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Freiwilliges Engagement in der Kultur - Sonderauswertung zum Engagement in Kultur und Musik des Freiwilligensurveys 2014. Zentrale Ergebnisse

von Mareike Alscher   Erscheinungsjahr: 2017

1. Freiwilliges Engagement und Gemeinschaftsaktivität

Der Freiwilligensurvey ist eine Repräsentativerhebung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die bisher zu vier Zeitpunkten (1999, 2004, 2009, 2014) als Telefonumfrage unter Personen ab 14 Jahren durchgeführt wurde. Die Daten des Freiwilligensurveys bieten umfassende Analysemöglichkeiten zur Verbreitung, zum Potenzial, der thematischen Ausrichtung, den Inhalten sowie zu den Motiven des freiwilligen Engagements in Deutschland. Die Angaben sind insgesamt nach sozialstrukturellen Merkmalen differenzierbar (z. B. Geschlecht, Alter, Bildungsabschlüsse).

Verständnis des Engagements im Freiwilligensurvey

Der Freiwilligensurvey 2014 (Simson/Vogel/Tesch-Römer 2017) spricht von „freiwilligem Engagement“. Folgt man der Definition des Freiwilligensurveys 2014 ist freiwilliges Engagement ein individuelles Handeln und insbesondere durch vier Merkmale gekennzeichnet: freiwillig, unentgeltlich, öffentlich und gemeinschaftlich mit anderen ausgeübt.

Das bedeutet, wer als freiwillig engagierte Person gezählt wird, geht einer Aufgabe nach, auf die diese vier Merkmale zutreffen. Dabei schließt das Merkmal „unentgeltlich“ Aufwandsentschädigungen nicht aus. Das Merkmal „öffentlich“ bedeutet: Die Tätigkeit wird im öffentlichen Raum ausgeübt, also nicht in der Familie oder im Rahmen der eigenen Erwerbsarbeit. Freiwilliges Engagement ist unabhängig von den vier Kriterien ein sehr weiter Begriff. Er schließt ganz unterschiedliche Tätigkeiten ein, die an sehr verschiedenen Orten stattfinden können und darüber hinaus mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Zusammengenommen umfasst freiwilliges Engagement im Bereich Kultur und Musik so unterschiedliche Aufgaben wie das Amt der*des Vorstandsvorsitzenden*, des Kassenwarts*, die Unterstützung von Musikschulevents, die Leitung einer Tanzgruppe, die Ausbildung des Nachwuchses für den Spielmannzug, die Regie einer freien Theatergruppe oder auch Museumsführungen.

Freiwilliges Engagement und Gemeinschaftsaktivität – Umfang in Kultur und Musik

Der Freiwilligensurvey erlaubt eine Unterscheidung zwischen gemeinschaftlich aktiven Menschen (z. B. der Beteiligung in einer Musikgruppe) und solchen, die zusätzlich freiwillig engagiert sind (z. B. durch die unbezahlte Übernahme von Aufgaben/Arbeiten für die Organisation einer Musikaufführung) (siehe Anhang). Ein zentrales Ergebnis des Freiwilligensurveys 2014 ist die starke Zunahme des freiwilligen Engagements in der Wohnbevölkerung Deutschlands. Ein Anstieg der Engagementquote wurde für fast alle Bereiche, ein Anstieg der Aktivitätsquote nur für ausgewählte Bereiche festgestellt. Der Anteil Kultur-Engagierter* an der Wohnbevölkerung ist von 5 Prozent im Jahr 1999 auf 9Prozent im Jahr 2014, also um 4 Prozent, gestiegen. (vgl. Tab. 1).

Tabelle 1: Kultur-Engagierte* im Zeitvergleich (in Prozent)

1999

2004

2009

2014

Kultur-Aktive*

16

18

18

19

Kultur-Engagierte*

5

6

5

9

Datenquelle: Freiwilligensurvey 2014

Die Quote der öffentlich gemeinschaftlich Aktiven* in Kultur und Musik lag im Jahr 1999 bei 16 Prozent und in 2015 bei 19 Prozent. Das heißt, während 1999 rund 16Prozent der Befragten angaben im Bereich Kultur und Musik aktiv zu sein, waren es 2014 insgesamt 19 Prozent und somit fast jede*r fünfte Befragte*. Zunehmend mehr Menschen sind also im Bereich Kultur und Musik aktiv oder freiwillig engagiert. Aus diesem Grund zählen Kultur und Musik laut Freiwilligensurvey 2014 neben Schule/Kindergarten, Soziales sowie Jugendarbeit/Bildungsarbeit für Erwachsene* zu den Wachstumsbereichen.

Wichtig ist an dieser Stelle zu vermerken, dass Informationen zum freiwilligen Engagement nicht nur durch den Freiwilligensurvey erhoben werden, sondern auch durch andere Untersuchungen und Studien bereitgestellt. So verweisen andere Untersuchungen auf eine vom Freiwilligensurvey 2014 abweichende Dynamik in Kultur und Musik, teilweise wird sogar ein Rückgang des Engagements nachgewiesen (vgl. Statistisches Bundesamt 2015). Den Angaben der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes folgend, ist der Anteil engagierter Personen ab 10 Jahren an der Bevölkerung im Bereich Kultur und Musik zwischen 2001/2002 und 2012/2013 stark zurückgegangen. Im Jahr 2001/2002 waren hier rund 10 Prozent engagiert und in 2012/2013 noch knapp 6 Prozent. Hinter den unterschiedlichen Befunden zur Höhe und Entwicklung des Engagements stehen oft unterschiedliche konzeptionelle und methodische Ansätze. Die verschiedenen Herangehensweisen sind bei der Verwendung der Angaben zu berücksichtigen, um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen.

2. Regionale Verteilung des freiwilligen Engagements

Ausgehend von der Gesamtzahl der Aktiven* in Kultur und Musik, sind mehr von ihnen in urbanen Gebieten, d. h. in städtischer Umgebung öffentlich gemeinschaftlich aktiv. Im städtischen Raum sind 70 Prozent im ländlichen Raum 30 Prozent aktiv (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Gemeinschaftlich öffentlich Kultur-Aktive* und Kultur-Engagierte* im ländlichen und städtischen Raum (in Prozent)

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Öffentlich gemeinschaftlich Aktive* und Engagierte* in Kultur und Musik im städtischen und im ländlichen Raum

Eine sehr ähnliche Situation ergibt sich für die freiwillig Engagierten*. Von allen Kultur-Engagierten* sind 68 Prozent im städtischen und 32 Prozent im ländlichen Raum freiwillig tätig. Dabei ist der Anteil der Kultur-Engagierten* an der Gesamtzahl aller freiwillig Engagierten* im ländlichen und im städtischen Raum gleich hoch.

3. Anstöße, Motive und zukünftiges Interesse für freiwilliges Engagement

Anstöße für freiwilliges Engagement

Freiwillig Engagierte* kommen auf unterschiedlichen Wegen zu ihrem Engagement. Der Freiwilligensurvey enthält zu den Zugangswegen zwei Fragen. Zum einen wird allgemein gefragt, ob die Engagierten* aus Eigeninitiative zu ihrem Engagement gekommen sind oder ob sie direkt für eine Engagementmöglichkeit angesprochen worden sind. Zum anderen werden konkrete Akteur*innen und Institutionen abgefragt, die die einzelnen Personen möglicherweise zu einem Engagement geführt haben. (Anm.: Die Angaben zu den Anstößen für ein Engagement beziehen sich hier ausschließlich auf jene Engagierte*, die ihr zeitintensivstes Engagement im Bereich Kultur und Musik einbringen. Eine nähere Beschreibung zum Unterschied zwischen allen Engagierte*n in Kultur und Musik und jenen mit ihrer zeitintensivsten Tätigkeit in diesem Bereich ist in der BKJ-Publikation im Anhang vorgenommen.

Kultur-Engagierte* wurden oftmals direkt gefragt, ob sie sich engagieren wollen (56 Prozent), gleichzeitig sind 44 Prozent aus Eigeninitiative zu ihrem Engagement gekommen. Damit unterscheiden sie sich nicht groß von den Engagierten* insgesamt (53 Prozent bzw. 47 Prozent). Menschen kommen also noch immer am ehesten durch eine gezielte Ansprache und Werbung zu einem freiwilligen Engagement.

Mit 51 Prozent gibt gut die Hälfte an, dass leitende Personen aus der Gruppe oder Organisation auf sie zugekommen sind und ihnen eine Engagementmöglichkeit angeboten haben (vgl. Tab. 2).

Tabelle 2: Anstöße zum Engagement bei Kultur-Engagierten* (in Prozent)

Anstoß zum Engagement

Anteil Engagierter* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Leitende Person aus der Gruppe oder Organisation

51

Familienmitglieder/Freunde/Bekannte, die dort aktiv waren

50

Erfahrungen in der Familie

26

Schule/Hochschule/Ausbildung

21

Hinweise aus den Medien oder dem Internet

9

Informations- und Kontaktstelle

7

Arbeitgeber

6

Sonstige

15

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Die Ansprache durch leitende Personen wird am häufigsten als Anstoß für ein Engagement genannt. Durch bereits engagierte „Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte“ kamen 50 Prozent zu ihrem Engagement. Gleichzeitig geben 26 Prozent an, dass Erfahrungen in der Familie ein wichtiger Grund waren, sich zu engagieren. Private und soziale Netzwerke spielen somit eine wichtige Rolle und sind ebenfalls oft an der individuellen Entscheidung zu einem Engagement beteiligt. Immerhin 21 Prozent der Kultur-Engagierten* wurden durch die Schule, die Hochschule oder im Rahmen der Ausbildung zu einem freiwilligen Engagement motiviert. Der Kontakt zur Bildungseinrichtungen gab also bei einem Fünftel den Anlass, aktiv zu werden. Andere Zusammenhänge wie Hinweise aus Medien/Internet (9 Prozent), Informations- und Kontaktstellen (7 Prozent) oder auch der eigene Arbeitgeber (6 Prozent) sind bei den Kultur-Engagierten* von geringerer Bedeutung bei der konkreten Initiierung ihres freiwilligen Engagements.

Motive der Engagierten*

Werden die Kultur-Engagierten* gefragt, was sie mit ihrem Engagement verbinden bzw. nach ihren Motiven für ihr gesamtes Engagement befragt, haben diese insbesondere den Anspruch, dass ihnen die Tätigkeit Spaß macht (85 Prozent) (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2: Motive der Engagierten* insgesamt sowie jener in Kultur und Musik (in Prozent)

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Engagierte* gesamt, Engagierte* in Kultur und Musik gesamt, Zustimmung: „stimme voll und ganz zu“

Dieses Motiv („Spaß haben“) ist nicht gering zu schätzen, denn von einer freiwillig gewählten Tätigkeit kann dies erwartet werden. Auch unter den Engagierten* insgesamt steht „Spaß haben“ an erster Stelle (80 Prozent). Die Kultur-Engagierten* stehen aber zugleich für „sozial-politische“ Orientierungen bzw. Motive, die sie mit ihrem Engagement verbinden. Anders als die Engagierten* insgesamt stimmen anteilig deutlich mehr Personen voll und ganz der Aussage zu „Ich will die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten“ (67 Prozent), oder „Ich will mit anderen Generationen zusammenkommen“ (65 Prozent) und „Ich will mit anderen Menschen zusammenkommen“ (65 Prozent).

Motive, die eine individuelle Qualifizierung durch das Engagement betreffen, sind unter den Kultur-Engagierten* und genauso unter den Engagierten* insgesamt, im Vergleich weniger bedeutsam. Hier lohnt es sich jedoch, auf mögliche Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen zu achten, weil ausgehend von den jeweils spezifischen Motiven der Engagierten* spannende und anregende Engagementangebote entwickelt werden können.

Bereits mit vergangenen Auswertungen des Freiwilligensurveys konnte gezeigt werden, dass insbesondere junge Menschen mit ihrem Engagement deutliche Qualifikationsansprüche verbinden. Von allen Kultur-Engagierten* wollen 34 Prozent in jedem Fall durch ihr Engagement Qualifikationen erwerben; von den 14- bis 29-Jährigen äußern dies 52 Prozent und im Vergleich hierzu von den 30- bis 49-Jährigen 33 Prozent. Mit zunehmendem Alter verliert das Motiv „Qualifikationen erwerben“ also an Bedeutung. Ähnlich verhält es sich mit dem Motiv „Ich will durch mein Engagement beruflich vorankommen“, dem von allen Kultur-Engagierten* 14 Prozent voll und ganz zustimmen. Fragt man jedoch die 14-bis 29-Jährigen haben 27 Prozent die feste Absicht, sich durch ihr Engagement beruflich zu entwickeln, was bei den 30- bis 49-Jährigen nur auf 13 Prozent zutrifft.

Zukünftiges Interesse an freiwilligem Engagement

Trotz zahlreicher Engagierter* in Deutschland gibt es viele Menschen, die sich aktuell nicht engagieren, sich dies aber in Zukunft vorstellen können. Gleichzeitig gibt es Engagierte*, die sich gerne intensiver, also mit mehr Zeit und für weitere Aufgaben engagieren möchten. Beide Personengruppen werden als Engagementpotenzial betrachtet. Von Potenzial wird gesprochen, weil unter diesen Personen die Bereitschaft zu einem (weiteren) Engagement besteht. Wollen sich bereits Engagierte* mehr als bisher einbringen, ist vom „internen Engagementpotenzial“ die Rede. Bisher nicht-engagierte Personen mit einer Engagementbereitschaft werden hingegen als „externes Engagementpotenzial“ bezeichnet (vgl. Gensicke/Geiss 2010). Im Bereich Kultur und Musik waren im Jahr 2014 von allen hier Engagierten* 17 Prozent „sicher“ und 42 Prozent „vielleicht“ bereit, ihr Engagement auszuweiten bzw. noch weitere Tätigkeiten zu übernehmen. (vgl. Abb. 3).

Abbildung 3: Bereitschaft von Kultur-Engagierten* Engagement auszuweiten

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Engagierte* in Kultur und Musik gesamt

Damit sehen 59 Prozent der Kultur-Engagierten* eine Möglichkeit, sich intensiver einzubringen, womit ein beachtliches internes Engagementpotenzial gegeben ist. Allerdings ist die Mehrheit ausschließlich „vielleicht“ bereit, das eigene Engagement zu intensivieren, womit ein höherer Grad an Bereitschaft und Verbindlichkeit vorerst fehlt.

Richtet sich der Blick auf alle nicht-engagierten Personen, zeigt sich ein ähnliches Bild. Von den aktuell Nicht-Engagierten* können sich in Zukunft 59 Prozent vorstellen, ein freiwilliges Engagement aufzunehmen. Allerdings sind hiervon nur 12 Prozent „sicher“, dafür aber 47 Prozent „vielleicht“ hierzu bereit (vgl. Abb. 4).

Abbildung 4: Bereitschaft der Nicht-Engagierten* ein Engagement aufzunehmen (in Prozent)

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Nicht-Engagierte* gesamt

Das „externe Engagementpotenzial“ ist also in Bezug auf den Grad der Verbindlichkeit der Engagementbereitschaft ebenfalls als begrenzt anzusehen.

Interessant ist nun die Frage, ob sich jene nicht-engagierten Menschen, die in einem hohen Maße zu einem Engagement bereit sind, gerne im Bereich Kultur und Musik engagieren möchten. Von allen Nicht-Engagierten*, die „sicher“ zu einem Engagement bereit sind, sehen sich 27 Prozent im Bereich Kultur und Musik.

Obgleich der Bereich Kultur und Musik aktuell nur rund ein Viertel der Nicht-Engagierten* anspricht, ist dieses externe Potenzial nicht gering zu werten. Außerdem müssen die gegenwärtigen Präferenzen nicht so bleiben. So haben die Organisationen Gestaltungsmöglichkeiten, Kultur und Musik für bislang Außenstehende interessanter zu machen.

4. Individuelle Merkmale der Engagierten*

Es gibt mehrere individuelle Merkmale, die einen Einfluss darauf haben, ob eine Person engagiert ist. Die Bandbreite der möglichen Einflussfaktoren reicht vom Geschlecht, über das Alter, den individuellen Bildungshintergrund und einer eigenen Erwerbstätigkeit bis hin zur Fragen einer Religionszugehörigkeit oder dem Vorhandensein einer Mitgliedschaft. Die Merkmale erhöhen oder reduzieren die Chance, dass eine Person sich freiwillig engagiert. Dabei sind einzelne Faktoren wie der individuelle Bildungshintergrund ganz besonders förderlich oder hemmend für ein Engagement. Der Freiwilligensurvey 2014 macht außerdem für alle Engagierten* deutlich, dass „Personen mit Migrationshintergrund“ anteilig seltener engagiert sind (32 Prozent) als Personen ohne Migrationshintergrund (47 Prozent). Allerdings ist bei „Menschen mit Migrationshintergrund“, die in Deutschland geboren sind und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, der Anteil der Engagierten* ähnlich hoch wie bei jenen ohne Migrationshintergrund. (vgl. Simonson/Vogel/Tesch-Römer 2017).

Engagement nach Geschlecht

In Kultur und Musik sind anteilig mehr Frauen als Männer engagiert. Von allen hier Engagierten* sind 53 Prozent weiblich und 47 Prozent männlich (vgl. Abb. 7).

Abbildung 7: Engagierte* insgesamt sowie in Kultur und Musik nach Geschlecht (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* gesamt, Engagierte* in Kultur und Musik

Von allen Engagierten* sind hingegen 49 Prozent Frauen und 51 Prozent Männer. Es ist also auffällig, dass das Engagement im Kulturbereich im Unterschied zu den Engagierten* insgesamt wesentlich durch Frauen getragen wird. Die Gründe für eine unterschiedlich starke Präsenz von Frauen und Männern sind vielseitig. Neben spezifisch ausgerichteten Interessen kommt es vor, dass engagierte Frauen häufiger Frauen und engagierte Männer eher Männer für ein Engagement neu anwerben. Damit verstärkt sich die ungleiche Präsenz der Geschlechter im Engagement.

Unabhängig davon, ob die Engagierten* in Kultur und Musik im städtischen Raum oder im ländlichen Raum engagiert sind, finden sich anteilig ebenfalls mehr Frauen unter den Engagierten* (vgl. Abb. 8).

Abbildung 8: Kultur-Engagierte* nach Geschlecht im städtischen und im ländlichen Raum (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* in Kultur und Musik im städtischen und im ländlichen Raum

Im städtischen Raum sind 53 Prozent der hier Kulturengagierten* Frauen, im ländlichen Raum sind 51 der Engagierten* weiblich. Im städtischen Raum dominieren also die Frauen unter den Engagierten* in Kultur und Musik. Auf dem Land fällt der Unterschied zwischen engagierten Frauen und Männern wesentlich geringer aus. Hier sind Frauen und Männern zu fast gleichen Anteilen engagiert.

Alterseffekte im Engagement

Wird die Verteilung der Kultur-Engagierten* nach Altersgruppen betrachtet, sind 20 Prozent im Alter von 14 bis 29 Jahre, 31 Prozent im Alter von 30 bis 49 Jahre, 28 Prozent im Alter von 50 bis 64 Jahre und 21 Prozent 65 Jahre und älter (vgl. Abb. 9).

Abbildung 9: Engagierte* insgesamt sowie in Kultur und Musik nach Altersgruppen (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* gesamt, Engagierte* in Kultur und Musik gesamt

Mit Blick auf alle Engagierte* ist eine etwas andere Altersstruktur zu erkennen. So sind im Vergleich zum Bereich Kultur und Musik unter allen Engagierten* anteilig mehr jüngere Altersgruppen und weniger ältere Altersgruppen vertreten. Ein etwas differenzierter Blick offenbart, dass es im Bereich Kultur und Musik insbesondere die 45- bis 49-Jährigen (11 Prozent) und die 50- bis 54-Jährigen (11 Prozent) sind, die hier unter den Engagierten* anteilig am stärksten vertreten sind. Hingegen finden sich unter den Kultur-Engagierten* nur selten die 25- bis 29-Jährigen (6 Prozent), die 30- bis 34-Jährigen (6 Prozent) sowie die 35- bis 39-Jährigen (6 Prozent). Es sind somit die mittleren Jahrgänge, die sich vorrangig einbringen und das Engagement bzw. die Angebote im Bereich Kultur und Musik arrangieren. Aus dem vorherigen Abschnitt wissen wir zudem um die starke Präsenz von Frauen. In Verbindung beider Informationen lässt sich prüfen, wie sich die genannten Altersgruppen nach Geschlecht verteilen. Das Ergebnis überrascht, denn die sonst so stark engagierten Frauen sind es im höheren Alter nicht mehr. In Zahlen drückt sich dies wie folgt aus (vgl. Tab. 3).

Tabelle 3: Kultur-Engagierte* nach Alter und Geschlecht (in Prozent)

14 –29 Jahre

30 – 49 Jahre

50 – 64 Jahre

65 Jahre und älter

Männer

20

28

28

24

Frauen

20

33

28

18

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* in Kultur und Musik gesamt

Von allen kulturengagierten Frauen sind 33 Prozent im Alter zwischen 30 und 49 Jahren und 18 Prozent sind 65 Jahre und älter. Von den engagierten Männern im Kulturbereich sind hingegen 28 Prozent zwischen 30 und 49 Jahre und 24 Prozent 65 Jahre und älter. Es ist besonders hervorzuheben, dass im Vergleich zu den Männern die Frauen mit zunehmendem Alter aus dem Engagement in Kultur und Musik ausscheiden. Dieses Phänomen kann als ein Verschwinden älterer kulturengagierter Frauen beschrieben werden. Den Kulturorganisationen geht damit ein wesentliches Engagementpotenzial verloren.

Engagement nach Bildungsabschlüssen

Umso höher das formale Bildungsniveau ist, umso eher sind Menschen engagiert. Dies gilt für die Engagierten* insgesamt genauso wie für die Engagierten* in Kultur und Musik. Hier sind formal höher gebildete Menschen überproportional vertreten. Der in der Sonderauswertung des Freiwilligensurveys (1999 – 2004) zum Engagement in Kultur und Musik beschriebene „Elite-Effekt“ kann somit aktuell für den Bereich Kultur und Musik bestätigt werden.

Auf die Frage „Welchen höchsten Schulabschluss haben Sie?“ nennen von allen Kultur-Engagierten* 48 Prozent „Abitur/Hochschulreife“, 27 Prozent „Mittlere Reife/Realschulabschluss“, 14 Prozent „Fachhochschulreife/Berufsschulabschluss“, 11 Prozent „Volks- oder Hauptschulabschluss“ (vgl. Abb. 10).

Abbildung 10: Bildungsabschlüsse der Engagierten* insgesamt sowie jener in Kultur und Musik (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* gesamt, Engagierte* in Kultur und Musik gesamt

Die Aufschlüsselung der Engagierten* nach Bildungsabschlüssen macht deutlich, dass im Vergleich zu allen Engagierten* jene im Bereich Kultur und Musik ein höheres formales Bildungsniveau haben. In der Folge werden die Angebote vorranging von Engagierten* mit formal guten Bildungsvoraussetzungen gestaltet und erbracht.

Werden die formalen Bildungsabschlüssen der Engagierten in Kultur und Musik in Abhängigkeit zum ländlichen oder städtischen Raum betrachtet, bestehen weiterführende Unterschiede (vgl. Tab. 4).

Tabelle 4: Kultur-Engagierte* im städtischen und im ländlichen Raum nach Bildungsabschlüssen (in Prozent)

Städtischer Raum

Ländlicher Raum

Abitur/Hochschulreife

51

41

Fachhochschulreife/Berufsschulabschluss

14

14

Mittlere Reife/Realschulabschluss

25

32

Volks-, Hauptschulabschluss

10

12

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* in Kultur und Musik im städtischen und im ländlichen Raum

Die Engagierten*, die sich in städtischen Räumen engagieren, verfügen eher über ein Abitur bzw. die Hochschulreife (51 Prozent) als die Engagierten* in ländlichen Räumen (41 Prozent). Dafür sind unter den Engagierten* in Kultur und Musik auf dem Land deutlich häufiger Personen mit mittlerer Reife bzw. Realschulabschluss (32 Prozent) und mit Volks- bzw. Hauptschulabschluss (12 Prozent) zu finden als unter den Engagierten* in urbanen Räumen. Der „Elite-Effekt“ macht sich also unter den Engagierten* in Kultur und Musik in urbanen Gebieten stärker bemerkbar.

Gleichzeitig wird durch die ausgeprägte Einbeziehung von Personen mit formal niedrigeren Bildungsabschlüssen im ländlichen Raum deutlich, dass die Privilegierung formal höher Gebildeter* im Engagement in Kultur und Musik zugunsten anderer Bildungsgruppen nicht an sich gegeben sein muss und abgeschwächt werden kann. In jedem Fall gibt es offensichtlich in ländlichen Gebieten eher Engagementgelegenheiten, die Personen unabhängig von ihrer formalen Bildung offen stehen.

Schulformen und Engagement

Die zuvor beschriebene Bildungsselektivität deutet sich bereits unter jenen Kultur-Engagierten* an, die noch die Schule besuchen. Hierbei handelt es sich um den Nachwuchs, also um junge Menschen, die theoretisch in Zukunft zu den Kulturengagierten* der so bedeutsamen mittleren Altersjahrgänge zählen könnten. Fragt man die bis 21jährigen Engagierten* im Kulturbereich, welche Schulform sie besuchen, geben weit mehr als die Hälfte das Gymnasium (63 Prozent) an (vgl. Tab. 5).

Tabelle 5: Kultur-Engagierte* bis 21 Jahre nach Art der aktuellen Schulform (in Prozent)

Schulform

Engagierte* bis 21 Jahre

Gymnasium

63

Realschule

22

Integrierte Gesamtschule

9

Hauptschule

4

Förderschule

1

Andere Schulform

1

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Engagierte* in Kultur und Musik bis 21 Jahre

Es dominieren die Gymnast*innen (63 Prozent) mit deutlichem Abstand vor jenen, die eine Realschule (22 Prozent) oder eine Integrierte Gesamtschule (9 Prozent) besuchen. Der Zugang zum Engagement im Bereich Kultur und Musik erfolgt also schon in jungen Jahren vorrangig für Menschen mit formal höherer Bildung.

Engagement nach Erwerbsstatus

Da insbesondere formal besser gebildete Menschen und mittlere Altersjahrgänge unter den Kultur-Engagierten* zu finden sind, liegt es nahe, dass die Mehrheit einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Betrachtet man die Engagementbeteiligung nach dem Erwerbsstatus, bestätigt sich diese Annahme.

Von allen Kultur-Engagierten* sind anteilig die meisten erwerbstätig (52 Prozent). In Rente befinden sich 23 Prozent. In der Schule bzw. in Ausbildung, Studium, Weiterbildung sind 16 Prozent. (vgl. Abb. 11).

Abbildung 11: Erwerbstatus der Engagierten* insgesamt sowie jener in Kultur und Musik (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* gesamt, Engagierte* in Kultur und Musik gesamt

Arbeitslos gemeldet oder aus anderen Gründen nicht erwerbstätig ist nur eine Minderheit (3 Prozent). Ganz ähnlich wie für die Kultur-Engagierten* fällt der Erwerbsstatus für die Engagierten* insgesamt aus: Die Mehrheit von ihnen ist ebenfalls erwerbstätig (54 Prozent). Es ist also nicht nur die Schulbildung für ein Engagement relevant, sondern auch der berufliche Status. Sobald Menschen in Strukturen, wie die Erwerbsarbeit und deren Netzwerke eingebunden sind, eröffnen sich hierdurch offensichtlich bestimmte Gelegenheiten zum Engagement.

Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit sich zu engagieren deutlich niedriger, wenn ein formal niedrigerer Bildungsstatus und Arbeitslosigkeit zusammenkommen und erhöht sich dagegen, wenn entsprechend förderliche Ressourcen aufeinandertreffen. Der Ausschluss arbeitsloser Personen aus dem Engagement, der sich auch im Bereich Kultur und Musik zeigt, deutet auf soziale Unterschiede im Engagement hin.

5. Tätigkeiten der Engagierten*

Freiwillige Tätigkeiten in Kultur und Musik, bezieht man sie wie in den folgenden Abschnitten (6 – 11) ausschließlich auf jene Engagierte*, die ihr zeitintensivstes Engagement im Bereich Kultur und Musik einbringen bzw. hierzu eine Angabe gemacht haben, zeichnen sich teilweise durch andere Hauptinhalte aus, als freiwilliges Engagement in anderen Bereichen. (Eine nähere Beschreibung zum Unterschied zwischen allen Engagierten* in Kultur und Musik und jenen mit ihrer zeitintensivsten Tätigkeit in diesem Bereich wird im Anhang vorgenommen.) So beschäftigen sich die Kultur-Engagierten* insbesondere mit Organisations- und Kommunikationsaufgaben. Im Vergleich zu allen Engagierten* sind anteilig mehr der Kultur-Engagierten* in die „Organisation und Durchführung von Treffen und Veranstaltungen“ (78 Prozent), in die „Informations- und Öffentlichkeitsarbeit“ (49 Prozent) und in die „Vernetzungsarbeit“ (34 Prozent) eingebunden (vgl. Tab. 6). Auffällig ist, dass neben sozialen Tätigkeiten (wie Beratung und persönliche Hilfen) Kultur-Engagierte* seltener den Tätigkeitsbereich Interessenvertretung/Mitsprache angeben als andere Engagierte*.

Tabelle 6: Engagierte* in Kultur und Musik nach Tätigkeitsfeldern (in Prozent)

Kultur und Musik

Gesamt

Organisation und Durchführung von Treffen und Veranstaltungen

78

66

Zu leistende praktische Arbeiten

63

65

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

49

40

Vernetzungsarbeit

34

27

Interessenvertretung/Mitsprache

34

40

päd. Betreuung und Anleitung von Gruppen

29

32

Beratung

28

36

Persönliche Hilfeleistung

25

43

Mittelbeschaffung/Fundraising

22

19

Verwaltungstätigkeiten

20

20

Organisation und Durchführung von Hilfsprojekten

19

26

Etwas anderes

20

17

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* gesamt, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Typisch für die kultur- und musikspezifischen Hauptinhalte des Engagements sind auch „zu leistende praktische Arbeiten“ (63 Prozent). Im Einzelnen übernehmen die Engagierten* in Kultur und Musik zum Beispiel Aufgaben wie Konzertvorbereitungen, Pressearbeiten, die Begleitung kultureller Gemeindeveranstaltungen oder die Organisation von Hörabenden.

Leitungs- oder Vorstandsfunktionen

Ein wesentlicher Teil des Engagements besteht in der Übernahme von Leitungs- oder Vorstandsfunktionen. Es handelt sich hierbei in der Regel um Berufungs- und Wahlfunktionen, die mit einem besonderen Verantwortungsgrad einhergehen. Von den Kultur-Engagierten*, hat im Jahr 2014 ein gutes Drittel (34 Prozent) eine Leitungs- oder Vorstandsfunktion übernommen. Im Vergleich zu allen Engagierten*, die eine Leitungs- oder Vorstandsfunktionen inne haben (28 Prozent), werden diese von den Kultur-Engagierten* häufiger übernommen.

Gerade der spezielle Anspruch nach Mitbestimmung und Selbstorganisation, der mit den genannten Funktionen einhergeht, wird von Frauen und Männern unterschiedlich stark ausgelebt. So hatten von den kulturengagierten Frauen 29 Prozent, hingegen von kulturengagierten Männern 40 Prozent eine Leitungs- oder Vorstandsfunktion (vgl. Abb. 12).

Abbildung 12: Kultur-Engagierte* mit einer Leitungs- oder Vorstandsfunktion nach Geschlecht (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, engagierte Frauen und engagierte Männer mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Männer übernehmen also deutlich öfter in den entsprechenden Rollen und Funktionen Verantwortung. Die geringere Einbindung von Frauen in die genannten Funktionen verweist auf Muster, wie sie in der Wirtschaft bei der Besetzung von Aufsichtsgremien kritisch diskutiert werden. Für den Bereich Kultur und Musik hat das vorliegende Ergebnis eine besondere Brisanz, weil die Mehrheit der hier Engagierten* weiblich ist. Trotz ihres Engagements und dem damit verbundenen Gestaltungswillen in diesem Bereich, bleiben Frauen noch immer zu einem geringeren Anteil in jene Funktionen eingebunden, die am Ende über die Aktivitäten und die Ausrichtung einer Gruppe oder einer Organisation entscheiden.

6. Häufigkeit und zeitlicher Umfang des freiwilligen Engagements

Freiwillig Engagierte* in Kultur und Musik bringen sich zumeist regelmäßig ein (vgl. Abb. 13).

Abbildung 13: Häufigkeit der Tätigkeit Kultur-Engagierter* (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Mehr als die Hälfte (56 Prozent) engagiert sich einmal bzw. mehrmals pro Woche. Hinzu kommt ein kleiner Personenkreis, der sich sogar täglich engagiert (3 Prozent). Ein knappes Drittel der Tätigkeiten (32 Prozent) werden einmal bzw. mehrmals im Monat ausgeübt und nur 10 Prozent noch seltener bzw. unregelmäßiger. Dies spricht für eine relative Kontinuität des Kulturengagements und steht nicht für eine überwiegend sporadisch erfolgende Beteiligung.

Neben der Frage der Häufigkeit des Engagements liegen aus dem Freiwilligensurvey 2014 Angaben zum zeitlichen Umfang vor. Was den Zeitaufwand betrifft, den die Kultur-Engagierten* einsetzen, ist ein recht umfängliches Engagement für diese Engagierten* typisch.

Von den Engagierten*, die ein- oder mehrmals pro Woche engagiert sind (56 Prozent), tun dies zu 31 Prozent mit bis zu inklusive 2 Stunden in der Woche, 44 Prozent zwischen 3- bis zu inklusive 5 Stunden in der Woche und 25 Prozent mit 6 und mehr Stunden pro Woche (vgl. Abb. 14).

Abbildung 14: Wöchentliches Zeitvolumen der Kultur-Engagierten* (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Es kommt also im Kulturbereich nicht nur sehr häufig vor, sich mindestens einmal pro Woche freiwillig einzubringen, sondern auch, dies mit mindestens 3 Stunden in der Woche zu tun. Ein großer Teil des Kulturengagements erfolgt damit durch regelmäßige und eher zeitaufwändige Tätigkeiten.

7. Zielgruppen und Zielregionen des freiwilligen Engagements

In Kultur und Musik fokussieren die Engagierten* ganz ähnliche Zielgruppe wie die Engagierten* insgesamt. Eine besondere Aufmerksamkeit erfahren Kinder und Jugendliche* (36 Prozent), Familien (34 Prozent) und Ältere Menschen (34 Prozent) (vgl. Abb. 15).

Abbildung 15: Zielgruppen der Kultur-Engagierten* (in Prozent)

Datenbasis: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Basis: Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Diese Gruppen können grundsätzlich als favorisierte Zielgruppen von Engagierten* gelten. Deutlich weniger Aufmerksamkeit erfahren Menschen mit zugeschriebener Behinderung (7 Prozent), Menschen mit zugeschriebenen Migrationshintergrund (9 Prozent) oder Personen, die in finanzieller oder sozialer Hinsicht weniger gut aufgestellt sind (11 Prozent). Zielgruppen, die eher nicht zum „Zirkel der Kultur-Engagierten*“ gehören werden von den Engagierten* im Bereich Kultur und Musik auch weniger angesprochen.

Freiwilliges Engagement in Kultur und Musik erfolgt so vor allem innerhalb der eigenen Bezugsgruppe. Das spiegelt sich auch hinsichtlich von Altersgruppen wider. Freiwilliges Engagement findet zudem zu einem hohen Anteil innerhalb der Generationen statt. Das bedeutet: Ältere engagieren sich für Ältere und Jüngere engagieren sich für Jüngere. Beispielsweise bringen sich 62 Prozent der 14- bis 29Jährigen für Kinder und Jugendliche* ein, im Vergleich hierzu aber nur 19 Prozent derjenigen, die 65 Jahre und älter sind.

Die Frage nach den Zielgruppen der Engagierten* kann sowohl ein wichtiger Anstoß zur Identifikation neuer Zielgruppen sein und zudem Aufschluss über Präferenzen der Engagierten* im Bereich Kultur und Musik geben, die bei der Gewinnung und Begleitung der Engagieren* zu berücksichtigen sind.

Freiwilliges Engagement im Bereich Kultur und Musik erfolgt zumeist im lokalen Raum. Im Unterschied hierzu ist das Engagement kaum auf andere Regionen in Deutschland oder gar auf außerhalb Europas gerichtet. Von allen Tätigkeiten der Kultur-Engagierten*, kommen 88 Prozent der eigenen Wohnregion zugute. Musik, Theater, Aktionskunst und vieles mehr findet vor Ort statt und ist in den lokalen Nahraum eingebettet.

8. Bildung durch freiwilliges Engagement

Teilnahme an Weiterbildungen

Freiwillig Engagierte* haben hin und wieder begleitend zu ihrem Engagement die Möglichkeit, an einer Weiterbildung teilzunehmen. Es handelt sich dabei oftmals um an die eigene Tätigkeit gebundene oder allgemein kompetenzvermittelnde Weiterbildungen. Von allen befragten Engagierten* haben bislang 41 Prozent im Rahmen ihres Engagements eine Fortbildungsmaßnahme in Anspruch genommen. Kultur-Engagierte* profitierten im Vergleich hierzu weniger oft von einer Weiterbildung (36 Prozent). Dabei waren 11 Prozent einmal und 25 Prozent bereits mehrmals in Weiterbildungsveranstaltungen eingebunden.

Ein Weiterbildungsangebot für Engagierte* kann diese sowohl bei ihrer Tätigkeit unterstützen als auch ein Anreiz darstellen, ein anderes Engagement aufzunehmen, das gegenwärtige Engagement beizubehalten oder auszuweiten. Vor allem von jungen Menschen werden Qualifizierungsbestrebungen als Engagementmotiv artikuliert. Insofern sind über Qualifizierungsangebote durchaus Engagierte* zu gewinnen.

Kenntniserwerb

Engagement ist ein bedeutsames informelles und non-formales Lernfeld. Informelles Lernen erfolgt beiläufig, beispielsweise wenn Menschen diskutieren und dabei lernen Kompromisse zu schließen oder durch das Erlernen praktischer Fertigkeiten. Non-formales Lernen findet in Workshops statt oder auch im Rahmen von Weiterbildungsangeboten – hier sind die Inhalte in der Regel vorgegeben und abschließende Zertifikate nicht ausgeschlossen.

Sowohl unter den Engagierten* insgesamt (74 Prozent) als auch unter den Kultur-Engagierten* (76 Prozent) werden vorrangig soziale Fähigkeiten wie „Teamfähigkeit“ oder „Zuhören können“ erworben. Kultur-Engagierte* eignen sich zudem persönliche Fähigkeiten wie „Selbstständigkeit“ und „Zeitmanagement“ (62 Prozent) oder Fachwissen (56 Prozent) an; dies gilt auch für die Engagierten* insgesamt.

Bei dem Erwerb von Kenntnissen durch das Engagement zeigen sich nennenswerte Altersunterschiede (vgl. Abb. 16).

Abbildung 16: Kultur-Engagierte* nach Kenntniserwerb im Engagement und Alter (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Ganz besonders junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren berichten von einem Kompetenzgewinn durch ihr Engagement. Vorrangig sehen sie dies bei sich in einer Stärkung sozialer (87 Prozent) und persönlicher (79 Prozent) Fähigkeiten.

9. Organisationale Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement

Organisationsformen

Wie schon die Sonderauswertung des Freiwilligensurvey (1999 – 2004) zum Engagement in Kultur und Musik zeigte, ist der Verein das wichtigste organisatorische Umfeld für ein Engagement in diesem Bereich. Mehr als die Hälfte der Tätigkeiten der Kultur-Engagierten* erfolgt im Verein oder Verband (56 Prozent) (vgl. Abb. 17).

Abbildung 17: Kultur-Engagierte* nach Organisationsform (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik

Neben dem Verein ist „Selbstorganisation“ eine überdurchschnittlich weit verbreitete Engagementform im Bereich Kultur und Musik (21 Prozent). Unter „Selbstorganisation“ sind Formen wie selbstorganisierte Initiativen und Projekte, selbstorganisierte Gruppen, Formen der Nachbarschaftshilfe und auch ein Engagement „Allein“ zusammengefasst. Da Kulturarbeit vielfach kirchlich geprägt ist, sind Kirchen oder religiöse Vereinigungen ebenfalls eine beliebte Organisationsform für das Engagement in Kultur und Musik (12 Prozent). Deutlich weniger bedeutsam sind staatliche und kommunale Einrichtungen für ein freiwilliges Engagement in Kultur und Musik (5 Prozent), obgleich diese Einrichtungen die kulturelle Landschaft in Deutschland deutlich prägen. Oder anders gesagt: Öffentliche bzw. kommunale Kultureinrichtungen wie z. B. Theater, Museen oder Bibliotheken sind offensichtlich keine oder nur vergleichsweise seltene Engagamentorte. In anderen Organisationsformen wie Gewerkschaften, Parteien oder Stiftungen findet Kulturengagement nur in einem sehr begrenzten Maß oder gar nicht statt.

Engagement in Organisationen mit und ohne Hauptamt

Die Organisationslandschaft des Engagements ist nicht nur in Bezug auf ihre Organisations- und Rechtsformen sehr heterogen, sondern auch hinsichtlich der Arbeitsweise der Organisationen. Ein wichtiger Aspekt, der dies zum Ausdruck bringt, ist das Vorhandensein von hauptamtlichen Mitarbeiter*innen in den Organisationen. Bei Befragung Kultur-Engagierter* nach dem Vorhandensein eines Hauptamtes in ihrer Organisation, bejahen dies 25 Prozent. Jede*r vierte Kultur-Engagierte* ist somit nach eigenen Angaben in einer Organisation engagiert, die hauptamtliche Angestellte* beschäftigt bzw. über hauptamtliche Strukturen verfügt. Im Vergleich zu allen Engagierten* (40 Prozent) sind Kultur-Engagierte* demnach seltener in Organisationen mit hauptamtlichen Strukturen aktiv. Damit ist die große Mehrheit der Kultur-Engagierten* in Organisationen ohne Hauptamt tätig (75 Prozent).

Im folgenden Abschnitt werden Kultur-Engagierte* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur mit Kultur-Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur verglichen und Unterschiede benannt. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Freiwilligensurvey um eine Personenbefragung handelt, nicht um eine Organisationsbefragung. Alle Ergebnisse sind dementsprechend als Trendaussagen zu verstehen, die durch eine Organisationsbefragung überprüft werden müssen.

Individuelle Merkmale der Engagierten*

  • Engagement nach Geschlecht

Engagierte Frauen und Männer sind in Abhängigkeit dazu, ob die Organisation über hauptamtliche Strukturen verfügt, verschieden präsent (vgl. Abb. 18).

Abbildung 18: Kultur-Engagierte* nach Geschlecht in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

In Organisationen mit hauptamtlicher Struktur sind anteilig mehr Frauen engagiert (52 Prozent), in Organisationen ohne hauptamtliche Strukturen sind anteilig mehr Männer freiwillig tätig (53 Prozent). Die allgemein beschriebene weibliche Dominanz im Kulturengagement ist also in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur nicht zu finden.

  • Engagement nach Alter

Sofern eine hauptamtliche Struktur vorhanden ist, verändert sich die Altersstruktur der Engagierten*. Junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren sind deutlich eher in Organisationen mit hauptamtlicher Strukturen engagiert (31 Prozent) als in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur (18 Prozent) (vgl. Tab. 7).

Tabelle 7: Kultur-Engagierte* in Organisationen mit und ohne Hauptamt nach Altersgruppen (in Prozent)

mit hauptamtlicher Struktur

ohne hauptamtlich Struktur

14 bis 29 J.

31

18

30 bis 49 J.

23

30

50 bis 64 J.

21

29

65 J. und älter

25

23

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Dafür sind in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur Menschen im Alter von 30 bis 49 Jahren (23 Prozent) und 50 bis 64 Jahren (21 Prozent) weniger vertreten als in Organisationen ohne bezahlte Angestellte*. Hauptamtliche Strukturen können also zu einer Verjüngung der Kultur-Engagierten* beitragen. Oder anders: In rein ehrenamtlich tätigen Organisationen sind offensichtlich weniger junge Menschen zu finden. Das könnte auf Probleme bei der Akquise junger Engagierter* verweisen.

  • Engagement nach Bildungsabschlüssen

Es wurde bereits an anderer Stelle festgestellt, dass Personen, die über ein Abitur bzw. die Hochschulreife verfügen unter den Engagierten* in Kultur und Musik überdurchschnittlich präsent sind. Dieser „Elite-Effekt“ verstärkt sich mit dem Vorhandensein einer hauptamtlichen Struktur. So haben von den Kultur-Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur 57 Prozent ein Abitur bzw. die Hochschulreife und in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur 46 Prozent (vgl. Tab. 8).

Tabelle 8: Bildungsabschlüsse Kultur-Engagierter* in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent)

mit Hauptamt

ohne Hauptamt

Abitur/Hochschulreife

57

46

Fachhochschulreife/Berufsschulabschluss

13

14

Mittlere Reife/Realschulabschluss

21

27

Volks-, Hauptschulabschluss

9

13

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Andere formale Bildungsabschlüsse haben in den Organisationen ohne hauptamtliche Struktur eine stärkere Bedeutung: hier sind anteilig mehr Menschen mit einem Volks- und Hauptschulabschluss engagiert (13 Prozent), als in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur (9 Prozent). Rein ehrenamtlich tätige Organisationen vermögen es offensichtlich besser, Engagierte* mit formal niedrigerem Bildungsabschluss in ihre Arbeit einzubeziehen.

  • Engagement nach Erwerbsstatus

In Organisationen mit hauptamtlicher Struktur im Bereich Kultur und Musik sind anteilig weniger erwerbstätige Personen engagiert (41 Prozent) als in Organisationen ohne hauptamtliche Strukturen (54 Prozent) (vgl. Tab. 9).

Tabelle 9: Erwerbsstatus Kultur-Engagierter* in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent)

mit Hauptamt

ohne Hauptamt

erwerbstätig

41

54

Rentner/in, Pensionär/in

25

25

Schüler/in, in Ausbildung, Studium, Weiterbildung

26

13

Hausfrau/Hausmann

2

3

arbeitslos/nicht erwerbstätig

5

3

Sonstige

1

2

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Dies betrifft jedoch nicht eine stärkere Einbindung von arbeitslos gemeldeten oder aus anderen Gründen nicht erwerbstätigen Personen. Dafür aber steigt in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur der Anteil jener Engagierter*, die in der Schule, Ausbildung oder Studium sind (26 Prozent). Die deutliche Präsenz der Gruppe korrespondiert mit dem Ergebnis zur stärkeren Einbindung junger Engagierter* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur.

Organisationale Merkmale

  • Ansprechpartner*innen

Oftmals ist es für Engagierte* hilfreich, wenn sie in der Organisation konkrete Ansprechpartner*innen vorfinden, an die sie sich mit Fragen ihres Engagements oder in Bezug auf die Organisation, in der sie tätig sind, wenden können. Ansprechpartner*innen können Engagierte* idealerweise sachkundig beraten und ihnen Hilfestellungen geben. Erwartungsgemäß haben Kultur-Engagierte* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur deutlich häufiger eine*n solche*n Ansprechpartner*in (71 Prozent) als Engagierte* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur (49 Prozent). Wenn in einer Organisation jemand für die Engagierten* zuständig ist, trägt dies dazu bei, die Engagierten* zu gewinnen, besser zu informieren und einzubinden (vgl. Biedermann 2012, Lange/Wehmeyer 2014).

  • Mitsprachemöglichkeiten

Freiwilliges Engagement ist häufig auch eine Form von Partizipation, das bedeutet Teilhabe, Mitbestimmung und Mitgestaltung. Für den freiwilligen und überwiegend unentgeltlichen Charakter des Engagements ist die Gewährleistung von Mitbestimmung und -gestaltung besonders wichtig. Dies spiegelt sich auch in dem Motiv vieler Engagierter* „die Gesellschaft im Kleinen mitgestalten“ zu wollen wieder. Die Möglichkeit zur Mitbestimmung und -gestaltung trägt dazu bei, dass die Engagierten* sich ernst genommen fühlen.

Die vorhandenen Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitentscheidung werden von den Kultur-Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur besser bewertet. Von ihnen sehen 62 Prozent die Mitsprachesituation als sehr gut an, von den Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur kommen 43 Prozent zu diesem Urteil (vgl. Abb. 19).

Abbildung 19: Bewertung der Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitentscheidung Kultur-Engagierter* in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Die Mehrheit der Kultur-Engagierten* ist jedoch mit der Mitsprachesituation nicht grundlegend unzufrieden, denn nur sehr vereinzelt wird diese als schlecht beschrieben.

  • Kostenerstattung und Aufwandsentschädigung

Für freiwillig Engagierte* können im Rahmen ihres Engagements Kosten anfallen, wenn sie beispielsweise Fahrkarten kaufen müssen oder Auslagen für Teilnahmegebühren an Veranstaltungen haben. Um die finanziellen Aufwendungen im Engagement nicht von den Engagierten* selbst tragen zu lassen, gibt es in manchen Organisationen die Option zur Kostenerstattung.

Finanzielle Aufwendungen durch ihr Engagement haben häufiger Kultur-Engagierte* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur (57 Prozent). Bei den Organisationen mit hauptamtlicher Struktur sind es 50 Prozent und damit auch noch jede zweite engagierte Person, der Kosten entstehen. Die Möglichkeit zur Erstattung der Kosten haben hingegen eher die Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur (30 Prozent) als jene in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur (22 Prozent).

Hauptamtliche Strukturen können demnach dazu beitragen, dass Kultur-Engagierte* weniger Kosten im Rahmen ihres Engagements haben. Und wenn diese entstehen, werden sie ihnen eher erstattet. Dies ist auf den höheren Professionalisierungsgrad der Organisationen mit Beschäftigten zurückzuführen. Von der Möglichkeit der Kostenerstattung machen 29 Prozent der Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Strukturen Gebrauch und 22 Prozent der Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlichen Strukturen (vgl. Tab. 10).

Tabelle 10: „Kosten und Kosterstattung“ bei Kultur-Engagierten* in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent)

mit Hauptamt

ohne Hauptamt

Kosten durch Engagement entstanden

50

57

davon: Möglichkeit zur Kostenerstattung vorhanden

30

22

davon: Möglichkeit zur Kostenerstattung genutzt

22

29

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Engagierte* können für ihre Tätigkeit außerdem sogenannte monetäre, pauschale Aufwandsentschädigungen erhalten, mit denen der eingebrachte Zeitaufwand eine gewisse Anerkennung erfahren soll. Unter den Kultur-Engagierten* ist diese Form der Anerkennung nicht sehr weit verbreitet. Sie findet sich in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur jedoch deutlich häufiger als in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur. Denn die Frage, ob man persönlich in den vergangenen 12 Monaten Geld für die freiwillige Tätigkeit erhalten hat, bejahen 14 Prozent der Kultur-Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur, gegenüber 9 Prozent der Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur (vgl. Abb. 20). Dabei handelt es sich in der Mehrheit der Fälle um einen Betrag bis 150 Euro.

Abbildung 20: Finanzielle und materielle Zuwendungen Kultur-Engagierter* in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent)

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Die Kultur-Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur profitieren nicht nur häufiger von monetären Aufwandsentschädigungen, sie haben auch deutlich öfter Sachzuwendungen (z. B. „kostenlose private Nutzung von Räumen“ oder „Ausstattungsmittel“) in den letzten 12 Monaten erhalten (30 Prozent) als Engagierte* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur (16 Prozent). Auch hier dürften die unterschiedlichen Ressourcen der Organisationstypen eine entscheidende Rolle spielen.

Organisationen mit hauptamtlicher Struktur stehen somit für eine in monetärer und materieller Hinsicht stärker entwickelte Anerkennungskultur für die Engagierten*.

Verbesserungswünsche der Engagierten*

Freiwilliges Engagement findet oftmals in Organisationen und Einrichtungen statt, die ihnen gewisse Rahmenbedingungen für ihr Engagement bieten. Zur Gewinnung neuer Engagierter* oder zur Motivation bereits Engagierter*, haben die Organisationen die Möglichkeit günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierfür kann es hilfreich sein, sich die Wünsche und Bedarfe der Engagierten* in Bezug auf ihre Tätigkeit anzuschauen. Hieraus lassen sich nützliche Instrumente zur Werbung, Anerkennung und Bindung der freiwillig Engagierten* ableiten.

Kultur-Engagierte*, die in Organisationen mit oder ohne hauptamtliche Struktur tätig sind, setzen teils ähnliche, teils etwas andere Prioritäten (vgl. Tab. 11).

Tabelle 11: Verbesserungsbedarfe Kultur-Engagierter* in Bezug auf die Organisation in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent). Antworten auf die Frage: „Wenn Sie an ihre eigene Tätigkeit denken, bei welchen der folgenden Punkte würden Sie sagen: Da wären Verbesserung wichtig“? (Organisation)

mit Hauptamt

ohne Hauptamt

Bereitstellung von geeigneten Räumen und Ausstattungsmitteln für die Projekt- und Gruppenarbeit

55

57

Anerkennung der Tätigkeit durch Hauptamt

43

25

Unbürokratische Kostenerstattung

42

39

Fachliche Unterstützung bei der Tätigkeit

40

38

Weiterbildungsmöglichkeiten

38

37

Anerkennung der Tätigkeit in Form von Zeugnissen, Ausweisen oder Ähnlichem

35

25

Finanzielle Vergütung für die geleistete Arbeit

29

19

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Unabhängig davon, ob die Kultur-Engagierten* in Organisationen mit oder ohne hauptamtliche Struktur tätig sind, sehen anteilig ähnlich viele Personen Verbesserungsbedarf bei der „Bereitstellung von Räumen und Ausstattungsmittel für die Projekt- und Gruppenarbeit“ (55 Prozent bzw. 57 Prozent). Bereits in den Jahren 1999 und 2004 wurde von den Kultur-Engagierten* die materielle und räumliche Situation von zahlreichen Engagierten* als besonders verbesserungswürdig eingeschätzt. Auch bei der „Unbürokratischen Kostenerstattung (42 Prozent bzw. 39 Prozent), der „Fachlichen Unterstützung bei der Tätigkeit“ (40 Prozent bzw. 38 Prozent) und bei den Weiterbildungsmöglichkeiten (38 Prozent bzw. 37 Prozent) sind anteilig ähnlich viele der Engagierten* in Organisationen mit und der Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur der Auffassung, dass die Organisation etwas zur Verbesserung ihrer Engagementsituation tun könnte.

Unterschiede zwischen Kultur-Engagierten* in Organisationen mit und in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur bestehen hingegen bei allen Kategorien, die direkt den Bereich der Anerkennungskultur betreffen. Auffällig ist hierbei, dass sich Kultur-Engagierte* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur deutlich eher als die Engagierten* ohne hauptamtliche Struktur bei der „Anerkennung der Tätigkeit durch Hauptamt“ (43 Prozent bzw. 25 Prozent), bei der „Anerkennung der Tätigkeit in Form von Ausweisen, Zeugnissen oder Ähnlichem“ (35 Prozent bzw. 25 Prozent) und bei der „Finanziellen Vergütung für die geleistete Arbeit“ (29 Prozent bzw. 19 Prozent) mehr Aktivität und Engagement seitens der Organisationen wünschen.

Insgesamt werden Verbesserungswünsche, die sich an die Organisation richten, von Kultur-Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur etwas stärker artikuliert. Aus ihrer Sicht sind die finanziell-materiellen insbesondere aber auch die qualifizierenden Rahmenbedingungen ihres Engagements zu fördern und zu unterstützen.

Der Problemdruck in Bezug auf die organisationalen Rahmenbedingungen ist dabei insgesamt breit gefächert. Ausschließlich die materielle und räumliche Situation des Engagements wird von einer Mehrheit mit der Notwendigkeit zur Verbesserung verbunden.

Forderungen der Engagierten* an Staat und Öffentlichkeit

Neben den Organisationen und Einrichtungen, in denen das freiwillige Engagement stattfindet, können auch der Staat und eine breitere Öffentlichkeit das Engagement unterstützen.

Eine kritische Haltung gegenüber dem Staat und der Öffentlichkeit, in Bezug auf gute Rahmenbedingungen für ein Engagement, ist unter den Kultur-Engagierten* sehr verbreitet (vgl. Tab. 12).

Tabelle 12: Verbesserungsbedarfe Kultur-Engagierter* in Bezug auf den Staat und die Öffentlichkeit in Organisationen mit und ohne Hauptamt (in Prozent). Antworten auf die Frage: „Bei welchen der folgenden Punkte würden Sie sagen: Da wären Verbesserungen wichtig?“ (Staat und Öffentlichkeit)

mit Hauptamt

ohne Hauptamt

Bessere Information und Beratung über Gelegenheiten zum ehrenamtlichen oder freiwilligen Engagement

66

52

Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit als berufliches Praktikum oder als berufliche Weiterbildung

56

47

Steuerliche Freistellung von Aufwandsentschädigungen

54

53

Vereinbarkeit mit dem Beruf

51

48

Steuerliche Absetzbarkeit von Unkosten

50

52

Absicherung durch Haftpflicht- und Unfallversicherung

49

55

Öffentliche Anerkennung in Form von Ehrungen und Ähnlichem

36

33

Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtet, Engagierte* mit zeitintensivster Tätigkeit in Kultur und Musik in Organisationen mit und in Organisationen ohne Hauptamt

Eher geringe Unterschiede zwischen den Kultur-Engagierten* in Organisationen mit und ohne hauptamtliche(r) Struktur zeigen sich in den Bereichen „Steuerliche Freistellung von Aufwandsentschädigungen“ (54 Prozent bzw. 53 Prozent), „Vereinbarkeit mit dem Beruf“ (51 Prozent bzw. 48 Prozent), „Steuerliche Absetzbarkeit von Unkosten“ (50 Prozent bzw. 52 Prozent) und bei der „Öffentlichen Anerkennung in Form von Ehrungen und Ähnlichem“ (36 Prozent bzw. 33 Prozent) – hier sehen anteilig ähnlich viele der Engagierten* Handlungsbedarf seitens des Staates und einer breiteren Öffentlichkeit.

Im Vergleich hierzu gehen die Einschätzungen bei anderen Bereichen deutlich auseinander. In Bezug auf eine „Bessere Information und Beratung über Gelegenheiten zum ehrenamtlichen oder freiwilligen Engagement“ fordern anteilig mehr Kultur-Engagierte* in Organisation mit hauptamtlicher Struktur als Engagierte* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur eine intensivere Aktivität durch den Staat (66 Prozent bzw. 52 Prozent). Ähnlich verhält es sich mit der „Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit als berufliches Praktikum oder als berufliche Weiterbildung“, auch hier formulieren besonders die Kultur-Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur Verbesserungsbedarf (66 Prozent). Bei der „Absicherung durch Haft- und Unfallversicherung“ möchten anteilig mehr der Kultur-Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur Unterstützung durch den Staat (55 Prozent).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Information und Qualifikation drängende Themen der Engagierten* in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur sind, die sie zur Verbesserung ihrer Engagementsituation an den Staat und die Öffentlichkeit richten. Unter den Engagierten* in Organisationen ohne hauptamtliche Struktur ist es ebenfalls eine besseren Informationspolitik seitens des Staates, die sie als ausbaufähig ansehen. Zugleich steht unter ihnen die Optimierung der materiellen bzw. finanziellen Rahmenbedingungen ihres Engagements im Zentrum ihrer Wünsche und Forderungen.

10. Zusammenfassung

Freiwilliges Engagement in Kultur und Musik lässt sich anhand der folgenden zentralen Ergebnisse zusammenfassen:

  • Ausgeprägtes Kulturengagement

Kultur und Musik zählt zu den großen Engagementbereichen, hier sind laut Freiwilligensurvey zunehmend mehr Menschen engagiert. Die Rede ist sogar von einem Wachstumsbereich. Demzufolge erfreut sich der Bereich Kultur und Musik mit Blick in die Vergangenheit einer wachsenden Beliebtheit und ist unter den Engagierte*n aktuell stark nachgefragt.

  • Internes und externes Engagementpotenzial nur mit Einschränkungen vorhanden

Engagierte* im Kulturbereich sind häufig nur bedingt bereit, sich stärker zu engagieren. Die Kultur-Engagierte*n sind oftmals „vielleicht“ und selten „sicher“ bereit ihr Engagement zeitlich auszuweiten. Auch Nicht-Engagierte*, die grundsätzlich ein Interesse haben, sich zu engagieren sind hierzu eher „vielleicht“ als „sicher“ bereit. Nicht-Engagierte* nennen darüber hinaus eher selten den Bereich Kultur und Musik als möglichen Engagementbereich für sich.

  • Sozial-politische Orientierung und Qualifizierungsbestrebungen der Engagierte*n sind hoch

Engagierte* im Bereich Kultur und Musik wollen, wie die Engagierte*n insgesamt, vor allem Spaß bei der freiwilligen Tätigkeit haben. Gleichzeitig ist es ihnen ein zentrales Anliegen „Gesellschaft im Kleinen mitzugestalten“ und „mit anderen Menschen zusammenkommen“ sowie „mit anderen Generationen zusammenzukommen“. Die Engagementmotive der Kultur-Engagierte*n stehen damit in einem besonderen Maße für einen sozial-politischen Gestaltungs- und Geselligkeitsanspruch. Qualifizierungsbestrebungen bringen vorranging die jüngeren Kultur-Engagierte*n in ihr Engagement mit. Sie wollen sich über ihr Engagement qualifizieren und aus der freiwilligen Tätigkeit etwas für den Beruf mitnehmen.

  • Häufig, aber nicht immer weiblich

Freiwillig Engagierte* im Bereich Kultur und Musik sind zumeist Frauen – sie sind im Bereich Kultur und Musik anteilig stärker engagiert als Männer. Dieser Unterschied zwischen Frauen und Männern bleibt erhalten, wenn man die Engagierte*n danach unterscheidet, ob sie im ländlichen oder städtischen Raum freiwillig tätig sind. Betrachtet man die Einbindung von Frauen und Männern in Leitungs- oder Vorstandsfunktionen zeigt sich ebenfalls eine nach Geschlecht spezifische Einbindung: Trotz einer insgesamt stärkeren Beteiligung der Frauen in Kultur und Musik übernehmen sie die genannten Funktionen weitaus seltener. Die insgesamt starke Engagementbeteiligung der Frauen verändert sich auch mit ihrem Alter. So sind ältere Frauen zu geringeren Anteilen in Kultur und Musik engagiert als ältere Männer.

  • Mittlere Altersgruppen dominieren außer in Organisationen mit hauptamtlichen Strukturen

Freiwilliges Engagement in Kultur und Musik wird stark von den mittleren Altersgruppen getragen. Ganz besonders engagiert sind die 45- bis 54-Jährigen. Im Vergleich hierzu sind jüngere Altersgruppen weniger präsent. In der Folge werden die Engagementangebote insbesondere von mittleren Altersgruppen gestaltet. Junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren sind deutlich häufiger in Organisationen mit hauptamtlichen Strukturen engagiert.

  • „Elite-Effekt“ erneut bestätigt

Formal höher gebildete Menschen sind unter den Kultur-Engagierte*n überproportional vertreten. In der letzten Sonderauswertung zum Engagement in Kultur und Musik des Freiwilligensurveys (1999-2004) wurde dieses Ergebnis als „Elite-Effekt“ beschrieben. Die stärkere Präsenz formal höherer gebildeter Menschen ist bereits unter den jungen Engagierte*n zu erkennen, da die meisten ein Gymnasium besuchen. Der Effekt macht sich unter den Kultur-Engagierte*n im städtischen Raum stärker bemerkbar. In Städten gehören zu den Engagierte*n vorrangig Menschen mit Abitur bzw. Hochschulreife.

  • Organisation und Kommunikation sind wesentliche Aufgabenbereiche

Kultur-Engagierte* beschäftigen sich insbesondere mit Organisations- und Kommunikationsaufgaben. Veranstaltungen organisieren, Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit betreiben sowie finanzielle Mittel akquirieren sind wichtige Aufgaben, die sie übernehmen. In Organisationen mit hauptamtlicher Struktur gewinnen pädagogische Aufgaben wie die Betreuung und Anleitung von Gruppen unter den Engagierte*n an Bedeutung.

Sehr häufig haben Kultur-Engagierte* eine Leitungs- oder Vorstandsfunktion, was auf entsprechende Strukturen in den Organisationen schließen lässt. Das ausgeprägte Engagement in solchen Funktionen und die damit verbundene Verantwortungsübernahme charakterisierte die Kultur-Engagierte*n bereits in der Vergangenheit.

  • Regelmäßiges Engagement der Kultur-Engagagierten

Freiwillig Engagierte* in Kultur und Musik bringen sich zu einem hohen Anteil regelmäßig ein: Die Mehrheit engagiert sich einmal bzw. mehrmals pro Woche. Zahlreiche Kultur-Engagierte*n sind zudem mindestens einmal im Monat freiwillig tätig. Dies spricht für eine relative Kontinuität des Kulturengagements und steht nicht für eine überwiegend sporadisch erfolgende Beteiligung.

  • Viel Engagement für junge Menschen, wenig für Menschen mit Unterstützungsbedarf

Freiwillig Engagierte* in Kultur und Musik wenden sich mit ihren Angeboten insbesondere an junge Menschen. Aber auch Familien und ältere Menschen gehören zu ihren Zielgruppen. Viel weniger Aufmerksamkeit bekommen Personengruppen mit Unterstützungsbedarf. Menschen die in finanzieller und sozialer Hinsicht benachteiligt sind, gehören ebenso wenig zu den favorisierten Zielgruppen, wie Menschen mit den Zuschreibungen von Behinderung oder Migration. So werden Menschen, die weniger gut in die Gesellschaft integriert sind von den Kultur-Engagierte*n weniger angesprochen. Freiwilliges Engagement erfolgt in diesem Bereich zudem innerhalb der Generationen. Das bedeutet: Ältere engagieren sich für Ältere und Jüngere engagieren sich für Jüngere. Zusammengenommen bedeutet dies, dass freiwilliges Engagement in Kultur und Musik vor allem innerhalb der eigenen Bezugsgruppe stattfindet.

  • Engagement bildet

Engagement ist ein wichtiges Lernfeld. Ein gutes Drittel der Engagierte*n in Kultur und Musik hat schon an einer Weiterbildungsveranstaltung im Rahmen ihres Engagements teilgenommen. Kompetenzen werden unabhängig davon umfänglich im Engagement erworben. Insbesondere der Erwerb von persönlichen Fähigkeiten wie „Selbstständigkeit“ und „Zeitmanagement“ wird von den Kultur-Engagierte*n überdurchschnittlich häufig als Kompetenzgewinn genannt. Ganz besonders junge Menschen konnten ihre Kompetenzen über ihr Engagement ausbauen. Vorrangig sehen sie bei sich eine Stärkung sozialer und persönlicher Fähigkeiten.

  • Präferierte Organisationsform: Verein und Selbstorganisation

Freiwilliges Engagement in Kultur und Musik ist oftmals vereinsgebunden. Mehr als die Hälfte der Tätigkeiten erfolgt im Verein/Verband. Neben dem Verein ist „Selbstorganisation“ eine überdurchschnittlich weit verbreitete organisatorische Engagementform. Ein Viertel der Engagierte*n in Kultur und Musik ist in Initiativen, Projekten, selbstorganisierten Gruppen, der Nachbarschaftshilfe oder „Allein“ freiwillig engagiert. Da Kulturarbeit vielfach in kirchlichem Umfeld erfolgt, gehören auch Kirchen oder religiöse Vereinigungen zu den bedeutsamen Organisationsformen der Kultur-Engagierte*n.

  • Hauptamtliche Strukturen verändern Engagement

Sobald hauptamtliche Strukturen vorhanden sind, liegt eine andere soziale Zusammensetzung der Kultur-Engagierte*n vor. Gibt es keine bezahlten Mitarbeiter*innen sind unter den Engagierte*n anteilig mehr Männer zu finden. Sobaldhauptamtliche Strukturen vorhanden sind, verändert sich auch die Altersstruktur der Engagierte*n. Junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren sind deutlich eher in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur engagiert als in Organisationen ohne hauptamtliche Strukturen. Hauptamtliche Strukturen können also zu einer Verjüngung der Kultur-Engagierte*n beitragen. Haben die Organisationen hauptamtliche Strukturen, vergrößern sich zudem die Bildungsunterschiede. Die Engagierte*n verfügen dann noch häufiger über ein Abitur bzw. die Hochschulreife.

Die vorhandenen Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitentscheidung werden von den Engagierte*n in Organisationen ohne hauptamtliche Strukturen besser bewertet. Das lässt sich einerseits dadurch erklären, dass diese Organisationen nur über die Tätigkeit der Engagierte*n funktionieren. Andererseits bedeutet es: Engagierte* in Organisationen mit hauptamtlichen Strukturen haben weniger Mitsprachemöglichkeiten, die ihren Vorstellungen entsprechen. Dafür werden ihnen etwas häufiger Kosten erstattet, monetäre Aufwandsentschädigungen gezahlt und Sachzuwendungen gewährt.

  • Verbesserungsbedarfe der Engagierte*n: Organisationen sind gefordert

Wie bereits in der Vergangenheit sehen viele Engagierte* in Kultur und Musik die Bereitstellung von Räumen und Ausstattungsmitteln kritisch. Sie wünschen sich von den Organisationen mehr materielle und räumliche Ressourcen für ihr Engagement. Weitere Wünsche und Forderungen, die sie an die Organisationen richten, beziehen sich auf eine unbürokratische Kostenerstattung, fachliche Unterstützung sowie auf ein ausgeprägteres Angebot an Anerkennung und Weiterbildung. Vorstellungen und Bedarfe nach Verbesserungen zu diesen Themen haben insbesondere die Engagierte*n in Organisationen mit hauptamtlicher Struktur.

  • Verbesserungsbedarfe: der Staat ist bei der Engagementförderung stark gefragt

Vom Staat und der Öffentlichkeit wünschen sich die Kultur-Engagierte*n noch häufiger eine „bessere Informations- und Beratungspolitik über Gelegenheiten zum ehrenamtlichen oder freiwilligen Engagement“, Verbesserungen bei der „Absicherung durch Haft- und Unfallversicherung“, bei der „steuerlichen Freistellung von Aufwandsentschädigungen“, bei der „steuerlichen Absetzbarkeit von Unkosten“, bei der „Vereinbarkeit zwischen Beruf und Engagement“ sowie der „Anerkennung der Tätigkeit als berufliches Praktikum oder Weiterbildung“.

Verwendete Literatur

  • Biedermann, Christiane (2012):
    Freiwilligen-Management: Die Zusammenarbeit mit Freiwilligen organisieren. In: Rosenkranz, Doris/Weber, Angelika (Hrsg.) (2012): Freiwilligenarbeit. Einführung in das Management von Ehrenamtlichen in der Sozialen Arbeit (57-66). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) (2015):
    Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen in Pflege, Sport und Kultur. Erstellt durch INBAS Sozialforschung. Frankfurt am Main.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) (2016):
    Zweiter Engagementbericht. Stellungnahme der Bundesregierung und Bericht: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/zweiter-bericht-ueber... (letzter Zugriff am 24.07.2017).
  • Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) (2017):
    Gesamtevaluation der Jugendfreiwilligendienste im Trägerverbund Freiwilligendienste Kultur und Bildung der BKJ 2015/2016. Berlin: BKJ.
  • Gensicke, Thomas/Geiss, Sabine/Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) (2010):
    Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009. Vorgelegt von TNS Infratest. Berlin: BMFSFJ.
  • Lange, Mirja/Wehmeyer, Karin (2014):
    Jugendarbeit im Takt einer beschleunigten Gesellschaft. Veränderte Bedingungen des Heranwachsens als Herausforderung. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Simonson, Julia/Vogel, Claudia/Tesch-Römer, Clemens (Hrsg.) (2017):
    Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.
  • Statistisches Bundesamt (2015):
    Wie die Zeit vergeht. Ergebnisse zur Zeitverwendung in Deutschland 2012/2013. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Anmerkungen

Die BKJ hat die Sonderauswertung des Freiwilligensurveys 2014 zum Engagementbereich Kultur in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse und daraus abgeleitete Empfehlungen der BKJ für freiwilliges Engagement in der Kultur stehen als Download zur Verfügung.