Medienpädagogik und digitaler Kapitalismus

Für die Stärkung einer gesellschafts- und medienkritischen Perspektive

Artikel-Metadaten

von Horst Niesyto

Erscheinungsjahr: 2019

Abstract

Medienkritik gehörte schon immer zu den zentralen Aufgaben der Medienpädagogik. Die These ist, dass die Medienpädagogik bezüglich einer kritischen Medien- und Gesellschaftsanalyse einen Nachholbedarf hat. Nach einem Blick zurück auf historische Entwicklungslinien der Medienpädagogik wird begründet, weshalb die Stärkung einer gesellschafts- und medienkritischen Perspektive notwendig ist. In einem weiteren Schritt erfolgt eine Annäherung an das Thema „Digitaler Kapitalismus“, indem ausgewählte Beiträge aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven skizziert und eine Affinität zwischen digitalen und kapitalistischen Strukturprinzipien herausgearbeitet werden. Der abschließende Teil thematisiert die gesellschaftliche Verantwortung der Medienpädagogik: Entweder immer mehr zu einem Ausbildungs- und Reparaturbetrieb des digitalen Kapitalismus zu werden (für digitale Technologien und deren „Nebenwirkungen“) oder sich als kritisch-reflexive Begleitung von medienbezogenen Bildungs- und Lernprozessen zu verstehen.

Blick zurück: Von der bewahrpädagogischen Kultur- und Medienkritik zur handlungsorientierten Medienpädagogik

Jahrzehntelang näherten sich viele Pädagog*innen den jeweils neuen Medien mit jugendschützerischen Vorbehalten und äußerten primär eine bewahrpädagogische Kultur- und Medienkritik. Die Intention war es, Kinder und Jugendliche vom „passiven Medienkonsum“ abzubringen und sie vor „verderblichen“ Medienwirkungen zu bewahren. Dieter Baacke resümierte hierzu: „Die Nähe des pädagogischen Räsonnements zu einer eher medienabwehrenden Kulturkritik ist daher Tradition und kennzeichnet ein immer wieder gestörtes Verhältnis“ (Baacke 1997:28). Baacke betonte vor allem die mit dieser Form der Kulturkritik verknüpfte normative Kontrollorientierung, die Kinder und Jugendliche letztlich als unmündige Rezipienten behandelt (ebd.).

Die ideologiekritische Medienpädagogik, die sich in den 1960er Jahren im Gefolge der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule entwickelte (Horkheimer/Adorno 1944/1960), grenzte sich von der konservativ-normativen Grundausrichtung der bewahrpädagogischen Richtung ab und fokussierte ihre Kritik auf gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Entsprechende Analysen befassten sich vor allem mit dem Waren- und Tauschcharakter von Kunst- und Kulturgütern und warnten vor der nivellierenden Wirkung einer totalitären Kultur- und Bewusstseinsindustrie (Ehmer 1971). Baacke führte in diesem Zusammenhang aus, dass die ideologiekritische Medienpädagogik theoretische Argumentationsstränge aufnahm, die die Medienpädagogik an sozialwissenschaftliche Debatten anschlussfähig machte und gesellschaftliche Frage- und Problemstellungen aufgriff (Baacke 1997:47). Die ideologiekritische Medienpädagogik hatte aber auch Schwächen und Grenzen. Diese zeigten sich vor allem in medienzentrierten Analysen zu einem weitgehenden medialen Manipulationsverdacht und „Verblendungszusammenhang“, einer elitären Orientierung an ästhetischen Avantgarde-Konzepten und einer Praxisferne bezüglich des Medienerlebens von Kindern und Jugendlichen (vgl. Baacke 1997:48 f.; Ganguin/Sander 2008:62 f.).

Der entscheidende Schritt in der Medienpädagogik zur Überwindung medienzentrierter Sichtweisen speiste sich aus sozialisations- und medientheoretischen Überlegungen, die die eigenaktive Leistung der Subjekte bei der Mediennutzung betonen. Dieses Verständnis grenzt sich von monokausalen Medienwirkungstheorien ab (u.a. Kübler 2000:72 ff.) und korrespondiert mit dem Ansatz in der allgemeinen Sozialisationsforschung, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Realität aktiv und produktiv verarbeiten (Hurrelmann 1995). Mediennutzung wird in dieser Perspektive als Teil sozialen Handelns verstanden, es wird nach der Bedeutung der Medien im Alltag und für die Lebensbewältigung gefragt. Bedürfnis- und Lebensweltorientierung, Erfahrungsorientierung, Kommunikations- und Projektorientierung entwickelten sich zu Leitkategorien einer handlungsorientierten Medienpädagogik (Baacke 1997:51 ff.; Schorb 1995). Die handlungsorientierte Medienpädagogik verbreitete sich in den 1970er und 1980er Jahren vor allem im außerschulischen Bereich. Gestützt auf Überlegungen von Benjamin, Brecht, Enzensberger, Negt/Kluge entstanden Konzepte und Projekte aktiver Medienarbeit (vgl. Schell 1993). Im Mittelpunkt steht die Intention, Öffentlichkeit und Erfahrung der Subjekte zusammenzubringen: Medien werden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in handhabbarer Form zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Bedürfnisse und Interessen unabhängig von der Selektions- und Steuerungsmacht der Massenmedien öffentlich artikulieren können.

In Zusammenhang mit gesellschaftlichen Individualisierungs- und Pluralisierungsprozessen sowie der Ausdifferenzierung von Medienangeboten erhielt in den 1980er und 1990er Jahren die Analyse und Förderung medienästhetisch-kultureller Ausdrucksformen ein größeres Gewicht. Im Mittelpunkt steht eine multiperspektivische Herangehensweise, insbesondere im Kontext der Cultural Studies (u.a. Hipfl/Ernst 2004). Sich mit Medien kreativ und kritisch zu artikulieren wird zum Leitmotiv zahlreicher medienpädagogischer Aktivitäten. Die wahrnehmungs- und sozial-ästhetisch orientierte Medienpädagogik betont den Selbstausdruck mit Medien, um Kindern und Jugendlichen im Kontext von Persönlichkeitsbildung und gesellschaftlicher Partizipation symbolische Probe- und Handlungsräume mit Medien zu eröffnen und ihre Medienkompetenzen zu erweitern (u.a. Niesyto 1991; Röll 1998; siehe: Wolfgang Zacharias Medien und Ästhetik").

In den letzten 15 Jahren stand die Auseinandersetzung mit digitalen Medien, Internetkommunikation, mobilen Medien und digitalen Spielkulturen im Vordergrund medienpädagogischer Aktivitäten. Das exponentielle Wachstum von digitalen Speicherkapazitäten, die Miniaturisierung von Einzelbausteinen, die mobile Einsetzbarkeit und die interaktiven Möglichkeiten in Echtzeitkommunikation sind strukturelle Eigenschaften digitaler Medien, welche einen enormen Schub in der Medienkommunikation ermöglicht haben. In medienpädagogischer Perspektive geht es vor allem darum, wie digitale Medien von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen für reflexive Bildungs- und Lernprozesse, für Kommunikation, Selbstausdruck und gesellschaftliche Partizipation kompetent genutzt werden können. Mit Blick auf die reflexiven Potentiale digitaler Kommunikation und des Social Web betonen verschiedene Autoren u.a. die Kritik-, Ergänzungs- und Kommentierungspraktiken (z. B. bei Weblogs), die Notwendigkeit von Quellenkritik und Kontextualisierung von Informationen (z.B. bei Wikipedia), einen selbstkontrollierten Umgang mit eigenen Daten sowie die kreativen Möglichkeiten digitaler Medienproduktion, z.B. für das Erzählen von Geschichten (Digital Storytelling) oder kritische und subversive mediale Inszenierungen von Hacker- und Gaming-Kulturen (siehe: Franz Josef Röll „Medienkommunikation und Web 2.0"; Christian Helbig „Partizipation und Kulturelle Medienbildung in einer digitalen Medienwelt").

Stärkung einer gesellschafts- und medienkritischen Perspektive

Zweifelsohne eröffnen digitale Medien neue Chancen für selbstgesteuerte Bildungs- und Lernprozesse. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass dies kein „Selbstläufer“ ist – die Nutzung dieser Chancen hängt zu wesentlichen Teilen von den jeweiligen bildungsbezogenen, sozialen und finanziellen Ressourcen ab. Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die weder im Rahmen der familiären noch der schulischen Sozialisation hinreichend Anregung und Förderung für einen kompetenten und reflektierten Medienumgang erhalten. Die ICILS-Studie (Bos u.a. 2014) und weitere Analysen und Studien der letzten Jahre machten hierauf wiederholt aufmerksam (u.a. Niesyto/Meister/Moser 2009; Verständig/Iske 2014). Gleichzeitig werden problematische Medienentwicklungen immer deutlicher. Zu nennen sind vor allem die enorme Kommerzialisierung im Social Web und der extreme Kontrollverlust hinsichtlich privater Daten. Diese Entwicklungen unterhöhlen systematisch Bildungsanstrengungen und verweisen auf gesamtgesellschaftliche, aber auch auf pädagogische Herausforderungen.

Problematische Medienentwicklungen zu untersuchen war schon immer eine Aufgabe der Medienpädagogik und pädagogischer Medienkritik (Kübler 2006; Niesyto/Moser 2018; siehe: Horst Niesyto „Medienkritik und pädagogisches Handeln"). Der Schritt von der Überwindung bewahrpädagogischer und einseitig ideologiekritischer Ansätze hin zu verschiedenen Formen einer handlungs- und wahrnehmungsorientierten Medienpädagogik bedeutet nicht, auf gesellschafts- und medienkritische Analysen zu verzichten. So verwies z.B. Dieter Baacke – der gerne als einer der Repräsentanten für die subjekt- und kulturtheoretisch orientierte „Wende“ in der Medienpädagogik angeführt wird – immer wieder auf die Notwendigkeit kritischer Analysen zu „kommunikationskulturellen Problemlagen“ (Baacke 1997:76 ff.). Er betonte, dass sich die Medienpädagogik „weder aus der Medienpolitik noch aus dem ‚Diskurs über Medien’ der Gesamtgesellschaft zurückziehen“ kann, „will sie sich nicht auf pädagogische Provinzen abdrängen lassen, in denen sie nur als ‚Reparaturbetrieb’ funktioniert für das, was außerhalb von ihr geschieht und zu verantworten wäre“ (Baacke 1997:57).

Mir war es stets ein zentrales Anliegen, die Subjekt- und Handlungsorientierung in der Medienpädagogik mit sozialen und gesellschaftlich strukturellen Fragen zusammenzubringen. So konnte z.B. die Studie über Medienpädagogik und soziokulturelle Unterschiede (Niesyto 2000) eine „Mittelschicht-Lastigkeit“ medienpädagogischer Konzepte und die Notwendigkeit einer milieusensiblen Medienkompetenzförderung herausarbeiten (vgl. auch Niesyto 2002). In den folgenden Jahren gab es weitere Studien über Medien, soziokulturelle Unterschiede und soziale Benachteiligung (u.a. Paus-Hasebrink/Ortner 2007; Wagner 2008). Die Diskussion gewann an Fahrt, als in Zusammenhang mit Untersuchungen zu digital divide und second digital divide Unterschiede im Zugang und im Gebrauch digitaler Medien immer sichtbarer wurden (u.a. Iske/Klein/Kutscher/Otto 2007; Niesyto/Meister/Moser 2009; Theunert 2010; Witzel 2012). Gleichzeitig entstanden Studien, die theoretisch und empirisch der Frage nachgingen, welche Formen des medialen Habitus unter Lehramtsstudierenden zu beobachten sind. Zu nennen sind vor allem die Studien von Ralf Biermann und Sven Kommer (Biermann 2009; Kommer 2010).

Alle diese Studien beförderten zugleich die kritische Hinterfragung von Konzepten zur medialen Selbstsozialisation und Selbstbildung (u.a. Niesyto 2007). So scheint die Überschätzung der Möglichkeiten zu einem medien-autonomen Handeln ein kritischer Punkt in kulturtheoretisch orientierten Kinder- und Jugendmedienstudien zu sein. Konzepte zur Selbstsozialisation mit Medien (u. a. Müller/Rhein/Glogner 2004) betonen insbesondere die Eigenleistungen der Individuen im Sinne aktiven, selbstständigen Handelns: Auswahl von Gegenständen, Medienangeboten, Mitgliedschaften, Beziehungsformen und Werthaltungen, Deutungsmustern (siehe: Renate Müller Musikalische Internetaktivitäten Jugendlicher aus musiksoziologischer Perspektive). Diese Eigenleistungen haben zweifelsohne in Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Prozess der Individualisierung und Globalisierung zugenommen, der von den Individuen in erheblichem Maße mehr eigenverantwortliches Handeln abverlangt. Einerseits verbinden sich damit Chancen zu mehr Selbstständigkeit und Selbststeuerung, andererseits ist jedoch nicht zu übersehen, dass den Menschen unterschiedliche soziale, kulturelle, bildungsbezogene Ressourcen zur souveränen Nutzung von Medien zur Verfügung stehen.

Zugespitzt formuliert: Relevante Teile der Medienpädagogik haben nach der paradigmatischen Wende von der Frage „Was machen die Medien mit den Menschen?“ hin zur Frage „Was machen die Menschen mit den Medien?“ die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen subjekttheoretisch verkürzt geführt. Ohne in deterministische Positionen zurückzufallen scheint es notwendig, den strukturellen Einfluss von Medien auf Denk- und Verhaltensweisen von Menschen und die Relevanz unterschiedlicher sozialer, bildungsbezogener und anderer Ressourcen für Bildungsprozesse nicht zu unterschätzen. Mediale Strukturmuster im Kontext gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse herauszuarbeiten und zu reflektieren, ist eine wichtige Aufgabe der pädagogischen Medienkritik (Niesyto 2017).

Mit der (nachvollziehbaren) Abgrenzung von den Schwächen und Grenzen des ideologiekritischen Ansatzes verband sich leider in der Folgezeit in Teilen der Medienpädagogik eine Theoriebildung und Praxis, die eine kritische Medien- und Gesellschaftsanalyse vernachlässigte. Baacke betonte zwar die zentrale Bedeutung von Medienkritik, konzeptualisierte diese aber primär mit Blick auf medienanalytische und ethische Fragen in Verbindung mit „kommunikationskulturellen Problemlagen“ (Baacke 1997). Eine systematische Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen und ökonomischen Fragen und deren Bedeutung für die Medienentwicklung, das Medienhandeln und die Medienbildung erfolgte aber auch bei Dieter Baacke in seinen primär kommunikationskulturell inspirierten Arbeiten nur eingeschränkt.

Der neuere Ansatz der strukturalen Medienbildung von Benjamin Jörissen und Winfried Marotzki (2009) bezieht Strukturfragen im Wesentlichen auf die immanente Strukturiertheit der Medien. Es geht um die konstitutiven Aspekte von Medien („Medialität“) und um „transgressive Artikulationen im Spannungsfeld von Ästhetik und Medialität“ (Jörissen 2015: 55 f.). Analytische Bezüge zu gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturfragen, insbesondere im Hinblick auf Macht- und Herrschaftsinteressen, sind (bislang) kein konstitutiver Bestandteil des Ansatzes der strukturalen Medienbildung. Im Fokus stehen eher Fragen nach der ästhetischen Reflexion des Digitalen und nach den Potentialen digitaler Ästhetiken und Praktiken im Kontext postdigitaler Artikulationskulturen (siehe Benjamin Jörissen „Subjektivation und „ästhetische Freiheit“ in der post-digitalen Kultur").

Die Stärkung einer gesellschafts- und medienkritischen Perspektive ist gerade in einer Situation notwendig, in der Risiken und Problemfelder der Digitalisierung im Kontext ökonomischer und politischer Interessen immer deutlicher werden. Exemplarisch sind zu nennen:

  • die kommerzielle Verwertung persönlicher Datenprofile und die damit verknüpfte Kommerzialisierung von Lebenswelten in Social Media (u.a. Reißmann 2014);
  • das Entstehen neuartiger, teilweise totalitärer Machtstrukturen in Verbindung mit „Big Data“, u. a. Filterblasen-Problematik, Social Bots; neue Formen gesellschaftlicher Kontrolle und Steuerung in vielen Bereichen (u.a. Aßmann et al. 2016);
  • die weitere technische und gesellschaftliche Beschleunigung von Alltags- und Arbeitsabläufen. Stichworte: Tendenz zur Auflösung raumzeitlicher Kontinuitäten und Sozialmilieus, fluide Beziehungen und fragmentarische Identitäten, mediale Aufmerksamkeitserregung, Verlust von Reflexivität und Muße-Zeiten (u.a. Rosa 2009; Niesyto 2012);
  • die verstärkte Entwicklung körperlich-digitaler Mensch-Computer-Schnittstellen in Richtung eines homo digitalis (von medialer Extension zu medialer Inkorporation); damit verknüpfte anthropologische, ethische und gesellschaftliche Grundfragen; Stichworte u. a.: Leonardo-Welt, Human Enhancement, Bioinformatik (u.a. Mittelstraß 2011; Damberger 2016).

In letzter Zeit nahmen in der Medienpädagogik die Bestrebungen zu, sich mit Risiken und Problemfeldern der gesellschaftlichen Medienentwicklung intensiver zu befassen. Es geht dabei nicht darum, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Umgang mit digitalen Medien zu „vermiesen“ und den „pädagogischen Zeigefinger“ wieder herauszuholen. Eine kritisch-reflexive Medienpädagogik kann aber nicht darauf verzichten, gesellschaftlich-strukturelle Hintergründe aufzuzeigen. Das Thema „Digitaler Kapitalismus“ gehört dazu.

Der folgende Teil skizziert Kernpunkte zum Thema digitaler Kapitalismus aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven, um danach wichtige Strukturprinzipien des digitalen Kapitalismus herauszuarbeiten. Der Beitrag versteht sich als eine (erste) Annäherung an das Thema und ersetzt nicht genauere theoretische Analysen und empirische Untersuchungen zu einzelnen Aspekten sowie die Erarbeitung von pädagogischen Konzepten und konkreten Materialien für die medienpädagogische Praxis (Vermittlung und Aneignung von Strukturwissen zum digitalen Kapitalismus etc.). Dies bleibt weiteren Arbeiten vorbehalten.

Digitaler Kapitalismus – Kernpunkte ausgewählter, kritischer Analysen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven

Beiträge aus wirtschaftswissenschaftlicher und polit-ökonomischer Perspektive

Zunächst ist die umfangreiche empirische Arbeit der französischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Luc Boltanski & Ève Ciapello Der neue Geist des Kapitalismus (2003; frz. Erstausgabe 1999) zu nennen. Diese Arbeit, deren Titel auf Max Webers Studie Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus (1904) anspielt, vergleicht frühere mit zeitgenössischer Managementliteratur und arbeitet entlang detaillierter Inhaltsanalysen heraus, wie sich Leitideen des Kapitalismus veränderten und wie der Kapitalismus immer wieder Selbsterneuerungskräfte gerade im ideologischen Bereich entwickelte. Mit Blick auf Richard Sennets Analyse des „flexiblen Menschen“ (1998) bietet diese Arbeit u.a. Hinweise auf die „Verführungskunst“ des digitalen Kapitalismus: mittels digitaler Technologien ein Maximum an Mobilität und Flexibilität zu erreichen und Netzwerke (soziales Kapital) zu bilden. Allerdings stellt sich die Frage, inwieweit dieser Gesellschafts- und Sozialisationstypus des ständig mobilen und flexiblen „abstract worker“ (Böhnisch/Schröer 2001, Kap. II) Menschen überfordert und ausgrenzt, die aus unterschiedlichen Gründen diesem „Anforderungsprofil“ nicht gewachsen sind bzw. es ablehnen.

Weitere Analysen zur Entwicklung und zur Struktur des Kapitalismus im 21. Jahrhundert liegen u.a. von Thomas Piketty (2014; mit Schwerpunkten zur Dynamik des Kapital-Einkommens-Verhältnisses und zur Struktur der Ungleichheit) und – aus marxistischer und polit-ökonomischer Perspektive – von Wolfgang Fritz Haug (2012) über den transnationalen Hightech-Kapitalismus in der großen Krise (mit den Schwerpunkten Finanzkrise und Hegemoniekrise) sowie von Christian Fuchs (2014) über die internationalen Ausbeutungsformen (Digital Labour and Karl Marx) vor. Die polit-ökonomischen Arbeiten von Haug und Fuchs setzen sich unter Bezug auf „klassische“ marxistische Aussagen mit dem Fortbestehen des Gegensatzes von Kapital und Arbeit, damit verbundenen Ausbeutungsformen, Strategien der Kapitalakkumulation und -konzentration bis hin zu imperialen Hegemoniekämpfen auf dem Hintergrund der digital-technologischen Umwälzungen auseinander. Zu einer aktuellen Veröffentlichung von Shoshana Zuboff (2018) über „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ siehe: Max Fuchs „Das Internet als sozialer, politischer, ökonomischer und kultureller Raum").

Aus dem Bereich der Medien- und Internetökonomie sowie der Techniksoziologie gibt es inzwischen diverse Analysen, die z.B. Kapitalkonzentrationsprozesse bei Internetkonzernen detailliert belegen. So machte der Techniksoziologe Ulrich Dolata (2014) von der Universität Stuttgart eine Untersuchung zu Märkte und Macht der Internetkonzerne. Die Studie bezog sich auf die Internetkonzerne Google, Facebook, Apple, Amazon und Microsoft. Sein Fazit: „Die fünf untersuchten Konzerne prägen nicht nur wesentliche Angebote und Märkte des Internets. Sie regeln als Betreiber der zentralen Infrastrukturen auch die Zugänge zum Netz, strukturieren die Kommunikationsmöglichkeiten der Nutzer und sind wesentliche Treiber des Innovationsprozesses. Nicht Dezentralisierung, Demokratisierung und Kooperation, sondern Konzentration, Kontrolle und Macht sind, so die These, die Schlüsselprozesse und -kategorien, mit denen sich die wesentlichen Entwicklungstendenzen des (kommerziellen) Internets angemessen erfassen lassen“ (ebd., Abstract).

Unter dem Aspekt einer möglichen Transformation kapitalistischer Wirtschaftsweisen sind u.a. die Analysen des US-amerikanischen Wissenschaftlers Jeremy Rifkin zu nennen, der sich in den letzten Jahren insbesondere mit neuen Formen der Organisation des Lebens und des Wirtschaftens durch die gemeinsame Nutzung digitaler Technologien auseinandersetzte (Rifkin 2014). In Abgrenzung zu Formen von „digitalen Commons“ und „share economy“, die aufgrund problematischer Arbeitsverhältnisse und anderer Faktoren einer heftigen Kritik ausgesetzt sind (vgl. das Beispiel des Taxiunternehmens Uber), geht es Rifkin und anderen um Formen eines nicht-kapitalistischen Wirtschaftens, welches auf peer-to-peer-Netzwerken, kollaborativen Commons, universellem Zugang und Offenheit für alle basiert (vgl. auch Habermann 2015). Rifkin prognostiziert durch die Verbreitung von kollaborativen Commons eine erhebliche Schwächung kapitalistisch strukturierter Systeme (kritische Anmerkungen zu Rifkins Ansatz vgl. Moser 2016:216 f.). Die Auseinandersetzung mit alternativen ökonomischen Konzepten (und damit verknüpften Vorstellungen von gesellschaftlichem Zusammenleben) ist wichtig, weil es nicht nur um die (notwendige) Kritik an kapitalistisch strukturierten Wirtschaftsweisen, sondern auch um Überlegungen für alternative Formen des Wirtschaftens unter Nutzung digitaler Technologien geht.

Digitaler Kapitalismus – Kernpunkte kritischer Analysen aus sozialwissenschaftlicher und kultursoziologischer Perspektive

Der US-amerikanische (Kultur-)Soziologe Richard Sennett wurde im deutschsprachigen Raum vor allem mit seinem Buch Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus (1998) bekannt. Sennett arbeitet heraus, dass die kapitalistische Ökonomie auf das Kurzfristige ausgerichtet ist und hierfür in extremer Weise eine flexible Spezialisierung benötigt. Der flexible Mensch, der sich mit dem globalisierten Netzwerkkapitalismus arrangiert und sich permanent fit hält für die Anpassung an neue Marktentwicklungen, bindet sich – so Sennett – nicht zu sehr an Zeit und Ort und nimmt Fragmentierungen in den lebensweltlichen Zusammenhängen hin bzw. betrachtet sie als einen Gewinn. “Postmoderne Auffassungen des Ich {...} betonen Bruch und Konflikt, aber nicht die Kommunikation zwischen den fragmentierten Teilen des Ich” (ebd., 198).

An dieser Problemlage setzt der Beitrag der Soziologen und Sozialpädagogen Lothar Böhnisch und Wolfgang Schröer (2001) an. Die Autoren analysieren ökonomische Modernisierungsprozesse als „digitalen Kapitalismus“ und diagnostizieren eine „digitale Anomie“ (ebd., 154 ff.). In einer Welt der grenzenlosen Flexibilisierung und Simulation wird der Mensch zu einem Abstraktum gemacht, dem es immer schwerer fällt, angesichts des Externalisierungszwangs („abstract worker“) eigene Selbst- und Weltentwürfe zu entwickeln. Das digitale Prinzip strukturiert die Wirtschafts- und Arbeitsgesellschaft im globalen Raum und im Programm der Digitalisierung trifft sich die Logik der neuen Medien mit der Logik der kapitalistischen Ökonomie. In einer späteren Veröffentlichung wird in Verbindung mit dem digitalen Kapitalismus ein Sozialisationstyp beschrieben: „Gelebt wird mehr und mehr von Situation zu Situation, von Punkt zu Punkt (…) So hat sich eine mediengesellschaftliche Sozialisationsweise entwickelt, die dem digitalen Prinzip gehorcht und einen entsprechenden Sozialisationstyp durchzusetzen versucht, der vor lauter Punkten das Ganze nicht mehr sieht. Die oszillierenden Bildpunkte lenken von den Machtstrukturen ab“ (Böhnisch/Lenz/Schröer 2009:133). Wenngleich die Einschätzung, dass die Sozialisationsweise dem digitalen Prinzip „gehorcht“, sehr medienzentriert formuliert ist, so machen die Autoren auf den Zusammenhang von technologisch-wirtschaftlichen Strukturprinzipien und mediengesellschaftlicher Sozialisationsweise aufmerksam – ein Zusammenhang, der auch für die medienpädagogische Theoriebildung und Forschung relevant ist.

Die Punkt-zu-Punkt-Struktur und damit verknüpfte Fragen der Wahrnehmung und Erfahrung von Wirklichkeit sind auch für den Soziologen Hartmut Rosa unter der Perspektive veränderter Zeitstrukturen ein zentrales Thema. Im Jahre 2005 veröffentlichte er eine Abhandlung zum Thema Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. In seinem theoretischen Grundgerüst unterscheidet Rosa drei zentrale Dimensionen sozialer Beschleunigung:

  • die technische Beschleunigung, die Rosa vor allem auf die schnellere Produktion und Distribution von Gütern und Informationen bezieht. Er verweist u.a. auf die digitalen Technologien, die Informationen in Lichtgeschwindigkeit, in Echtzeit weltweit zugänglich zu machen;
  • die Beschleunigung des sozialen Wandels. Darunter versteht Rosa das Tempo, mit dem sich Praxisformen, Handlungsorientierungen und Beziehungsmuster verändern. Er spricht von einer „Gegenwartsschrumpfung“ und einer „Steigerung der Verfallsraten von handlungsorientierenden Erfahrungen und Erwartungen“ (Rosa 2005:133);
  • die Beschleunigung des Lebenstempos. Hierzu zählt Rosa Phänomene wie die Verkürzung oder Verdichtung von Handlungsepisoden pro Zeiteinheit, die Zunahme von Multitasking und damit verbundenen Empfindungen der Zeitnot, des Zeitdrucks, eines stressförmigen Beschleunigungszwangs und der Angst, nicht mehr mitzukommen (ebd., 135 ff.).

Rosa analysiert, dass die zunehmenden Kurz-Kurz-Muster der Zeitwahrnehmung dazu führen, dass Erlebnisse episodisch bleiben und nicht mehr miteinander, mit der Geschichte und der je eigenen Identität verknüpft werden. Im Ergebnis beginne die Zeit gewissermaßen an beiden Enden zu rasen: „Während der als kurzweilig (und oft als stresshaft) empfundenen Aktivitäten vergeht sie sehr rasch, doch zugleich scheint sie im Rückblick zu ‚schrumpfen’, weil sie kaum Erinnerungsspuren hinterlässt.“ „Die durch das Kurz-Kurz-Muster gekennzeichnete Gesellschaft“ – so sein Fazit – „könnte sich daher als eine gleichermaßen erlebnisreiche wie erfahrungsarme Gesellschaft erweisen“ (ebd., 470). Neben den Beschleunigungsprozessen sind es die quantitativen Wachstumsprozesse, die Rosa bereits 2005 in den Mittelpunkt seiner Analysen rückte. „Beschleunigung zum Zwecke der Steigerung“ – dies sei eine Handlungslogik des Systems der kapitalistischen Wirtschaft, „in dem Beschleunigung zu einem unentrinnbaren, in die materialen Strukturen der Gesellschaft eingelassenen Sachzwang wird“ (ebd., 257 f.: „Zeit ist Geld: Der ökonomische Motor“).

In dem 2009 gemeinsam mit Klaus Dörre und Stephan Lessenich herausgegebenen Band Soziologie - Kapitalismus - Kritik eine Debatte führte Hartmut Rosa diese Argumentation fort. Er betont zunächst, dass eine zeitdiagnostisch fundierte Gesellschaftskritik zum Kerngeschäft der Soziologie gehört und jede Gesellschaftskritik der Gegenwart notwendig auch Kapitalismuskritik sein muss. Sein Kernargument: „Wenn wir an den für die moderne Marktwirtschaft und die moderne Demokratie grundlegenden Maßstäben der Autonomie (und der Authentizität) festhalten wollen, dann verursacht das kapitalistische Wirtschafts- und Beschleunigungsregime schwerwiegende Pathologien wachsenden Ausmaßes“ (Rosa 2009:93). Im Folgenden entfaltet er dieses Argument und analysiert Wachstum und Beschleunigung als prozessleitende Prinzipien der Kapitalakkumulation (ebd., 98 ff.), wobei – so Rosa – Wirtschaftswachstum und soziale Beschleunigung aufs Engste verzahnt sind. Rosa spricht von einem „Beschleunigungstotalitarismus“ (ebd., 117 f.) mit den Folgen einer „Kolonialisierung von Lebenswelten“ (Habermas 1987) und „Entfremdungserfahrungen als Störung der ‚Weltbeziehungen’ der Subjekte“ (ebd., 120). Mit diesen Analysen und Begrifflichkeiten knüpft er auch an Beiträge der „Kritischen Theorie“ an (vor allem an Horkheimer und Adorno, teilweise auch an Habermas), insbesondere zur Kritik an einer kapitalistisch strukturierten Ökonomie und damit verknüpften Enteignungs- und Entfremdungsprozessen in Lebenswelten.

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive sind auch die Beiträge von Jörn Lamla hervorzuheben. Er befasste sich mit Konsumpraktiken in der virtuellen Alltagsökonomie und Fragen der Verbraucherdemokratie und setzte sich in diesem Zusammenhang mit dem „kulturellen Kapitalismus im Web 2.0“ auseinander (Lamla 2010). Gegenstand seiner Analyse sind – in Anlehnung an die Theorie sozialer Welten von Anselm Strauss – die „Prozesse der Segmentation, Intersektion und Aushandlung kultureller und ökonomischer Praktiken“ (ebd., 11). Im Mittelpunkt seines Erkenntnisinteresses stehen Fragen danach, wie sich die strukturellen Widersprüche des kulturellen Kapitalismus im Internet manifestieren, wie sich öffentliche und kommerzielle Räume überlagern und wie sich neue, posttraditionale Gemeinschaften um digitale Marken herausbilden.

Zur Beantwortung dieser Fragen stellt Lamla vier Modelle bzw. Thesen zur Relation von kulturell bzw. ökonomisch ausgerichteten sozialen Welten vor:

  1. die Homologiethese, die davon ausgeht, „dass die strukturellen Spannungen zwischen den kulturellen und den ökonomischen Praktiken, Austauschbeziehungen und Innovationsprozessen in Grenzen gehalten werden, weil auf einer tieferliegenden Ebene eine Wahlverwandtschaft zwischen den beiden Seiten besteht oder sich neu herausbildet“ (ebd., 20);
  2. die Fragmentierungsthese (ebd., 21), die die Dominanz des kapitalistischen Regimes der flexiblen Akkumulation (und damit verbundene Ausbeutungs- und Verwertungsinteressen) betont und analysiert, wie ökonomische Verwertungsinteressen Kultur und andere gesellschaftliche Bereiche unterwerfen und beständig auf der Suche nach neuen Märkten sind (Formen des Übergriffs, der Kolonialisierung von Lebenswelten, vgl. Habermas 1987);
  3. die Kopplungsthese (ebd.), die aufzeigt, wie sich Kultur und Ökonomie im kulturellen Kapitalismus gegenseitig so durchdringen, dass beide Bereiche daraus Nutzen ziehen und sich weiter ausdifferenzieren (funktionale Differenzierungstheorie);
  4. die Aushandlungsthese, die die Notwendigkeit von Aushandlungsprozessen zwischen Kultur und kapitalistischer Ökonomie betont, um Konflikte zu lösen bzw. nach Kompromissen zu suchen (z.B. durch „Stakeholder-Dialoge“, ebd., 22).

Lamla diskutiert diese Thesen unter Bezug auf vier ausgewählte Phänomenbereiche im Web 2.0 (Social-Network, Prosumtion, soziale Produktion und Tauschbörsen). Er resümiert, dass im Vordergrund Spannungen und Konflikte stehen, die sich zwischen ökonomischen und sozialen Welten im kulturellen Kapitalismus ergeben: „Dass diese Welten im Web 2.0 verstärkt aufeinandertreffen und wechselwirken, ist nicht nur aufgrund der Wertschöpfungsprobleme des Kapitalismus im Zeitalter der Wissensökonomie hoch plausibel, sondern konnte in allen vier Untersuchungsfeldern auch nachgewiesen werden. Welche evolutionäre Dynamik damit einhergeht, bleibt hier allerdings offen und erfordert weitere Forschung“ (ebd., 29/30). Lamla betont damit zum einen die komplementäre Funktion der vier Theoriemodelle für das Verständnis der analysierten Prozessdynamiken, äußert aber mit Blick auf sich abzeichnende Dominanzen die Vermutung, dass der individualistische Habitus, kulturelle Fragmentierungstendenzen und neue Kopplungsformen eine Allianz bilden, die Aushandlungsprozesse im digitalen Kommunikationsraum eher marginalisieren werden. Die Analysen von Lamla sind wichtig, weil sie die Wechselwirkung von ökonomischen Strukturen und kulturellen Praxisformen zum Gegenstand haben und anschlussfähig für Fragen sind, wie unter diesen Bedingungen Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihr Medienhandeln entwickeln und unterstützt werden können, Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Interessen und eigenem Medienhandeln zu erkennen.

Digitaler Kapitalismus – Kernpunkte kritischer Analysen aus kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive

Der US-amerikanische Wissenschaftler Dan Schiller veröffentlichte bereits 1999 ein Buch über Digital Capitalism (Schiller 1999). Seine Analysen beziehen sich vor allem auf die Entwicklung transnationaler Telekommunikationsunternehmen und auf die Geschichte des Internet: „In this book, I show that the Internet and, indeed, the greater telecommunications system with which the Internet has intertwined comprise a leading edge of this epic transnationalization of economic activity (…) Networks are directly generalizing the social and cultural range of the capitalist economy as never before. That is why I refer to this new epoch as one of digital capitalism“ (Schiller 1999, XIV). Schiller arbeitet heraus, wie sich ein Transformationsprozess durch Kapitalbildungsprozesse zu einem digitalen Kapitalismus vollzieht und spricht auch negative Auswirkungen auf das Bildungs- und Sozialwesen an: „digital capitalism has already begun to prey on education, placing some of the most sensitive processes of social learning at the mercy of a proprietary market logic“ (ebd.).

In demselben Jahr wie Dan Schiller publizierte Peter Glotz ein Buch über Die beschleunigte Gesellschaft. Kulturkämpfe im digitalen Kapitalismus (Glotz 1999). Glotz war Politiker (SPD) und Kommunikationswissenschaftler. Er analysierte vier Basistrends, die mit der Digitalisierung eng verbunden sind: Dematerialisierung, Dezentralisierung, Beschleunigung, Globalisierung. Glotz verwies auf die „Punkt-zu-Punkt-Struktur“ neuer, digitaler Kommunikationsformen und analysierte die Verstärkung eines nomadischen Lebensstils. Seine Prognose zur weiteren Gesellschaftsentwicklung ist auf dem Klappentext des Buchs zusammengefasst: „Ungebremst und ungesteuert führt die durch die Digitalisierung angestoßene Entwicklung unweigerlich zu einer Spaltung der Gesellschaft: in eine Elite, die das hohe (Arbeits-)Tempo bereitwillig mitmacht, und in eine neue Unterschicht, die sich zu einem guten Teil aus Aussteigern und Verweigerern speist“. Glotz prognostizierte eine Zweidrittel-Gesellschaft (konfliktfähige Gruppen werden mitgenommen, konfliktbeladene ausgegrenzt) und neue Kulturkämpfe zwischen Beschleunigung und Entschleunigung – diese Prognose enthält durchaus Elemente aktueller Entwicklungen. Allerdings ist seine Analyse insofern affirmativ, als sie die Entwicklung als gegeben hinnimmt und keine bildungs- und gesellschaftspolitischen Alternativen entwickelt.

Die weltweite Finanzkrise 2008/09 lenkte den Blick verstärkt auf die Ursachen und Konsequenzen finanzkapitalistischer Strategien und neoliberaler Politik. Es erschien eine Vielzahl von Essays und Abhandlungen unterschiedlicher Qualität, die sich mit diesen Phänomenen auseinandersetzten, z.B. Frank Schirrmachers Buch Payback (2009), Yvonne Hofstetters Sie wissen alles (2014) oder Joseph Vogls Das Gespenst des Kapitals (2011). Die Abhandlung von Vogl legt den Fokus auf die Analyse des Finanzkapitals. Es ist beeindruckend, wie ein Literatur- und Medienwissenschaftler, der an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Schwerpunkt im Bereich Medien hat, aus einer Außenperspektive eine Analyse des finanzkapitalistischen Systems bietet. „Dabei geht es allerdings nicht um Rezepte für den nötigen Umbau des gegenwärtigen Wirtschaftssystems. Es handelt sich vielmehr um den Versuch zu verstehen, wie die moderne Finanzökonomie eine Welt zu verstehen versucht, die durch sie selbst hervorgebracht wurde. Das ‚Gespenst des Kapitals‘ erscheint darin als Chiffre für jene Kräfte, von denen unsere Gegenwart ihre Gesetze empfängt“ (ebd., 8).

Vogl setzt sich kritisch mit ökonomischen Modellen (besser gesagt: Ideologien und Legenden) vom „Gleichgewicht des Marktes“ auseinander, analysiert das Zusammenspiel von Terminhandel, neuen Berechnungsverfahren und Informationstechnologien und arbeitet die historische Transformation heraus (von Währungsstandards jeglicher Art zu einem Informationsstandard als Basis der Weltfinanz): „Sofern Preise auf den Finanzmärkten zugleich Informationen über die Zukunft von Preisen kompilieren, sind im Zahlungsverkehr Informationen über Geld wichtiger als Geld selbst geworden (…) Dies reicht bis zum gegenwärtigen Wettlauf im high frequency trading, in dem neueste Technologien einen Vorteil von Millisekunden bei der Abfrage von Marktinformationen schaffen“ (ebd., 108).

Vogl betont, dass der Kapitalismus kein homogenes System ist; zentral ist aber der Mechanismus der Kapitalreproduktion: „Von einer kapitalistischen Ökonomie soll dort gesprochen werden, wo die ‚künstliche‘ oder chrematistische Reproduktion von Kapitalformen samt ihren Dynamiken und Krisen zum Maß gesellschaftlicher Vitalität geworden ist“ (ebd., 131). Ähnlich wie Sennett und andere Soziologen analysiert Vogl Zusammenhänge zwischen den Mechanismen der Kapitalreproduktion und marktförmigen Veränderungen im Alltagsleben der Menschen und gesellschaftlichen Institutionen: „Genetische Ausstattung, Erziehung, Bildung, Wissen, Gesundheit und Familienplanung werden gleichermaßen dem ‚ökonomischen Ansatz‘ unterworfen (ebd., 138) – „das Leben des Gesellschaftskörpers [wird] mit der Bewegung des Kapitals koordiniert“ (ebd., 140).

Aus medien- und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive leistete in den vergangenen Jahren vor allem Friedrich Krotz im Rahmen einer Mediatisierungsforschung theoretische und empirische Beiträge zur Frage „nach dem sozialen und kulturellen Wandel auf Mikro-, Meso- und Makroebene im Kontext des Wandels der Medien und umgekehrt“ (Krotz 2014:8). Auch Krotz spricht von einer „Kolonialisierung von Lebenswelten“ und einer Entwertung von menschlichen Erfahrungen zugunsten von Datensammlungen auf dem Hintergrund von Profitbestrebungen („Kooperation kommerzieller Interessen und medialer Kontrolle“; Krotz 2012:14 f.). Mit „Kommerzialisierung“ im Kontext der Internet-Entwicklung bezeichnet er renditeorientierte Geschäftsmodelle, deren Hauptziel es ist, durch die systematische Nutzung und Auswertung von sehr vielen Nutzerdaten Geld zu verdienen und Märkte zu erobern:

„(…) die Entstehung neuer Unternehmen mit eigenständigen Geschäftsmodellen im Netz als auch die zunehmende Einwanderung ‚alter‘ Unternehmen dorthin machen Mediatisierung und Kommerzialisierung derzeit zu einem miteinander verwobenen Geschehen (…) Das Internet wird somit einerseits zum zentralen Nervensystem für die gesamte Ökonomie, das Gleiche lässt sich über die meisten anderen gesellschaftlichen Bereiche und damit auch über Politik und Gesellschaft insgesamt sagen, wobei langfristigen Folgen dieser Entwicklungen in keiner Weise klar sind“ (ebd., 10).

Die neue „Punkt-zu-Punkt-Erreichbarkeit“ ist für Krotz einer der zentralen Gründe, weshalb das Internet sowohl für Ökonomie und andere gesellschaftliche Bereiche als auch für die Nutzer*innen wichtig ist (ebd., S. 11). Hier trifft sich seine Analyse mit der von Glotz (1999) und Böhnisch/Lenz/Schröer (2009). Im „Kampf ums Internet“ (ebd., 9) sieht Krotz derzeit nicht zivilgesellschaftliche und partizipative Interessen dominieren: „Die Richtung der Entwicklung wird derzeit weitgehend von der Technikentwicklung und den ökonomischen Interessen bestimmt“ (Krotz 2015:10). Dieses Fazit deckt sich mit den zuvor erwähnten Analysen zu Kapitalakkumulationsprozessen in der Internet-Industrie und mit Untersuchungen (zumindest in Teilen) zu mediatisierten Geschäftsmodellen wie sie von Pfadenhauer & Grenz (2012) vorgelegt wurden. Kritisch ist anzumerken, dass Krotz in seinen Beiträgen zwar von „ökonomischen Interessen“ und „Profitbestrebungen“ spricht;  eine genauere Auseinandersetzung mit den ökonomischen Strukturprinzipien jedoch unterbleibt.

Mit Blick auf aktuelle Diskurse ist in diesem Zusammenhang zu betonen, dass ökonomische Interessen und kapitalistisches Profitstreben nicht dasselbe sind. Es gibt auf der Welt unterschiedliche ökonomische Konzepte und Handlungslogiken. Die kapitalistische Ökonomie ist eine davon (wobei es davon verschiedene Varianten gibt). Auch „kommerzielle Interessen“ sind nicht dasselbe wie kapitalistisches Profitstreben. „Kommerz“ bezeichnete früher „Handel“ (vgl. die lateinische Wortwurzel). Erst unter hoch entwickelten kapitalistischen Produktionsverhältnissen wurde „Kommerzialisierung“ zur Bezeichnung für einen Prozess der Übertragung kapitalistischer Handlungslogiken (insbesondere maximales Profitstreben) auf andere gesellschaftliche Bereiche.

Strukturprinzipien des digitalen Kapitalismus

Der von Karl Marx im 19. Jahrhundert analysierte Kapitalismus (Marx 1867) hat sich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. An dieser Stelle können nicht die Geschichte und die Theorien zum Kapitalismus und seinen verschiedenen Varianten dargestellt und diskutiert werden. Auch kann es nicht darum gehen, sich pauschal auf ein „Orientierungssystem“ zu beziehen, welches der Komplexität und Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Verhältnisse und Lebensweisen nicht gerecht werden würde. Darauf haben u.a. diverse Denkansätze der Cultural Studies in unterschiedlicher Akzentuierung strukturalistischer und kulturalistischer Ansätze hingewiesen (Göttlich 2015; Thomas 2015). Hierzu gehört auch ein differenzierter Blick auf die wechselseitigen Beziehungen von „Basis“ und „Überbau“, die Überwindung eines Denkens in Antagonismen und in Kategorien von „richtigem“ und „falschem“ Bewusstsein bzw. Bedürfnissen. Gleichwohl bleibt die Frage nach der Kritik bestimmter Strukturmuster und die Frage nach Transformationsmöglichkeiten hin zu einer Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung, die – auch in unseren Breitengraden – einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und einem deutlichen Trend zur dauerhaften Bildungsbenachteiligung eines relevanten Teils der hiesigen Gesellschaft entgegenwirkt.

Es ist interessant, dass spätestens mit der Finanzkrise 2008/09 kapitalistische Strukturen und ihre Auswirkungen auf nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche auch in wissenschaftlichen Kontexten wieder vermehrt zum Gegenstand von Analysen geworden sind. Wichtige Fragen in diesem Zusammenhang sind: Welche Grundaussagen „klassischer“ Kapitalismusanalyse haben unter den heutigen technologischen, wirtschaftlichen und (welt)gesellschaftlichen Verhältnissen nach wie vor eine Relevanz? Was hat sich im digitalen Kapitalismus verändert?

Folgt man verschiedenen, im vorigen Teil skizzierten Analysen, lassen sich folgende Grundaussagen zu kapitalistischen Strukturprinzipen nennen, die auch heute eine Gültigkeit haben:

  1. Prinzip der Kapitalakkumulation (Profitstreben) auf der Basis von Privateigentum (Grundbesitz, Rohstoffe, Produktionsmittel, Aktien etc.); damit verknüpft: Prinzip des quantitativen Wachstumsdenkens, um sich auf dem kapitalistisch strukturierten (Finanz-)Markt durchzusetzen;
  2. Prinzip der Monopolbildung, um dauerhaft durch Kapitalkonzentrationsprozesse eine Vorherrschaft auf dem kapitalistisch strukturierten (Welt-)Markt zu erreichen; damit verknüpft: Globalisierung im Sinne der Erschließung und Verdichtung weltweit verteilter Entwicklungs-, Produktions-, Distributions- und Absatzorte;
  3. Prinzip der Reduktion von Kosten für menschliche Arbeitskräfte, um durch den Einsatz neuer Technologien langfristig Kapital zu sparen; damit verknüpft: Beschleunigung und Flexibilisierung von Arbeitsabläufen; Informatisierung und Immaterialisierung.
  4. Prinzip der Ökonomisierung möglichst vieler gesellschaftlicher Bereiche, um der Kapitalakkumulation stets neue Areale zu erschließen; damit verknüpft: Quantifizierung und Vermessung von Institutionen, „Verbraucher“ und „Kunden“ – bis in sensible und intimste Bereiche hinein.

Was hat sich im digitalen Kapitalismus gegenüber den bisherigen Formen des Kapitalismus verändert? Die These ist, dass die skizzierten kapitalistischen Strukturprinzipien, die sich in den vergangenen 100 bis 150 Jahren herausgebildet haben, nach wie vor gültig sind und der Kapitalismus durch die Verwertung digitaler Technologien einen gewaltigen Schub erhielt. Dies liegt u.a. darin begründet, dass die skizzierten kapitalistischen Strukturprinzipien eine Affinität zu digitalen Strukturprinzipien haben und dass durch die digitale Technologie (materiell und immateriell) neue gesellschaftliche Areale für die Kapitalakkumulation erschlossen wurden. Es geht um Affinitäten, um die Verknüpfbarkeit beider Strukturprinzipien – es werden keine determinierenden Wirkungszusammenhänge unterstellt. Digitale Technologien sind für unterschiedliche Zwecke nutzbar. Dies gilt es immer wieder zu reflektieren. An dieser Stelle geht es darum, auf die Verknüpfbarkeit mit kapitalistischen Strukturprinzipien hinzuweisen.

Zunächst zu digitalen Strukturprinzipien. Zu nennen sind:

  1. Prinzip der Binarisierung: Umwandlung analoger Signale in binäre Werte (komplexe Reihungen von 0- und 1-Werten), die nur noch als Rasterpunkte erscheinen (numerische Repräsentation von Daten verschiedenster Art und deren Nutzung, Speicherung, Bearbeitung, Verteilung und Darstellung in einer binär codierten Form); Binarisierung als Voraussetzung für die Algorithmisierung von Prozessen und zu lösenden Problemen.
  2. Prinzip der Variabilität und der Simulation als Möglichkeit, in beliebige mediale Artefakte hineinzugehen, sie bitweise neu zu bearbeiten und zu verändern, imaginäre Räume neu zu schaffen. Schrift, Töne, Bilder, Bewegtbilder, Grafiken, Sprache, Geräusche und Musik können elektronisch-maschinell weiterbearbeitet und neu erzeugt werden.
  3. Prinzip der Augenblicklichkeit: Die Informationen, Töne, Bilder etc. werden in Lichtgeschwindigkeit transportiert und ermöglichen Interaktivität und weltweite Vernetzung in Echtzeit (Punkt-zu-Punkt-Erreichbarkeit).
  4. Prinzip der Miniaturisierung von Einzelbausteinen zu Funktionsblöcken, deren zeitliche Schaltungen sich im Nanosekundenbereich (milliardstel Sekunden) bewegen, sowie Prinzip der Modularisierung, d.h. der beliebigen Austauschbarkeit und Kompilation digitaler Produktionsteile.

Nun zur Affinität zwischen digitalen und kapitalistischen Strukturprinzipien. Was sind Kernpunkte dieser Affinität bzw. Verknüpfbarkeit?

Zunächst lässt sich festhalten, dass die Quantifizierung ein grundlegendes gemeinsames Merkmal ist: Die Messbarkeit von Prozessen, Kostenfaktoren, Tauschwerten, Profitraten (in Verbindung mit einem quantitativen Wachstumsdenken) korrespondiert auf das Beste mit der numerischen Repräsentation von Daten verschiedenster Art. Aktuell sind z.B. Big Data-Projekte gefragt, die angesichts riesiger Datenmengen auf der Basis algorithmischer Verfahren eine gezielte, rationale und effiziente Filterung und Aufbereitung für jeweils spezifische Verwertungszwecke (nicht nur für Produktwerbung) ermöglichen (vgl. Betz/Kübler 2013:237 f.). In Verknüpfung mit dem digitalen Strukturprinzip der Augenblicklichkeit können in diesen quantifizierenden Prozessen – gemäß dem Motto „Zeit ist Geld!“ – z.B. im Hochfrequenzhandel an den Börsen bei Transaktionen riesige Kapitalgewinne in kürzester Zeit erzielt werden. Diese Form des Finanzkapitalismus entkoppelt Wertschöpfungsprozesse völlig von konkreten Gegenständen und menschlicher Arbeit und simuliert finanzielle Welten, die keine Entsprechung in der so genannten Realökonomie haben (Entgrenzung von Kapitalbewegungen). 

Generell ermöglicht die digitale Vernetzung und Interaktivität die ständige und flexible Verfügbarkeit von Menschen und Maschinen. Insbesondere räumliche und zeitliche Flexibilitätsanforderungen an die Arbeitskräfte lassen sich durch den Einsatz digitaler Technologien gezielt umsetzen. Aus diversen Arbeitsfeldern ist bekannt, dass die ständige Erreichbarkeit, Beschleunigung und Verdichtung von Arbeitsabläufen aus Sicht der betroffenen Mitarbeiter*innen im Falle fehlender Regulierungen (zeitliche Grenzziehungen) zu permanenter Überlastung, Überforderung und Stress führen können. Die flexible, weltweite Verfügbarkeit von Menschen und Maschinen ist wesentlich, um als „global player“ Kapitalakkumulation in Richtung Kapitalkonzentration und Monopolbildung vorantreiben zu können (Suche nach den effizientesten Entwicklungs-, Produktions-, Distributionsorten und deren globale Vernetzung).

Die digitalen Strukturprinzipien der Variabilität und der Simulation passen sehr gut zu kapitalistischen Strukturprinzipien, die auf permanente Anpassungsfähigkeit, Effizienz und ökonomische Verwertbarkeit abzielen. Das „Internet der Dinge“ ist ein Bereich, in welchem aktuell sehr deutlich wird, wie das Ineinander von realen, körperlich-physikalischen und immateriellen Datenwelten (auch Simulationen) immer fließender und intensiver wird. Die Vermessung nahezu aller Lebenswelten und des eigenen Körpers (Self-Tracking etc.) offerieren die Optimierung des Alltags und des Selbst, haben allerdings einen harten kapitalistischen Kern: die Erschließung neuer Absatzmärkte, die Ökonomisierung immer weiterer Lebensbereiche, die Kontrolle und Überwachung des Körpers.

Die Miniaturisierung und Modularisierung digitaler Bausteine sind wichtige technologische Voraussetzungen, um den Arbeits- und Materialaufwand zu reduzieren, die Fertigungstechnik und Logistik bei der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation zu informatisieren (Industrie 4.0) und um die Mensch-Computer-Schnittstelle in Richtung Mensch 2.0 / human enhancement zu forcieren. Ursprünglich vor allem im Bereich assistiver Computertechnologie (zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen) entwickelt, zeichnen sich hier zahlreiche neue Anwendungsfelder ab. Während in der Vergangenheit Medientechnologien vor allem Formen der medialen Extension ermöglichten (in die Ferne zu gelangen), erweitern digitale Technologien diese Möglichkeiten nun ins Körperinnere hinein (dies soll als mediale Inkorporation bezeichnet werden). Es ist zu vermuten, dass vor allem die Bioinformatik künftig von diversen Wirtschaftsunternehmen heftig umworben wird, um durch den Einsatz entsprechender Technologien neue Märkte zu erschließen.

Damit verbunden sind grundlegende anthropologische, ethische und soziale Fragestellungen von Mensch- und Subjekt-Sein in digitalisierten und ökonomisierten Gesellschaften. Stichworte: Abschied vom Autonomie-Gedanken des Subjekts, neuartige totalitäre Überwachungs- und Herrschaftsformen, Übergang zu einem „relationalen Selbst“ (Zöllner 2016; siehe auch: Thomas Damberger „Herausforderung der Kulturellen Bildung im Digitalzeitalter").

Die skizzierten Entwicklungstrends haben das Potenzial, Mensch-Sein, Alltag und Arbeit sowie das Zusammenleben in der Gesellschaft grundlegend zu verändern. Kritisch zu bewerten sind insbesondere technologiegetriebene Zukunftsmodelle vom gesellschaftlichen Zusammenleben, die die Vielschichtigkeit des Menschseins letztlich der Präzision algorithmischer Berechnungen und Eindeutigkeiten unterordnen. Es geht um grundlegende Kriterien und Werte, um Bilder vom Menschen und der Gesellschaft und die Frage, ob weiterhin eine Pluralität von Konzepten und Vorstellungen existiert oder ob Verengungen auf bestimmte Leitbilder um sich greifen. Die Affinität zwischen kapitalistischen und digitalen Strukturprinzipien, das Dominanzstreben global agierender Konzerne, die Kopplung dieser Strukturen mit individualistischen Konzepten der Selbstoptimierung drohen gesellschaftliche Kräfte zu marginalisieren, die gegenüber diesem Mainstream andere Vorstellungen von Lebensgestaltung, von Selbstbestimmung, von Gemeinschaftlichkeit und gesellschaftlichen Zukunftsentwicklungen befördern möchten.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass digitale Technologien in zahlreichen Bereichen für aufklärerische, demokratische und partizipative Zwecke genutzt werden. Wir haben es mit einer paradoxen Situation zu tun: Einerseits beweist der Kapitalismus seine Selbsterneuerungskraft dadurch, dass er die systematische Verwertung digitaler Daten ins Zentrum seiner Kapitalakkumulationen rückt – und es offensichtlich dabei schafft, entsprechende Daten-Enteignungsprozesse großen Teilen der Bevölkerung als unproblematische Begleiterscheinung und sogar als persönlichen Vorteil zu verkaufen (nach dem Motto: „Ich habe nichts zu verbergen, bekomme dafür gezielt Informationen und Angebote und kann am Leben vieler Menschen teilnehmen“). Andererseits verbinden sich mit der aktiven Nutzung digitaler Technologien Hoffnungen und Entwicklungen wie sharing economy, Dezentralisierung, Kooperation, offene Zugänge statt Eigentumsprinzip, Demokratisierung der Fabrikation, Stärkung sozial-ökologischer Wirtschaftsformen etc. (vgl. u.a. Habermann 2015 und Stalder 2015 zu commons-basierten Entwicklungen). Diese Paradoxien werden in den Subjekten ausgetragen und sind von ihnen zu bewältigen. Sie zu benennen und sich mit ihnen auseinandersetzen, ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe – für Bildung, Wissenschaft und andere Bereiche.

Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Medienpädagogik

Der vorliegende Beitrag erhebt nicht den Anspruch einer eingehenden Analyse. Die Medienpädagogik steht gegenwärtig noch im Anfangsstadium einer vertieften Auseinandersetzung mit strukturellen Fragen eines digitalen Kapitalismus. Diese Auseinandersetzung ist notwendig, um die künftigen Entwicklungspfade der Medienpädagogik weiter zu klären: entweder immer mehr zu einem Ausbildungs- und Reparaturbetrieb des digitalen Kapitalismus für die berufsbezogene Anwendung digitaler Technologien und deren „Risiken und Nebenwirkungen“ zu werden oder sich als kritisch-reflexive Begleitung von medienbezogenen Bildungs- und Lernprozessen zu verstehen, die Formen einer aktiv-produktiven Mediennutzung und -gestaltung mit einer kritisch-reflexiven Aneignung von gesellschaftlichem und digital-medialem Strukturwissen verknüpft. Mein Anliegen ist: Die Medienpädagogik sollte sich verstärkt mit strukturellen Fragen der Digitalisierung in Verbindung von Medien- und Gesellschaftskritik befassen. Dafür ist eine Auseinandersetzung mit vorhandenen kritischen Analysen aus der Wirtschaftswissenschaft und politischen Ökonomie, der Kultur- und Techniksoziologie, der Sozialwissenschaften, der Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Informatik und weiteren Bereichen sinnvoll.

Strukturprinzipien digitaler Medien sind zwar anschlussfähig für kapitalistische Strukturprinzipien. Digitale Medien enthalten aber zugleich sehr wichtige Potentiale für die Reflexion und Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen und damit für Bildung und Medienbildung. Dies ist der hauptsächliche Ansatzpunkt für die Medienpädagogik. Hierin zu integrieren sind Themen der Medien- und Gesellschaftskritik, anknüpfend an den Wahrnehmungs- und Erfahrungswelten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Mit Blick auf die skizzierten Enteignungsprozesse stellt sich die Frage, durch welche Aktivitäten derartige Prozesse und Mechanismen hinterfragt und durchbrochen werden können und wie die Medienpädagogik Räume für eine Medienbildung eröffnen kann, die Persönlichkeitsbildung und gesellschaftliche Teilhabe in verschiedenen Feldern fördert. Die Janusköpfigkeit digitaler Technologien spiegelt sich in Paradoxien des Umgangs mit ihnen. Dies ist ein wichtiger Ansatzpunkt für Medienbildung: Orientierungs- und Bewältigungsprozesse zu begleiten, Ambivalenzen und Paradoxien im Umgang mit digitalen Medien zu thematisieren und gemeinsam nach Möglichkeiten und Wegen für einen selbstbestimmten und souveränen Umgang mit digitalen Medien zu suchen.

Zu diesen Bildungsaufgaben gehört auch die Thematisierung grundsätzlicher Fragen wie z.B.:

  • Wie können eine um sich greifende totalitäre Datenerfassung und die Kommerzialisierung nahezu sämtlicher Lebensbereiche verhindert werden?
  • Welche Formen des Weltverstehens sind wichtig? Wie soll das Zusammenspiel von verschiedenen Wirklichkeitsdimensionen gestaltet werden – körperlich-realen und medial-virtuellen?
  • Was ist zu tun, damit die Digitalisierung im Arbeitsleben bereits vorhandene Marginalisierungen nicht weiter vertieft und Menschen mit geringerer formaler Bildung nicht dauerhaft ausgrenzt?
  • Wie ist es möglich, eine gesellschaftliche Utopiefähigkeit zu erhalten? Wie können Arbeit und Leben jenseits permanenter ökonomischer Konkurrenz- und Wachstumsszenarien und jenseits von immer mehr auf Vermessung und Quantifizierung abzielenden Strukturen gestaltet werden?

Auf diese Fragen gibt es keine allgemeingültigen Antworten, aber diese Fragen sind zum Gegenstand von Bildungsprozessen zu machen, weil sie für die persönliche Lebensgestaltung und die gesellschaftliche Weiterentwicklung sehr wichtig sind.

Zu einer handlungsorientierten Medienbildung gehören auch die aktiv-produktive und die kritische Auseinandersetzung mit der angebotenen Software und ihrer jeweiligen Datenbasis, die Reflexion von medienästhetischen Mustern (in Verbindung mit ihren symbolischen Bedeutungen), die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, um Anregungen zu erhalten und (idealiter) Ideen z.B. für Alternativen zu marktgängigen Software-Angeboten auf den Weg zu bringen. Gerade was die Auseinandersetzung mit informatischen und algorithmischen Fragen und dem damit verbundenen Strukturwissen betrifft, gibt es in der Medienpädagogik einen Nachholbedarf. Der Einschätzung von Stefan Iske und Dan Verständig ist zuzustimmen:

„Die medienpädagogische Kooperation mit weiteren gesellschaftlichen Akteuren und Organisationen zur Gestaltung der Strukturen des Internet wird zu einer zentralen und dauerhaften Aufgabe der Medienpädagogik, so wie es im Rahmen der Initiative Keine Bildung ohne Medien bereits initiiert worden ist. Andernfalls werden vor allem wirtschaftliche und politische Akteure die grundlegenden Infrastrukturen schaffen, auf die Medienpädagogik im Sinne eines ‚Reparaturbetriebs‘ lediglich reagieren kann.“ (Iske/Verständig 2014).

Deshalb brauchen wir eine Medienpädagogik, die technologisch-informatische, ökonomische, kulturelle und soziale, ethische und ästhetische Fragen thematisiert, die das Medienhandeln der Menschen in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Medienentwicklungen erforscht und analysiert und die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Bildungskontexten Handlungsräume mit Medien jenseits kommerziell-kapitalistischer Vereinnahmungen eröffnet (vgl. Witzel 2012:89 f.). Dies schließt auch eine verstärkte Kooperation mit anderen Bildungsbereichen ein wie z.B. der informatischen Bildung, der ökonomischen Bildung (vgl. Hofhues & Schiefner-Rohs 2012)  oder der Verbraucherbildung. Vor allem bedarf es erheblich größerer Anstrengungen, um pädagogische Fachkräfte in allen pädagogischen Handlungsfeldern für eine medienpädagogische Arbeit angemessen zu qualifizieren (Stichwort: medienpädagogische Grundbildung; vgl. die Forderungen der Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ (KBoM) und die Analysen und Vorschläge im Sammelband von Imort/Niesyto 2014).

Unabhängig von diesen Anstrengungen existieren weiterhin gesellschaftlich-mediale Strukturen, die die sozialen Lebenswelten der Menschen durchdringen und überformen. Diese Strukturen sind zu analysieren, zu kritisieren und – auch im Rahmen eines professions- und bildungspolitischen Engagements – zu verändern. Die Möglichkeiten der Medienpädagogik sind dafür begrenzt, aber sie sollte nach Kräften ihre Stimme zusammen mit anderen Akteuren erheben (vgl. die Initiative KBoM und andere Aktivitäten). Ein Denken, das vom Primat wirtschaftlicher Interessen und stetiger ökonomischer Wachstumsszenarien ausgeht und hierunter das sog. „Humankapital“ zu- und unterordnet, konfligiert grundsätzlich mit einem Verständnis von Bildung und Medienbildung, welches die Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensbedürfnissen in den Mittelpunkt stellt. Medienpädagogik kommt nicht umhin, sich in der Klärung und (Weiter-)Entwicklung ihrer Aufgabenstellungen mit diesen Fragen zu befassen und sich im Kontext gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen zu verorten.

Dies bedeutet auch, Medienbildung wieder verstärkt als politisch-kulturelle Medienbildung zu begreifen. Dieser Intention liegt ein Politikverständnis zugrunde, welches sich nicht auf Formen der parlamentarischen Interessenvertretung reduziert, sondern insgesamt die demokratische Teilhabe von Menschen am Gemeinwesen und in der Gesellschaft im Blick hat und sie darin unterstützen möchte, (digitale) Medien aktiv für Partizipation und öffentliches Handeln zu nutzen und hierüber Selbstwirksamkeit zu erfahren. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, äußerte sich hierzu deutlich: „Die Herausforderung wäre, der Frage nachzugehen, ob die Medienpädagogik nochmal als eine ‚kritische Gesellschaftsanalyse’, wie es Baacke gefordert hatte, zu konstituieren sei, ohne damit die vergangenen drei bis vier Jahrzehnte theoretischer Diskussion zu negieren, sondern produktiv in eine Neubestimmung zu integrieren“ (Krüger 2014).

Fazit

Medienpädagogik als kritische Medien- und Gesellschaftsanalyse und zugleich als subjektorientierte Handlungswissenschaft und pädagogisches Arbeitsfeld zu entwickeln, ist kein Widerspruch. Wir benötigen beides: Die konsequente Orientierung an den Menschen, ihren Bedürfnissen, Interessen und Lebensformen, aber auch die Untersuchung struktureller gesellschaftlich-medialer Muster, die Wahrnehmung, Denken und Handeln der Menschen beeinflussen und sozialisationsrelevant sind.

In einer historischen Epoche, in welcher die Digitalisierung nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche nachhaltig verändert, wird Medienbildung zu einer Kernaufgabe von Bildung und damit auch zur Hinterfragung vorhandener Strukturmuster eines digitalen Kapitalismus.

In einer Situation, in der global agierende Medienkonzerne, Wirtschaftsunternehmen und andere Einrichtungen und Organisationen immer extensiver persönliche Daten ausspähen und für ihre jeweiligen Zwecke verwenden, ist es wichtig, verstärkt Daten- und Codekritik zu entwickeln (vgl. Dander 2014; Knaus 2017; Eder/Mikat/Tillmann 2017; Niesyto/Moser 2018) und an dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung festzuhalten. Es ist wichtig, angesichts einer allumfassenden Quantifizierung und Vermessung von Leben und Gesellschaft (Mau 2017) Fragen nach Sinn und Bedeutung jenseits quantifizierender und formalisierender Prozessstrukturen zu stellen (Brüggen 2017). Hierfür sollte eine kritisch-reflexive und politisch-kulturelle Medienbildung Gelegenheiten eröffnen und Kinder, Jugendliche und Erwachsene darin unterstützen, digitale Medien selbstbestimmt und kompetent zu nutzen.

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Anmerkungen

Der folgende Text ist eine etwas modifizierte Fassung des gleichnamigen Beitrages, der am 13.01.2017 zuerst in der Online-Zeitschrift „MedienPädagogik“ erschien, vgl. http://www.medienpaed.com/article/view/435 (Niesyto 2017).

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Horst Niesyto (2019): Medienpädagogik und digitaler Kapitalismus. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE:
https://www.kubi-online.de/artikel/medienpaedagogik-digitaler-kapitalismus
(letzter Zugriff am 18.06.2019)

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Dieser Artikel wurde dauerhaft referenzier- und zitierbar gesichert unter https://doi.org/10.25529/92552.313.

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