Identität und Musik

Artikel-Metadaten

von Renate Müller

Erscheinungsjahr: 2019

Peer Reviewed

Abstract

Identitätskonzepte werden diskutiert, die sich mit Fragen beschäftigen wie: Was ist Identität? Etwas Konstruiertes, Auszubesserndes, ständig neu zu Konstruierendes – oder etwas Angeborenes, etwas ein für alle Mal Fertiges? Wie läuft Identitätskonstruktion ab? Ist das postmoderne Individuum fragmentiert? Wie wird mit beschädigter Identität (Stigma) umgegangen? Wann spricht man von gelungener Identitätsarbeit, und von welchen Ressourcen hängt sie ab? Verschiedene Aspekte der Identitätsbildung mit Musik werden vorgestellt. Identitätspolitiken sozialer Bewegungen benutzen Musik als Ausdrucksmittel kultureller Identität. Musik als Mittel der Identitätsarbeit verknüpft präsentative, nicht­diskursive Ausdrucksmittel wie körpersprachliche und audiovisuelle Symbolsysteme zur Selbstinszenierung. Grundschulkinder können sich gleichzeitig begeistern für und abgrenzen von Musikstars, seien es Tokio Hotel oder Gangsta Rapper. Jugendliche betreiben Identitätsarbeit als musikbezogenes Engagement in Szeneaktivitäten oder in Video-Remakes und Tutorials im Internet. Studierende mit Migrationshintergrund schreiben hybrider Musik je nach Selbstverortungsmuster Bedeutung zu.

Die Identitätsproblematik oder „Was ist eigentlich Identität?“

Gesellschaftliche Umbruchserfahrungen, die zur Auflösung der „Normalbiographie“ und zur Konfrontation mit Diversität führen, werfen für die Individuen die Frage auf, woran sich die eigene Identität festmacht. Aus der Sicht einiger Identitätstheorien ist die Frage des „Festmachens“ falsch gestellt; identitätstheoretisch sei das Individuum aufgrund von Individualisierungsprozessen nicht länger als etwas Einheitliches, Konsistentes, Stabiles aufzufassen sondern lediglich als zufällige Ansammlung von Erfahrungen.

Im Folgenden wird zunächst die Identitätsproblematik skizziert und sodann aus den Perspektiven verschiedener Identitätskonzepte diskutiert. Die vorgestellten Konzepte unterscheiden sich danach, wie hoch sie die Eigenaktivität der Individuen bei der Identitätskonstruktion und bei der Aufrechterhaltung von Identität veranschlagen, und wie sie Stabilität, Konsistenz und Kontinuität von Identität einschätzen. Anschließend werden Formen der Identitätskonstruktion mit Musik behandelt: Identifikation mit Musikstars, Identifikationen mit musikalischen Jugendkulturen, hybride Identitätskonstruktionen mit Musik im Migrationskontext, Selbstdarstellungsprozesse in musikalischen Internetaktivitäten.

Die Socke

Identität beschäftigt mich, seit ich als Teenager meinem Großvater im Handarbeitsunterricht ein Paar Socken strickte. Ich brauchte allein für die 1. Socke ein Jahr. Würde all meine Mühe es verhindern können, dass diese Socke eines Tages ihre Identität verliert – durch das Stopfen meiner Großmutter? Wie lange bleibt eine Socke sie selbst? Nach wie vielen gestopften Löchern ist sie nicht mehr sie selbst bzw. verliert sie ihre Identität? Oder bleibt sie mit sich selbst identisch, auch wenn alles an ihr mit der Zeit nach und nach durch Gestopftes ersetzt worden ist? Womöglich gar mit verschiedenen Garnen und in verschiedenen Farben? Was ist dann an der gestopften Socke das, was mit der ursprünglichen Socke identisch ist? Keine Sekunde jedoch habe ich daran gezweifelt, dass aus meinen Strickkünsten überhaupt eine Socke wie jede andere werden würde und dass es sich dennoch zugleich um eine einzigartige Socke handeln würde.

Was die Socke von den Menschen unterscheidet, ist, dass es die Socke nicht kümmert, ob sie mit sich selbst identisch ist, ob sie einzigartig ist und was ihre Zugehörigkeit zu den Socken dieser Welt ausmacht. Weil das die Menschen jedoch sehr wohl kümmert, beschäftigen sich Identitätstheorien mit den aufgeworfenen Fragen. Identitätsarbeit ist insbesondere unsere Mühe, die Löcher in unserer Identität zu stopfen und das Gestopfte passend zu machen, d.h. Kohärenz herzustellen und so mit uns selbst identisch zu bleiben. Passend – wozu? Zu unserem Wesen? Zu unserem Bild von uns selbst? Zu dem Bild der anderen von uns? Zu dem Bild von uns selbst, das wir mit anderen aushandeln müssen?

Das Bild der Socke spricht die Fragen und Probleme an, mit denen sich Identitätstheorien beschäftigen:

  • Was ist Identität? Etwas Konstruiertes, Auszubesserndes, ständig neu zu Konstruierendes – oder etwas Angeborenes, etwas ein für alle Mal Fertiges?
  • Wie läuft der Prozess der Identitätsentwicklung bzw. der Identitätskonstruktion ab? Ganz von selbst – oder ist das Arbeit? Was wird dabei benutzt – als Identitätsanker?
  • Wie wichtig sind Kontinuität und Konsistenz der Identität für die Einzelnen? Ist das postmoderne Individuum fragmentiert?
  • Unter welchen Bedingungen wird Identität beschädigt, und wie wird mit beschädigter Identität (Stigma) umgegangen?
  • Wann spricht man von gelungener Identitätsarbeit, und von welchen Ressourcen hängt sie ab?

Identität von A bis Z

Identität von A-Z
Abb. 1: Identität von A bis Z

Dieses Bild einer Kette von A bis Z (Abb. 1) bezieht sich auf verschiedene Auffassungen und verschiedene Aspekte von Identität. Diese werden zunächst skizziert und dann gegeneinander diskutiert.

Das Bild ist als eine Art „identitätstheoriegeschichtlicher“ Abriss zu verstehen, am Anfang steht A für das Alltagsverständnis von Identität bzw. das „alte essentialistische Selbst“, am Ende steht Z für Zygmont Baumans Auflösung von Identität. Die auf dieser Kette aufgereihten Identitätsverständnisse spiegeln die verstärkte Identitätsdebatte in den 1990er Jahren im Anschluss an den Individualisierungsdiskurs. Zwischen A und Z liegen verschiedene Verständnisse reflexiver Identität, d.h. Identität, die von den Individuen selbst bewältigt wird. An zentraler Position liegt “die seit je für die Selbstverortung der Menschen fundamentale Identitätskategorie‚ ‚Geschlecht‘, die von den gesellschaftlichen Umbrüchen und politischen Bewegungen der letzten Jahrzehnte nicht verschont geblieben“ ist (Eickelpasch/Rademacher 2004:95).

Das Alltagsverständnis von Identität

Am Anfang steht ein Verständnis von Identität, gegen das sich die neueren Identitätskonzepte Jahre vehement abgrenzen. Ich nenne es das Alltagsverständnis von Identität. Mike Featherstone nennt es „das alte essenzialistische Selbst“, das verknüpft sei mit dem Glauben, das Leben sei ein bedeutungsvolles Projekt und das Individuum sei etwas Einheitliches, Konsistentes (Featherstone 1995:44f.). Heiner Keupp (2005) spricht von Identitäts- und Biografiebildern aus dem hinter uns liegenden Jahrhundert, die geglückte Identität als etwas „Stabiles, Dauerhaftes und Unverrückbares“ (2) betrachteten und „die bruchlose Integration des Subjekts in das jeweilige soziokulturelle Feld“ (Keupp et al. 1999/2002:16) unterstellten. Nach Rolf Eickelpasch und Claudia Rademacher handelt sich um die „klassische, uns lieb gewordene Vorstellung einer stabilen, in sich ‚stimmigen’, quasi naturhaften Identität“ (Eickelpasch/Rademacher 2004:13).

Identität als Balanceakt

Identitätskonstruktion in der Tradition des symbolischen Interaktionismus von George Herbert Mead (1934) über Erving Goffman (1959, 1961a, 1961b, 1963) zu Lothar Krappmann (1969, 1997) ist kein Prozess, der irgendwann – auch nicht am Ende der Adoleszenz – als abgeschlossen betrachtet werden kann. Vielmehr muss Identität ständig in Interaktionen hergestellt und aufrechterhalten werden. Das ist psychisch und sozial notwendig, damit die Individuen identisch bleiben in vielfältigen Interaktionskontexten. Denn in ihnen müssen sie sich damit aktiv auseinandersetzen, dass die Interpretationen und Erwartungen aller Interagierenden inkongruent, widersprüchlich, inkonsistent, konfliktträchtig und/oder undefiniert sind. Die Aufrechterhaltung von Identität setzt daher zum einen individuelle Besonderheit voraus, die über Symbole signalisiert wird. Damit diese verstanden werden und damit Interaktionen mit anderen überhaupt stattfinden können, sind zum anderen geteilte Bedeutungen, intersubjektive Symbolsysteme vorausgesetzt. Das heißt, die Individuen müssen gleichzeitig so sein wie niemand – einzigartig –, und so wie alle – normal. Da dies unmöglich ist, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als diese Ambivalenz von Identität zu akzeptieren und immer wieder vorzutäuschen, einzigartig und normal zu sein. Die Aufrechterhaltung von Identität wird aufgefasst als ein lebenslanger Balanceakt zwischen diesen beiden Polen. (Vgl. hierzu den als PDF-Datei angehängten Exkurs: Das Identitätskonzept des symbolischen Interaktionismus)

Identitätskonstruktion als Bewältigung psychosozialer Krisen

Identitätsentwicklung nach Erik Erikson (1950) vollzieht sich innerhalb eines vorhersehbaren Entwicklungsphasenablaufs des Menschen vom Säugling bis ins Alter. Dabei sind die festgelegten Entwicklungsstadien durch acht Übergänge im Lebensverlauf und damit verbundene Entwicklungsaufgaben markiert. Je nach Art und Weise der Bewältigung dieser Aufgaben bzw. psychosozialen Krisen durch die Individuen entstehen daraus ihre Grundstärken oder Grundschwächen. Identitätsentwicklung wird der Lebensphase Adoleszenz zugeordnet; sie mündet entweder in einer stabilen Identität oder in der Identitätskonfusion (Erikson 2005/1950:241-264).

Hybride Identitäten

Der Begriff hybride Identitäten wird im Zusammenhang ethnischer, nationaler und kultureller Vermischungen, sei es in Kolonialisierungs-, Migrations- oder Grenzkontexten verwendet (Eickelpasch/Rademacher 2004:104-115). Der Begriff der Hybridität enthält negative – rassistische – Konnotationen wie „Bastardisierung“ und positive Zuschreibungen wie „Multikulti“, gekennzeichnet durch Kreativität und Subversivität, die sich aus der Mischung dominanter und marginaler kultureller Symbolsysteme ergeben. Bezogen auf den Migrationskontext ergibt eine einfache – eindimensionale – Sicht auf die Selbstverortung von Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund zunächst die Vorstellung, hybride Identitäten seien hin- und hergerissen zwischen Herkunfts- und Aufnahmekultur und müssten sich unvollkommen einrichten zwischen „zwei Halbwegsheimaten“ (Iyer 1996:12, zit. nach Eickelpasch/Rademacher 2004:105). Diese defizitäre Sicht auf hybride Identitätskonstruktionen des nirgendwo Zugehörens lässt die Chancen und Ressourcen außer Acht, die das Zuhause-Sein in zwei oder mehr Kulturen – ggf. auf einem dritten Stuhl – nach Naika Foroutan und Isabel Schäfer beinhalten kann: Hybride Identitäten sind demnach “inter-, trans- und multikulturell; ihre Träger sind zweiheimisch, bi- oder trinational; sie sitzen entweder zwischen den Stühlen oder auf einem Dritten Stuhl; sie sind Menschen mit Migrationshintergrund oder aber ‚andere Deutsche‘.“ (Foroutan/Schäfer 2009:12)

Das Konzept der so genannten „third culture“ (Featherstone 1995) meint die Schaffung einer weder nationen- noch ethniebezogenen Kultur, die als vornehmlicher kultureller und sozialer Anker der Identitätskonstruktion dient, beispielsweise eine medienvermittelte globale Populärkultur. Damit wird die oben skizzierte eindimensionale Sicht auf migrationsbezogene Identität erweitert, die sich vermeintlich ausschließlich zwischen Herkunfts- und Aufnahmekultur verorten muss. Darüber hinaus spricht Stewart Hall (1994:429-434) von hybriden Kulturen, die aus der Verbindung von Globalem und Lokalem entstehen. Indem z.B. lokale Orientierungen mit globalisierten Trends, Mode- und Musikstilen verknüpft und zu einem eigenen Stil verdichtet werden, entstehen neue ästhetische Formen des Selbstausdrucks. Beispiele sind nach Jannis Androutsopoulos lokale Ausprägungen der globalen HipHop-Kultur. Darüber hinaus sind Hybridformen vorhanden, in denen globale und lokale Orientierungen mit Verortungen in der Aufnahme- und in der Herkunftskultur verschränkt sind, beispielsweise indem die lokale Orientierung diejenige an einem Migranten-Stadtviertel ist (Androutsopoulos 2003).

Ver-rückte Geschlechtszugehörigkeiten

„Wie konnten in der modernen Gesellschaft derartig irrelevante biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern eine anscheinend ganz enorme soziale Bedeutung gewinnen?" (Goffman 1994/1977:139). Das ist die Ausgangsfrage in Goffmans Überlegungen zur Konstruktion von Geschlecht in Interaktionen. Um die vergleichsweise geringen biologischen Unterschiede als Ursachen derjenigen sozialen Konsequenzen ansehen zu können, die vermeintlich selbstverständlich aus ihnen folgen, bedarf es sozialer Glaubensvorstellungen, die in institutionellen Praktiken erzeugt werden. Diese institutionellen Praktiken wirken so auf soziale Situationen, „... dass diese sich in Kulissen zur Darstellung von Genderismen beider Geschlechter (sexes) verwandeln. Viele dieser Aufführungen nehmen dabei eine rituelle Form an, welche die Glaubensvorstellungen über die unterschiedlichen 'Naturen' der beiden Geschlechter bekräftigt ..." (ebd.:150). Diesen Mechanismus nennt Goffman „institutionelle Reflexivität" und meint damit, dass diese Aufführungen weniger zum Ausdruck natürlicher Unterschiede dienen als vielmehr zur Erzeugung der Unterschiede.

Dieselbe Funktion hat das sogenannte Doing Gender: Geschlechtsidentitäten und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden ständig in sozialen Interaktionen produziert und reproduziert. Bei ihrer Identitätskonstruktion verwenden die Akteure das „kulturelle Material", das ihnen in Form von Zuschreibungen, Erwartungen und in Form von Verhaltensmodellen u.a. in Familie, Kita, Schule und anderen Bildungsinstitutionen, Gleichaltrigengruppe, Musik und Medien entgegengebracht wird. Dieses kulturelle Material ist von Geschlechterstereotypen durchsetzt. Geschlechterstereotype sind nach Thomas Eckes (2008) kognitive Strukturen (Denkweisen), die sozial geteiltes Wissen über die „natürlichen“ Merkmale von Frauen und Männern enthalten, wobei männliche Merkmale höher bewertet werden als weibliche. Sie beinhalten gleichermaßen deskriptive und präskriptive Anteile und wirken als Verhaltensvorschriften, die die Geschlechterhierarchie reproduzieren. Die Individuen bemühen sich – u.a. aufgrund des Homosexualitätsverbots –, möglichst anders sein zu wollen als das andere Geschlecht bzw. als ihre stereotypen Vorstellungen vom anderen Geschlecht. Damit schließen sie für sich selbst bestimmte Erfahrungs-, Teilnahme- und Karrierechancen und somit eine ganze Reihe möglicher Identitätsentwürfe aus.

Die Ver-Rückung der scheinbar unverrückbaren Identitätskategorie Geschlecht und die Eröffnung vielfältiger geschlechtsbezogener Identitätsentwürfe hat nach Eickelpasch und Rademacher (2004:94-104) verschiedene Wurzeln:

  • die Veränderung der Geschlechterrollen, insbesondere der Frauenrolle im Zuge der Individualisierungsprozesse der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts,
  • die auf die Schwulen- und Lesbenbewegung, die Frauenbewegung und insbesondere auf den sogenannten theoretischen Postfeminismus zurückgehende Ablehnung der –für naturgegeben gehaltenen – Zweigeschlechtlichkeit und der damit einhergehenden „Zwangsheterosexualität“ bzw. der Diskriminierung und Kriminalisierung homosexueller Orientierung.

Hinzu kommt das zivilgesellschaftliche Engagement zunehmend weltweit vernetzter Trans*- und Inter*-Bewegungen gegen Pathologisierung und Diskriminierung von Geschlechtsidentitäten, die sich nicht als entweder weiblich oder männlich identifizieren (Bundeszentrale für Politische Bildung 2018).

Patchwork-Identität

Die „Kernbestände unserer Identitätskonstruktionen – nationale und ethnische Identität, Geschlechts- und Körperidentität – [haben] ihre quasi ‚natürliche’ Quelle als Identitätsgaranten verloren“ (Keupp et al. 1999/2002:87); desgleichen sind auch Beruf und Erwerbsarbeit als Basis der Identitätsbildung brüchig geworden. Daher ist Identität als ein Prozess zu verstehen, der weder auf Jugend beschränkt noch an Entwicklungsaufgaben gebunden ist wie bei Erikson. Keupp et al. sprechen stattdessen von Handlungsaufgaben: „Sich entwerfen und leben fallen in eins […] Vieles gleicht eher dem Umbau des Schiffes auf hoher See.“ (83). Das ist kein Abschied von der Vorstellung einer kohärenten Identität, vielmehr fällt nun den Individuen selbst die Aufgabe zu, Erfahrungsfragmente und Teilidentitäten in einen für sie sinnhaften Zusammenhang zu bringen. Kohärenz ist keine Prämisse der Selbsterfahrung mehr, sondern eine Konstruktionsaufgabe. Diese individuelle Verknüpfungsarbeit nennen Keupp et al. „Identitätsarbeit“; ihre Typik drückt sich in der Metapher der Patchwork-Identität aus. Nadel und Faden ist die Narration: Selbsterzählungen, die interaktiv hergestellt werden und der Anerkennung der Interaktionspartner bedürfen (12, 68, 207 f.).

Identität als Sinnbastelei

Das Identitätskonzept der Bastelexistenz, der Sinnbastelei, von Ronald Hitzler und Anne Honer geht davon aus, dass die Menschen durch Individualisierung zwar die Entscheidungs-und Gestaltungsfreiheit von Beruf, Arbeit, von Mitgliedschaften in Parteien, Vereinen, Religionen, von Partnerschaften und von Familienkonstellationen, von Biographien und Identitäten gewinnen. Zugleich aber bedeutet dies Entscheidungs- und Gestaltungszwang sowie den Verlust des „schützenden, das Dasein überwölbenden, kollektiv und individuell verbindlichen Sinn-Daches“ (Hitzler/Honer 1994:307). Deswegen muss aus heterogenen Sinnorientierungen – mit beschränkter Geltung für spezifische Sinnprovinzen – eine (ästhetische) Gesamtfigur arrangiert werden. „Bastelexistenz“ meint eine reflexive Form des individualisierten Lebensvollzugs, die sich jeweils bis auf weiteres Sinn-Heimaten sucht. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit gehen Menschen neue Formen der sozialen Einbindung und der Identitätsformation ein. Dabei spielen ästhetische Entscheidungen eine Rolle, etwa für Spezialkulturen, Subkulturen, Milieus und Szenen.

Quasiselbste

Nach Featherstone induzieren Globalisierung und Postmoderne die Dezentralisierung des Subjektes, dessen Gefühl für Identität durch das mediale Bombardement mit fragmentierten Zeichen und Images zerbricht. Daher ist „the old essentialist self“ ad acta zu legen und das Individuum als ein Bündel konfligierender „Quasiselbste“, als lediglich zufällige Ansammlung von Erfahrungen aufzufassen (Featherstone 1995:44f.).

Das Vermeiden von Identität nach Zygmont Bauman

Nach Bauman ist es das ‚Identitätsproblem’ der Postmoderne, dass Identität im Verschwinden begriffen ist. „Der Besitz einer soliden und gefestigten Identität wird zur Belastung. Dreh- und Angelpunkt postmoderner Lebensführung ist nicht der Aufbau einer eigenen Identität, sondern das Vermeiden des Festgelegt-Werdens“ (Bauman 1995:11). Identität ist das Bemühen, den Unsicherheiten zu entkommen, wohin man gehört, wo innerhalb der Vielfalt an Verhaltensmustern man sich einordnen soll und ob die Einordnungen von Interaktionspartnern akzeptiert werden. Die Entinstitutionalisierung gesellschaftlicher Prozesse führt zur Steigerung dieser Unsicherheiten aufgrund der multiplen Optionen, die jeweils nur „bis auf weiteres“ ergriffen werden. Indem Identität wählbar und beliebig geworden ist, ist es gleichzeitig unmöglich geworden, sie festzuhalten (Bauman 1998:295ff.).

Diskussion der Positionen: Identität zwischen Stabilität, Hybridisierung und Fragmentierung

Essentialistische Identitätsvorstellungen und Vorstellungen einer stabilen Identität, deren Entwicklung zu einem bestimmten biografischen Zeitpunkt abgeschlossen ist und die einer eindeutigen und bruchlosen sozialen und kulturellen Verortung des Individuums entspricht, sind allenfalls – wenn überhaupt – Bestandteil des Alltagswissens über Identität, nicht jedoch eines modernen sozialwissenschaftlichen Inventars. Insofern handelt es sich eher um ein nützliches Gegenmodell, das zur Schärfung des jeweils eigenen Identitätsverständnisses konstruiert wird, aber nicht um das vorgängige Identitätskonzept des 20. Jahrhunderts. Schon die Phasentheorie Eriksons ist wesentlich differenzierter, wird jedoch aufgrund der Vielfalt individualisierter Lebensläufe und der nicht gegebenen Voraussetzung kontinuierlicher Gesellschaftsentwicklung nicht mehr für angemessen gehalten (Heinz 2007:169; Krappmann 1997:88 f.; siehe: Heiner Keupp „Subjektgenese, Enkulturation und Identität“).

Der postmodernen Sicht von Baumann und Featherstone auf Identität als Dezentralisierung und Fragmentierung des Subjektes, das jegliches Gefühl für Konsistenz verloren hat, widerspricht eine Reihe empirischer Befunde. Bastelexistenzen, hybride und Patchwork-Identitäten hören keineswegs auf, nach Sinn und Kohärenz zu streben; das ist theoretisch in den drei betreffenden Konzepten durchaus mitgedacht. In der Langzeitstudie von Keupp et al. (1999/2002) – mit drei Untersuchungswellen anhand leitfadengestützter Interviews an 152 jungen Erwachsenen innerhalb eines 10-jähriger Untersuchungszeitraums – wird das Streben der Befragten nach Kohärenz als das überraschendste Ergebnis (auch paralleler quantitativer Studien) genannt. Fehlende Kohärenzerfahrungen führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen (59). Individuen unterscheiden sich jedoch im Ausmaß der von ihnen angestrebten Kontinuität, und Kohärenz ist keinesfalls gleichzusetzen mit widerspruchsfreier Einheitlichkeit (295).

Gegen die postmoderne Sicht vom Tod des Subjekts und gegen die Behauptung, die gesellschaftlichen Verhältnisse erlaubten Identität nicht mehr, argumentiert auch Krappmann empirisch: Die Heranwachsenden ko-konstruieren eigene kreative, nicht selten den Älteren unwillkommene Antworten auf das, was ihnen beim Aufwachsen widerfährt. Jedoch dürfen nicht die Möglichkeiten überschätzt werden, diese Erfahrungen „in einer relativen Ganzheit […] unterzubringen“ (Krappmann 1997:88). Ein Aspekt postmoderner Identität besteht darin, „als zugehörig auch das auszuhalten, was seiner Art nach eigentlich nicht zu vereinigen ist“ (88). Dem entsprechen die Befunde von Ulrike Pörnbachers Studie darüber, wie Jugendliche selbst die Chancen und Risiken ihrer Identitätsarbeit sehen: „[…] so werden Versuche unternommen, ‚nicht zueinander passende Teile’ in Übereinstimmung zu bringen. […] Was im Kohärenzstreben der Jugendlichen erkennbar wird, hat […] sehr viel mehr den Charakter des Ausbalancierens als […] des Zusammenbastelns einer Biographie aus willkürlich ergriffenen […] zufälligen Möglichkeiten“ (Pörnbacher 1999:189 f.).

Insofern scheint eine der Identitätstheorien des vergangenen Jahrhunderts, der Symbolische Interaktionismus, der Identität als Balanceakt versteht, durchaus auch für postmoderne Identitätsproblematiken anschlussfähig zu sein. Die Fähigkeit des Individuums zur balancierten Präsentation seiner Identität ist im Symbolischen Interaktionismus eine strukturelle Voraussetzung dafür, dass Interaktion überhaupt stattfinden kann, sie ist gleichermaßen gesellschaftlich bedingt und gesellschaftlich notwendig. Damit aber sind zugleich auch strukturelle Grenzen der Beliebigkeit postmoderner Identitäten gesetzt: Individuelle Besonderheit muss gegeben bzw. angestrebt sein, und intersubjektiv geteilte Symbolsysteme zum Aushandeln von Fremd- und Selbstbildern müssen beherrscht werden. Dies ist die symbolisch-interaktionistische Argumentation gegenüber den Identitätskonzepten der Quasiselbste und der verschwundenen Identitäten. Ohne Normalität, Konsens und Anpassung können wir uns nicht verständigen, ohne Einzigartigkeit, Unverwechselbarkeit, Authentizität, Abweichung vom Konsens brauchen wir uns nicht zu verständigen, weil wir uns schon verstehen, weil wir alle gleich sind. Ohne Identität bekommen wir weder Anerkennung noch Zugehörigkeit, ohne beides kann der Mensch nicht überleben. Hier wird nach Keupp der „Doppelcharakter von Identität sichtbar: Sie soll einerseits das unverwechselbar Individuelle, aber auch das sozial Akzeptable darstellbar machen. Insofern stellt sie immer eine Kompromissbildung zwischen ‚Eigensinn‘ und Anpassung dar.“ (siehe: Heiner Keupp „Subjektgenese, Enkulturation und Identität“). Ohne beides – bei Mead „I“ und „me“ – sind auch nach Mead (1934) weder der Fortbestand der Gesellschaft noch der dafür erforderliche gesellschaftliche Wandel möglich. Identität wird daher „als permanente Anpassungsarbeit zwischen inneren und äußeren Welten“ thematisiert (siehe: Heiner Keupp „Subjektgenese, Enkulturation und Identität“).

Entsprechend besteht beim Basteln des Identitätspatchworks die Verknüpfungsarbeit darin, die Stimmigkeit der Versatzstücke für die Person selbst herzustellen (Kohärenz) sowie die Anerkennung der anderen dafür zu gewinnen (Authentizität); aus Kohärenz und Authentizität erwächst die Handlungsfähigkeit der Subjekte – was nicht heißt, dass dies immer gelingt (Keupp et al. 1999/2002:268 f.).

Identitätspolitik

Denn gelingende Identitätsarbeit ist an Kompetenzen und Ressourcen gebunden wie „Fähigkeiten zur Selbstorganisation“ und „die innere Selbstschöpfung von Lebenssinn“ im Gegensatz zur „Übernahme vorgefertigter Identitätspakete“, „kognitive Widerstandsquellen […], also Intelligenz, Wissen und Bildung“, soziale Unterstützung durch Familie und Freundeskreis und die dafür notwendige Beziehungsarbeit sowie die für Teilhabe notwendigen materiellen Ressourcen und nicht zuletzt zivilgesellschaftliche Kompetenzen (siehe: Heiner Keupp “Sozialpsychologische Dimensionen der Teilhabe“). Denn Identitätsarbeit findet in einem machtbestimmten Raum statt, in dem mögliche Identitätsentwürfe durch gesellschaftlich vermittelte Ideologien und Strukturvorgaben behindert, favorisiert, nahegelegt oder gar aufgezwungen werden (Keupp 1997:34 f). Ideologische Stigma-Theorien definieren Anderssein als inferior und beschädigen Identitäten, d.h. stigmatisieren und diskriminieren (Goffman 1963:5 f.), sei es bezogen auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnie, Religion/ Weltanschauung, Alter, Behinderung. Identitätskonstruktion und -aufrechterhaltung von Stigmatisierten ist umso schwieriger, je weniger Diversität gesellschaftlich zugelassen ist, je eher die Klassifikationspraxis asymmetrisch ist, d.h. je mehr Macht und Diskriminierung hinter der Zuschreibung des Andersseins steht (Eickelpasch/Rademacher 2004:77 f).

Identitätspolitiken sozialer Bewegungen wie z. B. der Frauenbewegung, der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der Schwulen- und Lesbenbewegung, der Trans*- und Inter*-Bewegungen entstehen aus dem Wunsch marginalisierter Gruppen nach Inklusion, nach Aufhebung ihrer Machtlosigkeit und nach Legitimität ihrer Lebensweisen und ihrer kulturellen Produkte (Seidmann 1990:230). Erfolge dieser Identitätspolitiken sind u.a. die gesellschaftliche Repräsentation und Sichtbarkeit ihrer Identitätsentwürfe, ihrer spezifischen Images und Symbole bis hin zu gesellschaftlichen Veränderungen wie der Reform des Personenstandsgesetzes (Bundesgesetzblatt 2018:2635f.), die u.a. von der „Kampagne für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag“ als Gang durch die Instanzen vom Standesamt über Amtsgericht, Landgericht und Bundesgerichtshof bis hin zum Bundesverfassungsgericht betrieben wird (Dritte Option 2019).

Auch dass HipHop bzw. Rap es als afroamerikanische Alltagskultur zu Medienpräsenz und Popularität gebracht hat, ist ein Moment von Empowerment:

  • Es gibt den 115 benachteiligten schwarzen Jugendlichen der Studie von Venise T. Berry (1990) Selbstwertgefühl und unterstützt sie dabei, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
  • In seiner Untersuchung der Massenunruhen in Los Angeles 1992 arbeitet Fiske heraus, dass die Rap-Künstler während der Unruhen in den Massenmedien die schwarze Stimme repräsentierten. Sie waren es, denen das weiße Amerika gestattete, ihre Stimme zu erheben – nicht nur auf MTV, – und denen es zuhörte, als es nach Erklärungen für die Massenaufstände suchte (Fiske 1994).

Um Empowerment und den Erwerb von Ressourcen in Eigenregie voran zu treiben, funktioniert Musik als Ausdrucksmittel kultureller Identität – wie auch sexueller Identität: Die bärtige Sängerin Conchita Wurst, ein „Zwitterwesen“ (Wurst 2015:10), eine Persönlichkeitsvariante des Künstlers Thomas Neuwirth, schuf mit ihrem Sieg beim 59. European Song Contest 2014 in Kopenhagen eine weltweite Bühne für Toleranz und gegen Diskriminierung der LGBTI-Bewegung (Wolther/Lackner 2016; Wurst 2015).

Musik als Mittel der Identitätsarbeit

Während Keupp et al. Identitätsarbeit fokussieren, die auf diskursiven, sprachlich vermittelten Verknüpfungs- und Aushandlungsprozessen basiert (1999/2002:12, 68f.), werden nach Krappmann im Aushandlungsprozess neben Worten Zeichen und Bilder herangezogen (Krappmann 1997:89f.). Goffman (1994/1977; 1959) sieht Identitätskonstruktion als Theaterspiel. Untersuchungen von Identitätsbildungsprozessen in musikbezogenen Jugendkulturen wie HipHop und Techno nehmen insbesondere präsentative, nichtdiskursive Ausdrucksmittel „performativer Identitäten“ in den Blick (Androutsopoulos 2003; Eckert et al. 2000; Klein/Friedrich 2003; Menrath 2001; Stauber 2004). Hier kommen Musik, Tanz und andere körpersprachliche Ausdrucksformen und damit verbundene audiovisuelle und musikkulturelle Symbolsysteme ins Spiel als Mittel der Selbstinszenierung. Ästhetik und Stil verschaffen Anerkennung und Zugehörigkeit, wenn man sich die betreffenden Symbolwelten, das kulturelle Kapital aneignet, das zur Selbstinszenierung dort notwendig ist, wo soziale Anerkennung und Mitgliedschaft (soziale Inklusion) gesucht werden. Zugleich handelt es sich dabei um den Ausdruck von Einzigartigkeit, Ressourcenschöpfung, um ästhetische Produktion, Mitgestaltung von Kulturen.

Auf die besondere Rolle von Musik bei der Konstruktion von Geschlechtsidentitäten sei hier nur kurz hingewiesen. Sie ist Gegenstand musik- und mediensoziologischer und -psychologischer Forschung (Wagner 2004; Dibben 2002), beispielsweise

  • zur Geschlechtstypik des Musikgeschmacks, der Musikinstrumentenwahl und der Teilhabe an musikbezogenen Jugendkulturen,
  • zur Unterrepräsentation von Mädchen und Frauen im Musikleben – sei es als Komponistinnen, Dirigentinnen, Musikerinnen in Philharmonischen Orchestern, sei es als Rockmusikerinnen,
  • zur Rolle von Musik bei der Reproduktion oder Dekonstruktion von Geschlechterstereotypen.

Im Folgenden werden einige Aspekte bei der Identitätsbildung mit Musik beleuchtet, die deutlich machen, dass Identitätskonstruktionen mit Musik komplexer sind als die Identifikation mit Musikstars, als die Anpassung an den Musikgeschmack Gleichaltriger, als die Zugehörigkeitsdefinition zu einer Jugendkultur oder einer „Herkunftskultur“.

Identifikation mit Musikstars?

In einer Pilotstudie (Müller 2006) zum sozialästhetischen Umgehen von Kindern mit Popstars, in diesem Fall mit der Band Tokio Hotel, befragten wir 40 Dritt- und Viertklässler mit einem audiovisuellem Fragebogen. Dabei gingen wir u.a. den folgenden Fragen nach: Wie findet die Zielgruppe, „Vor-Teenies“ bzw. „Gerademal-Teenies“ der Band Tokio Hotel, deren Mitglieder Bill, Tom, Georg und Gustav selbst noch Teenies sind, die Gender-Ästhetisierung und Selbststilisierung der Zwillinge Bill und Tom? Aufregend, authentisch (echt), außergewöhnlich, schön, mutig, cool? Identifizieren sich Kinder mit Bill und Tom, d.h. wollen sie sein wie sie und würden sie gern „mit ihnen gehen“?

Den Kindern wurde in der Befragungssituation jeweils auf einem PC mit Kopfhörern ein Ausschnitt des Videos „Durch den Monsun“ der Gruppe Tokio Hotel gezeigt, so dass jedes Kind den Fragebogen für sich allein am PC ausfüllen konnte. Mit Screenshot-Fotos aus dem Video wurden einzeln Fragen zu den Personen Bill und Tom und zum Video präsentiert, als semantische Differenziale mit fünfstufigen Skalen: Das Video ist… / Diese Person ist …

  • langweilig (1) – aufregend (5)
  • künstlich (1) – echt (5)
  • normal (1) – außergewöhnlich (5)
  • hässlich (1) – schön (5)
  • mir unbekannt(1) – mir bekannt (5).

Mit demselben Design wurden für die Personen Bill und Tom u.a. die drei „Identifikations-Items“ erhoben:

  • Diese Person ist mutig. stimmt nicht (1) – stimmt (5)
  • Mit dieser Person würde ich gern gehen. stimmt nicht (1) – stimmt (5)
  • So wäre ich auch gern. stimmt nicht (1) – stimmt (5)

Und für die Band Tokio Hotel u.a. die Frage:

  • Die Bandmitglieder sehen cool aus. stimmt nicht (1) – stimmt (5)

Die Mittelwerte dieser fünfstufig erhobenen sozialästhetischen Urteile ergeben im Vergleich zwischen dem Video und den beiden Personen Bill und Tom Folgendes (vgl. Diagramm 1): Das Video wird aufregender und schöner gefunden als die Personen Bill und Tom. Jedoch werden die Personen als authentischer (echter) betrachtet, Bill gilt zugleich als außergewöhnlicher als Tom und als das Video. Möglicherweise liegt in der Authentizität und im Außergewöhnlichen das Identifikationspotenzial der Person Bill? Die „Echtheit“ von Bill ist der höchste erreichte Wert (4,36). Zum Vergleich: Bills Mut liegt bei 3,86; das coole Äußere der Band bei 3,73.

Diagramm 1
Diagramm 1: Urteile der Klassen 3 und 4 über Bill und Tom und das Video "Durch den Monsun"

Es ist jedoch das bemerkenswerteste Ergebnis dieser kleinen Studie, dass von allen untersuchten Items die „Identifikations-Items“ die geringste Zustimmung erhalten: „So wäre ich auch gern“ „Mit dieser Person würde ich gern gehen“ liegen für Bill bei 1,59 und fallen für Tom noch niedriger aus. Mit anderen Worten: Eine Person aufregend, mutig, cool, insbesondere aber „echt“ und außergewöhnlich zu finden, ist eine Sache, sich mit ihr zu identifizieren und sie in das eigene Leben zu integrieren, eine andere.

In ihrer Untersuchung der Vorliebe von Viertklässlern für Gangsta-Rap fand auch Kerstin Wilke, dass die Begeisterung für diese „coole“ und „geile“ Musik, für ihre Interpreten und für die von ihnen verwendeten „bösen Wörter“ sich zwar darin niederschlagen kann, mit dem Handy durch die Stadt zu laufen, aus dem Gangsta-Rap tönt, um es zu genießen, „cool“ zu wirken. Aber diese Begeisterung geht nicht damit einher, so sein zu wollen wie die Interpreten und die verbalen Attacken, Verunglimpfungen und Beleidigungen gutzuheißen, die Gangsta-Rap kennzeichnen (Wilke 2009).

Identitätskonstruktion durch jugendkulturelles Engagement

In der Postsubkultur-Diskussion wird davon ausgegangen, dass Authentizität nicht mehr ausgedrückt werden kann, wenn Unkonventionalität/ Nichtnormalität zur Normalität erklärt wird, wenn die Vielfalt der Symbole und Images, die zur Selbstpräsentation zur Verfügung stehen, inflationär wird (z. B. Polhemus 1997). Einzigartigkeit und Zugehörigkeit in Jugendkulturen werden demnach nicht mehr über stilistische bzw. symbolische Mittel ausgedrückt, sondern über reales Handeln, Identitätsarbeit wird zur Arbeit für die Jugendkultur, zum jugendkulturellen Engagement.

Das soll am Beispiel der Jugendkultur Hardcore gezeigt werden, wo diese Arbeit für die Jugendkultur als „Do-It-Yourself“ (DIY) bezeichnet und als Zentrum dieser Jugendkultur angesehen wird. Um u. a. die dem DIY-Gedanken entsprechenden jugendkulturellen Aktivitäten zu untersuchen, führte Marc Calmbach (2007) zwischen Juli und Oktober 2004 in Belgien, Deutschland, Luxemburg, Spanien und Tschechien schriftliche Befragungen auf Clubkonzerten und Festivals der Jugendkultur Hardcore durch. 78% der 410 befragten Hardcore-Mitglieder geben an, sich in der Hardcore-Szene aktiv zu engagieren, d.h. mindestens eine Szene-Aktivität auszuüben (vgl. Tabelle 1) (Calmbach 2007:197).

Müller Tabelle 1
Tabelle 1: Aktivitäten in der und für die Hardcore-Szene

Die mit diesem Engagement einhergehenden Spezialisierungen sind weder nur als Beitrag innerhalb der Hardcore-Kultur noch als ausschließlich szenerelevante Kompetenzen zu betrachten. Vielmehr sind sie für die Szenegänger auch unabhängig von ihrer Szene-Zugehörigkeit bedeutsam: Je stärker sie den DIY-Gedanken im Mittelpunkt ihrer Hardcore-Mitgliedschaft sehen und je mehr sie das Gefühl haben, sich in der Hardcore-Kultur selbst verwirklichen zu können, desto eher hängt auch ihre Berufs-, Studiums- und Ausbildungswahl mit der eigenen „Hardcore-Identität“ zusammen (Calmbach 2007:213-216).

Der Frage kultureller Produktion bzw. der Ressourcenschöpfung durch Jugendkulturen geht auch Angela McRobbie (1993) nach. Sie argumentiert, dass das Leben innerhalb der Rave-Kultur einen „way of life“ konstituiert und zugleich Möglichkeiten bietet, sich Fähigkeiten anzueignen, diese mit anderen zu teilen und zu praktizieren. Junge Frauen finden demnach innerhalb dieser Ästhetisierung des Alltagslebens einen Lebensunterhalt und eine Berufsorientierung, sei es im Grafik- und Modedesign, in der Musikproduktion sei es in anderen Bereichen audiovisueller Imageproduktion, z.B. bei Fanmagazinen. Entgegen ihrer früheren Auffassung (McRobbie/ Garber 1976) über die passive Rolle, die „unsichtbare“ Mädchen in Jugendkulturen spielen, betont McRobbie die weibliche Kreativität und Aktivität innerhalb der Rave-Kultur.

Identität und Musik im Migrationskontext

Maria Wurm (2006) vertritt die These, das Bewahren musikalischer Aspekte ihrer Herkunftskultur durch Migranten sei ihrer soziokulturellen Verortung im Migrationskontext, in ihrer ethnic community, ebenso zuträglich wie ihrer Integration in die Aufnahmegesellschaft. In ihrer qualitativen kulturanthropologischen Studie fand Wurm in Interviews mit achtzehn türkischen Studierenden, dass diese mit ihrer Vorliebe für türkische Popmusik ihre emotionale Anbindung an die Türkei ausdrücken, die ihnen in Deutschland verwehrt sei. Zugleich benutzen die Befragten das Umgehen mit türkischer Popmusik als Distinktionsmittel zur Verdeutlichung ihrer Lebenssituation, des Lebens im Migrationskontext.

Musik wird zum Selbstausdruck hybrider Identitäten und ihres Lebens in „Grenzgebieten“, benutzt (Eickelpasch/Rademacher (2004:107 f.). Wir sprechen von hybrider Musik und meinen damit, dass Musik stilistisch verschiedene Kulturen verknüpft und/oder das Leben zwischen den Stühlen oder auf einem dritten Stuhl nicht nur musikalisch sondern auch inhaltlich thematisiert. Hybride Musik ist so vielfältig wie hybride Identitäten.

Wird Integration im gesellschaftlichen Diskurs ausschließlich als Anpassung an die Aufnahmekultur bei weitgehender Aufgabe der Herkunftskultur gedacht und entsprechend erwartet, gilt Migrationshintergrund eher als Defizit, als Quelle von Belastungen wie Probleme mit beiden Sprachen, sich hin- und hergerissen fühlen und nirgends zu Hause sein, sowie als Ursache für Benachteiligungen: gute Bildung, Ausbildung und Arbeitsplätze sind nicht erreichbar. Geht man davon aus, dass sowohl eine hybride soziokulturelle Orientierung als auch die Orientierung an der Herkunftskultur Integrationspotenziale beinhalten, öffnet man den Blick für Ressourcen und Chancen des Lebens als Migrant*in. Aus dieser Sicht wird Hybridität positiv damit assoziiert, in mehreren Sprachen und Kulturen zu Hause zu sein, toleranter gegenüber anderen Kulturen und selbstbewusster zu sein als Nicht-Migrierte.

In einem explorativen Projekt mit audiovisuellen Fragebögen zur Rolle hybrider und herkunftsbezogener Musik bei der Integration, Migration – Identität – Musik (Müller/Rhein/Borst/Rémon 2013), befragten wir in der 1. Studie (2009) 283 Studierende der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, davon 62 mit Migrationshintergrund (MiMs) und 221 ohne Migrationshintergrund (MoMs), in der 2. Studie (2010) 136 Studierende, davon 45 MiMs und 91 MoMs. Alle Befragten MiMs gelten insoweit als strukturell und kulturell integriert, als sie den Bildungserfolg Hochschulreife erlangt und die dafür nötige Beherrschung der deutschen Sprache erworben haben.

In der 1. Studie befragten wir die MiMs u.a. zu ihrer Selbstverortung, zu ihrem migrationsbezogenen Selbstbild als eher belastungs- oder eher ressourcenzentriert und zu ihrer Einstellung gegenüber Musik. 20 (33%) von ihnen definieren ihre Identität als in ihrer Herkunftskultur verankert, 23 (37%) verorten ihre Identität in Deutschland und 18 (30%) positionieren sich zwischen den Kulturen, als hybride Identitäten. Herkunftsorientierte und hybride Selbstverortungen stehen somit struktureller und kultureller Integration nicht entgegen. Sie gehen einher mit der Zuneigung zu Musik aus dem Herkunftsland (vgl. Diagramm 2) und insbesondere bei denjenigen, die sich hybrid verorten, mit der (allerdings schwachen) Zuneigung zu Musik, die ausdrückt, was Migrationshintergrund bedeutet. Für sie sind die migrationsbezogenen Alltagserfahrungen, die in dieser Musik thematisiert werden, eher ein Bezugspunkt ihrer Identitätsarbeit mit Musik als für die anderen MiMs. Alle drei Gruppen stimmen der Aussage zu: „Musik ist für mich wichtig.“

Diagramm 2: Identitätskonstruktion und Bedeutung herkunftskultureller und hybrider Musik
Diagramm 2: Identitätskonstruktion und Bedeutung herkunftskultureller und hybrider Musik

Diejenigen, die ihre Identität in Deutschland verorten, hören signifikant weniger gern als die anderen beiden Gruppen Musik aus ihrem Herkunftsland und am wenigsten gern Musik, die ausdrückt, was Migrationshintergrund bedeutet. Vielmehr betrachten sie sich von den drei Migrant*innengruppen als am wenigsten dadurch belastet und benachteiligt, und zugleich schreiben sie sich selbst in geringerem Ausmaß als die beiden anderen Gruppen Ressourcen und Chancen zu. Für sie ist ihr Migrationshintergrund anscheinend kein bedeutsamer Bezugspunkt ihrer Identität.

Demgegenüber schreiben sich diejenigen mit herkunftsorientierten Identitätsdefinitionen eher Belastungen und Benachteiligungen zu als diejenigen mit hybriden Identitätsdefinitionen, sehen aber zugleich für sich mehr Ressourcen und Chancen als diese. Insgesamt betrachten sich jedoch alle MiMs als weniger belastet und mit mehr Ressourcen ausgestattet als ihnen von den 221 MoMs – als Fremdbild – zugeschrieben wird und als sie selbst – als Fremdbild – anderen MiMs zuschreiben.

In der 2. Studie ging es um ästhetische und soziale Bedeutungen tatsächlich erklingender hybrider populärer Musikstücke im Zusammenhang soziokultureller Selbstverortungen, die differenzierter als in der 1. Studie erhoben wurden. U.a. unterschieden wir die befragten Studierenden mit Migrationshintergrund danach, ob sie sich in Deutschland als Mensch mit Migrationshintergrund fühlen (ja: N=24/ nein: N=21) und ob sie aufgrund von Merkmalen wie Akzent, Aussehen, Kleidung als MiMs erkannt werden (häufig oder hin und wieder: N=23/ selten oder nie: N=22).

Aus den folgenden Musikstücken wurden Ausschnitte vorgespielt, wobei die Texte der Ausschnitte jeweils visualisiert wurden: „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens; „Sag‘ mir wie es wär“ von Brothers Keepers; „Liebe & Verstand“ von Sisters Keepers; „Weil ich’n Türke bin“ von Erci E.; „Deutschland“ von Muhabbet & Friends; „Das alles ist Deutschland“ von Fler, Bushido und den Prinzen; „Mein Freund der Deutsche“ von Cem Karaca.

Die (fünfstufige) Beurteilung der Musikstücke durch alle Befragten ergab u.a. die folgenden Urteildimensionen:

  • Nähe zur Musik, bestehend aus positivem Qualitätsurteil – Der Text ist gut gemacht. Die Musik ist gut gemacht. – und persönlich angezogen Sein von der Musik: Der Text geht mir unter die Haut. Der Musikstil zieht mich an. In diesem Lied finde ich mich wieder.
  • Einschätzung der Musik als Hybrid-Musik: Im Text geht es um Integration. In der Musik hört man das Thema Integration musikalisch. Diese Musik mögen vor allem Leute, die sich mehreren Kulturen zugehörig fühlen.
  • Einschätzung der Musik als Außenseiter-Musik: Das Lied mögen vor allem Leute, die sich ausgegrenzt fühlen. ……Leute, die sich nirgends zu Hause fühlen. …..Leute, die sich nicht integrieren wollen.

Nähe zur Musik bekunden die Befragten insgesamt eher nicht (M=2,71). Bedeutsam erscheint, dass die Befragten diese Musik umso stärker als Ausdrucksmittel von Außenseitern einschätzen, je stärker sie den Musikstücken die Bedeutung zuschreiben, Hybrid-Musik zu sein. Soweit unterscheiden sich die Musikurteile zwischen MiMs und Moms kaum.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied innerhalb der MiMs. Denjenigen, die ihren Migrationshintergrund in der sozialen Interaktion mit anderen als relevant erleben, - sei es, weil sie sich als Migranten fühlen, sei es, weil andere ihren Migrationshintergrund wahrnehmen, - bietet diese Art von Musik offenbar ein höheres Identifikationspotenzial und mehr identitätsbezogene Bedeutung als denjenigen, deren Migrationshintergrund nicht so präsent ist: Ersteren geht der Text eher unter die Haut, sie finden sich in den Liedern eher wieder, und sie fühlen sich vom Musikstil eher angezogen als Letzere.

Folgestudien müssen zeigen, ob sich die hier gefundenen Ergebnisse reproduzieren lassen, inwieweit sie nach Bildungs- und Ausbildungsniveaus differieren und inwieweit etwaige Integrationsvorteile durch hybride und herkunftskulturelle Orientierungen bei der weitergehenden strukturellen Integration nach dem Studium, beim Eintritt in den Arbeitsmarkt, Integrationsvorteile bieten.

Selbstdarstellung in musikalischen Internetaktivitäten

Internet-Plattformen bzw. soziale Netzwerke wie YouTube erweitern und vereinfachen die Chancen,

  • sich als Person mit musikalischen Vorlieben und Abneigungen zu präsentieren,
  • sich mit denjenigen zu vernetzen, die die musikalischen Präferenzen, das Fantum oder die Szenezugehörigkeit teilen,
  • musikalischen Selbstausdruck zu betreiben: als Komponist*in, als Musiker*in, als (Musik-)Videoproduzent*in, als Cover-Sänger*in, als Songwriter*in, als Choreograph*in und Tänzer*in, als Tutor*in (Reißmann 2010).

Anhand ausgewählter musikalischer Internetaktivitäten – insbesondere Video-Remakes und Instrumental-Tutorien – wurden die musikkulturellen, bewegungsbezogenen, sozialen und personalen sowie berufsbezogenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen herausgearbeitet, die dabei angewendet bzw. angeeignet werden (siehe: Renate Müller „Musikalische Internetaktivitäten Jugendlicher aus musiksoziologischer Perspektive“). Die beschriebenen audiovisuellen Beispiele der öffentlichen Bühne YouTube illustrieren u.a. Eigeninitiative, Disziplin, Engagement, Selbstvertrauen, Selbstreflexion, Selbstinszenierung. Alle dargestellten Video-Remakes und Instrumental-Tutorien sind Bearbeitungen desselben populären Musikvideos, „Shake it off“ von Taylor Swift (2014). Es handelt sich dabei nicht um Plagiate, sondern um – teils selbstironische – Auseinandersetzungen mit dem Musikstar, mit der Musik, mit den Tanzstilen des Videos sowie mit der Botschaft „Shake it off“, die dabei zum eigenen Alltag in Beziehung gesetzt wird.

Resümee

Identität ist nicht einheitlich, stabil, dauerhaft, unverrückbar, bruchlos integriert in das soziokulturelle Umfeld und entwickelt sich nicht von selbst. Identität ist auch nicht lediglich eine zufällige Sammlung von Erfahrungen, von Quasiselbsten. Identität ist nicht im Verschwinden begriffen, jedoch wird Identität fragmentiert, ist daher ständig in Arbeit, ist Bastelei und Patchwork, aber bemüht um Kontinuität und Konsistenz. Identität ist und war reflexiv, d.h. von den Individuen in Prozessen der Identitätsarbeit selbst zu bewältigen.

Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung haben sich Identitätskonstruktionsprozesse eher nicht grundsätzlich verändert, vielmehr hat zum einen ihre Intensität und Brisanz und zum anderen die Vielfalt der verwendeten Mittel zugenommen, u.a. aus musikkulturellen Symbolsystemen. Identitätsentwürfe werden auf multikulturellen ästhetischen Medienmarktplätzen angeboten und in Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdbildern angeeignet, d.h. auch: passend gemacht. Daraus folgt, dass Musikstars, Musik und Musikkulturen zur Identitätsbildung benutzt werden, daraus folgt nicht, dass dies als unüberlegte oder vorbehaltlose Identifikation der Individuen erfolgt. Vielmehr handelt es sich hier um individuelle und kollektive Prozesse des Empowerment und der Ressourcenschöpfung.

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Renate Müller (2019): Identität und Musik. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE:
https://www.kubi-online.de/artikel/identitaet-musik
(letzter Zugriff am 18.06.2019)

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