Theater – Auf(s) Spiel setzen

Wiederaufnahme: Fachtexte zum SPIEL neu entdeckt und befragt

Ute Handwerg, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Spiel & Theater und Norma Köhler, Professorin im Profilstudiengang Theater als Soziale Kunst an der FH Dortmund haben das Projekt Theater – Auf(s) Spiel setzen initiiert und verantworten dieses Dossier. Elf Autor*innen wurden gewonnen, die Diskursfäden des 1998 von Hans-Wolfgang Nickel und Christian Schneegass herausgegebenen Sammelbandes zur Spieltheorie wieder aufzunehmen. In den vorliegenden Re-Visionen loten sie aus, welche begrifflichen und anwendungsbezogenen Verschiebungen über die Jahrzehnte zu beobachten sind und welche Potenziale und Entfaltungsmöglichkeiten dem Spiel innewohnen.

Felix Büchner, Isabel Dorn, Stefanie Husel, Martina Leeker, Norma Köhler, Frank Oberhäußer, Michael Zimmermann, Dietmar Sachser, Mira Sack, Hanne Seitz, André Studt und Sören Traulsen sind die Expert*innen, die in ihren theaterpädagogischen Reflexionen die Bedeutung des Spiels dezidiert akzentuieren und mit ihren aktuellen Dossierbeiträgen zur Neupositionierung beitragen. Zentraler Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung mit den früheren spielbezogenen Fachbeiträgen ist die Erfahrung, dass Spiel und Theater eine nachdrückliche Relevanz zuwachsen - besonders in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen und Krisen und damit verbundenem Wandel.

Theaterpädagogische Diskursverschiebungen und Neupositionierungen

Von Frank Oberhäußer

Berechenbarkeit und Unberechenbarkeit als Merkmale von Spiel in interaktiven Performances des Performancekollektivs Turbo Pascal

In welchem Spannungsverhältnis stehen Berechenbarkeit und Unberechenbarkeit des Publikums in interaktiven Performancearbeiten? Der Artikel diskutiert diese Frage anhand von Probenprozess und Aufführung zweier Performancearbeiten des Kollektivs Turbo Pascal, im Zwischenbereich von Theater, Spiel, Kultureller und Politischer Bildung.

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Von Felix Büchner, Sören Jannik Traulsen

Kritische Medienreflexion im ‚Postdigitalen Schultheater‘: Eine Re-Lektüre Leekers „Die Zukunft des Theaters im Zeitalter technologisch implementierter Interaktivität“

Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Theater – Auf(s) Spiel setzen". Er fragt danach, welche Anknüpfungspunkte frühere Überlegungen zu ‚Neuen Medien‘ im Theater für die Rolle digitaler Medien in zeitgenössischer (Schul-)Theaterpädagogik bieten. Die Auseinandersetzung mit Interaktion und Partizipation führt dabei zu den Potenzialen kritischer Medienreflexion.

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Von Hanne Seitz

non non fiction - Zur Theorie und Praxis des Spiels und die Rolle der Mimesis im Theater und anderswo

Vor dem Hintergrund der Cailloischen Spielkategorien agộn, alea, mimicry und ilinx beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage, ob die postdramatische Aufführungspraxis überhaupt noch auf Spiel, das Theater als Kunstform sich womöglich selbst aufs Spiel setzt, wobei zu beobachten ist, dass die Verfahren das mimetische Vermögen mancherorts in seltsame Gefilde treiben.

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Theater als Spiel: Vier Re-Visionen zu P. Simhandl (1998)

Von Stefanie Husel

Theater als Spiel? Jenseits des ‚Als-ob‘

Der Artikel reflektiert, in Reaktion auf Peter Simhandls Text „Theater als Spiel“ (1998), das „sociale Spiel“ (Max Herrmann) in der Theatersituation: Wer spielt eigentlich im Theater? Die Schauspielenden? Oder das Publikum? Und was hat dies mit theaterpädagogischer Arbeit und Kultureller Bildung zu tun?

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Von Dietmar Sachser

Theater als Möglichkeitsraum spielerischer Aneignung

Theater ist Ausdruck seiner Zeit. Vertreten wird die These, dass sich Theater heute als ein gemeinsamer Konstruktionsprozess von Spielenden und Zusehenden ereignet und als solcher wahrgenommen, erlebt, gelesen und verstanden werden sollte. Wesentliches der Theaterkunst wäre aufs Spiel gesetzt, würde sich diese nicht als ebensolche - nämlich als gemeinsames Spiel - verstehen. 

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Vorankündigung >> Im Januar wird dieses Dossier um den Beitrag von Martina Leeker erweitert:

  • Performing TikTok. Anleitungen für „versierte Spieler“ im posthumanen Theater digitaler Kulturen // Im Text werden Performances auf der Plattform TikTok als zeitgenössische Form von Theater gelesen, die tradiertes Theater gründlich verändert. Denn in diesem partizipativen Welttheater kommt es zu einem Zusammenspiel von menschlichen und technischen Agierenden; Theater wird derart „posthuman“. Es steht dabei in Frage, ob und wie Methoden der Verfremdung und Ambiguität des Theaterspielens auf der Plattform dabei helfen können, die entstehende „algorithmische Authentizität“ (Wendy Chun) zu unterlaufen, die zur Unterstützung von Empfehlungssystemen und homophilen Netzwerken zu identitären und diskriminierenden Politiken drängt. In diesem Kontext wird mit der Figur des „versierten Spielers“ für eine posthumane Bildung plädiert.