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Kirchen und Kulturarbeit auf dem Land

von Jakob Johannes Koch  Erscheinungsjahr: 2018

Abstract

Der lebensweltliche Zusammenhang von Kultus und Kultur ist auf dem Land in besonderer Weise präsent. Als Träger von Gottesdienst und Seelsorge und zugleich als professionelle soziale Dienstleister, Arbeitgeber, Kulturträger und Sozialraum-Networker sind die beiden großen christlichen Kirchen gemeinsam ein Hauptfaktor für Werteprägung, nachhaltige Entwicklung sowie Integrations- und Reintegrationsprozesse im ländlichen Raum. Dabei lässt sich ihr kulturelles Wirken nicht gegen ihr soziales Engagement ausspielen; gerade in ländlichen Regionen bedingt beides einander komplementär: Die ländlichen Beratungsstellen, Kindergärten, Caritas-/Diakonie-Dienste, Verbände und räumlichen Versammlungsmöglichkeiten der beiden Kirchen bieten auch ein infrastrukturelles Grundgerüst für musisch-ästhetische wie kulturell-bildende Aktivitäten, die ihrerseits Gemeinschaft stiften. „Kulturdiakonie“ nennt die Kirche dieses Konzept. Kirchliche Kulturelle Bildung auf dem Land betreibt konzeptionell die Verbesserung von Fähigkeiten im Umgang mit Differenzen und damit die Bekämpfung von Komplexitätsreduktion: Sie übt mit den Menschen rationales Hinterfragen und argumentative Weiterentwicklung moralischer Intuition ebenso ein wie den Erwerb theologischer Kompetenz im Sinne eines „Glaubens, der die Vernunft befragt“; sie vollzieht sich aber auch im Austausch von Feiertraditionen, Bräuchen und non-formalen Überlieferungen. Dadurch schafft Kirche auf dem Land weltoffene Heimat.

Aktuell leben lediglich 16,5 % der Deutschen in Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern und weitere 14,5 % der Deutschen in Großstädten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern (vgl. Statistisches Bundesamt 2018), d.h. 69 % der Deutschen leben in sogenannten „ländlichen Räumen“, wobei dieser herkömmliche Begriff insofern anzufragen ist, als auf dem sogenannten „Land“ nur 2 % der Erwerbstätigen Landwirte und 98 % Nichtlandwirte sind (vgl. Statistisches Bundesamt 2017:369). Seit 50 Jahren ist den Sozialwissenschaften bekannt, dass die Innovationsimpulse vor allem von den kleineren Städten der „Provinz“ ausgehen und über die Hauptstädte nur verteilt werden (vgl. Vogt 2017). Warum ist das so? Ist der Kreativitätsnährboden des sogenannten ländlichen Raums möglicherweise besser bestellt als in den Metropolregionen? Regionen jenseits der Metropolstädte scheinen gesellschaftliche Kohäsionskräfte zu eignen, die für das menschliche Zusammenleben ganzheitlich förderlich sind – und dies, obwohl es in diesen Regionen kaum nennenswerte Finanzmittel gibt, die zu einer Ertüchtigung des geistigen Lebens beitragen und die indirekte soziale Effekte entfalten könnten. Es gelingt beispielsweise den kleinen Gemeinden weit besser als den großen, Geflüchtete und Immigranten wirkungsvoll und nachhaltig zu integrieren. D.h. es scheinen in ländlichen Regionen nicht messbare Faktoren zu wirken, die jenseits materiellen Wohlstands ein ganzheitliches Wohlergehen modellieren – mit der aristotelisch-thomistischen Schule formuliert: Neben den „bona exteriora“, den „äußeren Gütern“, kommen hier offenbar die „bona interiora“, die „inneren Güter“, gut zum Tragen (vgl. Meißelbach et al. 2016:119). Obwohl dem so ist (wie weiter unten noch näher auszuführen), erlebt Deutschland im 21. Jahrhundert eine Stigmatisierung von Ruralität und eine durch unhinterfragte Narrative befeuerte Glorifizierung von Urbanität (vgl. Vogt 2017). Das Narrativ Urbanität = kosmopolitan, hipp, exzellent, cool und im Umkehrschluss daraus Ruralität = eng, reaktionär, mittelmäßig, spießig macht sich vor allem im Kulturbereich in den Köpfen breit.

Der symbiotische „Kulturraum“ als christliches Konzept

Demgegenüber kennt das Christentum keine Metropolfixierung. Zwar hat sich das Christentum nach der Konstantinischen Wende urbanisiert, aber es hat seine frühesten Wurzeln nie gekappt: Von seiner Herkunft her speist es sich wesentlich aus Ruralität und entwickelt daraus bis in die Peripherie hinein einen wesentlichen Teil seiner Kraft. Die Sprache der Bibel ist agrarisch geprägt. Jesus von Nazareth kam vom Land; der gelernte Zimmermann brachte seinen Anhängern theologische Sachverhalte in der Sprache der Haus- und Landwirtschaft nahe. Dies machte die jüdisch-christliche Überlieferung besonders dort anschlussfähig, wo die Natur mit ihrer Zyklik des Werdens und Vergehens sowie die elementare Nähe zur Lebensmittelproduktion und -verarbeitung unmittelbar erlebbar sind: auf dem Land. Die Kirche hat soziale Kohäsion stets dadurch befördert, dass sie die „inneren Güter“ Bildung und Werte – synthetisch verwirklicht in Wertebildung – gemeinsam mit den Menschen eingeübt hat und bis heute einübt (vgl. Koch 2012b). Insofern ist der moderne „Kulturraum“-Begriff als wertebildungsmäßige Symbiose von Stadt und Land vom Urprinzip her eine ca. 1200 Jahre alte kirchliche Erfindung: Viele Klöster entstanden als bedeutende Kultur- und Bildungszentren bewusst in der Peripherie und initiierten in den „strukturschwachen“ ländlichen Regionen erstmals Ansätze kultureller Verteilungs- und Beteiligungsgerechtigkeit sowie interkommunaler kultureller Synergieeffekte. Dies ist ein wichtiger Entstehungsfaktor für die reiche agrarsoziale Kulturlandschaft und föderal-dezentrale kulturelle Bildungsinfrastruktur im christlich-abendländischen Europa, dessen Ethos in den multiplen, multikulturellen Gesellschaften des heutigen Europas in Form freiheitlich-demokratischer Leitplanken fortlebt (vgl. Koch 2008).

Soziale Kohäsion – das belegen die Gesellschaften ländlicher Lebensräume in hervorragender Weise – entsteht durch die sozial vermittelte, individuelle Ausprägung von Vorstellungswelten, die dann wiederum interkollektiv ausgetauscht, aneinander abgeglichen und gemeinsam weiterentwickelt werden. Die Kurzformeln hierfür lauten „Identität durch Verständigung“ und „Verständigung durch Identität“, wobei beides prozessual und reziprok zu denken ist. Wertebildung zwischen Identität und Verständigung, Eigenem und Anderem, Heimat und Neuland hat dann den größten Erfolg, wenn sie ihre Adressat*innen im Kontext des lokalen Lebensraumes in die Lage versetzt, Wissen in werte- und handlungsorientiertes Verstehen zu überführen: In Vereinen, Bürgerinitiativen, Verwaltung, Gesundheitswesen, Kulturinstitutionen etc. sind engagierte „Menschen guten Willens“ anzutreffen, die vielfach auf ein dezidiertes Ethos setzen, das augenscheinlich eine dem christlichen Ethos vergleichbare moralische Regulierungskraft besitzt (vgl. Tiefensee 2009). Wessen sie dabei aber bedürfen, ist eine moderierende Instanz, welche die positiven, wertebasierten, partizipativen Ansätze im Sozialraum bündelt und in einem feedback-gesteuerten Prozess verdichtet und vernetzt: Genau hier bietet sich die Kirche mit ihrer über Jahrhunderte gewachsenen Networking-Erfahrung an (vgl. Röbke 2013); in sogenannten strukturschwachen Regionen bedarf es dessen in besonderer Weise.

Gerade weil die Kirchen keine mittelfristigen, an Wahlperioden ausgerichteten kommunalpolitischen Eigeninteressen verfolgen, besitzen sie einen erheblichen Glaubwürdigkeitsvorsprung gegenüber der Politik (vgl. Mediengruppe RTL Deutschland 2018) und können insofern disparate, aber inhaltlich affine Akteur*innen und Initiativen gut miteinander ins Gespräch bringen und deren Fähigkeit zu eigenverantworteter Netzwerkarbeit fördern. In ländlichen Regionen, die von der Ausdünnung institutioneller sozialer Infrastrukturen betroffen sind, sind die Kirchen als Anstifter und Zurüster sozialraumbezogener Prozessarbeit besonders gefragt. Wenn sich die Kirchen vor Ort für Entwicklung und Einübung kommunikativ-partizipativer Gestaltungsprozesse einsetzen, bedeutet das freilich nicht, ständig etwas Neues zu erfinden, sondern vor allem, bereits vorgefundene hoffnungsvolle Ansätze ebenso wie arrivierte Leuchtturmprojekte zu identifizieren und breiteren Allianzen zuzuführen (vgl. etwa Schlichting 2013 sowie Kirchenamt der EKD 2007).

Kirchen als Knotenpunkte von Integration und Reintegration

Das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen hat in der Studie „Ankommen in der deutschen Lebenswelt“ (2016) die deutlich besseren Integrationschancen in der vielgeschmähten „Provinz“ belegt und dabei auch auf die Bedeutung religiöser Bezüge hingewiesen (vgl. Meißelbach et al. 2016:119). Hier hakt die sozialraumbezogene kirchliche Kultur- und Bildungsarbeit (die vor allem im West-Süd-Schenkel Deutschlands noch immer flächendeckend ist) ein: Über die kirchlichen Land- und Heimvolkshochschulen, kirchlichen öffentlichen Büchereien, Familienzentren, Einrichtungen der Caritas und Diakonie, kirchliche Bildungs- und Tagungshäuser sowie die zahlreichen kirchlichen Vereine bietet sie zahlreiche integrationsfördernde Maßnahmen an wie z. B. Elternbildung für Eltern mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung, Qualifikation von Erzieher*innen im Bereich interkultureller Kompetenz mit Blockseminaren und/oder mehr-wöchigen Kursen in Kooperation mit anderen lokalen Akteur*innen, interkulturelle Leseabende (Migrant*innen und Geflüchtete werden eingeladen, aus ihren nationalen Literaturen zu rezitieren), Austausch der Festkulturen z. B. im Rahmen von „Festen der Nationen“ u. v. a. m.

Ein Leuchtturmkonzept kirchlicher Integrationsarbeit auf dem Land, das zunehmend auch in den Städten Nachahmung findet, ist das „Kulturdolmetscher“-Konzept: Es gibt in Deutschland zahlreiche Menschen mit eigenem Migrationshintergrund, die gute Deutschkenntnisse haben, die lebensweltlich bereits gut integriert sind, insofern fundierte Kenntnisse über das Leben in Deutschland haben und die bereit sind, neu Geflüchteten/Immigrierten zu helfen. Die katholische Kirche hat hierfür viele Ehrenamtliche mit Migrationshintergrund als „Expert*innen in eigener Sache“ gewinnen können, die nun in Zusammenarbeit mit Caritasverbänden, kirchlichen Bildungswerken und weiteren Kooperationspartnern wesentlich zur Enkulturation geflüchteter Menschen beitragen.

Die kirchlichen Land- und Heimvolkshochschulen kooperieren seit jeher mit den Heimatvereinen, lokalen Geschichtsvereinen und Akteur*innen der landschaftlichen Brauchtumspflege. Diesen heimatbezogenen Akteur*innen wird häufig von vornherein eine gewisse Integrationsfeindlichkeit unterstellt – zu Unrecht; sie bergen vielmehr gerade unter dem Aspekt kultureller Integration ein Reservoir zivilgesellschaftlicher Kulturdolmetscher*innen: Wenn man die dort tätigen Ehrenamtlichen über einen bewusstseins- und diskursprägenden Zeitraum gezielt auf den Aspekt kulturelle Integration ansetzt, kommt ein großes Bündel an Einfällen zusammen. Mögliche Widerständler und Skeptiker können so überwechseln in selbstbestimmte Vorhaben. Auch für die strukturelle, psychosoziale und politische Reintegration abgehängter einheimischer Schichten der Bevölkerung in eine partizipative Gesamtkultur auf Basis liberaler Freiheitswerte können Kulturdolmetscher*innen der Heimatvereine, lokalen Geschichtsvereine und Brauchtumspflege ein eminent wichtiger Brückenkopf werden. Denn kulturelle Integration kann – um nur ein punktuelles Beispiel zu nennen – nicht bedeuten, das Sankt-Martins-Fest in „Sonne, Mond, Sterne“-Fest oder „Lichterfest“ umzubenennen, sondern die diakonische Nächstenliebe des Bischofs von Tours neu herauszustellen, die zweifellos über alle Religions- und Kulturgrenzen hinweg anschlussfähig ist.

Es ist deutlich geworden, dass ländliche Kulturarbeit heute für Integration und Reintegration, für Identität und Verständigung unverzichtbar ist und dass die Kirchen dabei eine zentrale Rolle spielen. Wenn sich die Kirchen auf dem Land kulturell engagieren, dann deshalb, weil sie Freiräume des „Übernützlichen“ schützen und weiten wollen. Ohne Romantisierung kann man feststellen, dass in ländlich geprägten Soziotopen sozialsolidarische Handlungsinitiative, Bindungsfähigkeit, Tradierungskraft und Beharrungsvermögen stärker ausgeprägt sind als in der Stadt – das sind ideale Voraussetzungen für das kulturelle Ehrenamt: Mit zusammen rund 1,5 Millionen Ehrenamtlichen (Statistik ohne sozial-caritative Ehrenamtliche) können die beiden großen Kirchen auf dem Land mehr Personen für Kultur mobilisieren als jede andere Institution. Als Nonprofit-Organisationen sind sie für Ehrenamtliche attraktiv, weil ihr Kultur-Engagement nicht wirtschaftlichen Zwängen gehorcht, sondern endogen, partizipativ und dezentral organisiert ist. Die Kirchen sind dabei beidem verpflichtet: dem Dienst an den Menschen und dem Dienst vor Gott. Lebensgestalterisch spielt sich die ländliche Kulturarbeit der Kirchen in der Triangel von 1. Freizeitgestaltung, 2. Kunst und Ästhetik sowie 3. religiösem Glauben ab. Während in den Mittel- und Oberzentren kirchliche Kulturarbeit eher in Form Kultureller Bildung und kulturpolitischer Akzente stattfindet, geschieht sie in peripheren und ländlichen Regionen vor allem als Aktivierende Kulturarbeit (vgl. hierzu näher Koch 2012a). Dort ist die Kirche oft die letzte öffentliche Institution, die das Gemeinschaftsgefüge noch stabilisiert: seelsorglich, sozial-caritativ, kulturell bildend.

Zur kulturellen Bildungsinfrastruktur der Kirchen auf dem Land

Der ländliche quartäre Bildungssektor wird von rund 180 kirchlichen Kreisbildungswerken, 152 katholischen und ca. 30 evangelischen (diese wie alle weiteren statistischen Zahlen beziehen sich nur auf den Bestand im ländlichen Raum; die Einrichtungen der Städte größer als 100.000 Einwohner sind jeweils nicht mitgezählt) und 30 kirchlichen Land- und Heimvolkshochschulen, davon 19 katholisch und 11 evangelisch, maßgeblich mitgetragen. Sie wurden nach dem Kulturbruch des Nationalsozialismus bewusst flächendeckend und bewusst auch in den peripheren Räumen gegründet, um Menschen aller Altersgruppen mündige Teilhabe am Gemeinwesen auf der Basis des christlichen Menschenbildes und der freiheitlich-demokratischen Grundhaltung zu vermitteln. In den Nachkriegsjahren kam es darauf an, Bildungsangebote rückwirkend als Entideologisierung und prospektiv als Resilienzschulung gegen Totalitarismen und Wirklichkeitsklitterung anzulegen. Die pädagogischen Impulse moderner christlicher Denker wie Josef Pieper (ab 1946 Professor an der Pädagogischen Hochschule Essen und Professor für philosophische Anthropologie an der Universität Münster) flossen in die Leitbilder der neu gegründeten Häuser ein, so etwa das „Klugheits“-Konzept Piepers, demzufolge Klugheit darin besteht, „zu sehen, was ist“, also die Realität differenziert, objektiv, unideologisch so aufzufassen, wie sie ist (vgl. Pieper 1949). Die kirchlichen Kreisbildungswerke und Land- und Heimvolkshochschulen sind von ihrer Programmatik her Räume der „Gastfreundschaft“ auch im Sinne Jacques Derridas (vgl. Derrida 1998), in denen ohne Rücksicht auf Konformität und Normierung das zur Sprache gebracht werden darf, „was ist“. In der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts gewinnt diese Programmatik neue Aktualität: Unideologische, faire, präzise Weisen des Diskurses wollen in einer Zeit populistischen gegenseitigen Mundtodredens und diffundierender Postfaktizität wieder ganz neu gelehrt und eingeübt werden.

Auch auf dem Land sehen sich die kirchlichen Bildungsanbieter mit einer neuen, dilemmatischen Herausforderung konfrontiert: Mit der zunehmend flächendeckenden Breitbandinfrastruktur nutzen immer mehr Menschen auch in ländlichen Räumen das Internet als (non-formales) Bildungsreservoir, in dem gleichzeitig aber immer mehr das Postfaktische zunimmt. Viele User geben sich dabei der Fiktion hin, das Internet sei eine systematisch strukturierte Größe; in Wirklichkeit aber beruht es auf einer Morphogenese des Zufalls und der Disparität und es ist in weiten Teilen noch immer ein rechtsfreier Raum – allen gegenteiligen Bemühungen zum Trotz. Gerade die Jugend ist in besonderer Weise gefährdet, was Postfaktizität anbetrifft (vgl. Scholz 2017). Angesichts dessen ist es kirchlicher kultureller Bildung in ländlichen Regionen darum zu tun, Verbesserung von Fähigkeiten im Umgang mit Differenzen und damit Bekämpfung von Komplexitätsreduktion, rationales Hinterfragen und argumentative Weiterentwicklung moralischer Intuition sowie schließlich Erwerb theologischer Kompetenz im Sinne eines „Glaubens, der die Vernunft befragt“, herbeizuführen. Die Bildungsinhalte der kirchlichen Kreisbildungswerke und Land- und Heimvolkshochschulen bewegen sich in Thementableaus wie „Mensch und Gesellschaft“, „Familie und Persönlichkeitsbildung“ sowie „Mensch in Landwirtschaft und ländlichem Raum“. Christliche Akzente werden u.a. auf Identitätsvergewisserung und Reflexion ländlichen Volksbrauchtums sowie schöpfungstheologisch motivierte ökologische Nachhaltigkeitsethik gesetzt.

Neben der Trägerschaft von Bildungswerken ist die Leseförderung eine wichtige Säule ländlicher Kultureller Bildung; die kirchlichen Büchereien machen dort mehr als 50 % der öffentlichen Bibliotheken aus. Die beiden großen Kirchen unterhalten alleine auf dem Land fast 3.000 (2.400 Katholische Öffentliche Büchereien [KÖB], ca. 600 ev.) öffentliche Büchereien, die in Bayern vielfach hauptamtlich, ansonsten aber von 24.000 (20.000 kath., ca. 4.000 ev.) Ehrenamtlichen betrieben werden. Die kirchlichen öffentlichen Büchereien befinden sich institutionell unter dem Dach von Seelsorgeeinheiten und Pfarreien bzw. Kirchspielen und Kirchengemeinden, in Bayern oft auch in Kooperationsträgerschaft mit Kommunen. Schwerpunkte des Buchangebotes sind Spiritualität und belletristische gehobene Literatur. Unverzichtbar sind die hauptberuflichen Fachreferent*innen in den Diözesen, Kirchenkreisen und Kirchenbezirken, weil sie die ehrenamtlichen Büchereimitarbeiter*innen weiterbilden und so ein objektives Qualitätsmanagement garantieren. 2.334 (ca. 2.000 kath., 334 ev.) Büchereien setzen inzwischen für ihre Arbeit Bibliothekssoftware ein. Die Zahl der Entleihungen liegt alleine in den ländlichen Regionen Deutschlands bei rund 21 Millionen (ca. 20 Mio. kath., ca. 1 Mio. ev.; Statistik ohne Mittel- und Oberzentren).

Die christliche Topografie des ländlichen Raums zwischen sakralen Landschaften, kirchlichem Denkmalerbe, Klöstern und Kommunitäten

Vor allem die katholisch geprägten Landstriche haben eine opulente religiöse Topographie. Die Kombination von Sakral-Denkmal und Natur, altem Pilgerweg und wilder Vegetation, Kloster und Garten übt vor allem auf gestresste Metropolenbewohner*innen eine heilsame Faszination aus – und dies nicht erst seit Hape Kerkeling. Die sogenannte „weiße Industrie“ schöpft dies als weichen Standortfaktor ländlicher Regionen profitabel aus. Kultur-Routen wie die „Via sacra“ in der Oberlausitz und Niederschlesien oder der Schwarzwälder „Kapellenweg im Rothauser Land“ erleben einen Hype. Allerdings nur so lange, wie der Bestand kirchlichen Kulturerbes gesichert ist. Die Kirchen haben es in der Zangenbewegung schwindender Eigenmittel und drastisch zurückgehender staatlicher Zuschüsse immer schwerer, ihre mehr als 25.000 Dorfkirchen (13.500 kath., ca. 11.000 ev.) zu erhalten. Hinzu kommen auf dem Land circa 50.000 (32.000 kath., ca. 18.000 ev.) sonstige Kirchendenkmale wie Pfarrhäuser, ehemalige Zehnthöfe, Konventgebäude etc. sowie 1.500 (550 kath., ca. 950 ev.) denkmalgeschützte Friedhöfe. Ohne ehrenamtliche Hilfe wäre auch dieser Kulturbereich nicht mehr zu bewältigen; innerhalb der letzten Jahre entstanden in Deutschland mehr als 800 ehrenamtliche Initiativen für die Denkmalpflege christlicher Gotteshäuser.

Auf dem Land, wo in früheren Jahrhunderten nur wenige Menschen lesen konnten, waren Bilder beliebte Medien zur Verbreitung des christlichen Glaubensgutes. Bildstöcke, Votivsäulen, Wegekreuze, religiöse Bildmotivik an öffentlichen Plätzen, Brunnen und Gebäuden wurden von den Menschen wie eine „Biblia pauperum“, d.h. bilderbuchartige „Armenbibel“ angeschaut. Heute werden diese Bildzeugnisse wieder neu als ländliches Kulturerbe wertgeschätzt und von Heimatpflegern und ehrenamtlichen Initiativen betreut. Daneben gibt es auf dem Land bundesweit 35 Kloster- und Missionsmuseen und etwa 50 Museen mit konzeptioneller bzw. finanzieller Beteiligung der Kirche unter wesentlicher Mitarbeit von Ehrenamtlichen. Diese Museen sind kleine, aber feine Perlen der peripheren Räume und leisten einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Gedächtnis der Region. Neuere Museumsgründungen wie das Kartäusermuseum Tückelhausen oder das Museum Dettelbach „Pilger und Wallfahrer“ (als kirchlich-kommunales Gemeinschaftsprojekt) überzeugen durch moderne museumspädagogische Konzepte und müssen in puncto Originalität den Vergleich mit den großen Museen der Städte nicht scheuen.

Wie eingangs erwähnt, sind die 1.421 (ca. 1.400 kath. und 21 ev.) Klöster und Kommunitäten im ländlichen Raum Deutschlands bis dato kulturelle Leuchttürme in der Peripherie; zunächst rein infrastrukturell, insofern sie als architektonisch großzügige, ästhetisch herausragende Versammlungshäuser dienen. Dann aber auch inhaltlich, weil die traditionelle Gastlichkeit des Klosters/der Kommunität eine integre und integrierende Atmosphäre für die Vernetzung verschiedenster Akteure ländlicher Kulturpflege bietet. Vielfach sind die Konvente und Kommunitäten selbst in der Kultur- und Bildungsarbeit aktiv, unterhalten Schulen, Internate, Kongress- und Bildungszentren, Bibliotheken, Buchhandlungen, veranstalten eigenverantwortlich Seminare, Ausstellungs- oder Konzertreihen – und dies alles in Regionen, wo es sonst fast keine öffentliche Bildungs- und Kulturinfrastruktur (mehr) gibt. Herzstück der Klöster sind Abtei- und Wallfahrtskirchen, die den Besuchern in Kirchenführungen teils mit modernen Medien wie Online- oder Audiovisuellen Guides erschlossen werden. Die Wallfahrtskirchen ziehen jährlich Millionen von Gläubigen, Tourist*innen und Bildungsreisenden an. Kleinode wie z. B. die Wieskirche im Allgäu (1,1 Millionen Besucher pro Jahr), die mitten in Wald und Flur stehen, prägen das kulturelle Leben ganzer Landstriche.

Zwischen Tradition und Erneuerung: Geistliche Spiele und Kirchenmusik als kulturelle „Leuchttürme“ auf dem Land

Christlich-biblische Überlieferung ist auch Ausgangspunkt der aus dem Mittelalter tradierten „Geistlichen Spiele“ und „Liturgischen Dramen“, die nach langer Zeit des Vergessen-Seins wieder eine Renaissance erleben. Neben dem weltberühmten Oberammergau konnte auch in vielen anderen Dörfern die Tradition der Passionsspiele revitalisiert werden. Ehemals unbekannte Passionsspiele wie Perlesreut (Bayerischer Wald), Sömmersdorf (Mainfranken) oder Waal (Allgäu) entwickeln sich zu Publikumsmagneten, wovon auch die Touristik profitiert. Gerade die kleineren Spiele rekrutieren sich nach wie vor aus den (in diesen Fällen katholischen) Kirchengemeinden und schaffen im Dorf ein großes Gemeinschaftsgefühl. Neben den Passionsspielen gibt es eine wachsende Zahl kultureller Sommerfestivals in Kirchenräumen. Open-Air-Veranstaltungen in Kreuzgängen oder Kirchenruinen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Während in den Mittel- und Oberzentren kirchliches Kultur-Engagement schwerpunktmäßig in Form formaler kultureller Bildung und kulturpolitischer Akzente stattfindet, geschieht es im ländlichen Raum wesentlich auch als Aktivierende Kulturarbeit: In den ländlichen Regionen Deutschlands wirken mehr als 25.000 Kirchenchöre (11.000 kath., ca. 14.500 ev.) mit 555.000 (265.000 kath., ca. 290.000 ev.) Laienmusiker*innen. Signifikant ist gerade auf dem Land der hohe Zuwachs bei kirchlichen Kinder- und Jugendchören. Neben den Chören wirken im ländlichen Raum mehr als 90.000 (16.000 kath., ca. 80.000 ev.) Menschen in fast 8.000 (1.750 kath., ca. 6.000 ev.) kirchlichen Instumental-Ensembles. Das Spektrum erstreckt sich vom katholischen klassischen Kirchenorchester – auf dem Land meist das sogenannte „Salzburger Kirchentrio“ – über die geistlichen Volks- und Hausmusiken und die evangelischen Posaunenchöre bis hin zur modernen Sakropop-Band. Die öffentlichen Auftritte kirchlicher Musikensembles gehören in peripheren Regionen zu den gehobeneren Kulturveranstaltungen, die sich auch untere Einkommensgruppen leisten können; von Ehrenamtlichen getragen, können sie zu sehr günstigen Konditionen angeboten werden.

Der enge Zusammenhang von Kultus und Kultur

Selbsthilfekompetenz und vernetzte Eigenhilfe sind typisch für die Bevölkerung peripherer Räume. Die zahlreichen katholischen Vereine und Verbände im ländlichen Raum unterstützen dies intensiv. Aus der Vielzahl kirchlicher Verbände, Arbeitsstellen und Fachdienste in den ländlichen Regionen Deutschlands seien exemplarisch die Katholische Landvolkbewegung Deutschland (KLB) für Erwachsene, die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) und der Evangelische Dienst auf dem Lande (EDL) genannt. Das Themenspektrum ist an den aktuellen Herausforderungen ländlicher Räume orientiert: christlich motivierte ökologische Ethik, Ernährungssouveränität, Gender-Mainstreaming oder Jugendpolitik. Daneben stehen traditionelle Aktivitäten wie die Auseinandersetzung mit der Ortsgeschichte sowie Brauchtumspflege. Daran zeigen gerade die 70.000 KLJB-Mitglieder im Alter von 14 bis 26 Jahren großes Interesse. Brauchtum im Festkreis des Kirchenjahres wie z. B. Mai- und Kirchweihbräuche ist selbstverständlicher Teil ländlicher Jugendkultur und hat nicht selten den Charakter von Eingliederungsritualen in die dörfliche Gesellschaft. Neben ihrem sozialen Engagement führen die KLJB-Ortsgruppen z. B. Theater-Projekte (auch im Dialekt) durch, veranstalten mehrspartige „Kulturbühnen“ oder pflegen traditionellen Tanz.

Kultur und Kultus hängen (freilich unter der Voraussetzung einer der Religionsfreiheit verpflichteten Grundordnung) gerade auf dem Land wesensmäßig eng zusammen: Geschichtlich hat sich das Christentum im ländlichen Raum organisch in die jahreszeitlichen Kulte und archaischen Heiligtümer inkulturiert. Die Kirche schaffte die vorchristlichen Traditionen nicht einfach ab, sondern amalgamierte deren große ästhetische Kraft mit der christlichen Symbolik. Dennoch ist der Kultus nicht identisch mit Kultur; nicht jede Sinn- und Wertefrage ist schon Religion – weder in urbanen, noch in ländlichen Regionen. Der Kern des Kultus ist nicht die techné, die Kunstfertigkeit, sondern der Glaube; die kulturelle Gestalt ist also dem Kultus nicht konstitutiv, sondern akzidentiell. Das heißt: Der Kultus lebt nur insofern und nur so lange, als er aus dem Glauben heraus und auf diesen hin praktiziert wird. Der Kultus ist in seinem Kern vorkulturell: Allenfalls seine Wirkung ist Kulturerbe, er selbst aber ist Religionserbe. Die auf dem Land noch zahlreich erhaltenen und großenteils im Gebrauch befindlichen Kultgegenstände (mit ihren jeweiligen Pflege-Traditionen) wie z. B. Glocken, Paramente, Vasa Sacra, Altäre, Ambonen, Taufsteine sind ihrerseits – obzwar eng in den kultischen Vollzug eingebunden – nicht selbst Kultus, sondern sie dienen als Realien dem Kultus. Als Kultgegenstände anverwandeln sie sich bis zu einem gewissen Grad nolens volens auch den kulturellen Ausdrucksformen ihrer Epoche und sie wirken wieder auf diese zurück. Insofern können sie von der Sache her durchaus partiell als Kulturgut angesehen werden, aber sie gehen keinesfalls gänzlich darin auf.

Der beschriebene, in vielen ländlichen Räumen Deutschlands noch deutlich erkennbare Konnex von Kultus und Kultur findet sich auch wieder in der Liturgie und dem ausdrucksstarken Ritual der Kirche: 240.000 Kinder und Jugendliche wirken in ländlichen Regionen als Ministranten, d.h. Assistenten des Priesters im Gottesdienst mit, ca. 80.000 erwachsene Ehrenamtliche nehmen ebenfalls liturgische Dienste wahr. Die Gebets- und Gottesdienstformen der Kirche werden von vielen Menschen auf dem Land ganz selbstverständlich wahrgenommen, weil sie darin ihren Glauben authentisch ausgedrückt sehen.

Der Zusammenhang von europäischer Einheit und weltoffener Heimat: Drei kirchliche Projektbeispiele zum Europäischen Kulturerbejahr 2018

2007 legte eine Enquetekommission des Deutschen Bundestages unter dem Focus „Kultur in Deutschland“ den Parlamentariern einen umfangreichen Abschlussbericht vor, in dem die Kirche als „zentrale kulturpolitische Akteurin“ bezeichnet wird. Die Kommission stellte fest: „Für die Ausformung einer europäischen Identität können die Kirchen mit ihrem Erfahrungsschatz einen wesentlichen Beitrag leisten“ (Deutscher Bundestag 2008:212). Anhand der kirchlichen Projekte zum Europäischen Kulturerbejahr (ECHY) 2018, die in besonderer Weise die ländlichen Räume Deutschlands miteinbeziehen, lässt sich dies exemplifizieren. Die aus dem ECHY-Etat der Deutschen Bundesregierung geförderten und in bikonfessioneller Kooperationsträgerschaft durchgeführten Projekte richten sich schwerpunktmäßig an junge Menschen:

  • Erstes Projekt: Hörst du nicht die Glocken? Eine Geläutedatenbank zum Mitmachen

In Deutschland hängen in den Kirch- und Rathaustürmen mehr als 100.000 Glocken. Die meisten werden regelmäßig geläutet, aber die Bedeutung dieser Signalgebung gerät vielerorts in Vergessenheit. Im Rahmen eines ökumenischen Projekts entsteht eine Klangdatenbank aller Glocken und Geläute in Deutschland als Modell für ein „Glocken-Europa“. Die Kampagne dient sowohl dem Kennenlernen und Begreifen des Glockenklang-Erbes als auch seiner dauerhaften Vermittlung und Tradierung. Vorrangig Jugendliche sind zum Mitmachen aufgerufen, um gemeinsam die Klangdatenbank zu füttern. Über ihre mobilen Endgeräte beschaffen sie sich kreativ Informationen und nehmen Bild- und Klangdateien auf. Gleichzeitig lernen die Jugendlichen die Grenzen digitaler Informationsbeschaffung kennen und kommen in Kontakt mit Glockenkundigen, zum Beispiel, wenn sie in einem Archiv nach Informationen suchen, um einen guten Eintrag in die Datenbank zustande zu bringen.

  • Zweites Projekt: Herkunft hat Zukunft. Christliches Brauchtum und europäisches Kulturerbe

Um sich mit dem sie umgebenden christlichen kulturellen Erbe zu befassen, wählen Jugendliche vornehmlich im Umfeld von Schulen eine christentumsgeschichtlich bedeutsame Person, Ort oder Fest aus und stellen deren/dessen Bedeutung als kulturelles Erbe für Jugendliche in Form von Videoformaten und Digitalfotografien dar. Während des Prozesses tauschen sie ihre Ideen und Zwischenergebnisse mit anderen Gruppen aus. Hierfür wurde eine digitale Plattform eingerichtet. Das entstehende Bildmaterial wird in einem Wettbewerb prämiert und vorwiegend über digitale Kanäle veröffentlicht. Während des Prozesses werden die Jugendlichen didaktisch begleitet, sodass sie ihr Tun im christlichen kulturellen Erbe verortet wissen.

  • Drittes Projekt: Bei deinem Namen genannt. Katharina, Maria, Martin, Nikolaus

Ausgehend von den Vornamen Katharina, Maria, Martin und Nikolaus knüpft das Projekt an der persönlichen Identität an, die mit dem je eigenen Namen verbunden ist. Eine (zweisprachig deutsch-englische) Mitmachausstellung in je einer Katharinen-, Marien-, Martins- und Nikolaikirche in jedem Bundesland zeigt die sprachlichen Varianten dieser Namen in vielen Sprachen Europas sowie Kirchen mit diesen Namen in Deutschland und Europa auf. Zugleich werden auch Erläuterungen zur ikonografischen Bedeutung dieser Namen kommuniziert wie zum Beispiel die drei Äpfel des heiligen Nikolaus oder der Schutzmantel der Maria. Begleitend gibt es Ausstellungen für Schulklassen und Tourist*innen, die den Zusammenhang von „Heimat und Person“ und „Kultur und Identität“ sichtbar machen.

In jedem der drei Projekte wird exemplarisch ein spezieller Aspekt „für die Ausformung einer europäischen Identität“ (Deutscher Bundestag 2008:212) realisiert, wobei deutlich wird, dass es nicht das Bruttosozialprodukt oder die industrielle Infrastruktur sind, die dem europäischen Staatengebilde seine ureigene, kollektive Identität verleihen, sondern dass es gerade in unserer von Konsum bestimmten Gesellschaft die transzendenten Werte und Ziele sind, von denen ihre Mitglieder leben, ohne es ausdrücklich zu wissen. Ein föderal strukturiertes Europa wird als Wertegemeinschaft nur dann Bestand haben können, wenn das europaweite Phänomen der Akkumulitis, d.h. dass das Zentrum die Peripherie vernachlässigt, überwunden wird. Indem die Kirchen den Menschen „auf dem Lande“ helfen, eine weltoffene Heimat zwischen Identität und Verständigung zu leben, wirken sie auch am europäischen Einigungswerk mit, das in seinem Kern ein Werk der Verständigung und Versöhnung darstellt. Hierzu noch einmal die bereits zitierte Enquetekommission „Kultur in Deutschland“:

„Die Ausprägung von Identität gewinnt vor allem dort an Bedeutung, wo Abwanderung und Verlust an Infrastruktur die Verwurzelung des Einzelnen in seiner Heimatregion infrage stellen. Kirche erlangt hier eine ganz neue Bedeutung. Gerade in ländlichen Gebieten werden Kirchengemeinden und Dorfkirchen immer mehr zu einem kulturellen Identitätsanker – für Christen wie für Nichtchristen. Neben den zentralen Aufgaben der Verkündigung, der Seelsorge und der Sozialarbeit wächst in besonderem Maße die kirchliche Verantwortung für das kulturelle Leben“ (Deutscher Bundestag 2008:147).

Die Kirchen sind sich dieser Verantwortung bewusst, haben sie immer wahrgenommen und werden sie weiterhin wahrnehmen.

Verwendete Literatur

Derrida, Jacques (1998): De l’hospitalité (Anne Dufourmantelle invite Jacques Derrida à répondre), Paris: Calmann-Lévy.

Deutscher Bundestag (Hrsg.) (2008): Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. (Bundestagsdrucksache 16/7000), Regensburg.

Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD (Hrsg.) (2017): Evangelische Kirche in Deutschland. Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2017. Hannover: EKD.

Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD (Hrsg.) (2007): Wandeln und gestalten. Missionarische Chancen und Aufgaben der evangelischen Kirche in ländlichen Räumen. EKD Texte 87. Hannover: EKD.

Koch, Jakob Johannes (2012a): Zur Wahrnehmung befähigen. Musisch-kulturelle Erwachsenenbildung als Systemtranszendenz. In: Bergold, Ralph/Ziegler, Horst (Hrsg.): Neue Vermessungen. Katholische Erwachsenenbildung heute im Spannungsfeld von Kirche und Gesellschaft (305-335). Dillingen: Krüger.

Koch, Jakob Johannes (2012b): Nicht nur Beiwerk. Das musisch-ästhetische Wirken der katholischen Kirche in Deutschland. In: Herder Korrespondenz Spezial 1 2012, 2-6.

Koch, Jakob Johannes (2010): Die Kirche im Dorf lassen. Katholisches Kultur-Engagement im ländlichen Raum. In: Geißler, Theo/Zimmerman, Olaf (Hrsg.): Kulturlandschaft Deutschland: Die Provinz lebt (92-95). Berlin: Deutscher Kulturrat (zuerst erschienen in: politik und kultur. Zeitung des Deutschen Kulturrates 7 (2008) 4, 14-16).

Koch, Jakob Johannes (2008): Jesus kam vom Lande. Katholisches kulturelles Engagement in agrarischen und peripheren Regionen. In: Stadt und Gemeinde. Zeitschrift des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) 63 (2008) 11, 410-412.

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