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Späte Blüte: Musikalische Begabung und Alter

von Heiner Gembris  Erscheinungsjahr: 2017 / 2016

Als der Dirigent Kurt Masur (1927–2015) das Orchestre National de France in Paris als Chefdirigent übernahm, war er 75 Jahre alt. Noch mit über 80 Jahren begab er sich auf Tourneen rund um die Welt, bevor Krankheiten seine Aktivitäten einschränkten. Der um zwei Jahre jüngere Dirigent Nikolaus Harnoncourt (1929-2016) führte ebenfalls noch mit über 80 Jahren zahlreiche internationale Konzertreisen durch. Kurz vor seinem 85. Geburtstag legte er neue Aufnahmen der letzten Sinfonien Wolfgang Amadeus Mozarts vor. Im Dezember 2015 gab er bekannt, dass er sich aus dem aktiven Musikleben zurückziehen wolle. Viele weitere Beispiele von MusikerInnen, die auch noch in hohem Alter außergewöhnliche Leistungen erbracht haben, ließen sich anführen.

Nicht nur auf dem Gebiet der klassischen Musik sind professionelle ältere MusikerInnen auf großen und kleinen Bühnen aktiv. Im Juli des Jahres 2012 feierte die internationale Presse das 50-jährige Bühnenjubiläum der Rolling Stones. Die ca. 70-jährigen Altrocker füllen auch heutzutage noch ganze Fußballstadien. Rockmusik und Alter sind heute kein Widerspruch mehr. Zahlreiche Beispiele von bekannten Rock- und PopmusikerInnen, die weit über das Alter von 65 Jahren hinaus aktiv auf der Bühne standen oder stehen, lassen sich nennen: Udo Lindenberg (*1946), Tina Turner (*1939), Udo Jürgens (1934–2014), Paul Simon (*1941) und viele andere. Nicht selten wird Alterswerken auch eine besondere Qualität zugesprochen. Der 71-jährige Bob Dylan (*1941) hat im Jahr 2012 sein Album mit dem Titel „Tempest“ herausgebracht. Es wurde sogleich in der Presse als „Meisterwerk“ gelobt. In der Zeitung „Die Welt“ (vom 7. Sept. 2012) war zu lesen, es handele sich um „mindestens die vierte Station in einem Alterswerk“ (Küveler 2012). Noch zwei Tage vor seinem Tod, am 10. Januar 2016, veröffentlichte der 69-jährige David Bowie (1947–2016) sein 25. Album „Blackstar“, das sogleich großes Aufsehen erregte und als „sehr gutes Bowie-Album“ gelobt wurde (Wolff 2016).

Auch im Bereich des Laienmusizierens spielen die Älteren zunehmend eine Rolle. Nach Angaben des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ) gab es im Jahre 2014 mindestens 14 Millionen Menschen in Deutschland, die in ihrer Freizeit aktiv im Laienbereich musizieren oder in einem Chor singen (MIZ 2014). Fast drei Millionen Freizeit-InstrumentalistInnen waren 2014 50 Jahre und älter (ibid. 2015a). Die tatsächliche Anzahl dürfte höher liegen, weil die Statistiken nicht alle Chöre, Orchester und Ensembles erfassen (ibid. 2014). Nach Angaben des Verbands deutscher Musikschulen gab es 2014 fast 71.000 SchülerInnen im Alter zwischen 26 und 60 Jahren an öffentlichen Musikschulen. Die Anzahl der über 60-jährigen SchülerInnen hat sich in den Jahren von 2000 bis 2014 von ca. 5.400 auf knapp 19.000 mehr als verdreifacht (ibid. 2015b).

Diese Beispiele zeigen, dass auch im höheren Alter die Ausübung musikalischer Aktivitäten, die vom einfachen Laienmusizieren bis zu musikalischen Meisterleistungen reichen, möglich ist. Dies widerspricht dem Defizit-Modell des Alter(n)s, das in erster Linie die Verluste im Prozess des Älterwerdens betont. In diesem Zusammenhang stellen sich eine Reihe von grundlegenden Fragen: Was geschieht mit der musikalischen Begabung im Alter? Wie können herausragende musikalische Leistungen über Jahrzehnte aufrechterhalten werden? Über welche Potentiale und Entwicklungsmöglichkeiten verfügen musikalische Laien bzw. AmateurInnen? Welche musikalischen Lernprozesse sind im Alter möglich und unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen? Was ist die Basis musikalischer Lern- und Leistungsfähigkeit im Alter, welche Einflussfaktoren spielen dabei eine Rolle? Kann man überhaupt einen auf zukünftige Leistungsentwicklung gerichteten Begabungsbegriff anwenden auf das Alter, das zwangsläufig mit Verlusten einhergeht und engere Zukunftsperspektiven hat? Gegenwärtig sind wir noch weit entfernt davon, diese und andere Fragen zufriedenstellend beantworten zu können. Das liegt daran, dass sie bislang nur ansatzweise wissenschaftlich untersucht wurden.

Sowohl in der Begabungsforschung als auch in der wissenschaftlichen Theoriebildung sind die Begriffe Talent und Begabung weitestgehend auf Kindheit und Jugend beschränkt. Begriffe wie Altersbegabung, Alterstalent oder Talentförderung im Alter sind (noch) kein Thema der Forschung. In der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur der Begabungsforschung stellt man bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Stamm 2014) fest, dass der Begabungs- oder Talentbegriff mit der Lebensphase Kindheit und Jugend verknüpft ist und im Zusammenhang mit dem Erwachsenenalter oder dem höheren Lebensalter nur sehr selten vorkommt.

Selbst in dem mehr als 1.500 Seiten umfassenden „The international handbook on giftedness“ (Shavinina 2009) oder dem „The international handbook of giftedness and talent“ (Heller et al. 2000) findet man keinen speziellen Artikel zur Begabung im Alter. In der „Encyclopedia of giftedness, creativity and talent“ (Kerr 2009) gibt es zumindest einen Artikel zum Stichwort „Elderly, gifted“ (Harkins 2009). Anne Rinn und James Bishop (2015:2) stellen im Rahmen einer umfassenden Literaturrecherche fest, dass es kaum aussagestarke Studien zu begabten Erwachsenen gibt. Soweit sie vorhanden sind, beziehen sie sich fast alle auf einen hohen IQ als Begabungskriterium und nicht auf andere Begabungsformen wie Musik, Kreativität und Kunst. Eine eigene Literaturrecherche in der Datenbank „PsychInfo“ Mitte November 2015 mit Stichwortkombinationen aus Begriffen wie music, giftedness, aging, older adults, elderly etc. ergab zwischen 0 und 20 Treffer, von denen nur sehr wenige tatsächlich brauchbar waren.

Abgesehen vom wissenschaftlichen Forschungsbedarf ist die Erforschung dieses Themenfelds auch deshalb notwendig, weil demografischer Wandel, gestiegene Lebenserwartung und verlängerte Lebensarbeitszeit einerseits und kulturelle Veränderungen andererseits gravierende Konsequenzen für musikalische Karrieren und Arbeitsbedingungen haben und somit neue Anforderungen an musikalische Begabungen und ihre Entwicklung stellen. Neben dem Bereich des professionellen Musizierens sind Erkenntnisse zur Entwicklung von Begabung und Talent auch für den Bereich des Laienmusizierens von großer Bedeutung, weil sie z.B. eine wichtige Grundlage des musikalischen Lernens und der Gestaltung von Unterricht mit Erwachsenen und Älteren darstellen.

Es sollte nicht vergessen werden, dass auch das Hören, Erkennen, Erleben und Bewerten von Musik, das Tanzen und Sprechen über Musik, die Produktion und Reproduktion von Musik mit technischen Medien etc. ohne eine musikalische Begabung nicht denkbar wäre.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das vorliegende Kapitel das Ziel, eine Übersicht über den Forschungsstand zum Thema „Musikalische Begabung und Alter(n)“ darzustellen. Dabei werden theoretische Konzepte zu Musikalität, Begabung und Talent mit Erkenntnissen aus der Lifespan-Psychologie und Alter(n)sforschung verbunden. Auf dieser Basis werden neue theoretische und praktische Perspektiven entwickelt.

Allgemeine Rahmenbedingungen der Entwicklung in der Lebensspanne

Weder für den Begriff des Alters noch für den Begriff des Alterns gibt es allgemeinverbindliche Definitionen. Beim Begriff des Alters wird auch noch unterschieden zwischen jungen Alten (ca. 60/65 bis ca. 80 Jahre) und alten Alten (ab ca. 80 Jahre), die beide dem späten Erwachsenenalter (ab ca. 60/65 Jahre) zugeordnet werden (Pinquart 2012:19). Der Begriff des Alterns kann sowohl biologische, psychologische als auch soziale Aspekte umfassen. Er wird häufig verwendet, um allgemein die (positiven und negativen) zeitgebundenen Veränderungen zu beschreiben, die mit dem Älterwerden einhergehen, das zu jedem Zeitpunkt des Lebens stattfindet (ibid.:19f.; Kruse 2015:14ff.). In diesem Sinne wird der Begriff des Alterns auch hier verwendet.

Die musikalische Entwicklung bildet einen Teil der allgemeinen Entwicklung des Menschen und ist in diese eingebettet. Deswegen liegen die allgemeinen Leitvorstellungen der Entwicklungspsychologie der Lebensspanne (Baltes 1990; Brandstädter 2007; Pinquart 2012) auch der Untersuchung der musikalischen Entwicklung als Rahmenbedingungen zugrunde (Gembris 2008a, b). Folgende theoretische Grundprinzipien sind dabei maßgeblich:

  • Lebenslange Entwicklung: Die (musikalische) Entwicklungspsychologie geht davon aus, dass Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist und musikalisches Lernen potentiell zu jedem Zeitpunkt im Leben stattfinden kann. Der Prozess musikalischer Entwicklung beginnt wahrscheinlich vorgeburtlich (Parncutt 2006), spätestens jedoch mit der Geburt und endet theoretisch erst mit dem Tod.
  • Entwicklung als Wechselspiel von Stabilität, Gewinn und Verlust: Die Lifespan-Psychologie betrachtet Entwicklung als ein Wechselspiel von Stabilität, Gewinnen und Verlusten (Baltes 1990; Martin/Kliegl 2005:32ff., 52ff.). Typisch für dieses Wechselspiel ist, dass die Entwicklungsgewinne in jungen Jahren weitaus größer sind als die Verluste. Dieses Verhältnis verändert sich im Laufe der Zeit und kehrt sich zum Alter hin um, wo Verluste überwiegen.
  • Multidirektionalität der Entwicklung: Entwicklungsprozesse können sich gleichzeitig in verschiedenen musikalischen Bereichen und auf unterschiedlichen Ebenen vollziehen. Dabei können Gewinne in einem Bereich (z.B. durch Spezialisierung, Übung) mit Verlusten in anderen Bereichen einhergehen (z.B. durch Vernachlässigung und Nichtgebrauch von Fähigkeiten). Gleichzeitig ablaufende Veränderungsprozesse können unterschiedliche Richtungen annehmen.
  • Plastizität und Reservekapazität: Analog zum kognitiven Potential, das auch bei Erwachsenen und Älteren durch Übung veränderbar ist und erweitert werden kann, können wir davon ausgehen, dass auch in musikalischen Bereichen nicht genutzte Kapazitäten und latente Kompetenzen vorhanden sind, die durch musikalisches Lernen, Übung und gezieltes Training aktiviert werden können (Gembris 2013:423). Dadurch sind auch Erwachsene prinzipiell in der Lage, neue musikalische Fähigkeiten zu erlernen (z.B. auf einem Instrument) und/oder vorhandene Fähigkeiten zu erweitern.
  • Kulturelle Einbettung und generationsspezifische Prägungen: Musikkultur, gesellschaftlicher Wandel und Medientechnologien stellen wichtige Rahmen- und Umweltbedingungen musikalischer Entwicklung dar. Sie sind Teil der allgemeinen zeitgeschichtlichen und generationsspezifischen Einflüsse, die musikalische Biografien und Entwicklungsverläufe entscheidend prägen können (ibid.:209ff.).

Musikalität, Begabung und Talent: theoretische Konzepte

Begriffe wie Musikalität, musikalische Begabung und Talent werden häufig synonym verwendet. Dies gilt auch für die entsprechenden englischsprachigen Begriffe wie musicality, ability, aptitude, talent, giftedness, musical intelligence oder musical potential. Bei all diesen Begriffen handelt es sich um theoretische Konstrukte, die Unterschiede in musikalischen Leistungen, musikalischen Lernfähigkeiten oder außergewöhnliche musikalische Leistungen erklären sollen. Direkt beobachten oder messen kann man sie nicht.

Einen einheitlichen Begriff musikalischer Begabung gibt es nicht, sondern wir haben es mit einer Vielfalt von widersprüchlichen Konzepten und Diskursen zu tun (Gembris 2013:62ff.; 2014). Da es weder einen einheitlichen Musikbegriff in der Musikwissenschaft noch einen einheitlichen Begabungsbegriff in der Psychologie gibt, ist auch eine verbindliche Vorstellung davon, was musikalische Begabung oder Talent ist, nicht möglich. Angesichts der Vielfältigkeit musikalischer Formen und Stile, ihrer steten Weiterentwicklung und angesichts sich wandelnder soziokultureller und musikästhetischer Wertvorstellungen erscheint die Pluralität unterschiedlicher Begabungsvorstellungen zwangsläufig und berechtigt.

Bereits Johannes von Kries (1926) stellte vor bald 100 Jahren fest, dass musikalische Begabung in unterschiedlichen Fähigkeitsbereichen und Kombinationen von Fähigkeiten auftreten kann. In einer jüngeren Publikation verwenden Gary E. McPherson, Jane W. Davidson und Robert Faulkner (2012:181) den Begriff multiple Musikalitäten (multiple musicalities), um die Vielfältigkeit musikalischer Begabungen zum Ausdruck zu bringen. Gerade weil es keine allgemeingültigen Definitionen gibt, sind Arbeitsdefinitionen in der Wissenschaft und Musikpraxis hilfreich und notwendig. Anknüpfend an einen früheren Definitionsvorschlag (Gembris 2012b:25f.) erscheinen folgende Arbeitsdefinitionen als geeignete Ausgangspunkte für weitere Überlegungen:

Musikalität ist die allgemeine, angeborene und universelle menschliche Disposition zur Kommunikation mit gestalteten Tönen, Rhythmen und Klängen (Malloch/Trevarthen 2009; Hallam 2006).

Musikalische Begabung ist das jedem Menschen in unterschiedlichem Maße angeborene Potential, Musik emotional zu erleben, geistig zu verstehen und durch Tätigkeiten wie Singen, Instrumentalspiel, Komponieren, Improvisieren und Arrangieren schaffen zu können. Dieser Definitionsvorschlag betont das angeborene Potential zu musikalischem Handeln und zu musikalischen Leistungen in verschiedenen musikalischen Bereichen (z.B. Instrumentalspiel, Komposition etc.), unabhängig davon, ob dieses Potential realisiert und in entsprechende Leistungen umgesetzt wird oder nicht (McPherson/Williamon 2006; Gagné 2005).

Talent: Den Unterschied zwischen Begabung und Talent haben Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer (2013:48) treffend auf den Punkt gebracht: „Talent ist gleichsam die realisierte Begabung.“ In Anlehnung an die Formulierung von Stern und Neubauer (ibid.) bezeichnet der Begriff des musikalischen Talents die in musikalische Leistung umgesetzte Begabung (McPherson/Williamon 2006:241). Musikalisch talentiert ist also jemand, der seine musikalische Begabung in beobachtbare (hohe) musikalische Leistungen umsetzen kann. Ein musikalisches Talent ist demnach immer auch musikalisch begabt, weil sich ohne Begabung kein Talent entfalten lässt. Andererseits muss aus einer musikalischen Begabung nicht zwangsläufig ein Talent werden.

Damit sich musikalische Begabung realisieren und zu einem Talent werden kann, bedarf es sowohl der Anregungen aus der Umwelt als auch der eigenen Aktivität, Übung und Anstrengung. Ohne diese Komponenten können vorhandene Begabungen nicht in Leistung umgesetzt werden.

An das allgemeine Begabungsmodell von Gagné (2005) anknüpfend schlagen Gary E. McPherson und Aaron Williamon (2006) in ihrem „differenzierten Modell von Begabung und Talent in der Musik“ vor, dass es mindestens acht verschiedene Typen oder Bereiche des musikalischen Talents gibt, wobei jeder dieser Begabungsbereiche sich in entsprechenden musikalischen Berufsfeldern widerspiegelt: Instrumentalspiel/Gesang (performing); Improvisieren, Komponieren, Arrangieren, Musikanalyse (analysing), Musikbeurteilung/Musikkritik (appraising); Dirigieren und Unterrichten (ibid.:249f.).

Die oben dargestellten Talent- bzw. Begabungsdefinitionen bilden lediglich einen allgemeinen Rahmen, in dem sich (je nach Musikkultur) inhaltlich verschiedene Fähigkeiten und Leistungen, Begabung bzw. Talent zeigen und konkretisieren können. Beispielsweise unterscheidet sich ein Talent im Bereich der Rock- und Popmusik vom Talent in der klassischen Musik dadurch, dass es weniger auf die technisch perfekte Ausführung anspruchsvoller Kompositionen ankommt, dafür aber andere Elemente stark ausgeprägt sind: eine starke Authentizität, Ausdruck, Tanz- und Bewegungsfähigkeiten auf der Bühne, und je nach musikalischem Genre auch die Fähigkeit, mithilfe von Plattenspielern, Samplern, Musiksoftware etc. musikalische Kreativität zu entwickeln (Gembris 2014).

Intelligenz, musikalische Begabung und Talent: Stabilität und Veränderung

Die Frage, inwieweit sich musikalische Begabung und Talent eines Individuums im Laufe des Lebens verändern oder stabil bleiben, wurde bislang kaum wissenschaftlich untersucht. Insbesondere hinsichtlich der Veränderungen von Begabung und Talent im Erwachsenenalter und im höheren Alter fehlt es an gesicherten Erkenntnissen. Theoretisch sind unterschiedliche Vorstellungen und Modelle denkbar.

Einerseits kann man annehmen, dass die musikalische Begabung (im Sinne von Potential zur Musik) ab einem bestimmten Alter stabil bleibt und sich wenig verändert. So stellt Edwin E. Gordon (1998:10) auf der Basis seiner Längsschnittstudien fest, dass sich die musikalische Begabung etwa mit neun Jahren stabilisiert und dann für den Rest des Lebens erhalten bleibt. Es könne deshalb nicht genug betont werden, dass eine frühzeitige informelle Förderung und formeller Unterricht in den ersten neun Lebensjahren größere Konsequenzen habe als formeller Unterricht nach dem neunten Lebensjahr. Je angemessener frühzeitige Förderung sei und je früher damit begonnen werde, desto höher das Niveau, auf dem sich musikalische Begabung stabilisiere. Abgesehen von Gordons eigenen Studien gibt es jedoch m.W. keine weiteren Untersuchungen, die dies bestätigen.

Andererseits kann man annehmen, dass musikalische Begabung sich auch im Laufe des Erwachsenenalters verändert (z.B. zunimmt, abnimmt und/oder sich in ihrer Struktur verändert). Für beide Varianten lassen sich Argumente anführen (s.u.). Außerdem hängen die Entwicklungsverläufe musikalischer Begabung von der Art der Begabung ab. Beispielsweise ist der Entwicklungsverlauf eines Geigers in der Regel anders als der einer Sängerin, eines Komponisten oder einer Popmusikerin.

Aufschlussreich ist ein Blick in die Intelligenzforschung. Sie unterscheidet hinsichtlich der zeitlichen Stabilität der Intelligenz drei verschiedene Aspekte: die Strukturstabilität (qualitative Konstanz), die Niveaustabilität (intraindividuelle Konstanz) und die Positionsstabilität (interindividuelle Konstanz; Rost 2013:403ff.). Die altersbezogene Strukturstabilität bezieht sich auf die Veränderungen verschiedener Teilbereiche der Intelligenz und ihrer Verhältnisse zueinander im Laufe des Lebens.

Die Niveaustabilität gibt an, inwieweit sich die Höhe der individuellen Intelligenz bzw. das Leistungsniveau einer Person im Lebensverlauf verändert (sinkt, steigt oder gleich bleibt). Die Positionsstabilität bezieht sich beim Vergleich unterschiedlicher Personen auf die relative Stabilität oder Veränderung der Position (Rangplatzverschiebung) einer Person innerhalb ihrer Altersgruppe im Laufe der Zeit.

Insbesondere im frühen Kindesalter (bis etwa vier bis fünf Jahre) unterliegt die Intelligenz erheblichen qualitativen Veränderungen und Umstrukturierungen. Erst danach ist eine Strukturstabilität festzustellen, die für mehrere Jahrzehnte anhält. Wie Detlef H. Rost (2013:492) feststellt, erfolgt von Geburt an eine kontinuierliche Zunahme des Intelligenzniveaus, die hauptsächlich auf die stetige, jahrelange Förderung in den Institutionen der formalen Bildung (Schule, Ausbildung, Hochschule) zurückzuführen ist. Danach stellt sich eine „akzeptable Niveaustabilität“ ein (ibid.:493). Erst ab dem Erwachsenenalter bleibt die mit IQ-Tests gemessene Intelligenz „hinreichend niveaustabil“. Jedoch verändert sich dabei das Verhältnis von fluider und kristalliner Intelligenz: Während die fluide Intelligenz (die sich z.B. auf kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit bezieht) ab etwa Mitte 20 langsam abzunehmen beginnt, nimmt die kristalline Intelligenz (die sich z.B. auf das angesammelte Wissen bezieht) tendenziell weiter zu und kann Verluste in der fluiden Intelligenz über viele Jahre kompensieren (s.u.). Erst ab etwa dem 60. Lebensjahr herum ist eine stärkere Abnahme der fluiden Intelligenz zu beobachten.

Die Positionsstabilität der Intelligenz festigt sich bereits im mittleren Grundschulalter und verändert sich ab 12 oder 13 Jahren relativ wenig. „Ab dem Grundschulalter ist der IQ das stabilste psychologische Persönlichkeitsmerkmal überhaupt“ (ibid.:494). Weil der IQ über die Lebensspanne ziemlich stabil bleibt, kann man auch annehmen, dass begabte Kinder auch begabte Erwachsene werden (Rinn/Bishop 2015:6). Gilt dies auch für die musikalische Begabung?

Auf diese Frage lässt sich (noch) keine eindeutige Antwort geben, weil dazu kaum empirisch fundierte Erkenntnisse vorliegen. Sowohl eine relative lebenslange Stabilität musikalischer Begabung als auch ein mehr oder weniger ausgeprägter Wandel sind vorstellbar.

Das hohe Niveau musikalischer Leistungen, das man allgemein bei professionellen MusikerInnen findet, sowie musikalische Spitzenleistungen, die oft über viele Lebensjahrzehnte aufrechterhalten werden, basieren auf einer ausgeprägten musikalischen Begabung, die bereits frühzeitig in Kindheit und Jugend durch Übung entwickelt wurde und langfristig auch die Basis für Musikerkarrieren bildet. Dies spricht dafür, dass die musikalische Begabung als angeborenes Potential im Laufe des Lebens im Wesentlichen stabil bleibt.

Nach Anne N. Rinn und James Bishop (2015:6f.) lassen sich in der Forschung drei verschiedene Positionen erkennen: Ein Teil von ForscherInnen vertritt die Auffassung, dass Begabung in der Kindheit, unabhängig davon, ob sie formell durch Tests festgestellt wurde oder nicht, weitgehend die Voraussetzung – aber kein Garant – für außergewöhnliche Leistungen im Erwachsenenalter ist. Andere favorisieren eine Schwellenwerttheorie, der zufolge ab einem gewissen Schwellenwert (ab einem IQ von 120 oder einem Leistungsniveau im 90. Percentil eines Fähigkeitsbereichs, d.h. in einem Fähigkeitsbereich besser zu sein als 90%) Unterschiede in der Begabung hinsichtlich der Erreichung hervorragender Leistungen keine Rolle mehr spielen. Im Unterschied dazu zeigen andere Studien, etwa aus dem Bereich der Mathematik, dass unter 1% Begabten mit den höchsten kognitiven Fähigkeiten noch 20 Jahre nach dieser Diagnose signifikante Unterschiede im beruflichen Erfolg und Status festzustellen waren.

Für die Entwicklung von Talent spielen soziale Faktoren wie elterliche, familiäre oder andere Formen der Unterstützung sowie psychologische Persönlichkeitsmerkmale eine entscheidende Rolle. Allerdings verändert sich die relative Bedeutung dieser Faktoren im Laufe des Lebens. Während die Unterstützung durch Eltern und Familie in Kindheit und Jugend zentral ist, nimmt deren Bedeutung mit zunehmendem Alter ab. Gleichzeitig wächst die Bedeutung psychosozialer Faktoren wie Kollegialität und die Fähigkeit, FörderInnen zu finden. Die Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen wie Motivation, Hartnäckigkeit und dem Willen, Hindernisse zu überwinden, bleibt gleich hoch (Subotnik 2009).

Fluide und kristalline musikalische Begabung, Plastizität und musikalische Reservekapazität: Korrespondenzen zur Intelligenzforschung

In der lebenszeitlichen Entwicklung der Intelligenz wird zwischen der fluiden Intelligenz (Mechanik) und der kristallinen Intelligenz (Pragmatik) unterschieden. Die fluide Intelligenz oder Mechanik umfasst Aspekte wie die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Wahrnehmung und kognitiven Verarbeitung, die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses und Anpassungsfähigkeit (Kray/Lindenberger 2007). Sie entwickelt sich im Laufe des Lebens in unterschiedliche Richtungen (Multidirektionalität). Wie Detlef H. Rost (2009:250) schreibt, erreicht die fluide Intelligenz „das Maximum etwa um das 20. Lebensjahr und nimmt mit dem Älterwerden wieder ab (Nachlassen von funktioneller und struktureller neuronaler Plastizität; Verlangsamung der Informations-Verarbeitungsgeschwindigkeit).“ Die fluide Intelligenz bzw. Mechanik der Kognition gilt als die „stärker biologisch verankerte Grundintelligenz“ (ibid. 2013:493). Sie „repräsentiert den Einfluss der Biologie auf die intellektuelle Entwicklung“ und „bezeichnet den biologischen Aspekt der kognitiven Leistungsfähigkeit und des kognitiven Entwicklungspotenzials“ (Lindenberger/Staudinger 2012:289).

Die kristalline Intelligenz oder Pragmatik bezieht sich auf das erworbene Wissen. „Die Pragmatik der Kognition erfasste die kulturelle Dimension der intellektuellen Entwicklung. Sie verweist auf die Bedeutung kulturgebundenen Wissens, das sowohl internal (d.h. neuronal, z.B. in semantischen Netzwerken) als auch external (z.B. in Büchern) repräsentiert wird“ (ibid.:290; siehe auch Rost 2009:51ff.). In Abhängigkeit von kulturellen Anregungen kann die kristalline Intelligenz bei Erwachsenen zunehmen. Der „Abbau tritt hier erst im späten Erwachsenenalter ein, vollzieht sich langsamer als bei Gf [= fluide Intelligenz; H.G.] und kann durch Übung verlangsamt bzw. teilweise kompensiert werden“ (Rost 2009:250). Bei diesen Veränderungsprozessen sind große interindividuelle Unterschiede zu erwarten. Bisherige Erkenntnisse resümierend, stellt Christoph Perleth (2015:73) fest, „dass sich sowohl der Beginn der Abbauprozesse als auch das Ausmaß des Abbaus zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr von Mensch zu Mensch stark unterscheiden. Auch sind die Unterschiede zwischen den Generationen genauso groß wie die altersbedingten Effekte, mit anderen Worten: Die Alterseffekte verändern sich von Generation zu Generation.“

Das Prinzip der Multidimensionalität und Multidirektionalität der Intelligenzentwicklung findet sich auch in der Entwicklung von Begabung und Talent in der Musik wieder. Analog zur fluiden und kristallinen Intelligenz kann man auch von fluider musikalischer Begabung (musikalische Mechanik) und kristalliner musikalischer Begabung (musikalische Pragmatik) sprechen (vgl. Abb. 1).

Beispielbild
Abb. 1: Hypothetischer Verlauf unterschiedlicher Bereiche musikalischer Begabung bei professionellen MusikerInnen  (Gembris 2012a)

Musikalische Funktionsbereiche, die an (hohe) psychomotorische und kognitive Geschwindigkeit, Flexibilität, Gedächtniskapazität/-effizienz gebunden sind (z.B. Virtuosität auf einem Instrument), entsprechen der fluiden Intelligenz (Mechanik). Kristalline Komponenten musikalischer Begabung kann man sich vorstellen als musikalisches Wissen und Erfahrungsreichtum, Differenziertheit, Tiefe des musikalischen Verständnisses, Unabhängigkeit und musikalische Weisheit (s.u.). Diese Beschreibungen sind eher vorläufig und hypothetisch zu verstehen, denn es gibt noch keine elaborierten Konzepte von fluider und kristalliner musikalischer Begabung.

Die fluiden Komponenten musikalischer Begabung können eher durch die allgemeine altersbezogene kognitive und psychomotorische Verlangsamung beeinträchtigt werden (Kliegel/Jäger 2008; Perleth 2015). Dies muss über viele Jahrzehnte aber nicht zwangsläufig der Fall sein, denn durch kontinuierliche Übung kann man dem Abbau von Leistungsfähigkeit zu einem großen Teil entgegenwirken (Ragot/Ferrandez/Pouthas 2002:41; Johansson 2002; Krampe/Charness 2006). Dies bestätigen auch Ergebnisse, die K. Warner Schaie (2005, zitiert nach Birren 2009:176) in einer umfangreichen Längsschnittstudie mit älteren Personen herausgefunden hat. Er stellte fest, dass der altersbezogene Verlust an geistigen Fähigkeiten durch kognitives Training nicht nur gebremst werden konnte. Bei einem Teil der ProbandInnen (ca. 40%) war der Verlust geistiger Fähigkeiten sogar reversibel. Sie konnten ein Leistungsniveau wiedererlangen, das sie 14 Jahre zuvor hatten, bevor das Absinken der geistigen Leistungsfähigkeit einsetzte. Vermutlich war das Absinken auf den Nichtgebrauch zurückzuführen (Disuse-Hypothese).

Obwohl virtuose Leistungen aufgrund der Plastizität der kognitiv-psychomotorischen Mechanik durch kontinuierliche Übung relativ lange aufrechterhalten werden können, sind die Effekte von Übung begrenzt. Irgendwann werden die Übungseffekte die Leistungsverluste in der Mechanik und auch hinsichtlich der körperlichen Kraft und Ausdauer nicht mehr kompensieren können. Dazu kommt, dass mit zunehmendem Alter andere Faktoren wie gesundheitliche Beeinträchtigungen die musikalisch-kognitive und psychomotorische Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.

In diesem Zusammenhang spielt das Prinzip der „Selektion, Optimierung und Kompensation (SOK-Prinzip)“ eine wichtige Rolle (siehe z.B. Freund 2007). Dieses Prinzip findet auch in der Musik Anwendung, um altersbezogenen Leistungseinbußen im Instrumentalspiel entgegenzuwirken: Die Auswahl der zu spielenden Stücke wird begrenzt (Selektion), diese werden mehr geübt (Optimierung) und langsamer und/oder in vereinfachter Weise gespielt (Kompensation). Während das SOK-Prinzip im Bereich des Laienmusizierens durchaus flexibel anwendbar ist (Gembris 2011), kann man es im Bereich des professionellen Musizierens nur teilweise einsetzen, weil z.B. bei OrchestermusikerInnen und die Auswahl der Stücke und die Tempi durch die Dirigierenden vorgegeben werden.

Wie bereits oben erwähnt, kann man unter kristalliner musikalischer Begabung in Analogie zur kristallinen Intelligenz den Bestand an musikalischen Erfahrungen, Repertoirekenntnissen, Wissen, Verständnistiefe, Urteilsvermögen und musikalischer Weisheit verstehen (Gembris 2013:422ff.). Mit Weisheit sind in der Psychologie des Alterns z.B. Wissenssysteme, Strategiewissen, Kontextwissen, Wissen um die Relativität von Werten und Zielen und Umgang mit widersprüchlichen Informationen gemeint (Staudinger/Dörner 2007; Staudinger/Kessler 2012:740). Im Unterschied zur fluiden musikalischen Begabung nimmt die kristalline musikalische Begabung einen anderen Verlauf. Hier ist eine Zunahme im Laufe des Lebens möglich. Weisheit als eine der komplexesten Qualitäten menschlichen Verhaltens setzt reichhaltige Erfahrung voraus und beinhaltet unter anderem reflektiertes, nicht-impulsives Verhalten, komplexe Prozesse der Entscheidungsfindung, die auf die Maximierung von hochwertigen Ergebnissen zielen, Selbst(er)kenntnis, Selbstregulierung und Immunität gegenüber Konkurrenzkämpfen (Birren 2009:181) – Eigenschaften, die letztlich in die besonderen Qualitäten von Spätwerken einfließen und insbesondere ältere MusikerInnen auszeichnen können (Westphal 1977:97ff.).

Musikalische Reservekapazität

Zu den grundlegenden Annahmen der Lebensspannen-Perspektive zählt die Idee der Plastizität lebenslanger Entwicklung. Nach Paul B. Baltes (1990:11) bezieht sich die Plastizität „auf die intraindividuelle Variabilität und bezeichnet das Potential, das Individuen zu verschiedenen Verhaltensformen und Entwicklungsverläufen befähigt.“ Damit verbunden ist die Annahme, dass „das grundlegende kognitive Potential älterer Menschen im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen wahrscheinlich stärker unausgeschöpft sei“ (ibid.). Dieses unausgeschöpfte Potential wird als Reservekapazität (bzw. Kapazitätsreserve) bezeichnet. Dieses Konzept der Psychologie der Lebensspanne bildet die sogenannte Reservekapazität oder Entwicklungsreserve. Es besagt, dass Erwachsene und ältere Menschen über latente Kompetenzen und ungenutzte kognitive Reserven verfügen, die sich durch Lernen, Übung und gezieltes Training aktivieren lassen (Baltes/Baltes 1989:90; Baltes/Kliegl 1988; Staudinger/Cornelius/Baltes 1989; Schmiedeck/Lindenberger 2007:112).

Entsprechendes ist auch für den Bereich musikalischer Fähigkeiten anzunehmen. In Analogie zur kognitiven Reservekapazität können wir davon ausgehen, dass auf dem Gebiet der musikalischen Fähigkeiten ebenfalls Reservekapazitäten vorhanden sind, die durch Übung aktiviert werden können. Die musikalische Reservekapazität konstituiert sich aus der Summe an latentem, ungenutztem Potential an musikalischer Begabung, das durch zielgerichtete Übung aktiviert werden kann (Gembris 2013:423f.).

Diese latente musikalische Reservekapazität dürfte bei erwachsenen AmateurmusikerInnen weitaus größer sein als bei professionellen MusikerInnen. Denn professionelle MusikerInnen sind bestrebt, durch zielgerichtete Übung über viele Jahrzehnte, ihr verfügbares Potential an musikalischer Begabung vollständig auszuschöpfen und in musikalische Leistung umzusetzen.

Von besonderer musik- und instrumentalpädagogischer Bedeutung ist die musikalische Reservekapazität bei AmateurmusikerInnen oder musikalisch nicht (mehr oder noch nicht) aktiven Personen. Dieses ungenutzte Kapital an musikalischer Begabung kann durch Unterricht und Übung aktiviert werden. Da die musikalische Biografie von AmateurmusikerInnen oder musikalisch Nicht-Aktiven im Unterschied zu professionellen MusikerInnen nicht das Ziel verfolgt, alle Begabungsreserven zu nutzen und zu musikalischer Leistungsfähigkeit zu entfalten, verfügen sie über ein individuell mehr oder weniger großes Potential an ungenutzter musikalischer Reservekapazität. Bereits Edwin E. Gordon (1998:10) hatte festgestellt, dass die meisten Menschen ihr Potential an musikalischer Begabung nicht ausschöpfen.

Auch wenn anzunehmen ist, dass (zumindest die fluide) musikalische Reservekapazität aufgrund von allgemeinen altersbezogenen Leistungseinbußen im Laufe des Lebens beeinträchtigt wird, ist zu erwarten, dass die meisten Menschen in der Regel ihre Reservekapazität nicht in die musikalischen Leistungen umsetzen, zu denen sie fähig wären. Es ist es auch denkbar, dass im höheren Lebensalter eine im Vergleich zur Jugend geringer gewordene musikalische Reservekapazität durch Übung effektiver ausgeschöpft und dadurch eine höhere musikalische Leistung erreicht werden kann als im Jugendalter. Dieser Sachverhalt wird durch Abbildung 2 illustriert.

Gestützt wird diese Hypothese z.B. durch Ergebnisse einer empirischen Studie mit AmateurmusikerInnen aus Seniorenorchestern (Gembris 2011). Die Befragten sollten unter anderem angeben, in welchem Lebensalter sie die beste Leistung auf ihrem Instrument erreicht haben. Mehr als ein Drittel (38%) gab an, ihre besten Leistungen in den ersten 30 Jahren ihres Lebens erreicht zu haben. Aber ein gleich großer Anteil (38%) gab an, die besten Leistungen erst zwischen 50 und 79 Jahren erreicht zu haben. Fast ein Fünftel (18%) der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahren erlebte in dieser Dekade seine besten Leistungen. Lediglich 9% gaben an, die besten musikalischen Leistungen in den sogenannten „besten“ Lebensjahren zwischen 40 und 49 erreicht zu haben. Mit anderen Worten: Mehr als ein Drittel der Älteren konnten in fortgeschrittenem Alter die individuelle musikalische Reservekapazität besser nutzen und dadurch höhere musikalische Leistungen erreichen als in ihrer Jugend und in ihrem mittleren Erwachsenenalter. Sogar bei AlzheimerpatientInnen sind offenbar musikalische Reservekapazitäten vorhanden. Eva-Maria Kehrer konnte zeigen, dass jene unter entsprechender Anleitung als AnfängerInnen lernen können, einfache Lieder zu spielen und zu improvisieren. Sie stellte unter anderem fest: „Bei allen Probanden ist ein Lernzuwachs, v.a. in den impliziten Wissensbeständen zu verzeichnen. Aber auch explizites Wissen kann sich angeeignet werden“ (Kehrer 2013:179; Hartogh/Kehrer 2015).

Beispielbild
Abb. 2: Das Konzept der musikalischen Reservekapazität bei AmateurmusikerInnen (Gembris 2012a)

Diskussion und Ausblick

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass das Thema „Musikalische Begabung und Alter(n)“ schon allein wegen des stark zunehmenden Anteils der älteren Bevölkerung (nicht nur) in westlichen Gesellschaften in der Forschung der kommenden Jahre einen deutlichen Aufschwung erleben und dauerhaft wichtig bleiben wird. Wie aus den bisherigen Darstellungen hervorgeht, steht die Forschung hier in vielen Punkten erst am Anfang.

Ein grundlegender Aspekt ist dabei die Diversität, die bezüglich des Verhältnisses von musikalischer Begabung und Altern auf verschiedenen Ebenen anzutreffen ist. Dazu zählen die Vielfalt musikalischer Begabungen und Talente, die Verschiedenheit der Entwicklungsverläufe bzw. Wege des Alterns in der Musik sowie auch die Vielfalt soziokultureller und anderer Faktoren, die auf beides Einfluss nehmen. Beispielsweise ist es notwendig, zwischen der Begabungsentwicklung von professionellen MusikerInnen einerseits und der von AmateurInnen und musikalisch Inaktiven bzw. Desinteressierten zu unterscheiden. Dies entspricht der Forderung, zwischen alltäglicher, „normaler“ und maximaler musikalischer Leistungsfähigkeit oder Performanz zu unterscheiden (Krampe/Charness 2006:734f.). Die einseitige Fixierung auf die Betrachtung musikalischer Hochleistung oder Maximalleistung verstellt den Blick dafür, dass für die Breite der Menschen und insbesondere im Alter nicht das Erreichen von Höchstleistungen das Ziel ist, sondern eine „normale“, den individuellen Bedürfnissen entsprechende musikalische Aktivität auf dem Instrument, im Chor, im Ensemble etc., die Freude an der Musik verschafft, soziale Verbundenheit fördert und die Lebensqualität steigert (Gembris 2011; 2012c).

Die musikkulturelle und biografische Diversität wird in den kommenden Jahren durch die starken Migrationsbewegungen, welche die westlichen Gesellschaften gegenwärtig erleben, noch ausgeprägter werden. Der Aspekt der Entwicklung von Begabung und Talent in der Interaktion mit soziokulturellen Kontexten hat bislang generell wenig Beachtung gefunden (Schoon 2000). Da es aber auf der Hand liegt, dass die Musik(en) selbst und die individuelle Entwicklung musikalischer Fähigkeiten nicht ohne ihre musikalisch-soziokulturellen Kontexte gedacht werden können, ist das Forschungsdefizit zu diesem Thema offenkundig.

Dies gilt auch für die Zusammenhänge und Interaktionen zwischen der Entwicklung von musikalischen Begabungen, Talenten, Popkultur und technischen Medien, die neue Formen musikalischer Kreativität insbesondere in der Popmusik hervorgebracht haben. Bereits Anfang der 2000er Jahre versuchten Jan Hemming (2002) und Günter Kleinen (2003), den Begabungsbegriff im Bereich der Popmusik neu zu bestimmen (siehe auch Gembris/Kretschmann/Forge 2009). Inzwischen zählt es zu den Alltagsphänomenen, eine Vielzahl von PopmusikerInnen gegen Ende jahrzehntelanger Karrieren als gealterte MusikerInnen jenseits des Pensionsalters noch auf den Bühnen und in den Medien zu erleben. Dabei fällt auf, dass es sich bei den aktiven alten PopmusikerInnen meist um männliche Musiker handelt. Das wirft die Frage auf, welche Rolle z.B. generationsspezifische und genderbezogene Faktoren hier spielen. Davon abgesehen sind Unterschiede in der lebenszeitlichen (musikalischen) Begabungsentwicklung und Talententfaltung von Männern und Frauen bislang kaum aus entwicklungspsychologischer oder begabungspsychologischer Sicht erforscht worden (Reis 2005; Jennings/Gardner 2012). Hier tun sich Forschungsfelder zum Thema „Musikalische Begabung und Alter(n)“ auf, die sich erst am Anfang ihrer Erschließung befinden (Ahlers 2015).

Vor dem Hintergrund der Diversität musikalischer Begabungen, Talente und der Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit in den Entwicklungsverläufen müssen die Psychologie und die Erforschung musikalischer Begabung (nicht nur im Alter) eine differenzielle Begabungspsychologie sein. Deswegen ist auch nicht zu erwarten, dass die Vielfalt von Entwicklungsverläufen durch ein einziges theoretisches Modell beschrieben oder abgebildet werden kann.

Im Hinblick auf die Theoriebildung kann das an die Intelligenzforschung angelehnte Konzept der fluiden und kristallinen musikalischen Begabung dazu beitragen, zwischen unterschiedlichen Aspekten musikalischer Begabung zu differenzieren und deren unterschiedliche Entwicklung abzubilden. Es ist klar, dass dieses Konzept gegenwärtig nur ein vorläufiges sein kann und sowohl der theoretischen Differenzierung als auch der empirischen Absicherung bedarf. Dies gilt ebenso für das hier beschriebene Konzept der musikalischen Reservekapazität, das von grundlegender Bedeutung für das musikalische Lernen – insbesondere im Erwachsenenalter und für die Musikgeragogik (Hartogh 2005) – erscheint. Denn die musikalische Reservekapazität ist ein Konzept, das die Lernfähigkeit im Erwachsenenalter und im höheren Alter wissenschaftlich begründet und eine optimistische Perspektive auf das musikalische Lernen und die musikalische Entwicklungsfähigkeit insbesondere von nicht-professionellen MusikerInnen sowie Laien bietet. Obwohl es empirische Daten gibt, die dieses Konzept unterstützen (s.o.), sind weitere Studien dazu notwendig (Eibach 2003; Spiekermann 2009).

Der englische Begriff late-lifebloomers bezeichnet Menschen, die ihr intellektuelles, kreatives oder künstlerisches Potential auch noch spät oder überhaupt erst spät im Leben zur Blüte bringen (Birren 2009:176). Die eingangs erwähnten MusikerInnen Bob Dylan, Tina Turner etc., aber auch Johann Sebastian Bach, Oscar Peterson, Claudio Monteverdi und viele andere gehören sicher dazu. Typisch für diese MusikerInnen ist, dass sie auch noch im Alter eine gewisse Besessenheit zeigen, ihre Domäne zu beherrschen und Leistungen darin zu erbringen, eine Eigenschaft, die Ellen Winner (1996) als „rage to master“ bezeichnet hat und die als ein typisches Merkmal hoher Begabung gilt. Dieses Merkmal ist offenbar bei vielen professionellen MusikerInnen auch noch im Alter als ein Merkmal ihrer Begabung und intrinsischen Motivation vorhanden. Das schließt nicht aus, dass für die Aufrechterhaltung künstlerischer Kreativität im Alter auch Anstöße von außen notwendig sind, die dann zum „late-lifeblooming“ führen (Keil 2015). Dies verweist wiederum auf die wichtige Rolle des sozialen Umfelds bei der Entfaltung musikalischer Begabung im Alter.

Late-lifebloomer finden sich aber nicht nur unter den professionellen MusikerInnen, sondern ebenso in den Reihen musikbegeisterter Laien und AmateurmusikerInnen. Häufig verhindern berufliche und familiäre Verpflichtungen oder andere Interessensschwerpunkte in früheren Lebensjahrzehnten die Entfaltung musikalischer Begabung, und erst die Befreiung von beruflichen und anderen Verpflichtungen in späteren Jahrzehnten des Lebens ermöglicht die Entfaltung überdeckter Talente. In solchen Fällen bietet erst das Alter (z.B. durch entsprechende Freizeit) die Rahmenbedingung für die Entfaltung musikalischer Begabung(en). Late-lifeblooming in der Musik ist in vielen Farben, Stilen und Gestalten möglich. Neue Technologien wie Musikelektronik, Computer und Musiksoftware eröffnen auch für Ältere ganz neue Möglichkeiten, musikalische Begabung und Kreativität zu entfalten. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, die Entfaltung musikalischer Begabung in späteren Lebensjahrzehnten als einen Beitrag zum positiven Altern zu erkennen und durch wissenschaftliche Erkenntnisse zu fundieren, ist ein wichtiges Ziel künftiger Forschung.

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Anmerkungen

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrags „Musikalische Begabung und Alter(n)“ in dem Sammelband „Forschungsfeld Kulturgeragogik – Research in Cultural Geragogy”, hrsg. von Almuth Fricke und Theo Hartogh (Gembris 2016) und wurde für die Veröffentlichung auf der Wissensplattform formal leicht angepasst.