Im Fokus: Kulturelle Teilhabe in der DDR – Im Blick zurück nach vorn

Erfurt-Rieth: Bibliothek mit Wandbild von Erich Enge aus dem Jahr 1976
Erfurt-Rieth 1976: Bibliothek mit Wandbild von Erich Enge

„Erstürmt die Höhen der Kultur!“ – Was lässt sich von diesem Anspruch der (Kultur-)Politik der DDR für gegenwärtige Fragen kultureller Teilhabe ableiten? Im Kontext der Diskurse Kultureller Bildung wird selten auf die Erfahrungen und Erkenntnisse kultureller Teilhabe in der DDR verwiesen. Die Beschäftigung mit der Kulturpolitik und Kulturarbeit in der DDR ist im Rückblick jedoch aufschlussreich, da dort seit 1945 Strategien und Formate chancengerechter kultureller Teilhabe erprobt wurden. Anhand von neuen Studien und historischen Beiträgen zu Künsten, Kultureinrichtungen und Kulturgeschichte der DDR bietet dieses kubi-online Dossier Anregungen für aktuelle Diskurse in Deutschland. Es möchte einerseits die Leerstelle einer kritischen Reflexion der Kulturarbeit und Kulturvermittlung in der DDR schließen, andererseits Denkanstöße für die Kulturpolitik und Kulturvermittlung chancengerechter kultureller Teilhabe ebenso wie für die historische und aktuelle Kultur- und Bildungsforschung ermöglichen.

Im Fokus der Beiträge von Autor*innen aus Ost- und Westdeutschland verschiedener Generationen stehen drei Perspektiven:

Kulturgeschichte und Kulturarbeit in der DDR

Von Gerd Dietrich

Kulturgeschichte der DDR – Gegenstand und Narrative

Gegenüber der bisher dominierenden Politikgeschichte kann und soll eine Kulturgeschichte der DDR das Bild einer Gesellschaft zeigen, die oft nicht in der diktatorischen Herrschaft aufging, sondern ihren Eigensinn und Eigenwert besaß. In diesem Sinne ist Kulturgeschichte immer auch eine veritable Gesellschaftsgeschichte.

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Kulturelle Teilhabe in den Künsten

Von Rüdiger Bernhardt

Schreibende Arbeiter und ihre Zirkel – Erwartungen, Praxis und Ergebnisse

Am Beispiel der Literatur zeigt der aktuelle Beitrag auf, wie der Anspruch einer chancengerechten kulturellen Teilhabe in der DDR umgesetzt wurde, wie sich die Bewegung der schreibenden Arbeiter entwickelte und was sie konkret bewirkte. Ein Beitrag aus dem Jahr 1987 beschreibt zudem das literarische Schaffen des Zirkels schreibender Arbeiter der VEB Leuna-Werke, dessen Leiter der Autor war.

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Kontexte kultureller Teilhabe

Von Birgit Wolf

Kulturvermittlung in der DDR zwischen Auftrag und Wirklichkeit

Im Fokus stehen des Artikels stehen Kultureinrichtungen: der Zentrale Klub der Jugend – die Scheune – in Dresden, das Kulturhaus Wolfen und das Gewandhaus zu Leipzig: Am Beispiel einer Einrichtung der Jugendkulturarbeit, der betrieblichen Kulturarbeit und der Ernsten Kunst wird dargelegt, mit welchen Programmen und Formaten die Kulturvermittlung in der DDR versuchte, sich wandelnden gesellschaftspolitischen Verhältnissen und den Bedürfnissen des Publikums im Sinne einer „Kultur für alle" gerecht zu werden.

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Von Sebastian Weirauch

Zwischen Sozialistischem Realismus und künstlerischer Autonomie: Das Literaturinstitut „Johannes R. Becher”

Das Literaturinstitut „Johannes R. Becher“, das zwischen 1955 und 1993 in Leipzig existierte, war die erste und einzige Ausbildungsstätte für Autor*innen im deutschsprachigen Raum war. Welche produktiven Impulse gehen vom Institut auch heute noch aus? Zur Beantwortung dieser Frage werden kulturpolitische Debatten um das Institut rekonstruiert und literarische Texte von Absolvent*Innen in den Blick genommen.

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Fortschreibung des Dossiers
Das kubi-online Dossier Kulturelle Teilhabe in der DDR – Im Blick zurück nach vorn lädt ein zur Veröffentlichung weiterer Forschungsergebnisse und theoretischer Texte zu diesem Thema mit Bezug zu aktuellen Diskursen. Demnächst werden folgende Beiträge veröffentlicht:

  • Eva Renvert zum Arbeitertheater in der DDR
  • Petra Listewnik zur kulturellen Teilhabe auf dem Land
  • Simone Hain zu Kulturhäusern in der DDR
  • Thomas Wilke zu DJs und Diskotheken in der DDR
  • Birgit Jank zur DDR-Rockmusik und ihre Rezeption – generations- und grenzübergreifend
  • Werner Thole zu Jugendklubs in Halle/Saale.

Wir freuen uns auf Ihre Fachartikel und wünschen Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre!

Kontakt zur Redaktion
Mail: redaktion@kubi-online.de // Fon: 0179 205 1972
Hildegard Bockhorst (Projektleitung) // Dr. Birgit Wolf (Projektreferentin)

Die Wissensplattform kubi-online: Wissenstransfer für Kulturelle Bildung wird getragen von der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und der Stiftung Universität Hildesheim. Sie wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.