht nur zur Jugendkultur (siehe Christian Schmidt „Jugendkulturelle Szenen und Kulturelle Bildung“). Auch im Kleist­-Jahr 2011 schlug die „junge bühne“ daher eine Brücke zwischen verschiedenen Kunstformen und schrieb einen Comic-­Wettbewerb zum Thema Kleist aus, mit erstaunlichen, äußerst kreativen Ergebnissen, die von einer Fachjury sehr positiv bewertet wurden.

Gleichzeitig informiert die „junge bühne“ über die Arbeit am Theater, über Jugendpro­jekte, beschäftigt sich mit Theatertexten, begleitet KünstlerInnen – kurzum, sie beleuchtet die Vielfalt dieses Arbeitsbereichs „Theater“ auf eine anspruchsvolle und dennoch äußerst unterhaltsame Weise, etwas, das es bislang noch nicht in dieser Form gab. Die Website www.die-­junge-­buehne.de und das dazugehörige Blog sind ein weiteres wichtiges Element, um das Zielpublikum zu erreichen.

Netzwerke analog und digital

Überhaupt arbeiten zunehmend mehr Kinder-­ und Jugendprojekte mit Websites, Blogs, Facebook­-Seiten und mit anderen interaktiven Formen. Dies ist wichtig, da der Großteil des jungen Publikums durch Webpräsenz zu erreichen ist. Ob es hier um konkrete Projekte geht oder um die Zurverfügungstellung von Material und Informationen – beides ist wichtig, um den Kontakt zu jungen InternetnutzerInnen aufzubauen bzw. nicht zu verlieren. Auch für die Datensammlung und den Austausch über Kinder-­ und Jugendprojekte ist das Internet mittlerweile eine nicht mehr wegzudenkende Plattform geworden.

Die Vielfalt der Projekte und Initiativen in der kulturellen Arbeit mit Kindern und Jugendli­chen waren für den Bühnenverein Anlass, 2009 das Online­-Portal „Forum Junges Theater“ zu gründen. Das Forum zeigt die Aktivitäten der deutschen Theater im Bereich der Kinder-­ und Jugendarbeit. Es bietet einen bundesweiten Überblick über die theaterpädagogische Arbeit der Theater, über Stücke für Kinder und Jugendliche, über die Arbeit von knapp 100 Jugendclubs und über sonstige Projekte aus der Jugendarbeit der Theater. 2010 wurden über 700 Stücke und Projekte in dem Forum vorgestellt. Anhand dieser Übersicht wird deutlich, welchen Beitrag die Theater tagtäglich zur ästhetischen Bildung unserer Gesellschaft leisten. Gleichzeitig bietet die Plattform den Theatern die Möglichkeit der Vernetzung untereinander. Über 120 TheaterpädagogInnen tauschen sich bereits über das Forum aus und vermitteln zwischen dem Medium Theater und jungen Menschen.

Netzwerke sind im Übrigen ein gutes Stichwort für die Förderung von Kultureller Bildung. Es gibt viele gute Initiativen mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Jahr für Jahr Wichtiges leisten. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Initiative „Kinder zum Olymp!“ der Kulturstiftung der Länder, die seit 2003 existiert. Schwerpunkt der Arbeit von „Kinder zum Olymp!“ ist die Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen und KünstlerInnen, Schulen und Kindergär­ten. Museen, Theater und Opernhäuser, Bibliotheken und Literatureinrichtungen, Orchester und Tanztheater, Musik­- und Kunstschulen, aber auch einzelne KünstlerInnen sind gefragt, die Freude an Kunst und Kultur authentisch zu vermitteln. Regelmäßig schreibt „Kinder zum Olymp!“ einen Wettbewerb aus, regelmäßig findet ein Kongress statt, in dem Ergebnisse und Weiterentwicklungen der Bildungsarbeit diskutiert und Best­-Practice-­Beispiele vorgestellt werden. Zudem gibt es Publikationen, die die Arbeit zusammenfassen und grundlegende Informationen vermitteln. Der Bühnenverein unterstützt „Kinder zum Olymp!“ mit seiner Zeitschrift „junge bühne“ als Netzwerkpartner und war bei den Kongressen auch mit einem Informationsstand vertreten. Hier konnten sich die Theater und Orchester, die unter dem Dach des Bühnenvereins vereint sind, mit ihren Kinder­- und Jugendprojekten vorstellen. Beeindruckend war auch hier die Vielfalt der vorgestellten Projekte und der Arbeit, die diese Häuser täglich leisten.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass Theater und Orchester sich jeden Tag der Kulturellen Bildung unserer Kinder und Jugendlichen annehmen. Die vielen Puzzlestücke ihrer Arbeit, die hier längst nicht umfassend vorgestellt werden konnten, fügen sich nicht zu einem einzigen Bild zusammen. Sie sind so unterschiedlich, wie die einzelnen Kunst­-, Vermittlungs-­ und Darstellungsformen, die man im engeren oder weiteren Sinn unter „Kulturelle Bildung“ subsumieren kann. Ob die erste Begegnung mit Mozarts „Entführung aus dem Serail“ durch eine Kindervorstellung im Bürgerzentrum, durch den schulischen Musikunterricht oder durch eine Rap­-Oper wie „Culture Clash – Die Entführung“ in Hannover erfolgt – das ist egal. Wichtig ist, dass diese Begegnung überhaupt stattfindet und immer wieder stattfinden kann! Dafür brauchen wir auch in Zukunft unsere Theater und Orchester. Für ein kontinuierliches Arbeiten und ein nachhaltiges Ergebnis.

Verwendete Literatur

  • Deutscher Bühnenverein/Kulturwissenschaftliches Institut Essen (Hrsg.) (2004): Zukunft durch ästhe­tische Bildung. Dokumentation des Symposions in Dortmund (08. Mai 2004).
  • Keuchel, Susanne/Weil, Benjamin (2010): Lernorte oder Kulturtempel – Infrastrukturerhebung: Bil­dungsangebote in klassischen Kultureinrichtungen. Köln: ARCult Media.
  • Kulturstiftung der Länder/Kulturstiftung des Bundes (Hrsg.) (2011): Kinder zum Olymp! Selbstver­ständlich! Kulturelle Bildung in der Schule. Kongress in Dessau am 23. und 24. Juni 2011. Berlin.
  • Kulturstiftung der Länder/Kulturstiftung des Bundes/Kulturreferat der Landeshauptstadt (Hrsg.) (2009): Kinder zum Olymp! Konkret! Kooperationen für kulturelle Bildung. Kongress in München am 25. und 26. Juni 2009. München/Berlin.
  • Preis für Kulturelle Bildung der Bundesregierung (ohne Jahr): http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/BKM/2009-07-09-preis-… (Letzter Zugriff am 08.10.13).

Anmerkungen

Dieser Text wurde erstmals im Handbuch Kulturelle Bildung (Hrsg. Bockhorst/ Reinwand/ Zacharias, 2012, München: kopaed) veröffentlicht.

Zitieren

Gerne dürfen Sie aus diesem Artikel zitieren. Folgende Angaben sind zusammenhängend mit dem Zitat zu nennen:

Rolf Bolwin (2013 / 2012): Theater als Ort Kultureller Bildung. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE:
https://www.kubi-online.de/index.php/artikel/theater-ort-kultureller-bildung
(letzter Zugriff am 26.09.2018)

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